Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 208 (31.12.1931)
- Date
- 1931-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite * Din STlMWE Nr. 208 — 31. l^zember 193! (ftauetee Xadktidkien aus (toten 18 Mona c Gefängnis für Dworkin Wie nachträglich bekannt wird, wurde der I7),1hrige Israel Dworkin nicht zu sechs Monaten, sondern zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verurteilung erfolgte, we3 sich christliche Schüler gemeldet haben, die gesehen haben wollen, daß Dworkin am 10. November, dem Tag des Judenpogroms in Wilna, einen Soldaten und eine Christliche Frau mißhandelt hätte. Wer die Mißhandelten sind und ob solche überhaupt existieren, ließ sich nicht feststeilen, da sich solche nicht gemeldet haben. Die antisemitischen Exzesse vor dem Warschauer Stadtrat Nachdem die nationaldemokratischen Stadträte eine Behandlung der antisemitischen Exzesse in Warschau vor dem St^dtrat« Ut&e Zeit j,zu verhindern gewußt haben, konnten, in derletalen Sitzung die diesbezüglichen Interpellationen jüdischer StadtrSte zur Behandlung gelangen. Der Zionist Dr. M. Hindes verurteilte in schärfsten Ausdrücken die hetzerische Tätigkeit der Nationaldemokraten, die den Juden das Recht auf Arbeit und auf Bildung nehmen wollen, und unterbreitete eine entsprechende Resolution. Der Sozialdemokrat Arciszewski unterbreitete eine Resolution seiner Partei und des «Bund». Lew unterbreitete eine Resolution der Poale Zion. Der Nationaldemokrat Professor 5t?n‘szkis hielt eine antisemitische Hetzrede und forderte, daß über die Resolutionen zur Tagesordnung übergegangen werde. Run traten die Stadträte Ehrlich (Bund), SzyplanskJ (Regierungspartei) und Trokenheim (Agudah) entgegen. Der Vorsitzende erklärte, er nehme die Resolutionen der einzelnen Klubs zur Kenntnis, stelle sie aber nicht zur Abstimmung. Die Stadträte der Linken protestierten gegen das nach ihrer Meinung rechtswidrige Vorgehen des Vorsitzenden. Es kam zu einem Tumult, in den nationaldemokratische Galeriebesucher, die «Es lebe Polen, Tod den Juden!» Tiefen, eingriffen. Polizei räumte -die Galerie. Numerus c aususfQr Juden an den Hochschulen Polens fn der letzten Sitzung des polnischen Sejm brachte der Klub der Nationaldemokraten einen Gesetzentwurf ein, der vorschreibt, daß man Jaden an polnischen Hochschulen nur im Verhältnis ihrer Zahl zu der der allgemeinen Bevölkerung aufnehmen soße. In der Begründung wird gesagt, der Artikel 86 des Gesetzes über die akademischen Schulen löse nicht die Frage, weshalb an verschiedenen Schulen und Fakultäten eine Bevorzugung der jüdischen und eine Benachteiligung der polnischen lugend geschehe; das vorgeschlagene Gesetz bezwecke eine Regelung dieser Begehungen durch gerechte und gleichmäßige Verteüung der Plätze an den Hochschulen^ Schwere antisemitische Ausschreitungen in Stanislau In Stanislau, Ostgalizien, haben christliche Hochschüler, die aus Anlaß der Feiertage zum Besuch ihrer Eltern nach Stanislau gekommen sind, schwere antisemitische Exzesse veranstaltet Geschmückt mit grünen Bändern, dem Zeichen für Jtidenboykott, marschierten sie in Gruppen durch .iie Straßen, vertrieben Käufer aus den jüdischen Läden und belästigten Jüdische Passanten. Am Abend postierten sich Gruppen dieser Studenten vor den Kinos und mißhandelten alle Jüdischen Passanten, deren sie habhaft werden konnten In der Mickiewiczgasse, wo sich die angegriffenen Juden zur Wehr setzten, kam es zu einer großen Schlägerei, in deren Verlauf mehrere Juden verletzt wurden. Lord und Lady Reading in Palästina Jerusalem, 27. Dezember (J. T. A.). Lord Readlng, der frühere britische Außenminister und einstige Vizekönig von Indien, ist am 24. Dezember in Begleitung von Lady Reading über Aegypten in Palästina eingetroffen Lord und Lady Reading trafen in Kantara mit Pinchas Ruthenberg, Direktor der Palestine Electric Corporation, zusammen und reisten dann nach Haifa. Sie besuchten das große Jordan-Stauwerk der Palestine Electric Corporation, deren Präsident Lord Reading bekanntlich ist Am Freitag weilten Lord und Lady Reading fn Daganiah, wo sie mit Dr. Chaim Arlosoroff, Leiter der Exekutive der Jewish Agency in Palästina, zusammentrafen. Weltverband Hechaluz gegen die Sperrung der Cbaluz-Aiijah Die Exekutive des Weltverbande» Hechaluz veröffentlicht eine Erklärung, in der gegen die Nichtbewilligung der von der Jewish Agency angeforderten neuen Zertifikate für Einwanderung von Chaluzim nach Palästina seitens der Palästina-Regierung scharf protestiert wird. In der Erklärung heißt es u. a.: Der Kampf gegen die Rechte der Chaluz-Alljah endete vorläufig mit dem Beschluß der Exekutive der Jewish Agency, die lächerliche Quote von 330 Zertifikaten, die von der Palästina-Regierung statt der angeforderten 1720 Zertifikate bewilligt worden sind, anzunehmen. Die Jewish Agency begnügte sich mit einem formellen Protest gegen die Niohtbewühgung ihrer Forderung. Faktisch worden der Jewish Agency bloß 195 Zertifikate übergeben, von weichen 75 IQr politisch verfolgte Chaluzim ms Rußland und 120 für Angehörige von Palästina-Einwanderern bestimmt sind; die restlichen 155 Zertifikate behielt die Regierung zu eigener Verfügung' Für die ChoJttz-AJijah wurde kein einziges Zertifikat btwfligt Seit wir Beziehungen zu der Palästina-Regierung im Zusammenhang mit der Alijab unterhalten, hat sich die Regierung niemals eine solche für uns erniedrigende Maßnahme erlaubt; nie hat sie sich erlaubt, iuf einen Vorschlag der Jewish Agency, der sich auf gründlicher Erforschung der Arbeitslage und der Einwanderungsmöglichkeit stützt, so zu reagieren, daß nur 12 Prozent der angeforderten Zahl von Zertifikaten bewilligt werden. Der Beschluß der Exekutive der Jewish Agency, die bewilligten Zertifikate anzunehmen, war nicht die richtige Antwort auf dieses neue Attentat gegen unsere elementaren Rechte. Die Weltbewegung der Chaluzim fordert zu schärfstem Protest gegen die Schließung der Tore Palästinas für das jüdische Volk auf. Der Chahrz fand immer die Kraft in sich, versperrte Tore aufzubrechen, er wird auch diesmal vor keinem Hindernis, vor keiner Schwierigkeit zurückscheuen. Er wird den Kampf fortsetzen bis zur Bahnung des Weges für die Alija. Die Königin von Hor&nd verschiebt ihre Rundfunk*Ansprache mit Rücksicht auf den wabbath Amsterdam, 27. Dezember (J. T. A.). Königin Wilheiraine von Holland hat aus Anlaß des Weihnachtsfestes eine Ansprache an das holländische Volk durch den Rundfunk für Freitag abends angesagt. Als sie aber darauf aufmerksam gemacht wurde, daß zu dieser Stunde der jüdische Sabbath- Gottesdienst stattfindet, und zahlreiche Juden nicht mehr Gelegenheit haben werden, sie zu hören, verschob sie ihre Ansprache auf 10 Uhr abends, damit auch die jüdischen Bürger sie hören können. Klassenkampf in Palästina*) Die palästinensische Tageszeitung «Dawar» veröffentlicht in Geheimzirkular, das die Leitung des palästinensischen Kolonistenverbandes an alle Kolonisten verschickt hat. Darin heißt es: «Die Kolonisten müssen, bei der Vergebung von Arbeit diejenigen Elemente bevorzugen, die nicht, in der Arbeiterorganisation (Histadruth) organisiert siod. ln allen Kolonien gibt es eine Gruppe .von Arbeitern des Brith Danksagung Der Vorstand des Vereines <cMachsike Hadath Nachlat Jacobs spricht auf diesem Wege der verehrliehen Familie Julias and "Olga Krupnik namens der verschämten Armen für die reichliche Ausspeisang von 500 Personen und Beschenkang in barem Gelde anläßlich der Vermählung ihrer Tochter Zita den aufrichtigsten Dank aas. irumpeldor, der Jemeniten, der Kolonistensöhne. Aus ihnen .kann ein den Kolonisten freundliches Arbeitermaterial gebildet werden, wodurch gleichzeitig der Einfluß der Histadrutb geschwächt werden wird.» ln einem zweiten Zirkular wird raitgeteilt, daß am 13. November eine Delegation des Kolonistenverbandes beim stellvertretenden Gouverneur des Süddistrikts, Crosbie, vorgesprochen hat und ihm die Arbeitstage in den Kolonien während der Orangenpflücksaison auseinandersetzte. Auf besonderen Wunsch des Gouverneurs gab der Führer der Delegation, Mosche Smilansky, eine eingehende Schilderung des Zwischenfalles in Chederah, sowie der Gewalttaten in Petach Tikwah und Ness Ziona. Smilansky erläuterte dem Gouvemenr die Tendenzen der Histadruth zur Beherrschung des Arbeitsmarktes und versicherte ihm, daß in den alten Kolonien trotz der Pressionen und Drohungen nicht hundertprozentige jüdische Arbeit beschäftigt werden wird. Er wandte sich auch dagegen, daß den Kolonisten die durch die Gewalttaten der Araber notwendig gewbrdenen Polizeispesen auf gerechnet werden. Die «Jüdische Rundschau» bat sich oft mit dem Problem der jüdischen. Arbeit beschäftigt und noch in der letzten Nummer brachten wir darüber einen Bericht unseres Korrespondenten, wo bereits auf die neue Aktivität des Kolonistenverbandes hingewiesen wird. Wir sind weit entfernt davon, die Schwierigkeiten des Problems zu übersehen oder es einseitig nur unter dem Gesichtspunkt eines Schlagwortes zu betrachten. Aber die Zirkulare des Kolonistenverbandes enthüllen eine Mentalität, die schwere Kritik heransfordert. Statt den Versuch zu machen, sich mit der organisierten Arbeiterschaft zu verständigen, greift der Kotonistenverband zu dem heute in der ganzen Welt modernen und beliebten Mittel, die Gewerkschaft der Arbeiter zerschlagen zu wollen. Er rechnet dabei mit der Hilfe von Elementen, die keineswegs für das jüdische Arbeiterelement charakteristisch sind und offenkundig nur vorgeschoben werden, um die wahren Zwecke zu verschleiern. Unter den Kolonisten sind Persönlichkeiten, deren zionistische Verdienste und nationale Qeslnnung nicht angezweifelt werden können.. Verstehen sie, die einst selbst als Chaluzim ins Land kamen, nicht, daß das Jüdische Nationalheim ohne den jüdischen Arbeiter nicht aufgebaut werden kann und daß es den jüdischen Arbeiter nicht geben kann, ohne den Rückhalt seiner Organisation? AQe Mittel moralischen Druckes auf die Pflanzer sind in dieser Sache vergeblich geblieben. Und doch muß eine Lösung gefunden weiden. Es geht hier um eine Frage von größter Tragweite für das Jüdische Nationalheim und für die zionistische Bewegung. Daher muß alles geschehen, um zumindest;die untragbare Verschärfung des Kampfe«, die jetzt einggriesen iet» wieder aus der Weit zu schaffen. Jtus (fatästina Einweihung der Chel Schem-Synagoge Io Tel-Avtr Am dritten Chanukkah-Feicrtag wurde di« Ohel-Schejft. Synagoge fn Tel-Aviv feierlich eingeweiht Die Synagoge ist von dem Architekten Berlin im orientalisch-jüdischen StB geschmackvoll erbaut. Vollendung eines neuen Waaserturmes Im Emek Die beiden Gruppen Hascharon und Sarona, die sich in dem zu Ehren von David Lloyd George sogenannten Ramath David vereinigt haben, erhielten jetzt vom Jüdischen Nationalfoods eine moderne Wasserinstallation. Die benachbarte Kwuzah Gebat wird ebenfalls den Segen dieser Wasserversorgung genießen. Der in Ramath David errichtete Wasserturm ist der schönste hn Emek. Der Turm hat eine Kapazität von 75 Kubikzentimeter und die Zistern« eine solche von 50 Kubikzentimeter. Bei einer Berechnung von 1 Kubikzentimeter pro Famflle genügt der jetzig« Wasserstand für 12Q Familien, so daß eine Reserve für die Ausdehnung der Siedlung vorhanden ist Die zur Landesverweisung verurteilten kunfistantocheo Jüdischen Familien dürfen vorläufig im Lande bleiben Wie schon mitgeteilt wurde, hat die Exekutive de* Waad Leumi den High Commissioner Sir Artur Wauchope ersucht, zu verfügen, daß die von der Einwanderung«- bebörde ausgesprochene Landesverweisung von 15 jüdischen Familien aus Kurdistan, die illegal nach Palästina ein gewandert sind, zurückgezogen wird. Den betroffenen Familien wurde mitgeteilt, daß von ihrer Ausweisung vorläufig Abstand genommen wird. C2truspflanzungen Einer eingehenden Erhebung zufolge, die Ben Israel in «Bousfnai», der Zeitschrift der Pflanzerorgantsation, veröffentlicht, beträgt die Fläche der jüdischen Pflanzungen in Palästina jetzt 65.320 Dun am. Nissim Behar in Jerusalem beigesetzt Die sterblichen Reste des in New York verstorbenen Begründers der Alliance-Schulen im Orient Nissim Behar, der zuletzt Vertreter der Alliance in New York .war, sind nach Palästina gebracht worden und auf dem Oelberg zu Jerusalem an der Seite des Vaters von Nissim Behar beigesetzt worden. Am offenen Grabe sprachen David Yeftin, Joseph Meyuchas und Ebnaleh. •) Dies« MHtoBtutg entnehme« wie 4er sJSäMm Rundschau. 3n «Iler JKflrxc Das Zentralkomitee das .Verbandes zur Unterstützung der Jüdischen Opfer der Wirtschaftskrise und der 'Arbeitslosigkeit ln Frankreich hat einmütig beschlossen, seine Fürsorge nicht :hu» em»rbsioa eratvcfdeuMii Lohnarbeitern# sondern auch allen Juden, die Infolge der gegenwärtigen Krise ln Not geraten sind, angedelheit *u lassen. Die vor einigen Tagen erschienene Regierungsverordnung, wonach die Jüdischen Schulen ln der . Türkei an Sabbattagen normalen Unterricht haben müssen, hat Bestürzung hervorgerufen. Nunmehr erklärt der:Unterrichtsminister. daß er die Verordnung, die ohne sein Wissen ausgegeben wurde, aufhebt. . Die ungarischen jüdischen Frontkämpfer, Krlegertnvalidon und Krlegsgddlenteri haben sich im Anschluß an den ungarischen Glaubenssohutsverband des Omtke (Jüdischer Kulturverband) als besondere Sektion konstituiert ♦ Senator Wagner und Congreßraaa Celler haben dem tn Amerika wellenden Jerusalemer Anwalt Max Sellgman das Versprechen gegeben, dem Senat wie dem Kongreß der Vereinigten Staaten eine Bill, betreffend Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Levante-Messe in Tel-Aviv, zu unterbreiten und dürohzusetzen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten für diesen Zweck etuo Summe Von 20.000 Dollar bewilligt In Magdeburg bat sich Innerhalb der nationalsozialistischen Ortsgruppe eine „Arbeitsgruppe für Handel und Gewerbe“ gebildet, dl© Insgeheim den Boykott der Geschäft« mit Jüdischer!’ Inhabern organisiert Die Zionistische Frauenorgaalsatlon Hadaasah hat am 17. Dezember in New York ein Frühstück zugunsten des Jüdischen Gesundheitswesens der Hadassoh Pslästlha veranstaltet, bei dem das Gedeck 20 Dollar kostete, Belt kurzem erscheint tn Brüssel eins Tageszeitung tn jiddischer Sprache unter dem Titel „Letzte Neles“, deren Chefredakteur dar russisch-jüdische Publizist Vladimir Großmann ist Dsr jüdische Senator und Direktor der Ban cs Moldova W. Dtnerman. einer der hervorragendsten WlrtuchaJUkenner Rumäniens, wurde zum Mitglied des Obersten rumänischen Rate« für Arbeitafragen ernannt ■ * Die Leitung 4ee Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland hat beschlossen, den Juni 1222 als „Monat des Jüdischen Natlonalfonds“ zu proklamieren, ■ •* König Carol n. von Rumänien bot anläßlich des Wetta* nachtsfestes dsr Jüdischen Gemeinde Bukarest 10.000 Lei für dl« Woblfahrtelnstltutlonen der Gemeind« überwiesen. * Dsr Magistrat der Stadt Amsterdam hat beschlossen# In «teer Volksschule. Im alten Amsterdamer Ghetto ein« rttoeUe jüdische Volksküche einzurichten. t f Die fiteekutfre der Weltorganisation •ephsrdlseh* orientalischer Juden Ist zurzeit energisch mit Vorbereitung •in jut Ausführung three Beschlusses dsr Einberufung «ta«• WetthoncrMBSt beschäftigt