Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-12-17 · Heft 206 (17.12.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 206 (17.12.1931)
Date
1931-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053960--2698-3058150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

V. b. b. BEZUGS« BEDINGUNGEN Oesterreich aioiinl lieb S I Vj. <»ieriel fährt S 4 20, jährl. S 16neutschltl. viertel fährt KM V— T«ch(du'rlo»Htei viertel) Kc 24 — |u««islstt'iei> derlei fährt Dm 40 - Pole» *tei««>l|fthf lieh Zlcm (i'*0 Ungarn vierteltfiht lieb Pengf 4-2t) PtiitnänteD vjenel Chrl Lei 120 - ehrige» Ausland eierrelt'Mhrl Sch«1 Franken 4*50 Jüdisdte Zeitung Preis 35 g Erscheint jeden Donnerstag Redaktion and Administration Wien I- Kummer «traft» 28 Tal R-27 4-86 Postsparkassen* kontii Oeatert D 113 546 Polen . 191.199 1 «checho* «lowatel 500.230 luitoslau'ien 40.879 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 17. Dezember 1931 (7. Tebeth 5692) _ i\ummer SC Grosser Weizmaiui* Abend In London Imposante Veranstaltung der englischen Judenhelt - Botschaften von MacDostald, Samuel, Henderson, Thomas, Amery u. v. a. Am 7. Dezember abends fand im Grosvenor House, Park Lane, zu London ein von der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation veranstaltetes großes Bankett zu Ehren von Dr. Chaim Wcizmann statt. Es war dies die glänzendste Veranstaltung, die die englische Judenheit seit einer langen Reihe von Jahren gegeben hat. Prominente englische Staatsmänner aller Parteien und Führer der Judenheit in der ganzen Welt vereinigten sich zu einer Huldigung für den früheren Präsidenten der Jewish Agency. Etwa 700 Persönlichkeiten nahmen an dem Diner teil. Den Vorsitz führte Lord Reading. Lord Reading sprach zunächst Worte der persönlichen Bewunderung für Dr. Weizmanns Charakter und seine staatsmännische Leistung. Sodann schilderte er ausführlich Weizmanns. Lebensgang, seine Verbindung mit dem Zionismus und sein öffentliches Wirken seit dem Jahre 1917. Hierbei spielte der Redner auch auf die Kritik an, die Weizmann erdulden mußte, wie jeder im politischen Leben stehende Mann. Niemand dürfte aber vergessen, daß Weizmann unüberwindlich scheinende Hindernisse überwunden hat, weil er nie schwankte und nie den Mut und den glühenden Glauben an seine . Sache verlor. Unter Hinweis auf die jüdische Bevölkerung Palästinas sagte Lord Reading, indem er hervorhob, dies sei «die einzige politische Anspielung, die er an diesem Abend machen wolle»: diese Menschen haben Anspruch auf Sicherheit unter der Aegide der britischen Regierung. Als zweiter Redner sprach der frühere Minister der Kolonien und konservative Führer fragte man mich einmal, ob ich pro-jüdisch oder proarabisch sei. Ich antwortete: Ich bin pro-palästinensisch. Denn ich glaube, die Errichtung eines jüdischen Heims in Palästina bedeutet nicht eine Benachteiligung der Araber. Ich glaube, daß der Genius Ihres Volkes, seine Liebe und Hingabe für eine Sache nicht die arabische Sache zu schädigen braucht und auch nicht wird. Ich glaube, daß Ihr Ideal nicht Feindseligkeit ist, sondern Zusammenarbeit. Nicht nur als Mitglied der nationalen Regierung, sondern auch als Mitglied der Arbeiterpartei — diese Etikette mag man mir streitig machen, deren Geist nimmt man mir nicht — sag.ich Ihnen, Dr. Weizmann, Dank für das, was Sie getan haben. Sie haben uns ein edles Beispiel gegeben, indem Sie Ihr Leben der großen Sache eines großen Volkes und einem großen menschlichen Ideal geweiht haben. Sokolows Trinksprucli auf Readiirg Nahum Sokolow brachte den Toast auf den Vorsitzenden des Abends, Lord Reading, aus. Namens der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency gedachte der Redner zunächst der engen Verbundenheit dieser zwei Körperschaften mit England und dankt dann Lord Reading, Amery, Thomas, Elliot und den anderen Anwesenden für ihr Erscheinen. Die Freundschaft solcher Männer ist für uns eine Stärkung in der Erfüllung unserer Pflichten und unserer Opfer. Uebergehend auf die Persönlichkeit des Vorsitzenden sagt Sokolow: Wir Juden bewundern unsere genialen Männer, sie sind in schweren Zeiten unser Trost. Es sei ein besonderer Vorzug, in England, m KAI5ER5TR. 123 A'-ÄLSER5TFL 6 S15 - S 20 -S 28’. . t'Vjr -P *H ..... —...- ---— r* ö Eh {3 diesem klassischen Land der großen PoIuik, au» Staatsmann sich durchzusetzen. England ist bis heute die hohe Schule der Staatskunst, wo Mäßigung, Geduld, inneres Gleichgewicht mit unerschütterlicher Treue festgehalten werden. Aus diesem Grund hat auch das jüdische Volk darauf bestanden, daß England das Mandat erhält. Wir vertrauen auf Englands Staatskunst und darum sind wir glücklich, daß auch der jüdische Geist einen gewissen Anteil an ihr hat. Dies verkörpert sich in der Gestalt Lord Readings. Er (der ehemalige Vizekönig von Indien) ist einer der großen Hersteller der Einheit von Ost und West Dieser Einheit gilt auch unsere Arbeit in Palästina. Unsere Schwierigkeiten in Palästina sind vorübergehend, ihre Vorteile sind dauernd. Unsere Arbeit wird allen Teilen der Bevölkerung dienen, ebenso wie dem jüdischen Volk und der Mandatarmacht. Sie ist bestimmt, einleuchtendes Beispiel einer durch harte Arbeit und ungestörten Frieden errungenen Wiedergeburt zu werden. Möge das Interesse des Zionismus und das Großbritanniens niemals als verschieden angesehen werden! Möge niemals ein Gegensatz zu den realen Interessen des arabischen Volkes entstehen, dessen Fortschritt und Wohlergehen für uns alle von größtem Wert sind! Möge die Saat der Zwietracht, die durch Vorurteile und Unwissenheit ausgestreut wird, niemals im heiligen Boden Palästinas dauerndes Wachstum finden! Dr» Weizmanns Rede L. S. Amery Er sagte u. a.: Wir huldigen heute einem hervorragenden Manne, Gelehrten, Staatsmann, Diplomaten, einem Manne, mit dem sich wenige vergleichen können, der seine hohen Gaben in den Dienst eines rein idealen Zieles gestellt hat. In einer kritischen Zeit der englischen Geschichte hat sich Großbritannien verpflichtet, das Jüdische Nationalheim zu fördern. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die glauben, daß das Britische Reich seinen Zenit überschritten hat und der Auflösung entgegengeht. Im Gegenteil, ich glaube an eine Erneuerung des Reiches durch neue Formen, durch biegsamere konstitutionelle und wirtschaftliche Bindungen. Uebergehend auf die Gegensätze zwischen Juden und Arabern in Palästina, sagte der Redner, es sei für den Erfolg Großbritanniens in Palästina unerläßlich, daß — ungeachtet unseres unerschütterlichen Treueverhältnisses zu den Juden — wir mit Geduld und Ausdauer das Wohlergehen der arabischen Bevölkerung fördern und sie für den Gedanken eines gemeinsamen palästinensischen Patriotismus gewinnen, an welchem Juden und Araber mit gleichem Stolz und gleichen Vorteilen Anteil haben. In dieser Aufgabe erwarten wir auch Hilfe von den Juden. Der Minister für die Dominions J. H. Thomas ührte, seine Worte direkt an Weizmann richtend, unter anderem aus: Klar und entscheidend sagten Sie: Ich bin Jude, Ich bin Zionist, aber nicht das allein: ich will dafür kämpfen, daß mein Volk eine Heimat hat. Ein Mann, der so viel von seinem Leben, seiner Kraft und seiner Liebe für diese Sache hergibt, ist wert, von uns geehrt zu werden. Als ich noch Kolonienminister war, ■RBMSS9SSBHSS9B5S9S9RS9S9S6SSS9990E9SS9ES9SBRS9SI Die Fortsetzung des Romans „D e r großeW ahn sinn“ mußte wegen Raummangels in dieser Nummer ent• fallen. Die Red* Dr. Weizmann dankt zunächst für die ihm gewidmeten freundlichen Worte und führt aus, unsere Bewegung stehe heute wieder wie vor 25 Jahren am Scheidewege. Die Welt macht eine schwere Krise durch, voll Not und Anstrengung, vergleichbar nur mit der Zeit des Weltkrieges, aber ohne jene großen Hoffnungen für die Zukunft, die die Menschheit am Ende des Krieges gehabt hat. Aber trotzdem wage ich zu sagen, daß unsere Bewegung die stärkste aufbauende Kraft im Judentum geblieben ist, und was heute um uns herum geschieht, ist nur ein neuer Beweis für die große Rolle, die die Bewegung im jüdischen Leben der Zukunft zu spielen hat. Dr. Weizmann entwirft dann ein eindrucksvolles Bild der jüdischen Lage in den verschiedenen Ländern der Welt. Er befaßt sich insbesondere mit dem Judentum in Sowjetrußland und den Vereinigten Staaten von Amerika. In Rußland ist das Judentum in Auflösung, in Amerika leben die Juden nach einer Zeit kurzer Blüte heute in schwerer ökonomischer Not mit allen Erscheinungen des Galuthlebens. Man könnte die Lage der Juden in der Welt heute so kennzeichnen, daß man sagt, sie sind in den einzelnen Ländern eingeklemmt ohne die Möglichkeit eines physischen Entrinnens und suchen daher einen Ausweg durch Anschluß an die nichtjüdische Welt. Dies stärkt alle zentrifugalen Kräfte und bedroht das jüdische Leben mit einem endgültigen Zerfall. Kein anderes Volk der Welt steht einer derartigen Gefahr gegenüber. Aber wir wissen aus der jüdischen Geschichte, daß selbst beim Untergang großer Teile des Volkes, ja seiner Mehrheit, immer ein Rest zu- Protestversammlungen Die Vorfälle an der Universität und das Studentenrecht Samstag, den 40. <fs^ um 8 Uhr abends. Sektion I im Saale des Alten Rathauses, I., Wipplingerstraße 8 Montag, den 24. ds.# um 8 Uhr abends. Sektion IIf Leopoldstadt Im Heime, II., Praterstraße 13 Dienstag, den 29« ds», um 8 Uhr abends. Sektion XVl/XVll im Saale des Mag. Bezirksamtes, XVII., Elterleinplatz 14 Redner: Dr« Josef Löwenherz, Dr« Desidee Friedmann, De» Oskar Grllfibaum, De» Michael Steinberg 1 «Universität

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.