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Die Stimme · 1931-12-10 · Heft 205 (10.12.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 205 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 205 — 10. Dezember 1931 Zum Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Vereinigung äür Deutschland Richtigstellende Bemerkungen zu einem Artikel von Herrn Richard Lichtheim Wir erhalten von wohlunterrichteter Seite folgende Bemerkungen zu dem Artikel, den Herr Richard L i c h t h e i m in der «.Neuen Welt* vom 13. d. M. veröffentlicht. Dieser begründet in diesem Artikel den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und bekämpft den Anschluß der sezedierenden Revisionisten durch die Zionistische Vereinigung fvir Deutschland als illegal. Der Artikel Licht heims enthält einige tatsächliche Behauptungen, die nicht utmvidcrsproehcn bleiben dürfen. Lichtheim behauptet, daß die Revisionisten einen zionistischen Sonderverband bilden und dieselben Rechte wie die anderen Sonderverbände (Poale Zion, Hitachduth, MisrachH für sich in Anspruch nehmen können. Demgegenüber sei testgestellt, daß es nach dem Statut der Zionistischen Organisation nicht genügt, wenn eine Partei sich selbst zu einem Sonderverband erklärt, sondern daß dazu nach Erfüllung gewisser Bedingungen die ausdrückliche Anerkennung durch das A. C. erforderlich ist. Die Revisionisten haben sich um diese Anerkennung nie beworben und haben sie demgemäß auch nicht erhalten. — Es ist merkwürdig, daß Herr Lichtheim, der selbst einmal das Organisations-Departement der Zionistischen Exekutive leitete, sich über diese Tatsache so leicht hinwegsetzt. Es ist klar, daß jede Organisation dem unvermeidlichen Zerfall preisgegeben wäre, wenn sie einfach der Willkür ihrer Mitglieder ausgesetzt wäre, den Rahmen der bestehenden Unterverbändc zu sprengen und nach Belieben neue Gründungen zu bilden. Herr Lichtheini gibt zu, daß die Revisionisten keinen Sonderverband im «technischen Sinne» bilden, geht aber über diese Tatsache mit der eigentümlichen Bemerkung hinweg, daß die Bestimmung des Statutes, wonach ein Sonderverband über mindestens 20.000 Schekelzahler verfügen muß, veraltet ist. Wenn dies der einzige Grund ist, weshalb die Revisionisten sich um die Anerkennung als Sonderverband bisher nicht beworben haben, so ist es sehr schwer, ihn mit dem im weiteren Verlauf des Artikels enthaltenen Hinweis auf die über 60.000 (richtiger 55.848) Stimmen in Einklang zu bangen, die die revisionistischen Kandidaten bei den Wahlen zum 17. Kongreß erhalten haben. Man müßte annehmen, daß eine Partei, die so stark ist, Mittel finden werde, um die Zahl der ihr angehörenden Schekelzahler nachzuweisen, falls sie ernstlich die Anerkennung als Sonderverband wünscht. Herr Lichtheim erwähnt, daß die revisionistischen Delegierten eine Fraktion auf den Kongressen bilden und im A. C. vertreten sind. Die Tatsache, daß die Revisionisten besondere politische Anschauungen vertreten, sich am Kongreß beteiligen und dort eine Fraktion bilden, wird von niemandem bestritten. Kongreßfraktionen bestehen aber nur während des Kongresses und ihre Mitglieder können nach dem Kongreß nur innerhalb der Landesverbände und der anerkannten Sonderverbände, denen sie angehören, arbeiten. Es ist auch nicht uninteressant, bei dieser Gelegenheit festzustellen, daß die Revisionisten sich jetzt als Sonderverband oder Fraktion aufspielen, während sie sonst jahrelang gegen die Fraktionisierung der Zionistischen Organisation aufgetreten sind. Herr Lichtheim nimmt für die Revisionisten das Recht in Anspruch, außerhalb der zionistischen Landesverbände nach dem Muster der anerkannten Sonderverbände Landesgruppen zu bilden. Hierzu sei bemerkt, daß das Organisations-Statut klipp und klar die Regel aufstellt, daß die Zionistische Organisation sich in Landesverbände und Sonderverbände gliedert und daß die Gründung von Neubildungen außerhalb der Landes- und Sonderverbände nur ausnahmsweise unter gewissen Bedingungen und nur mit Genehmigung der Exekutive erfolgen kann. Wenn daher gegen die Existenz revisionistischer Gruppen innerhalb der zionistischen Landesverbände, sofern sie den (jesetzen dieser Landesverbände entsprechen, kein Einwand erhoben werden kann, ist die Schaffung von revisionistischen Landesgruppen außerhalb der Landesverbände vom Standpunkt der zionistischen Verfassung absolut illegal und kann nur zur Anarchie führen. Herr Lichtheim stützt sich darauf, daß trotz ihrer Ungesetzlichkeit die organisatorischen Maßnahmen der Revisionisten in den letzten Jahren geduldet wurden una daß die Revisionisten bisher praktisch alle Rechte und Pflichten eines Sonderverbandes hatten. Die Toleranz der Zionistischen Organisation, die jahrelang gegenüber den revisionistischen Extravaganzen ein Auge zudrückte, um der revisionistischen Opposition keinen Grund zur Klage zu geben, daß sie »niD ‘wm näcn bjn streng orthodox, sucht Steifung. Honorar mäßig. Referenzen vorhanden. Zuschriften erbeten unter «Vorbeter» an die Adm. d. BI. von offizieller Seite unterdrückt wird, soll jetzt wohl gegen die Zionistische Organisation ausgcbcutet und als eine Legalisierung eines ungesetzlichen Zustandes angesehen werden. Diese Argumentation wird wohl von niemandem, der die Zionistische Organisation vor Anarchie schützen will, ernst genommen werden. Es ist vielleicht richtig, daß die Revisionisten sich die Rechte von anerkannten Sonderverbänden anmaßen, man möchte aber gern von Herrn Lichtheim erfahren, welche Pflichten eines Sonderverbandes sic erfüllt haben. Was die erste grundlegende Pflicht eines jeden Bestandteiles einer Organisation anbetrifft, nämlich die Unterwerfung unter ihre Gesetze und die Wahrung der Disziplin, so ist die Stellungnahme de.r Revisionisten, ihr Verhalten zu Kongreßbeschlüssen, ihre Taktik gegenüber zionistischen Instanzen und ihr eigenmächtiges außenpolitisches Auftreten hinlänglich bekannt. S. T. Protestversammlung der jüdischen Studenten Mittwoch, den 2. Dezember 1931, fand im Saale des Hotel Continental eine vom Gesamtverbande jüdischer Hochschüler Oesterreichs, «J udäa», einberufene Protestversammhing gegen die antisemitischen Ausschreitungen in Wien statt. Irrr dichtgefüllten Saale überwog die studentische Jugend, die vielfach in Farben ihrer Hoch- und Mittelschulcou'.eurs &>■ schienen ist. Aber auch sehr viele jüdische Bürger waren anwesend, ein Beweis dafür, daß die Ausschreitungen an der Wiener Universität auch die jüdische Bürgerschaft aus ihrer Teilnahmslosigkeit aufrütteln. Der Präses der «Judäa», Herrr Deszö W e i s z, eröffnete die Versammlung und schilderte kurz die Lage an der Universität in Wien und hielt den in Polen getöteten jüdischen Studenten einen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Er berichtete weiters über die Gründung der «Haganah» und forderte alle jüdischen Studenten auf, der «Haganah» beizutreten. Sodann ergriff das Wort der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Herr Dr. Oskar Grünbaum. Redner bein Wien wohnhaft, werden auf diesem Wege eingeladen, sich zwecks Gründung eines Przemysler Vereines am Samstag, den 26. d. M., 8 Uhr abends, im «Wiener Ring-Cafd», I., Stubenring 18, im eigenen Interesse treffen zu wollen. Das Komitee. grüßte zunächst die Studentenschaft namens des Landeskomitees, des Klubs der Mandatare und des Verbandes der Allgemeinen Zionisten, kritisierte das Verhalten der Regierung und verlas den in der Frage des Studentemrechtes vom Landeskomitee verfaßten Aufruf. Redner widersprach den Ausführungen Gleispachs in der Versammlung der Deutschen Studentenschaft, daß die «Judäa» auf rassischer Grundlage beruhe. Das sei falsch. Wir haben mit Rassenschnüffelei nichts zu tun. Die Zugehörigkeit zunr jüdischen Volke ergebe sich aus dem Bekenntnis des einzelnen zum jüdischen Volke, wozu noch als unumgängliches Korrelat das Bekenntnis zur jüdischen Religion komme. Er kritisierte die Ghettoangst der «Union», die sich über den Ausdruck «jüdische Volkszugehörigkeit» ereifert habe. «Wir stehen unerschütterlich für das nationale Prinzip ein, verlangen abör nicht nur die Gleichberechtigung am Papier, sondern auch faktisch gleiche Geltung.» Die Studentenschaft müsse sich darüber klar sein, daß auf ihren Schultern eine schwere Verantwortung liege. Redner forderte die Studentenschaft zum Eintritt in die «Haganah» auf und versichere sie, daß das Landeskomitee stets zu ihr stehen werde. Dr. Pachtmana appellierte an die jüdischen Studenten, die schwere Zeit, die dem Kriege gleicht, sich vor Augen zu halten. So wie es im Kriege vor allem auf die Soldaten ankommt, so ist es auch jetzt. «Wir brauchen Soldaten und das sind die Studenten». Dr. Israel W a 1 d nr a n n (Radikale Zionisten) begrüßte die Erklärung des Zionistischen Landeskomitees, welches sich hinter die Studenten zu stellen vemspricht. Et wendete sich mit heftigen Worten gegen die sozialdemokratische Partei Oesterreichs, die die Vorfälle vom 28. November an der Wiener Universität in ihren Zeitungen nicht erwähnt hat. Insbesondere wandte sich Redner gegen die Juden in der Sozialdemokratie, die ebenfalls geschwiegen hätten. Br kritisierte das Verhalten der «Agudah» in Warschau, welche die Protestversammlung der amerikanischen Judenschaft gegen die antisemitischen Ausschreitungen in Polen mißbilligte und erklärt hat, daß dies eine Einmischung in fremde Angelegenheiten wäre. Namens des Seniorenkonvents der wehrhaften jüdischen Studentenverbindungen sprach cand. med. Reif. Auch er forderte die Studenten zunr Eintritt in die «Haganah» auf. In seinen Ausführungen verwahrte sich Oberbaurat Stricker gegen den Ausdruck: Pogrom. «Was an der Wiener Universität vorgeht, ist kein Pogrom. Da werden nur zwei, drei Dutzend jüdischer Studenten verprügelt. Wo sind aber die tausende jüdischen Studenten, die an der Universität inskribiert sind? Warum sieht man d i e nicht, wenn die Hakenkreuzler aufmarschieren?» Mit dem Absingen der «Hatikwah» wurde die Versammlung geschlossen. Du-Nek. Sonntag, den 20 Dezember 1931, 8 Uhr abends" ira Konzertsaale „Post", 1., Fleischmarkt Nr. 24 KONZERT zu wohltätigem Zwecke „Das jiid. Lied u. Volkslied” (ftebr. u. Jiddisch) italienisch-neapolitanische Lieder und Romanzen J. SEGAL-ROSENBflCH (Tenor) Mitwirkend: Prof. JoseV JEliiffbler (Violine) Jüd. Volksmelodien, chassidische und jüdische Hochzeitstänze — Populäre Preise — Kartenvorverkauf: Bücherstube Rath, 11., Taborstr. 20a Der entlarvte Putschplan der Judenmfirder in Ungarn Hundert Juden sollten vor die Maschinengewehre gestellt werden Im ungarischen Abgeordnetenhaus erklärte der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Györki, der Innenminister Keresztes-Fischer sei Mitglied einer Geheimorganisation und hätte in einer Versammlung dieser Organisation angekündigt, daß im Februar in Deutschland Hitler, in Oesterreich Starhemberg die Macht an sich reißen würden; dann würde in Ungarn die Ministerpräsidentschaft des Honvedministerjs Gömbös folgen. Es wurde auch gesagt, daß es die erste Pflicht der neuen Regierung sein werde, das jüdische Kapital zugrunde zu richten und nur diejenigen Bankiers im Lande zu belassen, die geneigt sind, ihr Vermögen für rassenschützlerische Zwecke herzugeben, wie auch jeder einzelne Punkt des rassenschützlerischen Programms verwirklicht werden soll. Wenn man das Programm der jetzt verhafteten Desperados mit diesen Zielsetzungen vergleicht, so sieht man, daß sie einander fast aufs Haar gleichen. Immer wieder sehen wir die gleichen Erscheinungen: wird irgendeine Aktion vorzeitig enthüllt, dann kommen die Vertuschungen. Unter großem Lärm erklärte Dr. Györki: Ich kann einem solchen System nicht Glauben schenken, wo noch immer die Mörder Somogyies und Bacsos sn staatlichen Diensten stehen: der eine beim Militär, der andere bei der Gendarmerie; einem System, das einen 32fachen Mörder (Györki spielte auf Ivan Hejjas an, der in der Zeit des weißen Terrors 32 jüdische Bürger ermorden ließ) hierher, in die Legislative, gebracht hat. Die Budapester Zeitungen teilen mit, daß die eigentlichen Parteiführer der zusammengebrochenen Putschpartei außer dem Vaszony-Mörder Vannay und Molnar noch der berüchtigte Judenmörder Franczia- Kiß, der Führer der sogenannten „Sensen-Partei», und der Führer der „Blauhemden» Ladislaus Budavary, der als Abgeordneter in der ersten Nationalversammlung einer der ungestümsten antisemitischen Radaumacher gewesen ist, waren. Die behördlichen Organe fanden genaue Planskizzen jener privaten Gebäude, Banken und Anstalten, in denen Geld zu finden wäre. Den Aussagen der Verhafteten zufolge hätte man t&eabsichtigt, Hunderte jüdischer Kaufleute nach der Generalwiese zu schaffen, sie dort vor die Maschinengewehre zu stellen und die Angehörigen aufzufordern, binnen 24 Stunden das geforderte Lösegeld zu erlegen, da sonst die Maschinengewehre losgehen würden. Leichenschändung in der Berliner Anatomie Die kommunistischen Zeitungen «Berlin am Morgen* und «Welt am Abend» brachten Mitteilungen über Exzesse, die von nationalsozialistischen Studenten und Studentinnen der Medizin in den Leichenkellern der Anatomie verübt worden sein sollen. Es wurde behauptet, daß Studentinnen und Studenten seit längerer Zeit darauf ausgehen, eingelieferte Leichen jüdischer Personen systematisch zu schänden. Mit Hilfe von Seziermessern werden Hakenkreuze und Runen in die für Studienzwecke bestimmten Leichen geschnitten. Die kommunistischen Zeitungen behaupten, sie hätten sich von der Richtigkeit dieser Mitteilungen überzeugt, wenn auch di« amtlichen Stellen der Universität sich schweigsam verhalten, Die Taten der angehenden Mediziner des Dritten Reiches hätten bereits zu wiederholten Zusammenstößen mit anders gesinnten Studierenden geführt. Wie die Jüdische Teiegraphen-Agentur erfährt, treffen diese Darstellungen zwar nicht in vollem Umfange zu, das eine aber ist bereits festgestellt worden, daß in der vergangenen Woche im Saal der Studentinnen in einen zu sezierenden Oberschenkel einer jüdischen Leiche ein Hakenkreuz hineingeschnitten worden ist. Jüdischer Student aus gutem Hause, mit Sprachkenntnissen (Hebräisch, Französisch, Latein) sucht Nachhilfestunden oder Hofmeisterposten. Beste Referenzen. Unter: Pädagog. O

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