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Die Stimme · 1932-01-14 · Heft 210 (14.1.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 210 (14.1.1932)
Date
1932-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr, 210 — 14. Jänner 1932 Zionistenf Verlangei Immer und überall Eure Zeitung »DIE STIMME« Julius Rosenwald gestorben Dev reichste Jude der Gegenwart und einer der größten flitfisehen Philanthropen in der Geschichte Am Mittwoch, den 6. Jänner, abends, verstarb in seinem Heim In Chicago Herr Julius Rosenwald im Alter von 69 Jahren. Er galt als der reichste Jude der Oegenwart und als einer der größten jüdischen Philanthropen in der Geschichte. Julius Rosenwald wurde am 12. August 1862 in Springfield, im Staate Illinois, geboren. Er kam in jungen Jahren nach New York, wo er seine geschäftliche Laufbahn als Angestellter der großen Bekleidungsfirma Hammerslough Bros, begann. 1885 trat er in die Firma Sears Roebuck & Co. in Chicago, das größte Postversandgeschäft der Welt, ein und wurde 1910 deren Präsident. Seit vielen Jahren betätigte sich Julius Rosenwald auf jüdischem und nichtjüdischem sozialen Gebiete. Das American Joint Distribution Committee unterstützte er seit dessen Bestehen. 1925 spendete er für den United Jewish Campaign des J. D. C. eine Million Dollar, 1928 gab er fünf Millionen Dollar für das vom Agrojoint geführte jüdische Kolonisationswerk in Rußland, das unter der Leitung von Dr. Joseph Rosen steht. Rosenwald wurde neben Felix M. Warburg Ehrenpräsident des Agrojoint. Er betätigte sich auch auf dem Gebiete des jüdischen Rechtsschutzes, gehörte unter Louis Marshall dem Vorstand des American Jewish Committee an und wurde nach Marshalls Tode Vizepräsident des Committee. Für den Louis-Marshall-Gedächtnisfonds des Jewish Theologicai Seminary of America spendete Rosenwald 500.000 Dollar. Julius Rosenwald war einer der wenigen führenden Persönlichkeiten im Joint Distribution Committee und Im American Jewish Commitee, die der durch Bemühungen von Louis Marshall und Felix AL Warburg geschaffenen erweiterten Jewish Agency nicht beitraten. Dabei erklärte er, daß seine Nichtbeteiligung an . der Palästina-Bewegung keineswegs bedeuten solle, daß er ein Gegner des Zionismus ist. Als nach Erscheinen des Passfield-Weißbuches die Erregung der amerikanischen Judenheit gegen die englische Politik in Palästina hoch ging, erschien Julius Rosenwald in der in New York stattgefundenen großen Protestversammlung und hielt sogar von der Tribüne aus eine Ansprache, in der er erklärte, daß er sich mit der von der amerikanischen Judenheit in dieser Frage angenommenen Haltung identifiziere. Von Rosenwalds Schenkungen für allgemeine philanthropische Zwecke sind besonders hervorzuheben: Zwei Millionen Dollar für die Universität von Chicago; drei Millionen Dollar für ein Chlcagoer Museum für Industrie; eine-Million Dollar für Hilfsarbeit in Osteuropa ohne Unterschied der Konfession; drei Millionen Dollar für Schulen in den Negerterritorien Nord- All das wäre noch nicht schlimm. Dümmer ist es schon, wenn sie mich für unsaubere Geschichten haben wollen. Kommt da zu Beispiel einer und sagt: Schalom, ich will mit dir ganz offen reden. Ich bin ohne Aufenthaltserlaubnis hier. Das heißt, mein Visum Ist vor zwei Monaten abgelaufen. Geh, sei doch so gut, und bitte Tor&s, deinen berühmten Rechtsanwalt von damals, daß er meine Verteidigung übernimmt Habt Ihr den Artikel heute im Pariser «Hajnt» gelesen? Nein? Da waren doch die Pogrome in Saloniki, und die Liga gegen den Antisemitismus in Paris hat eine Protestversammlung abgehalten. Das hat die Nationalisten in Griechenland sejir aufgeregt, und sie drohten mit einem zweiten Pogrom. Und was schreiben sie hier dazu in einer jüdischen Zeitung? — Sie schmeicheln der griechischen Regierung und drohen nur, daß, wenn wieder etwas passiert, sie wieder eine Protestversammlung abhalten würden... Das ist der Fluch des Galut. Keine Organisation, kein Selbstschutz, sondern nur Protestversammlungen. Mir kocht das Blut, wenn ich so etwas höre. Und was sagt Ihr dazu, daß man mir die Einreise nach Palästina verboten hat? Ich wäre ein gefährliches Element fürs Land, sagen sie. Und warum? Weil ich mit ganzem Herzen und ganzer Seele bauen möchte. Mithelfern Ich habe mich nicht über Frankreich und meine Nachbarn hier zu beklagen. Aber ich will nicht nur Nachbar sein und geduldet. Ich will an einem jüdischen Weinberg arbeiten.» * Schalom Schwarzhart stockt plötzlich. Er sieht sich um und schweigt. Ich stecke mein Notizbuch ein. Was er gesagt hat, steht ja drin. Wörtlich. Es bedarf keiner Kommentare. {«Israelitisch^ FamiUenblatUi amerikas sowie unzählige kleinere und größere Beiträge für kulturelle, religiöse und soziale Zwecke in Amerika und in Europa. Am 1. Jänner 1928 wurde der von ihm gegründete «Jullus-Rosenwafd-Fund» durch Rosenwalds Schenkung von 100.000 Aktien der Sears Roebuck & Co. auf 22 Millionen Dollar gebracht. Dieser Fonds wird von Trustees verwaltet, die gehal- S'oü* nK mxin Jaffa-Orangen. Grape Fralf Karmel-Weine, Kognak Schemen-OllvenSl Chedera-Hontg liefert zu billigen Preisen direkt Ins Haus Samuel Haluern Wie«, II., FOrsfevqasee 6 Tal. A 4M.1) ten sind, das Kapital binnen 25 Jahren nach Rosenwalds Tode zu verteilen. Im August 1931 spendete er eine Million Dollar für die Errichtung einer Kinderzahnkiinik in Berlin, die Berliner Stadtverwaltung hat Rosenwald für diese Stiftung den Dank der Stadt ausgesprochen. Julius Rosenwalds Dienste für die Menschheit wurden anerkannt durch die Verleihung der Harmon- Medaille für internationale Arbeit, und der Gotthein- Medaille für die größten Verdienste um die Judenheit an ihn. Seine fünf Kinder gründeten, wie schon mitgeteilt, die «Rosenwald Family Association» zur Fortführung seines philanthropischen Lebenswerkes. Die Hinterlassenschaft Julius Rosen walds N e w Y o r k, 8. Jänner (J. T. A.). Ueoer die Höhe des hinterlassenen Vermögens Julius Rosenwalds gehen die Meinungen auseinander; es wird auf 300 bis 600 Millionen Dollar geschätzt. Rosenwald hat zu seinen Lebzelten rund 55 Millionen Dollar für karitative, religiöse und erzieherische Zwecke ausgegeben. Sein Testament ist noch nicht geöffnet worden, so daß noch Ungewißheit darüber herrscht, ob Rosenwald irgendwelche große Vermächtnisse für karitative Zwecke hinterlassen hat. Es besteht der 35-Millionen- Dollar-Julius-Rosenwald-Fund for Promoting Human Welfare (Fonds zur Förderung menschlicher Wohlfahrt), der laut Verfügung Rosenwalds innerhalb 25 Jahre, vom Tage seines Ablebens gerechnet, samt Zinsen verausgabt werden muß. Chaim Nachman Bialik in Berlin Appell des berühmten Dichtere an die Judenheltf dam hebräieche Schrifttum su fördern Dichter Chaim Nachman Bialik, der in Tel-Aviv seinen ständigen Wohnsitz hat, macht gegenwärtig eine Reise durch Europa, um für die Stärkung des hebräischen Schrifttums und die Vebreitung des hebräischen Buches zu wirken. Am Tage seines Eintreffens in Berlin, dem 7. Jänner, veranstalteten ihm zu Ehren die Berliner Zionistische Vereinigung, der Hebraisten-Weltverband und der hebräische Kuiturklub Beth Am Iwri einen Empfangsabend, dem fast alle führenden 'Zionist und' "HeBrälsfeinBerlins.. und Vertreter der« Jugend beiwohnten. Der große Logenhaussaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bialik umriß in jiddischer Sprache die 2000jährige Diaspora-Geschichte der hebräischen Sprache und des hebräischen Schrifttums. Die hebräische Sprache hat immer die zerstreuten Teile des Judentums zusammengekittet. Teile des Judentums im Westen Europas, die, wie z. B. die Bewegung unter Zunz und Geiger in Deutschland, sich von der hebräischen Sprache lossagten und die jüdische religiöse Kultur an die Landessprachen ketten wollten, haben sich damit zugleich auch von der Gesamtjudenheit isoliert. Es liegt aber ein Symbol für die Unbesiegbarkeit der hebräischen Kulturidee darin, daß im selben Berlin, wo Zunz und Geiger wirkten, ein Teil der hebraistischen Wiederbelebungsarbeit getan wurde. Hier wurde der große hebräisch* Verlag «Dwir» gegründet und gab, noch vor seiner Uebersiedlung nach Tel-Aviv, hebräische Standardwerke heraus, hier ist auch die Weltbewegung zur Erhaltung von hebräischer Sprache und Kultur entstanden. Die hebräische Sprache ist es, die jüdischen Schöpfungen Ewigkeitswert gibt. Denn nur das, was hebräisch geschrieben oder in Hebräisch übertragen wird, bleibt erhalten. Alles andere geht verloren. Maimonides (Rambatn) hat Vorsorge getroffen, daß sein «Führer der Irrenden» und andere seiner Werke, die er selbst nicht hebrüi9ch schrieb, ins Hebräische Überträgen wurden. Im hebräischen Schrifttum ist der schöpferische Genius des Judentums ausgeprägt. Seit der Emanzipation hat sich das Judentum in den westlicheii Ländern mehr und mehr von seinem Lebensquell entfernt. Das Schöpferische hörte auf, und es begann das Werk der Geschichtsforscher und der Kommentatoren. In den osteuropäischen Ländern aber setzten die Juden unter ungeheuer schweren Bedingungen das schöpferische Werk fort. Die neue hebräische Dichtung blühte dort auf. Dort wird Geschichte gemacht, nicht Geschichte geschrieben. Bialik schilderte die Lage des hebräischen Schrifttums und der hebräischen Schriftsteller in Palästina und in Europa und richtete einen flammenden Appell an die Zuhörer, sich der in vielen Ländern jetzt vor sich gehenden Aktion zur Förderung des hebräischen Schrifttums und Verbreitung des hebräischen Buches anzuscMießen. Das amerihanisclie Pro-Palistina- Die vom amerikanischen Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Emanuel Neuman, eingeleitete Aktion zur Gründung eines Pro Palästina-Komitees führender nichtjüdischer Persönlichkeiten in den Vereinigten Staaten ist nun einen Schritt weitergekommen. Nachdem schon vor mehreren Tagen eine Gruppe führender Senatoren und Kongreßmitglieder einen Plan praktischer Unterstützung des Aufbaus des Jüdischen Nationalhelms in Palästina, der für das jüdische Werk in Palästina von großer Bedeutung sein kann, gefaßt hat, hat sich nun, wie die Jüdische Telegraphenagentur erfährt, der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Herr Charles D. Curtis, an die Spitze der Aktion gestellt Herr Curtis, der sich im Jahre 1922 im Senat der Vereinigten Staaten energisch für die Annahme der Resolution betreffend Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina eingesetzt hatte, lud soeben Herrn Emanuel Neumann und Professor Felix Frankfurter, der bekanntlich die zionistische Sache vor der Friedenskonferenz ln Versailles im Jahre 1919 mit vertreten hatte, ein, vor einer größeren Gruppe Senatoren, Kongreßmitglieder und hoher Regierungsbeamter über die zionistische Bewegung und die Frage des Jüdischen Nationalhelms in Palästina zu referieren. Die Versammlung wird noch Im Verlauf des Monats Jänner in Washington stattfinden. Vizepräsident Curtis steht an der Spitze des Komitees führender Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten, das die Einladungen zu der Versammlung versandt hat erfüllen Erklärung Cunliffe-Listers an Nahum Sokolow New York, 10. Jänner. (J. T.-A.) Am 7. Jänner abends fand im Hotel Astor zu Ehren des Präsidenten der Jewish Agency Nahum Sokolow ein Empfang statt dem über 3000 Personen helwohnten, Sokolow hielt eine Ansprache an die Versammlung, ln der er an die amerikanische Judenheit appellierte, das Aufbauwerk in Palästina aus seiner gegenwärtigen katastrophalen Situation zu retten. Die Worte Sokolows machten tiefsten Eindruck auf die Versammlung. Es folgte eine Ansprache von Dr. Nahum Goldmann, der von den Versammelten stürmisch akklamiert wurde. In der Versammlung wurde ein Telegramm des englischen Kolonienministers Cunliffe-Llster an Nahum Sokolow verlesen, in welchem es heißt: Großbritannien wird die Balfour-Deklaration dem Buchstaben wie dem Geiste nach erfüllen. Man hält den Verlauf des Abends für einen glücklichen Auftakt zur gegenwärtigen Keren Hajessod- Aktion ln Amerika, die unter der Leitung von Nahum Sokolow, Felix M. Warburg, Richter Julian W.Mack, Emanuel Neuman, Rabbi Dr. Stephen S. Wise und Jacob de Haas steht. B«rl Locker in Berlin Berlin, 10. Jänner. (J. T. A.) Das Mitglied der Zionistischen Exekutive Bert Locker ist in Berlin eingetroffen, Et nimmt an der Berliner zionistischen SUdtlconfeops ~

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