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Die Stimme · 1931-12-17 · Heft 206 (17.12.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 206 (17.12.1931)
Date
1931-12-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 206 — 17. Dezember 1931 rückbtteb, der sich dem Prozeß der Auflösung und Assimilation widersetzte und im heroischen Kampf sein eigenes Wesen in der Geschichte auszuprägen strebte. Das kleine Palästina ist der Leitstern der jüdischen Hoffnungen durch Jahrhunderte. Unmittelbar nach dem Kriege glaubten wir unsere Träume erfüllt, wir glaubten, wir würden unseren rechtmäßigen Platz auf eigenem Boden erhalten und der Erniedrigung des Galuth ein Ende machen; heute nach zehn Jahren größter Anstrengung finden wir uns noch immer auf der Schwelle, bedrängt von allerlei Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die aus der Diskrepanz von Ideal und Wirklichkeit fließen. Dennoch haben wir in diesen zehn Jahren Gewaltiges in Palästina geleistet, das auch von kolonisatorischen Autoritäten anerkannt wird. Was aber in der Zukunft? Redner entwickelt an der Hand der Expertengutachten den Gedanken, daß noch 50.000 landwirtschaftliche Siedler, und das würde bedeuten: eine halbe Million Juden in Palästina angesiedelt werden können. Dies ist zwar noch nicht die Lösung der Judenfrage, aber ein gewaltiges, aller Mühe wertes Werk. Es ergeben sich dann aber noch Perspektiven einer zukünftigen Entwicklung des Vorderen Orients, die gar nicht abzuschätzen sind. Eine Vorbedingung für die Durchführung dieser Pläne ist freilich die aktive Unterstützung der Mandatarmacht. Eine zweite Vorbedingung Ist eine Verständigung zwischen uns und den Arabern (wobei Dr. Weizmann die bereits in Nr. 92 der «Jüdischen Rundschau» wiedergegebenen Gedanken darlegt) und drittens der unbeirrte . Glaube an das zionistische Ideal. Palästina gibt dem ganzen jüdischen Volke unschätzbare Werte, deren größter vielleicht das Wissen ist, daß in Palästina eine immer steigende Zahl von Juden die Möglichkeit haben, normal, gesund und produktiv zu leben, als freies Volk, kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung; mit ihrer eigenen Religion und Sprache, mit ihren eigenen Sitten und Bräuchen — eine Nation im besten Sinne des Wortes. Die schriftlichen Botschaften Auf dem Bankett wurden Botschaften von Staatsmännern und führenden Juden verlesen, aus denen wir folgende Bruchstücke wiedergeben: Ministerpräsident MacDonald: Abgesehen .von seiner Arbeit für die Sache des Jüdischen Nationalheims in Palästina, die ein Beispiel praktischen Idealismus gibt und die Bewunderung aller, die ihn kennen, weckt, wird Weizmanns, persönliche Freundschaft von allen, die mit ihm in Berührung gekommen! sind, hoch geschätzt. T! David Lloyd George: Gerne wäre ich dabei ge-' wesen, wo man einen der größten Männer, die aus dem Weltkrieg emportauchten, ehrt Seine hervorragenden Dienste sowohl für Israel wie für das British Empire bilden einen unzerstörbaren Teil der Geschichte. Arthur Henderson: Ich begrüße die Gelegenheit, meine Bewunderung zum Ausdruck zu bringen für die ausgezeichneten Dienste, die Dr. Weizmann der Sache des Jüdischen Nationalheims erwiesen hat. Sir Herbert Samuel, Minister des Innern der nationalen Regierung: Wenn man die letzten 16 Jahre überblickt, die Zeit, während der ich mit Dr. Weizmann und seinem Werk eng verbunden bin, scheint es wunderbar, wieviel geleistet wurde. Endlich wurden die Aspirationen, die lange in jüdischen Herzen latent waren, in hohem Maße erfüllt Felix M. Warburg, New York: Dr. Weizmann weiß, wie tief und warm ich seine Arbeit für Palästina würdige. Seine Selbstlosigkeit im Dienste für das Judentum ist ohne Beispiel, das Geschick und der Takt, die er bei seinen Bemühungen, die verschiedenen Probleme dieses mysterienreichen schönen Landes einer Lösung zuzuführen, gezeigt hat, haben ihm die Achtung aller jener, mit denen er in Berührung kam, eingebracht Oskar Wassermann, Berlinr Außer Baron Edmond de Rothschild, dem Vater der jüdischen Kolonisation, verdient keiner in solchem Maße wie Doktor Weizmann die Dankbarkeit jedes Juden unserer Zeit Botschaften wurden ferner verlesen vom jetzigen Lord Balfour, General Smuts, Rabbi Kook, Prof. S. Alexander, Dr. Cyrus Adler, Kurt Blumenfeld, Emanuel Neumann, der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, verschiedenen zionistischen Verbänden u. a. m. Viscounteß Erleigh, die Tochter Lord Melchetts und Schwiegertochter Lord Readmgs, teilte der Versammlung mit, daß Teilnehmer an dem Diner 9000 Pfund für den Keren Hajessod gezeichnet haben. Walter Eliott, SokoJow und Simon Marks dankten Lord Reading für die Führung. Lord Reading erwiderte, er werde das Andenken an diesen Abend hochhalten. Erklärung der Zionistischen Exekutive zn den Beschlüssen des Weltverbandes der ZIonisten-Revisionisten L Mit wachsender Besorgnis verfolgt die Zionistische Organisation die Entwicklung, die in den Reihen des «Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten» vor steh geht. Die Tätigkeit dieses Verbandes und seiner Mitglieder erregt seit Jahren die Bedenken derjenigen, die auf die Einheit und Geschlossenheit der Zionistischen Organisation bedacht sind. Wenn dem eigenmächtigen und den Prinzipien der Zionistischen Organisation vielfach widersprechenden Wirken dieses Verbandes bis zum 17. Kongreß von seiten der Leitung der Zionistischen Organisation kein Widerstand entgegengesetzt wurde, so geschah dies aus dem Bestreben der Exekutive, so lange dies irgendwie möglich war, allen Zionisten die Mitarbeit in der Zionistischen Organisation zu ermöglichen und auch nur den Schein eines Verdachtes zu vermeiden, als ob sie der Tätigkeit einer Gruppe, die innenpolitisch eine extrem gegnerische Stellung einnahm, irgendwie Hindernisse in den Weg legen und ihr die parlamentarische Austragung ihres Kampfes gegen die Exekutive erschweren wollte. Die Exekutive hoffte, daß bei den Revisionisten, sobald die Leidenschaft des Kongreßkampfes vorüber ist, das Gefühl der Verantwortung und Solidarität den Sieg gegenüber Parteirücksichten Und Separationstendenzen davontragen würde. Diese von der Exekutive geübte Toleranz wurde leider mißverstanden und mißbraucht. Der gegen die zionistische Exekutive geführte Kampf der Revisionisten ist nach dem 17. Kongreß zu einem Kampf gegen die Zionistische Organisation ausgeartet und hat Erscheinungen gezeitigt, denen die Zionistische Organisation nicht länger stillschweigend Zusehen kann. Ende September 1931 hat das Exekutivkomitee des «Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten», der sich bis dahin als «integraler Bestandteil der Zionistischen Organisation» . bezeichnete, in einer in Calais abgehaltenen Sitzung einseitig, d. h. ohne Rücksichtnahme: auf die Verfassung der Zionistischen Orga-; nisation und ohne Fühlungnahme mit deren Leitung, Beschlüsse schwerwiegender Natur über das Verhältnis des «Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten» zur Zionistischen Organisation angenommen, die einer für Dezember d. J. angekündigten Tagung des Revisionistischen Parteirates zur Ratifikation vorgelegt werden sollen. Diese Beschlüsse haben in der gesamten Zionistischen Organisation eine einstimmige' Ablehnung gefunden. Diese in der Presse wiedergegebenen und seither von autoritativer revisionistischer Seite erläuterten Beschlüsse von Calais gipfeln in folgenden Hauptpunkten: Es wird beabsichtigt, den «Weltverband der Zionisten- Revisionisten» zu einer, zum Teil aus Nicht-Schekelzahlern zusammengesetzten, außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden und von ihr unabhängigen, «souveränen» Organisation zu gestalten, die der Einwirkung der Zionisti- ' sehen Organisation nicht unterworfen und niemandem, außer ihrer eigenen Konferenz, Gehorsam oder Rechnung schuldig ist, sich dagegen das Recht vorbehält, durch ihre zionistischen Mitglieder, denen die Erwerbung des Schekels und die Beteiligung am Zionistenkongreß offen stehen sollen, die Entschlüsse und die Tätigkeit der Zionistischen Organisation zu beeinflussen. Der «Weltverband der Zionisten-Revisionisten» beabsichtigt, seine Mitglieder einer Disziplin zu unterwerfen, die hinsichtlich ihrer zionistischen Mitglieder im Falle eines Konfliktes den Vorrang vor der Pflicht der Disziplin gegenüber der Zionistischen Organisation haben soll. Den Zionisten-Revisionisten wird gemäß diesen Beschlüssen bis auf weiteres freie Hand gelassen, über ihr Verhältnis zu den zionistischen Landesverbänden eigenmächtig zu bestimmen, ln der Tat haben in einigen Ländern die Zionisten-Revisionisten ihren Austritt aus den dortigen zionistischen Landesverbänden vollzogen und sind an die Gründung ihrer eigenen «Landesverbände» getreten. Der «Weltverband der Zionisten-Revisionisten» hat von Zeit zu Zeit in illegaler Weise versucht, eine von der Zionistischen Organisation und den von ihr autorisierten Instanzen unabhängige außenpolitische Tätigkeit zu entwickeln und eigenmächtige Schritte bei Regierungen, dem Völkerbund und sonstigen öffentlichen Körperschaften zu unternehmen. Diese Tätigkeit soll, falls die Beschlüsse von Calais verwirklicht werden, endgültig der Beeinflussung und Kontrolle der Zionistischen Organisation entzogen werde». III. Die Exekutive der Zionistischen Organisation sieht sich veranlaßt, gegenüber diesen Beschlüssen folgendes zu erklären: Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation setzt die Unterordnung unter ihre Gesetze und Beschlüsse voraus und ist mit der Zugehörigkeit zu einer außenstehenden Organisation, die ihre Mitglieder einer Disziplin unterwirft, die mit der gegenüber der Zionistischen Organisation bestehenden Disziplinpflicht in Konflikt geraten kann und im Falle eines solchen Konfliktes ausschlaggebend sein soll, unvereinbar. In bezug auf außenpolitische Betätigung gilt in der Zionistischen Organisation der Grundsatz, daß Sonderverhandlungen mit Regierungen und dem Völkerbund von Zionisten und zionistischen Gruppen nur mit Genehmigung der Exekutive geführt werden dürfen und daß in besonderen Fällen auch außenpolitische Sonderaktionen anderer Art, auf ihr Verlangen nur nach Verständigung mit ihr vorgenommen werden dürfen. Die von der Majorität des Kongresses gewählte, verantwortliche Leitung ist stets bereit, den einzelnen zionistischen Gruppen, soweit dies mit dem Gesamtinteresse verträglich ist, Aktionsfreiheit auch in bezug auf politische Betätigung zu gewähren, sie muß sich aber das Recht Vorbehalten, darüber zu wachen, daß vitale Interessen des jüdischen Volkes durch vorsätzliche Mißachtung dieser Grundsätze nicht gefährdet werden. Innerhalb der Zionistischen Organisation, die auf demokratischer Grundlage aufgebaut ist, gibt es Raum, Gesinnungs- und Aktionsfreiheit für Zionisten der verschiedensten Anschauungen, die sich den Gesetzen und Beschlüssen der Zionistischen Organisation unterordnen. Sofern diese Voraussetzung erfüllt ist, besteht für Zionisten revisionistischer Gesinnung kein gesetzliches Hindernis, wenn sie es wün* 1 sehen und den Bedingungen der Verfassung entsprechen, mit Zustimmung des Aktionskomitees innerhalb der Zionistischen Organisation einen Sonderverband zu bilden. Solange sie keinen anerkannten Sonderverband bilden, können Zionisten-Revisionisten nur durch die zionistischen Landesverbände (der Allgemeinen Zionisten) der Zionistischen Organisation angeschlossen sein, in deren Rahmen jedem Zionisten und jeder zionistischen Minorität ein weites Maß von Bewegungsfreiheit gesichert ist. Revisionistische Vereinigungen und Landesgruppen, die eigenmächtig außerhalb der Zionistischen Landesverbände gebildet werden, sind nach dem Statut der Zionistischen Organisation (§ 3) unzulässig und haben kein Recht, sich, als zionistisch zu bezeichnen^ oder die Rechte von zionistischen Landesverbänden oder Sonderverbandsgruppen für sich in Anspruch zu nehmen. IV. Die auf dem nationalen SdtiähritätsbewuBi&eitf ‘begrün*! dete Einheit der Zionistischen Organisation und ihre .in schwerer, mehr als dreißigjähriger Arbeit errungene Stellung im jüdischen Volke und in der Außenwelt, müssen mit aller Kraft gegenüber destruktiven Tendenzen geschützt werden-i Im Bewußtsein ihrer Verantwortung für die Wahrung dieser Einheit sieht sich die Leitung der Zionistischen Organisation, der jede Absicht einer Unterdrückung abweichender Anschauungen innerhalb der Organisation fremd ist, gezwungen, ihre warnende Stimme zu erheben und zu erklären, daß die Zionistische Organisation einer auf organisatorischem und politischem Gebiet einreißenden Anarchie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten wird. Die Exekutive hält es für ihre Pflicht, auf die Konsequenzen hinzuweisen, die sich aus der Verwirklichung der Beschlüsse von Calais ergeben müßten. Sie behält sich vor, die ihr notwendig erscheinenden Maßnahmen zu treffen und dem Aktionskomitee entsprechende Vorschläge zu unterbreiten, um die Einheit und Unversehrtheit der Zionistischen Organisation gegen jeden Angriff zu schützen. Exekutive der Zionistischen Organisation. London, 7. Dezember 1931. Die Frage des Jüdischen Selbstschutzes Colonel Wedgwood fragte den Kolonionminister, ob er im Hinblick auf die wachsende Unsicherheit Palästina den Juden erlauben würde, Waffen zur Selbtsverteldigung zu tragen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Robert Hamilton, erwiderte: Ich kenne nicht die Gründe für die Behauptung, daß die Unsicherheit in Palästina zunimmt, auf jeden Fall kann sich Colonel Wedgwood auf den High Commlssioner verlassen, der, wo nötig, besondere Schutzmaßnahmen außer den bereits bestehenden empfehlen wird. Wedgwood: Ist Sir Robert Hamilton über die Ermordung zweier junger Juden unterrichtet? Weiß er, daß In Palästina 22 Morde durch Araber begangen v/erden sind? Sir Robert Hamilton: Es wurde hierüber vom High Commlssioner ein Bericht angefordert, der Bericht ist noch nicht eingetreffen. Jubiiäumsjahr des Keren Kajemeth und der Chibbath Zion! Juden! Beteiligt Euch an der Errichtung der Chibbath ■■mhmhphmhhpZion-Kolonie auf Keren Kajemeth-Bod«nI

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