Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 208 (31.12.1931)
- Date
- 1931-12-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIE STIMME Nr. 208 — 31. Dezember 1931 SettrS Der Fall Halban Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir haben keinen Anlaß, für den getauften Juden Blumenstock, der seit seiner Taufe Halban heißt,.' eine Lanze 2u brechen. Wenn wir uns trotzdem mit dem Fall Halban beschäftigen, so geschieht dies nur deswegen, weil er beweist, daß auch getaufte Juden vom Zutritt zu Aemtern ausgeschlossen sind,'was* wir "unseren Renegaten, die sich natürlich hur aus «Ueberzeugung# taufen ließen, gern* gönnen. Wg$. ist geschehen? Nach langer Vakanz hat das ProfeSsorenköllegiunr der medizinischen Pakultät für die beiden unbesetzten Frauenkliniken dem Ministerrat die Besefzungsvörschläge erstattet. Für beide Kliniken' hat das Professorenkoliegium secundo loco Professor Halban vorgeschlagen. Als nun der arische Kliniker, der für die zweite Frauenklinik primo toco vorgeschlagen war, *blehnte, beschloß der MinisteTrat, zum Leiter der: zweiten Frauenklinik Prof. Halban zu bestellen. Aber was nun geschah, ist typisch österreichisch. Der Mlnisterrät hat es anscheinend gewagt, eine Klinik zu besetzen, ohne vorher das Placet seiner Eminenz des Herrn Erzbischofs Dr. Piffl elnzuholen, ühd Se. Eminenz war Äibstverständllch nicht einverstanden. So setzte nun ein schönes Intrigenspiel ein. Einesteils Üeß man durchsickern, daß der Ministerrat, der die Ernennung Haibans beschlossen habe, nicht vollzählig gewesen sei, es habe ein wichtiger christiichsozlaler Minister gefehlt (vielleicht Herr Dr. Czermak?), andererseits kam man plötzlich darauf, es müsse endlich etwas geschehen, um Ersparungen im Staatshaushalte zu erzielen. So kam man auf die wundervolle Idee, die zweite Frauenklinik, für die Halban bereits bestellt war, aufzulassen. Zwei Fliegen sollten so mit einem Schlage getroffen werden. Die Öffentlichkeit sollte erfahren, wie sehr unsere Landesväter die Geldtaschen der Steuer*» träger schonen wollen und gleichzeitig — und das ist eigentlich der Zweck der Uebung — sollte es Professor Halbaft Unmöglich gemacht werden, die Professur zu erlangen. .Die Klerikalen haben sich also den nationalsozialistischen Grundsatz des Volksbürgerrechtes, der bekanntlich in der Studentenordnung verankert werden soll* längst 2u eigen gemacht Es soll kein Jude mehr eine Professur erlangen. Wir besitzen in Oesterreich noch einige Jüdische Kliniker, die sich unrühmlich dadurch .hefyjQrgetan haben, daß sie es bisher unterließen, für die mißhandelte und entrechtete Jüdische Studentenschaft auch n)if ein Wort des Mitleides zu'finden öder *;eijtztftret'en tinö dasr;>frorij^;.j^^c»sorc^kpllegittnl' r'<ier •dsf^<ffch7leTfeiT Hocjfsch1rien %tf Serei& judenrein; Dör-‘Gfähdsiftz dös Volksbürgerrechtes ist faktisch bereits 'durchgeführt. Er ‘ sotliiUfi durch die Studentenordming gesetzliche Sanktion* erhalten. Wir wollen aber gerecht sein und auch festsfeliön, daß der systematische Ausschluß der Juden sich nicht hur auf das Professorenkoliegium beschränkt. Die sozialdemokratische Partei Oesterreichs ist hier eines Sinnes mit dem von ihr so sehr befehdeten Erzbischof Piffi. Seit dem Umsturz wurde vom Magistrat der Gemeinde Wien kein einziger Jude angestellt. Wir wissen, daß die «Arbeiter-Zeitung»" sich oft so antisemitisch gibt wie die «Deutsch-österreichische Tageszeitung» und die «Reichspost». Wie oft lasen wir in der «Arbeiter-Zeitung» gelegentlich der Schilderungen der UniversitätskrawaUe die Antithese «Hakenkreuzler und Hakennäsler»! Wie oft lasen wir in der «Arbeiterzeitung» von der «Tarnopoler Moral»! Die besondere Schamlosigkeit dieser antisemitischen Aeußerungen besteht darin, daß sie jüdische Redakteure zu Verfassern haben. Wir wissen auch, daß die Gemeinde Wien in ihrer Heimatsrechtspraxis antisemitisch ist. Rot und schwarz reichen sich also brüderlich die Hände. 1Und wir Juden? Wir sind die Prügelknaben für alle unä.für jeden in Oesterreich. Wir erfreuen uns der liebevollen Aufmerksamkeit des Staates nur dann, wenn es daruni.gcht, Steuern zu zahlen. Sonst übergeht man uns mli.$tijlschweigen.. Man hat es sich angewöhnt, ürus nicht ernst zu nehmen. Man verwechselt uns mit unseren jüdfehen Assimiianten, die sich in den verschiedensten politischen PurimverkleWungen den Parteien anbiederrT Wollen und liberal! ihren Fußtritt bekommen. Darüber, daß auch wir Jüdischnationale bessere Politik hätten, machen können, wäre einiges zu sagen. Heute ge/iüge die Feststellung, daß wir für die Antisemiten ohne Unterschied der Couleur keine Gegner mehr sind und daß daher die Ralliierung aller bewußt jüdischen Kräfte notwendig sein wird, um größeres Unheil zu verhüten. Ralliierung heißt aber nicht Wahlpropaganda um jeden Preis. Ralliierung heißt systematische Vertretung und Verfechtung jüdischer Interessen in allen Angelegenheiten des bürgerlichen Daseins, mögen sie noch so gering im einzelnen Fall erscheinen. Ralliieren wir uns nicht, dann werden wir in die bürgerliche Entrechtung der rumänischen Juden herabsinken. Wir dürfen Unsere Geehrten Jihonnenten bitten mit, nenn Irgend möglldk Matt der vierter* jafkrlicften Ü0e*uft«tfe6ttftren von # *'20, tfleidt # «*- für ein Aaltet Ja/kt mittele der üAerrondten £rlags<fteine *u übetmelsem. #ie ersparen uns damit Jtlütkc und sicA Seid nicht mehr möglich sein wird, sich fachlich auszubilden. Und schließlich möchten wir der Regierung zu bedenken geben, daß Oesterreich heute zu einem großen Teile von jüdischen Steuergeldern lebt, daß es unausgesetzt um das Wohlwollen der ganzen Welt bettelt und daß das Ausland schließlich doch erfährt, wie Recht und Gesetz mit Füßen getreten werden, wenn es sich um die Juden handelt. Wir möchten wünschen, daß die Erinnerung an die beschworene Verfassung unsere Minister veranlassen würde, ihre Pflicht gegenüber der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs zu erfüllen. Solange dies nicht der Fall ist, wird es für uns notwendig sein, den Kampf um unsere Staatsbürgerrechte auf allen Linien zu führen. - Der Fall des getauften Juden Halbnn ist nur (An- Zeichen de»r Zeit. 0..gi mmmmsimmmSmmmmmmmmmmmBmmmmmsasm Englische Finamkrise und Palüsiina-Landeniwickiungspian Bin bedeutsamer Mrtikei des «Manchester Guardian* nicht mit verschränkten Armen zusehen, wie man uns in de:n Numerus nullus treibt. Wir müssen unsere Stimme erheben und die Welt darauf aufmerksam machen, daß Wir in Oesterreich seit vielen Jahren einem .Wirtschaftlichen und politischen Pogrom ohne Schutz ausgesetzt sind. Wir sollten uns an den Leobener Gewerbej;?ibenden und an den Osttiroler Bauern ein Beispiel nehmen. Wenn unsere urbanen politischen Umgangsformen nicht geeignet sind, die Regierung hellhörig zu.machen, dann müssen wir eine gröbere Sprache gebrauchen und auch einmal auf den Tisch hauen. Wir müssen uns daran erinnern, daß der Friedensvertrag von St. Germain ein Bestandteil der österreichischen Verfassung ist, Wir werden nicht so lange zuwarten, bis es unseren Studenten nicht mehr mög-1 lieh sein wird, zu studieren, und bis es unseren Aerzten | «Manchester OuarcKan» veröffentlicht einen längeren Artikelj ihres Jerusalemer Korrespondenten, in welchem die Ansicht zürn Ausdruck gebracht wiird, daß die Finanzkrise in Großbritannien den Plan der Aufbringung einer Anleihe von 2,500.000 Pfund für die landwirtschaftliche Entwicklung Palästinas gewissermaßen verschlungen zu haben scheint. Die britische National regt erung habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß der Landentwicklungsplan im Lichte der neuen Verhältnisse, in denen sich das britische Schatzamt jetzt befindet, von. neuem geprüft werden •wird. ' Ufcber die Stimmung in Palästina teüt der Körre- .spondeilt mit,‘ daß “ weder die1 Araber nöch die Juden l.,atißer:;j^|ßS^ig.*eebr4ch!t";Worde!ii’sind;-däcübep# daß dte ^englische'Re^rurt^*-etw^uflfäWäÄt, wäs für öle eine: klare 'Verpflichtung sei. Die Araber'brachten, dem Plan von Anfang äri kelfte Sympathie entgegen, weil dessen Durchführung dazu angetan gewesen wäre, Ihre Politik der ’ Nön-co-operation zu stören. Unter Arabern sind in diesem Falle natürlich die Führer, auf jeden Fall die lauten, zu verstehen. Wie sie in Wirklichkeit über die Wohltaten denken, die der Plan dem Lande bringen würde, ist nicht zu ergründen. Die Araber argumentierten, die Verwirklichung des Planes würde die jüdische Einwanderung steigern. Bewässerung und intensive Bewirtschaftung würden spärlich bevölkerte Gebiete für neue Arbeit freimachen und diese Gebiete würden jüdischen Einwanderern zur Verfügung stehen. Die arabischen Wortführer, haben wohl, noph einen zweiten Grund, dem Plan entgegenzuarbeiten, sie sind aber nicht mutig genug, ihn offen auszusprechen. Es gibt zwei Arten arabischer Führer. Diejenigen, die zur Großgrundbesitzerklasse gehören, haben alles andere als ein Interesse an der Intensivierung ihres Bodens, der von den Pächtern nach dem alten Feudalsystem bewirtschaftet wird, wobei die Ernten mehr oder weniger gleichmäßig zwischen den Grundbesitzern und den Pächtern aufgeteilt werden. Diejenigen Wortführer,.die in den Städten wohnen, haben sehr wenig Verständnis oder Sympathie für die Fellachen. Auch auf der Seite der Juden hat der Plan keinen Enthusiasmus geweckt Der Plan wurde nämlich von Sir John Hope Simpson als die Krönung einer Reihe liebloser Kritiken und ungünstiger Schlußfolgerungen hinsichtlich der Verwaltung Palästinas im allgemeinen und der Zionistischen Kolonisation im besonderen empfohlen. Die Juden, die die Basis der Simpsonschen Konklusionen ablehnen, bringen auch dem vorgeschlagenen Heilmittel Argwohn entgegen. Trotzdem haben sie den Landentwicklungsplan, wenigstens nach außen hin, mit einem gewissen Wohlwollen aufgenommen, hauptsächlich darum, weil der Brief MacDonalds und Dr. Weizmanns vom Februar d. J. dem Simpson-Bericht und seinen Vorschlägen ein anderes Gesicht gab, Die Juden sind jetzt der Ansicht, daß von beiden, Simpson-Bericht und MacDonaid-Brlef, bis auf den Namen wenig übrig geblieben Ist, obgleich in den revidierten Propositionen eine Würdigung der Tatsache gegeben Ist, daß der Mandatar eine doppelte Verantwortung trägt: eine gegenüber einem hsrrenlosen Land, eine andere gegenüber einem heimatlosen Volk; ferner das Zugeständnis enthält, daß es Aufgabe des Mandatars ist, die jüdische Einwanderung zu verstärken, ohne die Interessen der arabischen Einwohnerschaft zu verletzen, und daß all dies nur geschehen kann durch eine Ermutigung und Förderung intensiver, Ansiedlung auf dem Lande. Diejenigen, die sich weniger für politische Zusammenhänge und mehr für die wirtschaftliche Zukunft des Landes interessieren, bezweifeln, ob Palästina je in der Lage sein wird, diese Darlehen zurückzuzahlen, wo das Land schon eine Schuld von 4,500.009 Pfund zu tragen hat, von der viele meinen, daß auch sie schon die Leistungskraft des Landes um eine MiPiiqri Pfund übersteigt; - " ‘ >'• .“•‘•'v; :;v. Mehrere Monate sind, schließt der Korrespondent; seit der Depesche Lord Passflelds, betreffend den Landentwicldiingspian, vergangen. Herr Lewis French,. der Direktor des Larodentwicklungsplans, wetlt seit Entde August in Palästina, aber weder die Juden noch die Araber haben die Berater ernannt: die Araber, weil sie den ganzen Plan sabotieren wollen, die Zionisten, weil sie nicht ganz sicher sind, daß die Arbeit des Landentwicklungsdirektors im Zusammenhang mit seinen Untersuchungen nicht eine Legislative im Gefolge haben würde, die den Plan, wenn er je in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollte, erdrosseln würde. Herr French hat sich weder durch die jüdischen Bedenken/ noch durch die arabische Opposition entmutigen lassen, er hat sich augenscheinlich auch durch die aus London kommenden Andeutungen, daß infolge der Krise im englischen. Schatzamt keine Gewähr für die Aufbringung des Darlehens besteht, nicht entmutigen lassen, sondern er hat sein Programm fortgeführt. Erster Punkt des Programms ist eine Registrierung derjenigen Araber, die behaupten, vom Boden verdrängt worden zu sein. Dieser Arbeit soll die Anlegung eines Plans der Wiederansiedlung der wirklich verdrängten Araber folgen. Erst später soll eine geschlossene Ansiedlung von Juden, wie sie im Mandat vorgesehen ist, in Angriff genommen werden. Püt diese vorbereitenden Untersuchungen stehen Herrn: French 50.000 Pfund zur Verfügung. Da er direkt dem High Commlssioner unterstellt ist, genießt French den - Vorrang vor allen anderen dem High Commissioner unterstellten Regierungsbeamten und dementsprechend ist auch seine Besoldung. Die 50.000 Pfund wird er zweifellos ausgeben, aber ob das Resultat im Hinblick auf die letzte Entwicklung irgend einen Wert haben wird, wenn der Plan selbst nicht zur Ausführung gelangt, ist eine Frage, die Herrn French zweifellos nicht weniger beunruhigt als die Regierung in England und die Administration in Palästina. Bel Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen, Magenbrennen, Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches «Franz-Josef»-B}ttefwassefr. In Apoth. erhältl. Prozentsatz des Kenn Kalemeth-Bodens \,ahmnt am Jüdischen Boden ln Eraz Israel 3 I » i 5%. I3V 28%