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Die Stimme · 1931-12-17 · Heft 206 (17.12.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 206 (17.12.1931)
Date
1931-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Olt STIMME Nr. 206 — 17. Dezember 1931 Der Moslem-Kongress in Jerusalem Agudas Jlsroel MgfOftt die Moslem-Führer — der Mufti greift die Jüdischen Absichten ln Palästina an Jerusalem, 7. Dezember. (J. T. A.) Die Palästina- Organisation der Agudas Jisroel sandte an das Präsidium des Moslem-Kongresses eine Begrüßtingskundgebung, in der es heißt: Wir Vertreter des thoratreuen Judentums begrüßen die Führer des Moslem in der ganzen Welt, die jetzt in der heiligen Stadt versammelt sind. Wir weisen die Verdächtigung, daß die Juden die Absicht hegen, die heiligen Stätten des Moslem anzutasten, zurück und geben von neuem die Versicherung, daß die Juden keinerlei Absichten in bezug auf die Aksa- Moschee oder irgend eine andere Stätte im Tempel- Gebiet haben. Die Juden wünschen nur eines: daß Ihnen gestattet werde, an der Klagemauer, der Stätte, von der die Schechina (der göttliche Geist) nie gewichen ist, wie einst ihre Väter, ihr Gebet zu Gott zu erheben. Die Agudas Jisroel hofft, daß der Kongreß dem heiligen Lande Frieden bringen und zur Förderung des Wohlstandes und des Glückes aller Einwohner der heiligen Stadt und des heiligen Landes beitragen wird. £$ verlautet, daß es dem Mufti gelungen ist, mit der arabischen Opposition in Palästina, die den Kongreß bis jetzt energisch bekämpfte, ein Abkommen dahingehend zu schließen, daß die Opposition nichts mehr gegen den Kongreß unternimmt. Dieses Kompromiß ist auf die Einwirkung Schaukat Alis zurückzuführen. Dem Verlangen, daß Ragheb Nashashibi den Kongreß im Namen der Opposition begrüßt, wurde von der Opposition nicht stattgegeben. Das Komitee zur Organisierung des Kongresses teilte dem Sekretär der Vereinigung der Zeitungskorrespondenten, Herrn Gerschon Agronsky, Chefredakteur des «Palestine Bulletin», mit, daß beschlossen wurde, alle jüdischen Journalisten, auch Vertreter auswärtiger Zeitungen, von der Pressetribüne auszuschließen. Als Pressevertreter werden nur Moslems und Christen zugelassen. ln der Eröffnungssitzung des Kongresses, die in der Aksa-Moschee stattfand, hielt der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, eine Rede, in der er den Niedergang des Islam beklagte und zur Bildung einer allmoslemitischen Union aufforderte. Die meisten Moslems, sagte er, stöhnen unter fremder Herrschaft, aber nirgendwo ist die Lage so schlimm wie im Heiligen Lande. Dies ist auf die jüdischen Pläne zurückzuführen. Das beste Mittel zur Bekämpfung des Atheismus ist es, die heilige Stadt zu einem Sitz islamischer Gelehrsamkeit zu machen. Auf Vorschlag Schaukat Alis wählte der Kongreß ein ständiges Komitee zur Führung der Arbeit des Kongresses in der Zukunft. Dieser Kongreßbeschluß bedeutet eine Enttäuschung; für den Mufti, der sich dafür eingesetzt hat, daß das von ihm gebildete Organisationskomitee als permanentes Weltkomitee des Islam fungieren soll. Anti Jüdische Hetze auf dem Moslem- Kongreß ln der zweiten Sitzung des Islam-Kongresses ließ der Großmuftl von Jerusalem unter die Delegierten und Gäste zwei Photographien zirkulieren, die die Aufschrift trugen: «Die Engländer bewaffnen die Juden In Palästina und unterweisen sie in dem Umgang mit Feuerwaffen». Die eine Phtotographie ist echt und Zeigt eine Uebung der Arbeiter in den Athlit-Steinbrüchen ohne Waffen, die andere Photographie, die angeblich bewaffnete Juden zeigt, ist zweifellos eine Fälschung. Unstimmigkeiten An dem vom Jerusalemer Mufti einberufenen Moslem-Kongreß nehmen insgesamt ISO Moslems, und zwar 80 aus Palästina und Transjordanien und 70 aus anderen Ländern, teil. Der Kongreß wählte den öroßmufti Haj Amin el Husseini zum Präsidenten und je einen Vertreter aus Yemen, Persien, Aegypten und Sirqbal (Indien) zu Vizepräsidenten. Es wurden Kommissionen für Heilige Stätten, für Kultur und für Propaganda eingesetzt. Wie es heißt, arbeitet der Großmufti darauf hin, Jerusalem zu einem permanenten Islam-Zentrum zu machen und den Islam-Kongreß alle vier Jahre hier zusammentreten zu lassen. Auf dem Kongreß haben sich schon in den ersten zwei Tagen scharfe Spannungen zwischen einzelnen Teilnehmergruppen gezeigt Während der Zeremonien in der Aksa-Moschee entstand ein scharfer Streit zwischen Aegyptern verschiedener religiöser Couleurs um den Vorrang bei der Zeremonie. Auch die gleich am ersten Tage entstandene Spannung zwischen dem Mufti und Schaukat All betreffend die Opposition abstoßenden Mufti-Politik hat sich zu einem ernsten Zwist erweitert, nachdem Schaukat Ali eine Erklärung unterzeichnet hat, ln der er sich «Hüter der Quaba, 4er Keeber-Moscbee und der Aksa-Moschee» und «Schertf des Buraq» nennt. Der Mufti Ist der Ansicht, daß Schaukat Aii Titel usurpiert, die eigentlich nur dem Kalifen sukommtn. Ol« etigllsohe Regierung und der Moelem-Kongreß Colonel Josiali Wedgwood richtete im Unterhaus an den Koloniennilnlster die Frage: ist es dem Minister bekannt, daß die Organisatoren des Moslem-Kongresses in Jerusalem auf dem Kongreß die Frage des Schutzes der Heiligen Stätten des Islam zur Diskussion gestellt haben? Glaubt die Regierung, daß dieser Dlskusslöfispunkt auch die Klagemauer erschließt? Hat die Regierung dem Mufti und den anderen Organisatoren des Kongresses klar gemacht, daß jeder Versuch, die religiösen Gefühle der Moslems gegen die Juden oder die Christen aufzustacheln, für die Regierung ein Grund zum Einschreiten sein wird? Ist den auswärtigen Teilnehmern am Kongreß die Verpflichtung auferlegt worden, jede solche Aufreizung zu vermeiden? Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Herbert Hamilton, erwiderte; Der Regierung ist es bekannt, daß die Klagemauer-Frage auf dem Kongreß erörtert werden wird. Sie habe aber keinen Grund zur Befürchtung, daß Versuche gemacht werden würden, die religiösen Gefühle gegen Juden oder Christen aufzureizen. Als Resultat der Nachforschungen seitens des High Commissioners für Palästina habe ich die Sicherheit gewonnen, daß der Mutti, der die Einladungen zur Teilnahme an den Kongreß versandt hat, sich seiner Verantwortung voll bewußt ist und sich bestrebt zeigt, den Kongreß in einer Weise zu leiten, daß der britischen Regierung und der Regierung Palästinas keinerlei Verlegenheiten bereitet werden. Die Opposition gegen den Multi Jerusalem, 11. Dezember. (J. T. A.) Die arabischen Führer, die in Opposition zum Jerusalemer Mufti Haj Amin el Hussein! stehen, hielten unter dem Vorsitz von Fakhrl Nashashibi am Freitag nachmlt- Zur Ziehung der. IT. Klage© der 28. Klasaealötterie bestellen Sie Ihr Glücksloa bei der Geschäftsstelle der Oesterreichischen Klassetliotterio J. M. Neufeld Wien, II., Krunimbaumgaeeo 16, Tel. A 46*0-65. Höchstmöglicher Gewinn eventuell S 800.000.-—. Lospreiae: 1/1 S 48.—, ’ki S 24.—, »/* 3 12.—, >1» 8 6.—. Die Hälfte aller Lose gewinnt Die Ziehung der II. Klasse beginnt schon am 16. Dezember 1081. raü now tags Im Hotel «König David» zu Jerusalem eine Konferenz ab, der einige hundert Personen beiwohnten. Der Mufti arrangierte für die gleiche Zelt für die Teilnehmer am Moslem-Kongreß ein Frühstück im Orangenhelm in der Nähe von Ness-Ziona, um die Kongreßdelegierten von der Teilnahme an der OpposlSonsberatung abzuhalten. Dennoch sollen, wie verlautet, eine Anzahl Kongreßteilnehmer der Beratung im Hotel «König David» beigewohnt haben. Die ersten Beschlüsse Errichtung einer Moslem-Universität Injerusalem beschlossen. — Werläßt dleHetzbllderzlrkulferen? Jerusalem, 10. Dezember. (J. T. A.) Der ln Jerusalem tagende Islam-Kongreß hat die Errichtung einer Moslem-Universität ln Jerusalem beschlossen. Ein Sonderkomitee wurde eingesetzt, das Plan und Programm der Universität ausarbeiten solL Es wurde weiter beschlössen, in allen moslemitischen Ländern Vereinigungen mosletnitlscher junger Männer nach dem Muster der Ymca Ymha (Palästina- Vereinigung moslemitischer junger Männer) zu gründen. Nach einer einen ganzen Tag lang dauernden Debatte wurde beschlossen, die Rückgabe der für die Mekka-Pilger erbauten Hedschas-Elsenbahn an die Moslems zu verlangen. Sollte die Rückgabe nicht binnen sechs Monaten erfolgen, so solle an den Völkerbund appelliert werden. Bleibt dieser Appell erfolglos, so wird die Welt der Moslems aufgefordert werden, alle englischen und französischen Waren, sowie Waren aus den anderen europäischen und französischen Waren, so wie Waren aus den anderen europäischen Ländern zu boykottieren. König Ibn Saud vom Hodschas und König Felsal vom Irak haben den Kongreß durch kurze Telegramme begrüßt und ihm Erfolg zu seinen Arbeiten gewünscht Auf dem Kongreß bereiten sich Spaltungen vor. Die ägyptischen Delegierten weigern sich, Delegierte ln die Kongreß-Kommission zu entsenden. Es erregte Aufsehen, daß Schaukat AU zwar zum Vorsitzenden des Organisation«- und Rechtskomlteee gewählt wurde, aber ln keine andere Kommission gewählt und Ihm auch sonst keine besondere EhrensteUung im Kongreß eingeräumt ward#. Der bekannte moslemitlsche Dichter-Philosoph Sir Iqbal Shar aus Punjab ln Indien, der als Delegierter am Kongreß teilnimmt, bekämpfte sehr scharf die Idee der Errichtung einer Moslem-Universität ln Jerusalem und führte aus, es sei verfrüht, schon jetzt an die Errichtung einer solchen Universität zu denken, auch sei Jerusalem nicht der geeignete Platz. Nach einer Aussprache Über die Helligkeit des Buraq (Klagemäuer), leisteten die Delegierten den Schwur, alle heiligen Stätten des Moslems mit Ihrer ganzen Kraft 2u verteidigen. Die Palästina-Regierung hat eine gründliche Untersuchung zur Eruierung der Verbreiter der gefälscht tert Photographien, auf denen Juden abgebildet sind, die von Engländern in dem Umgang mit Maschinengeweliren unterwiesen werden, eingeleitet. Exemplar# dieser Fälschung wurden nicht allein unter die Kongreßdeieglerton verteilt, sondern auch in die Wohnungen von Moslems geschickt. Die Fälschungen wurden ln Haifa hergestellt, aber Über Calro nach Jerusalem geschickt. Die arabischen Zeitungen Palästinas äußern sich wenig optimistisch Über den Verlauf des Kongresses. Churchill Uber den Moslem-Kongreß Der führende englische konservative Politiker und Publizist Winston Curchill, der soeben ln New York zu einem Besuch der Vereinigten Staaten elngetroffen ist, gab dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur gegenüber die folgende Erklärung ab: Der gegenwärtig ln Jerusalem stattfindende Islam- Kongreß kann keinerlei Wirkung aut die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims haben. England verursacht dieser Kongreß keinerlei Kopfzerbrechen, und so besteht auch für die Juden kein Grund, sich irgendwelchen Sorgen hinzugeben. Das Unglück des Pass» field-Weißbuches Ist wieder gut gemacht worden. Verlauf der Konferenz der arabischen Opposition In Palästina Jerusalem, 13. Dezember. (J. T. A.) Die Kon* ferenz der arabischen Opposition Palästinas, die im Prunksaal des Hotels «König David» unter, dem Vdf? sitz des Bürgermeisters von Jerusalem,. Ragheb JNaSf hashibi, getagt hat und der neben mehreren htfnde.f« ten Notabein aus ganz Palästina auch die Bürgermeister von Jaffa, Haifa, Geza, Ramleh und NablüS beiwohnten, beschloß, mit den moslemltischen Körperschaften der ganzen Welt in Verbindung zu treten und die Einberufung eines allgemeinen Mosletn-Kongresses, der auf dem Territorium eines moslemi tischen Königsreiches stattfinden soll, durchzusetzen. Die Konferenz beschloß auch, die gegenwärtig stattflnde.ide Moslem-Konferenz, die eine Parteiangelegenheit des Mufti ist, nicht anzuerkennen. -Omaiv.'&aleh erkläfbü* «Wir sind nicht die Opposition, sonderndie Nation!» Die von der Konferenz gefaßten Resolutionen begannen demgemäß auch mit den Worten: «Der Kongreß der Moslim-Nation Palästinas beschließt v... iisjWi, Fakhri Nashashibi und Moghanen Effendi empfirif gen die Vertreter der Presse, unter ihnen auch die Korrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur, der Reuter-Agentur, der «Times» und des «Telegraph» und übergaben ihnen zehn von der Konferenz der Opposition gefaßte Resolutionen, von Jenen eine die Absetzung des Mufti fordert, andere die Unabhängigkeit Palästinas, den Schutz der heiligen Stätten des Islam, den Schutz des Arabertums vor «zionistischer Gefahr» usw. fordern. : Prozeß gegen die poln sehe Regierung wegen des Verbotes tür Christen». Zum jüdischen Glauben überzutreten In Polen besteht bekanntlich auf Grund ein« alten Bestimmung aus der Zeit der Zarenherrschah ein Verbot für Christen, den jüdischen Glauben anzunehmen. Eine Erleichterung wird nur getauften Juden, die zum Judentum zurückkehren wollen, gewährt Der Pole Raczynski aus Puitusk hat sich vor einiger Zeit an das Warschauer Rabbinat mit der Bitte gewandt, ihn in das Judentum aufzunehmen. Da« Rabbinat mußte seine Bitte unter Hinweis auf die Instruktion, keine Proselyten zu machen, zurückweisen. Ein Appell Raczynakis an den Warschauer Regferungskötmrtissär war erfolglos. Schließlich wandte sich Raczynski an das Innenministerium, das sein Gesuch um Erlaubnis zum Uebertritt zum jüdischen Glauben mit dem Bemerken zurückwies, daß unter Raczynski« Vorfahren sich kein einziger Jude befindet und daß darum ein Grund für seinen Uebertritt zunr Judentum nicht besteht. Gegen diesen Entscheid des Innenministeriums hat Raczynski durch Advokat Hartglass beim Obersten Verwaltungsgericht Einspruch in Form einer Klage gegen das Innenministerium erhoben. GrollHaisclinauerei S1EGM. KORN MEHL Zentrale »X, Berggasse iv, Fe.. A l/-a-us u, A16-9-84 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen für ^w>Fleisoh unter Aufsicht des Ehrwürdige Rabbinat« der israelitlscheo Kultusgemeinde Wien &uto*u«**llt*<n0 koilanio» IX, Berggasse 15 XVIII, Wührlngerstraße 97 >

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