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Die Stimme · 1932-01-14 · Heft 210 (14.1.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 210 (14.1.1932)
Date
1932-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 210 -r 14. Jänner 1932 wünschte und wünscht MH ihrem Zynismus hat sie ihr Möglichstes getan, um — wie ein undankbares Insekt, das eine welkende Rose verunreinigt — die letzten Schößlinge der Zionsliebe des Volkes verdorren zu lassen. Diejenigen, welche das Judentum «reformieren» wollen, offenbaren sehr spitzfindige metaphysische Gedankengänge. In jenen Tagen wurde die Frage zurückgeführt auf eine Wahl zwischen dem Glück jener sophistischen «Israeliten», die m Wirklichkeit Humanisten waren, und den Orgien des «$fthama<^». Aber.in all dem hatte die .Zionsliebe des Volkes keinen Raum; sie war längst daraus entschwunden. Wohin hatte sie sich gerettet? Es ist nicht schwer zu erraten. Wohin retten sich in Zeiten des Verrates die großen Gedanken großer Männer? Sie kehren zum Volke zurück, weil die Elemente der Zivilisation im Volke bewahrt, entwickelt und, wenn die Zeit gekommen ist, neu belebt werden; gerade wie die Saat im Boden liegt und auf den Frühling wartet, um mit ihren Blüten das Antlitz der Erde neu zu schmücken. Und so hatte sich die Zionsliebe gerettet; so blieb sie bestehen, hartnäckig, ungestüm, leidenschaftlich, tragisch; so blieb** sie jung und lebensfähig, wie sie es in der alten Welt und im Mittelalter gewesen war; sie war noch vorhanden, als das neue Zeitalter, das Zeitalter der Assimilation, anbrach, erwachte beim Klang der intellektuellen Revolution — und erwachte nur, um zu sterben. Man hat häufig gefragt, welches die Quellen dieser intellektuellen Revolution waren, Es waren die gleiche Quelle, aus der die Agonie, aller lebendigen Dinge stammt — die Unvermeidlichkeit des Todes — dieser Kampf, den jedes Geschöpf erleiden muß, und von dem die vergeblichen Sophistereien der Gelehrten weder Menschen noch Völker haben erretten Bei fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmung, schweren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch früh nüchtern, ein Glas natürliches «Franz- Josef»-Bitterwasser zu trinken. In Apoth. erhältlich. können. Wenn man in die Dinge eindringt, so wird man in der intellektuellen Revolution alle Merkmale dieser letzten Krise menschlichen Lebens erkennen — die Todeskämpfe der Auflösung, die Notwendigkeit einer Aenderung,. die Zuckungen des Schmerzes und die Glut göttlicher Ekstase. Die einfache Wahrheit ist, daß Gott auf die Stirne der Völker wie der Mpnscheju. geschrieben hat:. «Ki afar atha weel afar ta'schüw»* (Staub bist du und zum Staube sollst .du zuiückkehrei})- 7-.- (D1§“.V$jc$r ,üm ’iins'.7 (ablänge^sie Nationcin .bilr.- denj jSind —• einige früher, einige vollständiger, als* wir — zum selben Schluß' .gekommen. Einige von :hnen haben einen tiefen Blick in den Abgrund getan und in Gedanken seine Tiefe ermessen, lange ehe sje der unwiderstehlichen Macht folgten, die sie an seinen Rand riß, wenn sie erst einmal die Liebe zu ihrem Heimatland verloren hatten. Was unterscheidet uns. von diesen anderen Völkern? Was das Judentum: von seinem heiligen Glauben erhalten hat, was uns vom Chaos des «Galuth» und der Assimilation errettet, danken wir Zion und der Zionsliebe. Es gab einmal eine gewisse kummervolle Zionsliebe — «Kirroth». Sie zahlte nur ihren Tribut an Melancholie und Schmerz. Alle ihre Illusionen waren durch Gram, alle Ekstasen durch leidenschaftliche Trauer ersetzt. Sie erweckte im Herzen der Menschen keine anderen Gedanken als den an die Zerstörung, weil sie in keiner Weise die Generationen beseelte, und diese Generationen, verdammt ehe sie zur Welt kamen, konnten ihrerseits nichts Wertvolles mehr hetvorbringen. Alles, was für diese Liebe blieb, war eine Stimme. Und diese Stimme erklang im Weinen über eines Volkes Todeskampf, das sich in der Auflösung befand; sie schleppte sich dahin in langen Klagen; sie stieß (durch Ludwig August Frankel) einen einzigen bitteren Schrei aus: «Von Aegypten nach Jerusalem» und starb dahin. Du fragst: Was war die Ursache alles dessen? Siebte'dirnicht, warum der höchste Ausdruck des jüdischen Genius ein Seufzer wurde — ein Seufzer, und dann Schweigen? Wenn du deine Hand auf die Stelle gelegt hättest, wo das Herz unseres Volkes Schlägen sollte, so würdest du gefühlt haben, daß es zur Ruhe gekommen war. Der Midrasch erzählt: . Als der Engel des Qerichte6 sich nachdenklich neben dem Patriarchen niederließ, sagte der Vater der Menschen zü ihm. «Warum scheinst du in Kummer versenkt — du, den ich so strahlend von reiner Freude sah, als ich Eva die Wunder des Qottesgartens zeigte?» «Ich bin traurig», erwiderte der Engel, «well du heute, ehe die Sonne dort hinter den Bergen versinkt, sterben mußt.» Dies ist die Antwort, die die Assimilation heute dem ganzen jüdischen Volke gibt. «Was tut das?» fragst du mich. «Haben wir nicht klug unsere eigene Zivilisation auf neüen Grundlagen* aufgebaut; wenn der Brand kommt, dessen Nahen du fürchtest, werden wir nicht die Mittel haben, wieder aufzurichten, was die Zelt zerstört hat? Von welcher nationalen Liebe träumst du? Sie mag gut sein fQr die Mußestunden eines rückständigen Volkes. Aber das Beste, was wir dir bieten können, ist augenblickliche Nützlichkeit und prak¬ Chaim Nachimm BIALIK •prtchtlm GroBen Konzeifhaiis*aal DIENSTAG, DEN 2Ö. JÄNNER 1932; 8 UHR ABENDS. .- (Nach Beginn des Vortrages kein Einlaß) Kartenvorverkauf von I bis 6 Schilling im Büro des Jüdischen Nationalfonds, I. Kärntnerstraße 28, Bücherstube Rath, H„ Taborstraße 20 a und beim Sekretariat der Zion. Bez.-Sektion, II., Praterstraße 13 tisches Leben. Alle diese Vorstellungen des Herzens sind einem Zeitalter von Aberglauben und Spekulation angemessen, in dem die Menschen Zeit haben, ihren Gefühlen nachzugehen, aber sie sind ein Irrsinn in einer Epoche der Genauigkeit, wp Wir für anderes als genaue Berechnungen keine Miiße haben.» Nein, das ist nicht mehr Liebe, als dein Judentum Judentum ist. Es war Zärtlichkeit in unserem Weinen, wir fühlten ebenso für die Zukunft, wie für die Vergangenheit in unserer Gegenwart. Ohne die Zionsliebe wäre das Judentum nur eine glänzende, aber vorübergehende Erscheinung gewesen. Das ganze Judentum zusammengenommen, alle Anmut seiner Vorzeit, seiner Schönheit waren nur sichtbare Symbole dieser Liebe. Es kam eine Zeit, in der diese Blume dahinschwand und verwelkt zu Boden fiel, wo der Winter den Frühling besiegte, und Jahrhunderte sich darüber auftürmten. Aber die Zionsliebe lebte in der Diaspora, wie mitunter Funken über den Kerzen aufflackern, wenn das Feuer, aus dem sie entstanden, schon 2u Asche geworden ist. Trotz ihrer Göttlichkeit teilte die Zionsliebe alle Wechselfälle im Leben des unglücklichen Volkes, dessen sie ein Teil war. Sie teilte seine Schwächen, JOdlsch-aKadeiD. rniiosophenveroln Wien. ix.. zimraermamtsplatz nr. Samstag, den 23. Jänner 1932, um 8 Uhr abends,* findet im Herzl-Saai, II., Untere Augartenstraße 38, eine Ghamiseha-flssar^Feier ttttWMtaMtflei» -Tip»gn ... . , „ JSS5& ft^SSölKi. Vorführung)p Vitalis- Nr-änväh'd (Lieder-und-Arien),. Begleitung: Prof. Manhart; Samuel Sch wa ger (Rezitationen); Dr. Fritz F1 e t» c h n e r. (Allerlei Heiteres); S e g a 1 - R o s e n b a c h (JLüd. u. hebr. Lieder); Ignaz Glanzberg (Streichquartett). Karten zu S J .50 im Sekretariate des J. A. P. V., IX., Zirnmermannplatz 8, täglich von 1 bis 2 Uhr und an der Abendkassa. seine Armut; sie wurde besudelt durch die Beleidigungen, die ihrem Volke angetan wurden» sie weinte ob seiner Pein. Sie ging in die Irre und folgte falschen Erlösern, sie schuf das System der. Chaluka. Aber doch wurde sie neu geboren, jung,, schöpferisch» frei von aller Dekadenz, und mit ihr wurde das Judentum neu geboren. Auch ist sie, als Ausdruck der Rasse selbst, beweglich und entwickelt sich mit ihr. Die Geschichte der Ziönsliebe ist die Geschichte des jüdischen Volkes. Man könnte ein schönes. Buch darüber schreiben, Sein Inhalt wäre eine große, erhabene Geschichte, aber meine versagende Feder, besonders da ich nicht meine eigene, die hebräische Sprache, benütze, warnt mich, wie sie meiner Hand entfällt, daß ich nicht einmal die Zeit habe, den kürzesten Ueberblick zu schreiben. ' . ■ . . Ich habe nichts gesagt über die uns trennenden Ansichten. Was bedeuten Meinungsverschiedenheiten für einen, der aus der Nähe Unruhen und Pläne, Ereignisse und ihre Folgen — Revolutionen» Pofrome, Emanzipation utjd Antisemitismus — hat eobachten können; für einen, der gelebt hat? Ich verlange nicht, daß Ihr Jahrhunderte weit zurückgeht. Ich verlange weder, daß Ihr ein Gefühl des Metaphysischen (das vielleicht nicht mähr existiert) bewahrt, noch die Freiheit der Diaspora (die nie existieren wird). Nur rettet, wenn Ihr könnt, unsere Ziönsliebe. Rettet, was Kattowitz wieder herstellte und erneuerte. Das möge unsere Huldigung für die historische Konferenz von 1885 sein, deren unsterbliches Gedächtnis wir jetzt feiern. Bombenwürfe in Palästina Jerusalem, 8. Jänner. (J. T.-A.) Die palästinensische Polizei ist jetzt mit der Fahndung nach den Urhebern von drei Bombenwürfen beschäftigt. Eine Bombe wurde in eine Kolonie der deutschen. Gut-, templer, eine zweite In eine Arbeiterhütte in Jäd Jur in der Nähe von Haifa, dem Schauplatz des verlustreichen Ueberfatl* auf jüdische Arbeiter während der Pessachzelt des letzten Jahres, die--dritte in die Halber jüdische Vorstadt Hader Hakarmel geworfen, tote sind nicht zu beklagen, der angerichtete Schaden Ist gerin* Schehelaufruf der Exchutive Zionisten! In einer für die Welt und für unser Volk schicksalsschweren Zeit wenden wir uns an Euch mit der Aufforderung, wie alljährlich, Euer Bekenntnis der Treue zu Eurem Ideal, dem Zionismus, zu erneuern« In tragischer Weise macht sich in diesem Moment einer Weltkrise die abnormale Lage des jüdischen Volkes bemerkbar. In viel höherem Maße als die Wirtschaftsvölker sind die Juden infolge ihrer spezifischen Wirtschaftsdisposition von der Katastrophe, die die Welt erfaßt hat, betroffen. Von der elementaren Entwurzelung über die bewußte Verdrängung führt der Weg je nach der Gesittung der Völker Bis zu einer rücksichtslosen haßerfüllten Bekämpfung, ’ ja zu Angriffen auf die Rechte, die Ehre, das Leben der jüdischen Bevölkerung. Hand in Hand damit geht ein Prozeß der Ent-> judung vör sich — der teils unbewußte, teils 6^ " wußte und oft idealistisch verbrämte Drang zu"t Assimilation, das freiwillige Erstreben . des Volksuntergangs. : .'V : Aus dieser, gefahrvollen und ^ntwürdijgeiiden'Simation, 4U$ der ewigen Not (Jen "jipdert * Judentums, deren. Formen sich ändern, .deren Wesen-• aber unabänderlich bleibt, gibt es nur einen Ausweg — den Zionismus. Vor einem halben Jahrhundert. schon haben die Vorläufer des heutigen Zionismus, die Chowewe Zion, in einer der heutigen sehr ähnlichen Situation dem jüdischen Volke den Weg zur Rettung gewiesen; nationale. Besinnung, Selbsthilfe,: Regeneratioin Und Pr od.uktiyjcruog des,. dp/qljden. Aufbau der Nur so kann unser Volk in die Läge "versetzt werden,, ein freies schöpferisches Leben zu führen und mH* allen Völkern, als ein ihnen gleichwertiger Faktor an der Erreichung höchster Ideale der Menschheit mit-:: zuwirken. Der von Theodor Herzl begründete politische Zionismus hat diese Ideen vertieft lind ausgebaut und für; derejf yeHvirtcJichüng feirie mäciTtvolies FnstriimeM-1 geschaffen die" •Zi^ji^Ische:•'0)•ganis^jOIfc^p^f•^fi;■ nismus hat dem jüdischen Volke sein geschichtliches; Ideal, seihen LebenSglauben Wiedergeschenkff er hait'* in' Palästina "den-5 Grundstein ftlr: 'ein' Getnefm^eseu': gelegt, auf das-'jeder Jude mit Liebe;-Stolz“ uhd'Hoff*1nung blicken, und dem auch die große nichtjüdisehe Welt-die höchste Achtung nicht versagen kann. "■''•■■Dieses Werkin Palästinaallen Stürmenzum Trotz zu erhalten, zu festigen und in stetiger, zäher Arbeit zu erweitern, ’ ist die höchste Aufgabe der Zionisten in der ganzen Weit. Unermüdliche Arbeit für die Aufbaufonds, dauernde Sorge für die Erweiterung unseres Bodenbesitzes, für die Deckung, unseres Aüfbaübüdgets; für unaufhörliche'chaluzische und Volkseinwanderung muß Hand irt Hand gehen mit einer plan- und umsichtsvollen politischen Aktivität zur Verteidigung und Stärkung der im Mandat fundierten politischen Grundlagen unseres Werkes. Und die wesentlichste Voraussetzung für das Gelingen all dieser weitverzweigten Anstrengungen ist eine starke' zionistische Organisation. Denn nur eine immer wach-, setfde, Massen des Volkes ünd der Jugend in ihren Bahn ziehende 'Organisation kann die Autorität, diemoralische; politische und materielle Kraft besitzen, alle Schwierigkeiten des Moments zu überwinden und das Werk des Aufbaues vorwärts zu führen. .An Euch, Zionisten, ergeht daher der Ruf: Legt erneut;däs Bekenntnis zu Eurer Organisation ab, indem ihr den Schekel, das Symbol Eurer Verbundenheit mit dem Zionismus erwerbt und so der Zion ist w sehen Organisation die Mittel zu ihrer organisatorischen, propagandistischen und politischen Arbeit sichert. Tragt die frohe Botschaft der Hoffnung In das jüdische Volk! Erobert die Herzen der Mässenl Gewinnet neue Mitkämpfer! Werbet Mitglieder für die' Zionistische Organisation und ihre Landes- und Sonderverbände! Entrichtet und sammelt den Schekel! Stärkt und vergrößert die zionistischen Reihen! Oie Exekutive der zionistischen Organisation . Lauten, Dttembs* 1831.

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