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Die Stimme · 1932-01-14 · Heft 210 (14.1.1932) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 210 (14.1.1932)
Date
1932-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 210 — 14 Jänner 1032 DIE STIMME Seite 3 Der größte hebrätsche Dichter der Gegenwart, Ehrenpräsident des hebräischen Penklubs und Ehrenmitglied des internationalen Penklubs Chcrim Nachman Bkriik spricht im OroBen KonZCrIlMMSSaal PatüsUna-Bvief Von Juilan L. Melixev Jerusalem, 16. Dezember 1931. Ausstellung Die rührige Gesellschaft Mischar w’Taasia in Tel- Aviv organisiert wieder eine Palästina- oder besser gesagt Levante-Ausstellung in dieser Stadt für den nächsten April, und allen Anzeichen nach werden trotz (oder wegen) der schlechten Zelten eine große Anzahl von Fabrikations- und Handelszweigen dort vertreten sein. Diese Ausstellungen haben bisher den Besucher immer durch die Möglichkeiten der palästinensischen Produktion in Erstaunen gesetzt. Tozereth Haarez (Heimische Produktion) ist in den letzten Jahren nicht nur größer, sondern auch besser geworden. In Verbindung mit dieser Ausstellung ist eine Reihe besonderer Attraktionen geplant, und die Makkablade, die um diese Zeit ebenfalls stattfinden soll, wird auch abgesehen von den Teilnehmern Besucher anziehen. Die Eisenbahnen und die meisten Schiffsgesellschaften haben ihre Fahrpreise für diese Gelegenheit ermäßigt, und man sollte diese Erleichterungen. ausnützen, um Palästina im Frühling zu besuchen. Volkszählung Die Ziffern über die Volkszählung in Palästina wurden bereits veröffentlicht. Die Bevölkerungszahl im November 1931 belief sich auf 1,035.154, was gegen 757.182 vor neun Jahren eine beträchtliche Vermehrung bedeutet. Selbst die Zahlen aus den Städten zeigen einen erheblichen Zuwachs und enthüllen ' die erstaunliche Tatsache, daß die Gesamtbevölkerung von Tel-Aviv und Jaffa die Jerusalems übertrifft. Tel-Aviv zählt 46.109 Einwohner und Jaffa 51.876, zusammen 97.985, Jerusalem dagegen nicht mehr als 90.526 Seelen gegen 75.000 vor neun, Jahren. Nach dem Ergebnis dieser Volkszählung ist die Bevölkerung in rein arabischen Distrikten um weniger als y% Prozent gewachsen, dagegen um 30 Prozent in gemischt arabisch-jüdischen Bezirken, < die eine wirtschaftliche Entwicklung aufweisen. Insgesamt ist eine Vermehrung um 30 Prozent zu verzeichnen. Von großer Bedeutung sind die Zahlen des Inspektors der Volkszählung «nach religiösen Bekenntnissen». Es gibt 759.952 Mohammedaner, 175.000 Juden, 90.607 Christen und 9589 Angehörige anderer Religionen. Diese letzte Ziffer umfaßt auch alle, die sich als zu keiner Religion zugehörig bezeichnet haben sowie 600 Agnostiker. Der Volkszählungsinspektor bemerkt, daß «die Einteilung der Bevölkerung nach Konfessionen nicht notwendigerweise übereinstimmt Bei Schalom Schwarzbart In dieser Woche jährt sich zum viertenmal der Tag, an dem das Pariser Schwurgericht den Uhrmacher Schwarzbart, angeklagt wegen seines Attentates gegen Simon Petljura, dem Hetmann der ukrainischen Pogrombanden, — freigesprochen hat. Schwer ihn zu fassen. Den ganzen Tag über läuft er in Paris als Versicherungsagent umher, und gegen Abend fährt er in die Banlieu hinaus zu seinem Häuschen dort, in einem kleinen Dorf. Es gehört etwas Boden zu diesem Haus. ,Da steht er dann und gräbt und pflanzt und gießt. Seit sechs Monaten erst hat er dies Haus. Aber die französischen Bauern haben ihn schon Heb gewonnen, daß sie ihn einstimmig zum Bürgermeister wählten. Nur mit Mühe hat er sich der Bürde dieser Würde entziehen können. Ich habe Glück. Ich treffe ihn im Hause eines Nachbarn. Wenn ich direkt zu ihm selbst gegangen wäre, — er hätte sich wahrscheinlich verleugnen lassen. Denn er treibt die Besucher von sich fort wie lästige Fliegen. Er Ist als Mensch zu bescheiden, um Interviews geben zu können. * Als ich in eines seiner Nachbarhäuser komme, in der Türe stehe, legt die Frau des Hauses die Finger auf die Lippen: «Pst, Schalom spricht», sagt sie. Ich höre: «Ich weiß nicht, qb ihr verstehen könnt, wie sehr mir das wehtut, wie mich das beleidigt und wie mich das unglücklich macht. Die Kunden sagen: Ach, das ist ja Schalom Schwarzbart. Nebbich. Man muß ihm etwas zu verdienen geben. Man muß sich durch ihn versichern lassen ... Om beißt; Sie selbst lassen sieb bei mir nicht mit der Einteilung der Bevölkerung seitens der anerkannten religiösen Gemeinschaften», ein sehr vorsichtiger Hinweis, soweit dies die Juden angeht, auf das Bestehen der Knesseth Israel als der organisierten palästinensischen Judenheit und denjenigen Mitgliedern der Agudath Jisrael, die sich nach der Gemeindeverordnung von 1926 als eine besondere Körperschaft organisiert haben. Die Zahl von 175.000 Juden in Palästina bestätigt erfreulicherweise unsere eigenen Ziffern. Vor neun Jahren waren es nur 83.794, sodaß wir einen Zuwachs von über 100 Prozent verzeichnen können. Die Mohammedaner zählten damals 590.890, jedoch wenn ihre Vermehrung in absoluten Ziffern auch tatsächlich sehr groß ist (wobei man in Betracht ziehen muß, daß die Beduinen im Jahre 1931 mitgezählt wurden, was 1922 nicht der Fall war), so ist bei den Juden die prozentuale Vermehrung größer. Es gibt 17.000 mehr Männer als Frauen im ganzen Lande, in den Städten allein beträgt das Plus 7000, sodaß die Heiratsaussichten in Palästina viel besser sind, als anderswo. Bäume Am 23. Jänner wird man in Palästina das Neujahr der Bäume feiern. In diesen Zeiten der Regeneration pflegt man alten Gebräuchen in Israel eine zeitgenös- LIGA FÜR DAS ARBEITENDE PALÄSTINA IN ÖSTERREICH Samstag, 16. Jänner 1932, präzise Y28 Uhr abends, im Festsaale, IV., Treitlstraße 3 (Neubau der gastgewerblichen Krankenkasse) Abend jüdischer Kunst Programm: Klarinettenquintett — Stein Suite für Streichquartette und Klarinette von A. Krein. Hilde Dulitzkaya Hebräische Lieder und jiddische Volkslieder. Jüdischer Gesangverein Dirigent: 1. Brandmann. Lieder von Erdstein, Braclawski u. a. Gertrude Kraus und ihre Gruppe Neue Tänze aus dem Volksleben, orientalische Tänze, biblische Tänze u. a. Restliche Karten bei: Poale Zion—Hitachduth, I!., Blumauergasse 1, und an der Abendkasse. versichern, schicken nur andere. Mich kümmert das ja nicht. Es ist ja ihre Privatangelegenheit. Aber Mitleid mit mir haben wollen, mit mir, der ich die weinerliche Wehleidigkeit des Galutjuden so abgründig hasse, das kann ich einfach nicht ertragen. Ich erinnere mich, als ich im Gefängnis saß, rechts von mir ein Mörder, links ein Dieb, hinter mir ein Spion, dann herauskam und die ganze Welt von dem Prozeß sprach, von meinem Schuß auf diesen Pogromhäuptling... haben Juden zu mir gesagt:‘hörmal, du, Schalom, du brauchst dich nicht zu sorgen, du hast dein Glück schon gemacht... Du brauchst nicht mehr zu arbeiten. Uns gesagt... Hört ihr? Kein Dankeschön, kein Zeichen der Sympathie, nichts von Anerkenntnis der Tat, sondern nur dieser Galut-Stoßseufzer: für dich wird die Welt schon sorgen. So, als ob ich mit dem Schuß mein Glück hätte machen wollen. Damals haben sie mich nicht verstanden, und jetzt regen sie sich auf. Wie, sagen sie, das jüdische Volk hat dich einfach sitzen lassen? Du mußt Versicherungsagent sein? Als ob ich etwas von den Juden haben wollte! Ich habe ein paar Hände und kann arbeiten und will arbeiten, und nicht, daß man mich unterstützt, weil ich Schwarzbart bin., Damit beleidigt ihr ja euch noch viel mehr als mich. Ich verzichte auf diesen ganzen Poesiestroni, den die Zeitungen über mich ergehen lassen. Richtig, es hätte mich beinahe das Leben gekostet, aber muß man deswegen zu mir kommen wie zu einem Heiligen? — Bin ich ein Rabbi? Ein Wundertäter? Eines schönen Tages klopft es bei mir. Ich öffne. Es ist eine Frau. Sind Sie Schalom Schwarzbart? Ja. Kaum habe ich das gesagt, fällt die Frau mir um den Hals und beginnt mich abzuküssen. Bis ich halbohnmächtig auf einen Stuhl falle. Schließlich kommt mir meine Frau zu Hilfe. Wir setzen die Besucherin sische Bedeutung zu geben; und auch bei diesem Fest nehmen gerade die Kinder Erez Israels an den Beziehungen der Vergangenheit zur Gegenwart einen hervorragenden Anteil. Chag Hailanoth, das Fest der Bäume, ist seit alters her unauflöslich mit der jüdischen Geschichte verbunden; aber der Jugend blieb es Vorbehalten, mit ihrem Enthusiasmus diese Sitte zu dem Zweck der Aufforstung des entwaldeten Landes neu zu beleben. Diesem Ziel dient der Baumfortds des Keren Kayemeth Lej israel. Alljährlich haben did Schulen einen Feiertag; die Kinder ziehen mit Fahnen und mit Grün geschmückt ins Freie, und jedes pflanzt seinen Setzling. Hier wird der nationale Feiertag mit dem Nützlichen verbunden, denn Bäume sind in diesem lange vernachlässigten und öden Lande ebenso eine Notwendigkeit, wie die Erlösung des Bodens selbst. Haifa Die Fertigstellung des großartigen Hafens macht schnelle Fortschritte. Der große Wellenbrecher hat beinahe die Rundung erreicht, in die er auslaufen soll, obwohl noch ein gut Teil Arbeit zu tun bleibt. Die Vorarbeiten für die Konstruktion des Hauptpiers sind beendet worden, und die Baggerarbeiten für die notwendige Fundamentierung wurden vergeben. Am II. Juli begann man mit der Konstruktion der Mauer durch Taucher. Jetzt arbeiten regelmäßig acht Taucher, und bisher ging die Arbeit schnell vorwärts. Etwa 3700 Zementblöcke wurden bis jetzt verlegt, von denen jeder durchschnittlich sieben Tonnen wiegt. Vor kurzem wurde mit den Baggerarbeiten im Hafen selbst begonnen; es sind etwa 1,750.000 Kubikmeter auszuheben. Der Kontrakt mit der Bäggerfirma sieht die Beendigung dieser Arbeiten bis Februar 1933 vor. Im Steinbruch bei Athlit wird eine umfangreiche und ständige Produktion fortgesetzt. Während der letzten Monate wurde ein Maximum an Arbeit geleistet, wodurch die im letzten Winter durch stürmisches und schlechtes Wetter verursachte Verzögerung wieder aufgeholt wurde. Wie bekannt, gehören dem Keren Kajeraeth - im Hafengebiet 33.000 Dunam Boden, der Bayslde Land Corporation (eine Tochtergesellschaft der Palestine Economic Corporation von New York) 5000 Dunam, die für Ansiedlung benützt werden sollen. Die Amelioration der Ländereien ist durchgeführt, und mit dem großen Hafen wird sich dieses Areal ebenfalls entwickeln. Ueber 6000 Aerzte bestätigen die hervorragende, schmerzstillende und heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen, gichtischen und nervösen Schmerzen. Auch‘ bei Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten altbewährt. Die Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal-Tabletten sind absolut unschädlich und üben weder auf den Magen, die Nieren oder andere Organe einen schädlichen Einfluß aus. aufs Sofa und beruhigen sie. Ich frage: Woher sind Sie gekommen? Es stellt sich heraus, daß'es eine hebräische Lehrerin aus Danzig ist. Sie war verheiratet und hat sieh meinetwegen scheiden lassen urid ist hergekommen, um mir ihre Dienste anzubieten. Weil sie kein Geld hatte — zu Fuß hlehergekqmtnen. Natürlich hat sie meine Frau hinausgeworfen, was denn sonst. Uebrigens, ich habe ihr dann noch das Geld für die Rückreise geben müssen... Eine andere kommt aus Argentinien hierher angereist und fragt meine Frau, wann sie mich sehen kann. Meine Frau hat schon genug von den Besuchen und sagt, ich sei .krank und läge im Spital. Da bringt mich doch gerade der Teufel ins Haus. Die Frau brüllt: ich könnte schwören, daß das Schalom ist. — Sie irren, sage ich kühl, ich bin nur sein Verwandter, wir sehen uns deshalb so ähnlich. Was soll ich euch sagen — zwei Wochen hat sie mir den Kopf verdreht, daß ich sie zu Schalom Ins Krankenhaus führen soll. Schließlich bin ich sie doch losgeworden und sie ist verzweifelt nach Argentinien zurückgefahren. So kommen Hunderte. Es sind viele Tragödien und viele Komödien in diesen Besuchen. Einmal kommt eine Frau und sagt: Schalom, du mußt mir helfen. Womit? Mein Mann spielt Karten. Du mußt ihm; das ausreden. Ich versuche, den Mann zur Vernunft zu bringen. Es geht nicht. Und jetzt muß ich die Frau unterstützen ... Oder eine andere kommt: Schalom, was soll ich tun, ich habe eine feine Partie für meine Tochter — nur noch keine Mitgift. Und natürlich muß ich sie ihr zusammenschnorr««

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