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Die Stimme · 1932-01-14 · Heft 210 (14.1.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 210 (14.1.1932)
Date
1932-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 210 ~ 14. Jänner 1933 tlifc -<. IA ,Y. h neue b Rau*,- ■ ,V v . I Inventur um jeden Preis % »nm. Damen-Mäntel Damen-Kleider Hauskleider, Blusen und Schlafröcke Gehen Sie Im Rahmen unseres großen Inventur-Verkaufes Montag und Dienstag nur von 8 bis 2 Uhr diese Ausnahms - Serien: Serie I: Strapaz-Winter- Mäntd für den Einkauf aus Relnwollstoffen, gefuttert, auch BQ« peUrerbrämt.8 9w * Serie III: Elegante Damen- Mäntel aus einfarbigen Tuch- Velour oder Modeboucld-Stoffen, mit eohter Pelzverbrämung, Beide gefüttert, nur gute Fassons (früherer Preis bis S 160), latst alle Größen nur 8 79' Serie II: Gefütterte und pelzverbrämte Frauenmäntel ans prima englischen Mode- oder schwanen, braunen oder grünen Winterstonen, RRalle Ordflen, 8 Serie IV : Vornehme Modell- Mänfpl aus feinst engl. Mode- IVldn ICl Stoff., Wollrlps o. Btrichtuch, mod. Edelpela-Verbräm. best, letztraod. Ausführ. (früh. Preis bis Oft*-. S 330), Jetzt alle Grüßen nur . . 8 90 Nutrialamm-, Fohlen- oder Elektrik-Kanin-Pelzmäntel . S ISO"-’ Cypern-Katzen- oder Moird-Kalbfohlen-Pelz-Mäntel ~ mlt echtem Fuchs- oder Bisamkragen. O ~ In die Damenkonfektion I GERNGROSSl Was nicht itn Baedeker steht Einiges vom «gemütlichen» Wien Die »Fremdenverkehrskommission" und das „Oestsrreichlsche Kongreöbureau" entfalten eine fieberhafte Tätigkeit, um Ausländer tu veranlassen. Wien zu besuchen. Angesichts unserer traurigen finanziellen Situation Bind wir In Oesterreich auf den Fremdenverkehr heute mehr angewiesen als je zuvor. Es gilt, den Ausländern gegenüber den Nachwelz zu liefern, daß sie ln Oesterreich billiger leben können als in der Schweiz und daß Oesterreichs Naturschönheiten hinter denen der Schweiz nicht zurückftaken. Insbesondere können wir aber mit Berechtigung darauf htnweisen, daß Oesterreich einen ungeheuren Schatz an Kulturwerten aller Art aufzuweisen hat und dadurch die Schweiz weit in den Schatten stellt. Man wird nun fragen, wieso Oesterreich trotz Beiner vielen Vorzüge dennoch von vielen Fremden gemieden wird. In der Vorkriegszeit gab es lm Volksmunde folgenden Witz: Eis Fremder fragt einen Einheimischen: „Bitte, wie komme loh da zur Universität?“ Der Einheimische antwortet ihm: »Gehen Sie Immer geradeaus, und zwar solange, bis Sie einige Ohrfeigen bekommen, dann sind Sie bei der Universität" Seither haben sich die Zustände an den Unlverslttten verschlechtert Es blieb nicht bei den Ohrfeigen. Die Hakenkreuzler der Nachkriegszeit arbeiten mit Totschlägern, Stahlruten und Qummiknütteln und es geht ihnen um die vollkommene Entrechtung der Juden in Oesterreich. Die Mitglieder des Rotary Weltkongresses, der vor einigen Odonaten ln Wien stattfand, waren Zeugen der Zustände an der Wiener Universität Davon hatten sie vorher nichts im Baedeker gelesen. Aber wir wissen, daß damals ausländische, nichtjüdische Kongreßmitglieder angewidert erklärten, sie hätten ln Wien etwas gesehen, was ln der ganzen übrigen sogenannten zivilisierten Welt nicht denkbar wäre. Diese naiven Ausländer konnten es einfach nicht begreifen, daß dl« Polizei ruhig zusieht wie auf akademischem Boden jüdische Studenten und Studentinnen von einer erdrückendst Mehrheit blutiggeschlagen und hinausgeworfen wurden. Um den peinlichen Eindruck bei den Kongreßmitgliedern sa verwischen, intervenierten einige der bekannten Draht- Metier bei den Gummiknüttelhelden und es trat sofort Ruhe «in. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Derzeit befinden wir uns wieder In einer ähnlichen Situation. Der Herr Unterrichtsminister hat den Hakenkreuztern die Zusage gemacht, daß er elue Gesetzesvorlage über das neue Studentenrecht einbrlngen werde und daß In dieser Vorlage der Grundsatz des „Volksbürgerrechtes" verankert sein würde. Seither hörte man nichts ln der Präge des Studentenrechtes. Das kann darauf surUckzuführen sein, daß auch viele Klerikale mit Czermaks Studentenrecht nicht einverstanden sind. Als weiterer wichtiger Gmnd kommt die außenpolitische Situation Oesterreichs dazu. Unsere Regierung muß leider Gottes wieder nach Genf betteln gehen und da würden Prügeleien an der Universität einen ungünstigen optischen Eindruek hervorrufen. Es gibt einstweilen noch Ruhe an der Universität Nach Genf wird man wieder Verschiedenes über neue Skandale an der Universität zu hören bekommen. Pie österreichische Regierung Irrt wenn sie annimmt daß das Ausland so dumm ist nicht zu merken, was ln Oesterreich tatsächlich vorgeht. Da gibt es z. B. ln Wien 41« Parfümerie Fioria am Graben. Diese Parfümerie nennt sich »arische Firma" und bildet öfters den Gesprächsstoff; auch in amerikanischen und englischen Blättern, well ln den Gescbäftsauzlagen Zeitungsausschnitte aus antisemitisohen Zeitungen und Briefe antisemitischen Inhaltes ausgehängt waren. Ueber Intervention der Kultusgemelnde verbot die Polizei das Aushängen dieser Pamphlete und seither prangt ln der Auslage als Ersatz der diesbezügliche Erlaß der Polizeibehörde und beim Eingang in das »arische" Geschäft die Ankündigung: »Auf jüdische Kunden wird nicht reflektiert“. Wir glauben nicht, daß ln einem zweiten Kulturgtaat der Weit die Behörde derartige Ankündigungen dulden würde. Die österreichische Oeffentllchkelt soll nun aber wiesen, wie man lm Auslande über Oesterreich denkt und warum das Ausmaß des Fremdenverkehres so sehr hinter den Erwartungen surüokblelbt. Das „Oesterrelchische Kongreßbureau" bemüht sich, die Abhaltung von lnternatlo. nalen Kongressen ln Wien durchzusetzen. Als nun das „Oeatorreloblsche Kongreßbureau“ davon hörte, daß jüdische Kreise Amerikas einen jüdischen Weltkongreß vorbereiten, wandte es sich an das bereits bestehende Bureau de« Jüdischen Weltkongresses mit dem Ersuohen, den Kongreß In Wien abzuhalten- Wir sind nun ln der Lage, die dem „Qesterreichlschen Kongreßbureau“ zuteil gewor. den« Antwort unseren Lesern mitzuteilen. Dieselbe lautet lg deutscher Uebersetzungi »New York. 14. Dezember 198L An das Sekretariat des Oesterreiohlschen Kongreßbureaus, Wien, I., Ellsabethstraße 1. Sehr geehrter Herr! Wir empfingen Ihr« geschättte Mitteilung, die sieb mit unserem Plan eines Jüdischen Weltkongresses beschäftigt, und Ihre Einladung, diesen Kongreß in Wien absuhalten. Es wird natürlich noch einige Zeit dauern, bevor die Idee des Kongresses realisiert werden wird. Nichtsdestoweniger möchte loh Ihnen folgendes mltteilen: Ich und meine Freunde würden jederzeit gerne naoh Wien kommen. Trotzdem müssen wir es uns lange überlegen, bevor wir Ihre Stadt für di« Abhaltung des Kongresses bestimmen. Sie werden steh erinnern, daß vor einigen Jahren der Zionistische Kongreß in Wien abgehalten wurde. Seine Tagung war von skandalösen antisemitischen Ausbrüchen begleitet, die ihresgleichen suchten. Viele Kongreßteilnehmer wurden ln den Straßen belästigt und attackiert, Der Kongreß konnte seine Beratungen nur unter dem Schutze von einigen tausend Polizisten abhalten. Das Kongreßgebäude bot den Anblick einer belagerten Festung. Ste werden uns daher beistimmen müssen, daß wir unter solchen Umständen nicht geneigt sein können, den Jüdischen Weltkongreß, wenn er zustande kommen sollte, in Ihrer Stadt abzuhalten. Ihre Absicht, die Interessen Ihrer Stadt zu fördern ist sehr lobenswert Gehört doch Wien, das so vlole Schätze einer alten Kultur beherbergt zu den schönsten Städten der Welt. Anderseits müssen wir Ihnen zu unserem Bedauern sagen, daß wir nur dann daran denken könnten nach Wien zu kommen, wenn wir sicher wären, alz willkommene Gäste empfangen zu werden und nicht Beschimpfungen und häßlichen Angriffen ausgesetzt zu sein. Sie würden steh ein bemerkenswertes Verdienst um Wm «ad Oesterreich erwerben, wenn Sie alle Aostiwagrungen machen würden, Ihre Stadt von der Schande zu befreien, mit der sie die stattgefundenen Manifestationen der Intoleranz und des Klasaenhasse? bedeckt haben. Es erscheint daher von Jedem Gesichtspunkt aus höchst wünschenswert daß ein neuer und weitblickenderer Geist die schöne Stadt Wien durchdringen würde. Ich zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Stephen S. Wlse.“ Zu diesem Brief ist jeder weitere Kommentar überflüssig. Wir fragen aber die Regierung bei dieser Gelegenheit nochmals, wie lange sie es noch dulden wird, daß der Ruf Oesterreiohs im Auslande duroh die antisemitischen Umtriebe ln den Kot gezerrt wird. Wir wollen bei dem vorliegenden Beispiel bleiben. Bel dem jüdischen Weltkongreß wäre mit mindestens 500 Delegierten aus der ganzen Welt und mit mindestens 260Q österreichischen Kongreßbesuchern zu rechnen. Wir gehen nicht fehl, wenn wir annehmen, daß dieser Kongreß bei achttägiger Dauer mindestens eine Million Schilling nach Wien bringen würde, ganz abgesehen von dem Geldumsatz aus den Einkäufen der Ausländer, aus neu angeknilpften Geschäftsbeziehungen usw. Wir Juden sind ln Oesterreich leider so schwach, daß unser Wort bei der Regierung nicht viel gilt Aber es handelt sich gar nicht um eine rein jüdische Angelegenheit Auch die christlichen Handel- und Gewerbetreibenden müssen es beklagen, daß eine unreife, politisch verhetzte Universitätsjugend ausländischen Besuchern den Aufenthalt in Wien verekelt und damit der österreichischen Wirtschaft unwiederbringlichen Schaden zufügt. Wir sagen es der öeterreiolhschen Wirtschaft mit aller Deutlichkeit, daß das Ausland nlcbt so dumm ist als vice versa manche politische Größen gescheit zu sein glauben. Wir Juden Oesterreichs verlangen, daß die gesamte österreichische Wirtschaft darauf dringt, daß endlich an den österreichischen Hochschulen den Gesetzen Geltung geschaffen wird und daß man uns als Staatsbürger auch im politischen Leben Oesterreichs Jene Rechte einräumt die uns pach der Verfassung zustehen. Die Herbeiführung dieses verfassungsmäßigen Zustandes wird den Oesterreichern ohne Unterschied der Nation wirtschaftlich nur Nutzen bringen. Solange jedoch die Ausländer fürchten müssen, daß sie ln Oesterreich unangenehmen Dingen ausgesetzt sein könnten, die nicht im Baedeker stehen, ist zum Schaden der ganzen österreichischen Wirtschaft mit einer Hebung des Fremdenverkehres kaum zu rechnen. Eine 100.000 Dollar-Anleihe für Palästina wird in Amer.kn aufgebracht In einer Aussprache mit den Mitgliedern des Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas betonte der vor kurzem ln New York eingetroffene Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, die dringende Notwendigkeit der Aufbringung einer Anleihe ln Amerika für das Werk der Jewish Agency in Palästina. Dis Gelder der Anleihe, sagte Sokolow, müssen sofort flüssig gemacht werden, da eine durch Geldmangel erzwungene Untätigkeit der Jewish Agency in Palästina die Position der Agency unhaltbar machen würde; besonders würden die Beziehungen der Jewish Agency zur englischen Regierung und zu deren Administration ln Palästina unter einer solchen Untätigkeit ernstlich leiden. Das Mitglied der Zionistischen Exekutive Emanuel Neuman teilte mit, daß Verhandlungen zur sofortigen Aufbringung einer Anleihe ln Höhe von 100.000 Dollar bereits eingeleitet worden sind. Palästina ein Handelszentrum für ganz Asien Eine Erklärung Baron Edmond de Roth* Schilds Paris, 11. Jänner. (J. T.-A.) Baron Edmomd de Rothschild, Ehrenpräsident der Jewish Agency, empfing den Misrachi-Führer und früheren Deputierten des polnischen Sejm H. Farbstein, Mitglied der Zionistischen Exekutive, und gab im Verlaufe der Unterhaltung ihm gegenüber die folgende Erklärung ab.: Ich glaube, daß Palästina das Handelszentrum für ganz Asien werden wird. Entwicklung von Handel und Industrie hat für Palästina die gleiche Bedeutung wie die der Landwirtschaft, vor allem aber müssen wir darauf sehen, daß genug für den lokalen Verbrauch produziert wird. Ich freue mich darüber, daß der Misrachi die Mittelstandseinwanderung fördert. Lord Reading unter den Studenten der hebräischen Universität Jerusalem, 4. Jänner. (J. T.-A.) Als Lord Reading am vergangenen Freitag die Hebräische Universität in Jerusalem besucht hat, wurde ihm von den Professoren und Studenten ein sehr warmer Empfang zuteil. Die Studenten überreichten Ihm ein Memorandum, in wel* ehern auf die tragische Lage der jüdischen Studierenden an den Universitäten in Osteuropa und in anderen Tellen Europas im Zusammenhang mit der antisemitischen Studentenbewegung und der unterschiedlichen Behandlung der Juden seitens der Universitätsbehörden hingewiesen und an Lord Reading appelliert wird, dahin zu wirken, daß einer größeren Zahl jüdischer Studierenden geholfen wird, nach Jerusalem zu kommen und an der Hebräischen Universität die Studien fort* zusetzen.

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