Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 209 (6.1.1932)
- Date
- 1932-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 209 — 0. Ja,nicr Um2 Hinrichtung des persischen Zionisten Chaim Die Hinrichtung erfolgte auf Grund der Beschuldigung, daß Chaim an einer Verschwörung gegen den Schah beteiligt gewesen war, die persischen Juden aber sehen ln Chaim ein Opfer seines mutigen Eintretens für die Jüdischen Rechte. Teheran, 1. Jänner. (J. T. A.) Nach mehr als fünfjähriger Gefangenschaft wurde in diesen Tagen ln Teheran Herr Schmuel Jecheskel Chaim, der Vertreter der persischen Judenheit im Parlament Persiens (auf Grund der persischen Verfassung wählen die etwa 60.000 persischen Juden in einer besonderen Kurie einen Deputierten in das Parlament), hingerichtet. Er war auf Grund einer Beschuldigung, in eine Verschwörung gegen das Leben des Schah verwickelt gewesen zu sein, zum Tode verurteilt worden. Unter den Juden Persiens glaubt niemand, daß diese Anklage gegen Chaim Irgendwie begründet war, man glaubt vielmehr, daß Chaim ein Opfer seines jugendlichen Temperaments und seines aufrechten und mutigen Eintretens für die Rechte und Interessen der persischen Juden, das gewissen persischen Behörden unbequem war, geworden ist. Als Deputierter Schmuel Jecheskel Chaim verhaftet wurde, war er 35 Jahre alt, zurzeit seiner Hinrichtung hatte er das 40. Lebensjahr erreicht. Er stammt aus Kermanschah in der Nähe der Irak-Grenze. Er besuchte in der Jugend die Schulen der Alliance Israelite Universelle, arbeitete während des Krieges im Büro der englischen Vertretung in Persien und kam, als die englischen Streitkräfte Persien verließen, nach Teheran, wo er sich im öffentlichen Leben außerordentlich hervortat. Er leitete eine energische Kampagne für Neuorganisation der jüdischen Gemeinden, der Schul-Komitees und der Hilfs-Komitees ein und wurde einer der Führer der Zionistischen Organisation. Die Judenheit Persiens entsandte ihn als ihren Vertreter in das Parlament, nachdem sie ihren früheren Parlamentsvertreter Doktor Loghman wegen seines Versagens in der Verfechtung der Interessen der jüdischen Bevölkerung aus dem Parlament zurückgezogen hatte. Deputierter Schmuel Jecheskel Chaim wurde im Mai 1926 verhaftet, kurz darauf aus der Haft entlassen, aber im Oktober 1926 neuerdings verhaftet und, ungeachtet der von der Zionistischen Exekutive wiederholt zu seinen Gunsten unternommenen Interventionen, bis seiner Hinrichtung ununterbrochen gefangen gehalten. Die Zionistische Exekutive hatte Chaim im Mal 1926 auf Vorschlag der Zionisten Teherans zu ihrem Vertreter in Persien in der Angelegenheit der Auswanderung persischer Juden nach Palästina ernannt. Als Chaim im Oktober 1926 zum zweiten Male in Haft genommen wurde, hieß es, die Polizei hätte Beweise in der Hand, daß Chaim mit in eine Verschwörung verwickelt sei, die die Beseitigung des Schahs, des Kronprinzen, hoher Offiziere und einiger Mitglieder des Parlaments, ferner die Bildung einer neuen Regierung zum Ziele hatte. Die Polizei erklärte, die Verschwörung sei so gut organisiert gewesen, daß sie, wäre sie nicht rechtzeitig äufgcdeckt worden, Erfolg gehabt hätte. Persisch-jüdische Persönlichkeiten erklärten demgegenüber, daß Chaim. mit dem sic ständig ln Berührung gestanden hatten, zwar ein leidenschaftlicher Politiker sei und als Jude ständig gegen die Verfolgung der jüdischen BUrger durch die Behörden protestiert hatte, daß er auch ein aktiver Zionist sei, daß er aber nichts mit irgendeiner politischen Verschwörung zu tun gehabt haben konnte. Offen wurde erklärt, daß die Regierung nur darum Chaim aus dem Wege räumen wolle, wejl er allzu unerschrocken die Interessen der verfolgten Juden vertritt. Kurz nach der Verhaftung Chaims verbreitete sich das Gerücht, daß er hingerichtet worden ist. Das Gerücht stellte sich als unrichtig heraus. Die Zionistische Exekutive in London bemühte sich um die Freilassung Chaims und unterbreitete der persischen Regierung durch den englischen Konsul den Vorschlag, Chaim zu erlauben, nach Palästina auszuwandern. Alle diese Bemühungen waren erfolglos. Im Verlauf dieser Verhandlungen wurde von autoritativer persischer Seite erklärt, Chaims wirkliches Vergehen war nicht Teilnahme an einer Verschwörung, sondern die Absendung eines Briefes an den Völkerbund, In dem er sich, als Mitglied des persischen Parlaments, bitter über die Behandlung der Juden in Persien beschwerte. Der Völkerbund hatte auf diesen Brief hin eine Anfrage an die persische Regierung gerichtet, woraufhin der Schah den jüdischen Deputierten zu sich kommen ließ und ihn aufforderte, dem Völkerbund mitzutellen, daß hinsichtlich der Behandlung der Juden durch die persischen Behörden alles wieder in Ordnung sei. Deputierter Chaim erklärte sich bereit, ein solches Schreiben nach folgenden Bedingungen abzusenden: Erstens solle der die Juden unterdrückende Polizeichef entlassen werden, zweitens solle mit der Unterdrückung der Juden in Persien wirklich ein Ende gemacht werden. Der Schah geriet über diese Forderungen in Zorn, um so mehr, als der von Chaim angegriffene Polizelchef ein naher Verhandter von ihm ist. Chaim, wurde sofort verhaftet und wegen Verschwörung gegen den Schah zum Tode verurteilt. Nach der Verhaftung von Schmuel Jecheskel Chaim im Jahre 1926 schrieb ein prominenter persischer Jude über die Lage der Juden in Persien folgendes: «Unterdrückt, verfolgt, verachtet, sind die persischen Juden in ihrem eigenen Lande, vergessen sind sie auch von den jüdischen Gemeinschaften in der Weit. Niemand kennt sie, keiner fragt nach ihnen, sie selbst haben weder Kraft noch Energie mehr, irgend was zum eigenen besten zu unternehmen. Die persische Judenheit ist ein abgestandene? Gewässer indischen Leben geworden.» Naiium '' ' in New York eingetroffen Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, ist in Begleitung des früheren englischen Parlamentsmitglieds Norman Angell und des Präsidenten des Weltmisrachi Rabbi Meir Berlin ln New York eingetroffen, um die am 7. Jänner in den Vereinigten Staaten beginnende große Kampagne für das jüdische Aufbauwerk in Palästina zu leiten. Zur Begrüßung der Gäste fanden sich im Hafen von New York die zionistischen Führer Richter Julian W. Mack, Dr. Stephen S. Wise und Robert Szold, sowie das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Emanuel Neumann ein. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärte Nahum Sokolow, die innere zionistische Front sei konsolidiert worden, aber die Pläne zur Konsolidierung und Entwicklung des Aufbaus in Palästina würden im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise sehr stark gehemmt Hier müsse das amerikanische Judentum nach Kräften Abhilfe schaffen. Norman Angell erklärte dem JTA.-Vertreter gegenüber: Wenn schon die Welt an dem Prinzip des Nationalismus festhält, so kann ich nicht verstehen, warum man nicht auch den Juden dazu verhelfen sollte, ein Glied der Nationenkette der Welt zu sein. Rabbi Meir Berlin, der zuletzt ln Südafrika gewellt hat, teilte mit, daß der Antisemitismus ln Südafrika Immer mehr an Terrraln gewinnt und in dieser Beziehung wohl bald den europäischen Ländern nicht mehr nachstehen werde. Zu der am 10. d. M. stattfindenden Vermählung meines Freundes Osias Horowitz mit Fräulein Gisela Deutscher gratuliert herzlichst S. WEINTRAUB. Die englische zionistische Föderation röcht von Jobotinshy ab Auch die Zionistische Weltorganisation lehnt jede Verantwortung für Jabotlnskys Aeußerungen ln Warschau ab. London, 3. Jänner. (J. T. A.) Die «Times» brachten einen Bericht ihres Warschauer Korrespondenten über die Tagung der polnischen Landesorganisation der Zionisten-Revisionisten, ln dem mitgeteilt wurde, Wladimir Jabotinsky, der Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten, habe in seiner Rede gesagt: «Die Juden könnten das Dynamit werden, mit welchem das British Empire gesprengt werden würde.» (in dem von der Jüdischen Telegraphen-Agentur verbreiteten Bericht über die Rede Jabotlnskys in Warschau ist eine solche Aeußerung nicht enthalten.) Der Präsident der Zionistischen Föderation für Großbritannien und Irland Dr. M. D. Eder sandte an die «Times» ein Schreiben, ln welchem es heißt: Der Council der Zionistischen Föderation für Großbritannien und Irland rückt ganz von den Jabotinsky zugeschriebenen unverantwortlichen Aeußerungen ab; Jabotinsky bekleide übrigens keinerlei Amt Innerhalb der Zionistischen Organisation. «Times», die diesen Brief abdrucken, fügen hinzu, daß Großfleisciinauerei S1EGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse l1*, l ei. A l u, A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für "IM"*7!®'80!1 tpur«Oiirx4;v •. " unter Aufsicht des Ehrwürdigen rfabbinats der israelitischen Kultusgemeinde Wien Autosu«t*Huno 4oiienioi IX, Berggasse ri XVlIi Wahringerstraße 7* sich Herr D’Avigdor Goldsmid, Vorsitzender des Council der Jewish Agency for Palestiuc, ebenfalls nach« drücküch von Jabotlnskys Angriffen auf Großbritannien sowie von dessen ganzem Programm lossngt. In Abwesenheit des Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation Nahum Sokolow, der bekanntlich jetzt h: den Vereinigten Staaten weilt, sandte Professor S. Brodetsky, Leiter des politischen Departements der Exekutive der Jewish Agency, an die «Times» eine Erklärung, in der gesagt wird, Jabotinsky bekleide keinerlei Amt innerhalb der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, vielmehr arbeite er auf den Austritt der Zionisten-Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation hin. Die Zionistische Organisation lehne jede Verantwortung für die angeblichen Aeußerungen Jabotlnskys ab. . Eine Erklärung des Zentralkomitees der polnischen Zionisten betreffend die Beschlüsse der Revisionistenkonferenz. Warschau, 3. Jänner. (J. T. A.) Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens befaßt sich in einem Kommunique mit dem Beschluß der revisionistischen Landeskonferenz, der es den Revisionisten zur Pflicht macht, aus der Zionistischen Landesorganisation auszutreten. In dem Kommunique wird mitgeteilt, daß auf Ersuchen der Gruppe Eth Liwnoth der Termin der 10. Zionistischen Landeskonferenz auf den 3t. Jänner verschoben wurde, um den Angehörigen der Eth Liwnoth Gelegenheit zu geben, sich über Ihr Verhältnis zur Landesorganisation klar zu werden. Eine Gruppe Delegierter der revisionistischen Konferenz, heißt es in dem Kommunique weiter, hat dem Zentralkomitee mitgeteilt, daß sie aus der Revisionistischen Organisation in Polen austrltt und weiterhin der allgemeinen Zionistischen Organisation angehören will. Diese Gruppe wird an der 10. Zionistischen Landeskonferenz teilnehmen. Das Zentralkomitee gibt der Hoffnung Ausdruck, daß alle Revisionisten, denen das Wohl des Zionismus und der Zionistischen Organisation am Herzen liegt, in der Organisation verbleiben und an der Landeskonferenz teilnehmen werden. L»ie polnischen Revisionisten treten aus dem zionistischen Landeskomitee aus Warschau, 1. Jänner. (J. T. A.) In der 4. Sitzung tjler. Landeskonferenz d?r Zionisten-Revisionlsten Polens erklärte Wladimir Jabotinsky: Ich glaube nicht an die Zionistische Organisation und keiner kann mich zwingen, den Schekel zu leisten. Dagegen glauben Meer Großman und andere Revisionisten, daß es uns noch gelingen wird, die Zionistische Organisation zu erobern. Wir müssen wählen: entweder eine selbständige politische Arbeit zu führen oder ein Teil der Zionistischen Organisation zu bleiben. Ein angesehener englischer Staatsmann sagte mir: Wie kommen Sie dazu, uns zionistische Forderungen zu unterbreiten, wo in meiner Mappe Postulate der offiziellen Zionistischen Organisation sich befinden? Wenn Ihr ein Teil dieser Organisation seid, so müßt ihr euch mit deren Leitung verständigen. Die Konsequenz aus diesem Ausspruch ist: Wir müssen aus der Zionistischen Organisation ausscheiden, um eine selbständige politische Arbeit führen zu können. Jabotinsky erklärte, daß weder er noch Großman bis zum nächsten Zionistenkongreß für oder gegen den Schekel eine Propaganda treiben werden. Es sei aber möglich, daß die Revisionisten einige Monate vor dem Kongreß eine Propaganda unter den Schekelzahlern und auch für die Schekelzahlung mit dem Ziele, die Zionistische Organisation zu erobern, durchführen werden. Meer Großman erklärte, daß innerhalb der Exekutive der Revisionistischen Union 18 Mitglieder auf dem Standpunkt der Aufrechterhaltung der Verbindung mit der Zionistischen Organisation stehen. Um 2 Uhr nachts begann die Abstimmung über die vom Permanenzausschuß unterbreiteten Resolutionen. Mit 132 gegen 40 Stimmen bei 12 Stimmenenthaltungen wurde beschlossen, aus der Zionistischen Organisation Polens auszutreten und an der bevorstehenden zionistischen Landeskonferenz nicht mehr teilzunehmen. Andererseits wurde beschlossen, für die Gründung eines Territorialverbandes alle zionistischen Verbände Polens, der auch der revisionistische Verband angehören sollte, einzutreten. In weiteren Resolutionen wurden die englische Politik in Palästina, die Politik der Zionistischen Exekutive und die des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation Polens verurteitt. Zum Präsidenten des revisionistischen Landesverbandes in Polen wurde der hebräische Dichter Dr. Jakob Kahan gewählt. Ing. S, Kap ansky zum Leiter des Haifaer Technikums ernannt Wie wir erfahren, wurde daä gewesene Mitglied der Exekutive, Ing. S. Kaplansky, zum Leiter des Haifaer Technikums ernannt, ing. Kaplansky ist bekanntlich ein Führer der palästinensischen Arbeiterschaft und gehört zu den hervorragendsten Fachleuten auf dem Gebiete der Kolonisation. 3595