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Die Stimme · 1931-12-10 · Heft 205 (10.12.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 205 (10.12.1931)
Date
1931-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 205 — 10. Dezember 1031' Der Moslem-Kongreß in Jerusalem eröffnet Schaukat Kli Uber die Ziele des Kon fUdlsehe vesses - Gegen Balfouv-Deklarailon und Inwanderung Jerusalem, 7. Dezember. (J. T. A.) Am Sonntag, den 6. Dezember, abends, wurde der vom Groß- Muftl von Jerusalem, Al Haj Amin el Hussein!, elnberufene Weltkongreß der Moslems eröffnet. Es zeigte sich sofort, daß man keineswegs von einem eigentlichen «Weltkongreß» sprechen könne, da sich nur Delegierte aus den vorderasiatischen Ländern, aus Persien und einigen europäischen Staaten, wie Jugoslawien, zu den Beratungen eingefunden hatten. Die zentrale Figur des Kongresses ist Schaukat Ali, einer der Führer der indischen Moslems, der zwei Tage vor Kongreßeröffnung in Begleitung seines Sohnes und des Scheichs Taftazni aus Kairo in Jerusalem eingetroffen und vom Mufti auf dem Bahnhof empfangen worden war. Es fiel auf, daß Fakhri Nashashibl, einer der Führer der Opposition gegen den Groß-Mufti, gleichzeitig am Bahnhof erschien und ein Gespräch mit Scheich Taftazni hatte. Der Groß-Mufti erlaubte es nicht, daß Pressevertreter mit Schaukat Ali sprechen. Einige englische Pressevertreter wurden eingeladen, der Eröffnung des Kongresses beizuwohnen, den eigentlichen Beratungen aber, die auf dem Gebiete der Omar-Moschee stättfinden, dürfen nur Moslems beiwohnen. Im Gegensatz zu der Erklärung des Groß-Mufti an die Palästina-Regierung, daß sich der Kongreß einzig und allein mit religiösen und kulturellen Fragen des Islam beschäftigen wird, teilte Schaukat Ali einem Korrespondenten der in Kairo erscheinenden «Bourse Egyptienne» folgendes über Programm und Ziele des Kongresses mit: Die Beschlüsse, die der Kongreß des Islam in Jerusalem annehmen wird, werden für alle Moslems in der gleichen Weise bindend sein, wie etwa Beschlüsse des Kardinalkollegiums für alle Katholiken bindend sind. Hauptziel des Kongresses ist, die Welt des Islam den Gefahren europäischer Kultur, die unsere Jugend vergiftet, fernzuhalten. Der Kongreß wird sich ferner mit der Frage der moslemitischen heiligen Stätten in Palästina befassen und wird Jerusalem als ein heiliges Zentrum für die Moslems proklamieren. Die Errichtung einer Moslem-Universität in Jerusalem ist ein Gebot der Stunde; .wir wollen der Moslem-Jugend Gelegenheit geben, außer moslemitischer Literatur und Kultur auch Gebiete des allgemeinen Wissens, wie es an modernen Universitäten gelehrt wird, zu erobern; wir wollen gute und treue Moslems heranbilden, die den Kampf um die Existenz der Moslems fortführen sollen. Die Balfour-Deklaration, erklärte Schaukat Ali weiter, existiert für uns nicht. Wir haben sie nie anerkannt und werden sie nie anerkennen. Die jüdische Einwanderung in Palästina muß gestoppt werden, damit keine Arbeitslosigkeit herrscht. Sollte die jüdische Einwanderung entgegen unseren Forderungen andauern, so werden wir Mittel und Wege finden, eine moslemitische Einwanderung zu organisieren; wir werden sehen, wer dann gewinnen wird. Palästina ist den Moslems ebenso heilig wie Mekka, keine Macht der Welt kann uns Moslems daran hindern, dieser Frage unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Schaukat AU schloß: Ich widersetze mich keineswegs einer Verständigung zwischen Arabern und Juden. Wenn ich auch gegen ein Jüdisches Nationalhelm bin, habe ich doch nichts dagegen, daß man sich mit den Zionisten, die bereits in Palästina sind, in der Weise verständigt, daß sie in Palästina verbleiben, aber ihre Forderung nach Sonderrechten und Privilegien aufgeben. Oie Opposition gegen den Moslem-Kongreß — Eine offizielle Erklärung der türkischen Regierung — Auch die Regierung der anderen Moslem - Staaten auf dem Kongreß nicht vertreten Die in Beirut erscheinende Zeitung «Al Ahrer» veröffentlicht eine Erklärung des Kriegsministers der Hedschas-Regierung, Jamal el Gazzi Pascha, wonach das Volk der WahaMten und die Regierung des Hedschas gegen die Abhaltung des Moslem-Kongresses in Jerusalem, das unter Mandat steht, sind. Wenn schon, so hätte der Kongreß im Hedschas stattfinden sollen. König Ibn Saud befaßt sich mit dem Gedanken, einen Kongreß nach Mekka einzuberufen, der Plan werde aber nicht sobald verwirklicht werden. Die Gesandtschaft der Länder Hedschas und Neschd In Kairo erklärte Vertretern der Presse gegenüber, daß ihre Regierung keine Delegierten zu dem Jerusalemer Kongreß entsendet. «Mokattam» teilt mit, die ägyptische Regierung habe endgültig beschlossen, sich auf dem Jerusalemer Kongreß nicht vertreten zu lassen. Konstantinopel, 7. Dezember. (J. T. A.) Der türkische Außenminister Dr. Tewflk Rustu Bey erklärte im Parlament zu Angora: Der Moslem-Kongreß in Jerusalem ist vom Jerusalemer Mufti einberufen worden. Als die türkische Regierung die Nachricht über die Einberufung erhielt, trat sie mit den an dieser Frage interessierten Regierungen in Verbindung. Die Regierung Großbritanniens erwiderte, sie unterstütze nicht den Kongreß, sie habe sich aber vergewissert, daß die Frage des Kalifats auf dem Kongreß nicht aufgeworfen werden wird. Die Regierungen Persiens, Afghanistans, Albaniens und des Hedschas erklärten, daß sie in keiner Form auf dem Kongreß vertreten sein werden. Die Regierungen des Irak und Aegyptens erwiderten, sie würden offiziell auf dem Kongreß nicht vertreten sein, aber Privatpersonen würden sich nach Jerusalem begeben. Die Regierung der Türkei hat eine Einladung zur Teilnahme am Kongreß ad acta gelegt, weil sie des Glaubens sei, daß der Kongreß im Gegensatz zu den Interessen von Fortschritt und Zivilisation steht Uebrigens, schloß der Minister, werde der Kongreß einen rein lokalen und beschränkten Charakter haben. London, 7. Dezember. (J. T. A.) Aus offiziellen Regierungskreisen wird der Jüdischen Telegraphen- Agentur mitgeteilt: Die türkische Regierung hat bei der englischen Regierung in der Frage des Moslem-Kongresses in Jerusalem interveniert, die Antwort der englischen Regierung hat die türkische Regierung befriedigt Die englische Regierung hat sich desinteressiert erklärt. Sie ist dahin unterrichtet, daß der Kongreß sich ausschließlich mit religiösen Angelegenheiten befassen und die Erörterung politischer Streitfragen ausschließen wird. Die Palästina-Regierung wird darüber wachen, daß zur Zeit des Kongresses der Friede in Palästina durch nichts gestört werde. Besprechungen des High Commissioners mH der Bxehuiive dev Jewish Kgency Jerusalem, 2, Dezember. (J. T. A.) Der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, empfing heute die Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chaim, Arlosoroff, Dr. Henry Berkson, Dr, Maurice B. Hexter und Dr. Werner Senator und Kräftiger, intelligenter Junge mit absolvierter Hauptschule oder Untermittelschule wird als für unsere Budihandlung Leihbibliothek Taborstraße unterhielt sich mit ihnen zwanglos über palästinensische Fragen. Es verlautet, daß diese Besprechung nur eine informelle Einleitung sei zu einer eingehenderen ordnungsmäßigen Verhandlung mit Dr. Arlosoroff, die in diesen Tagen stattfinden wird. Später empfing der High Commissioner eine Abordnung der arabischen Exekutive, bestehend aus dem Präsidenten der Exekutive Musa Kazim Pascha, dem Vizepräsidenten der Exekutive Advokaten Auni Bey Abdul Hadi, dem Sekretär der Exekutive Jamal Husseini, ferner aus Jakoub Faraj, Moghanan Effendi Moghanan und Drouza. Auch diese Besprechung war, wie von Regierungsseite erklärt wird, informell, aber die Mitglieder der arabischen Delegation ersuchten dennoch um Ausfolgung einer protokollarischen Aufzeich-s nung über die Gespräche. Sie beabsichtigen, auf Grund dieses Protokolls am kommenden Dienstag ein Statement zu veröffentlichen. Horäk endpltig ireigesprochen (Eigenbericht der «Stimme») Der tschechoslowakische Kassationshof hat das Urteil der ersten Instanz, demzufolge der siebenfache Judenmörder Horak freigesprochen wurde, bestätigt. Horak wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Riedepiim Hormon-Eentwicli-Defaatte im Unleriiause London, 3. Dezember. (J. T. A.) Der Konservative Waldron iümlthers fragte im Unterhause den Kolonienminister, aus welchem Grunde H. H. Trusted an Stelle Norman Bentwichs zum Oberstaatsanwalt für Palästina ernannt worden sei; ob Bentwlch weiterhin im Dienste der Regierung verbleibe, wenn ja, ln welcher Eigenschaft. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister verwies auf die am 23. September vom damaligen Kolonienminister J. H, Thomas auf eine Frage von Colonel Wedgwood gegebene Antwort, die lautete: Im Hinblick auf die rassischen und politischen Verhältnisse ln Palästina und die Schwierigkeiten, die die Administration infolge dieser Verhältnisse zu überwinden hat, ist der frühere Kolonienmlnlster Lord Passfield nach sorgfältigster Prüfung der Gründe, die in keiner Weise die Persönlichkeit und den Charakter des Herrn Bentwich betrafen, zu dem Entschluß gefrömmen, daß diese Schwierigkeiten durch das Verbleiben des Herrn Bentwich auf dem Posten des Oberstaatsanwaltes nicht gemindert werden würden. Lord Passfield habe Herrn Bentwlch zweimal hohe richterliche Aemter Im Kolonialdienst angeboten. Herr Bentwich erklärte aber, er würde einen Posten außerhalb Palästinas nicht an-, nehmen. So blieb nichts anderes übrig, als ihn mit Datum vom 1. November 1931 in Pension gehen zu lassen. Smitkers: Ist es richtig, daß Bentwich wegen seiner zu engen Verbindung mit der zersetzenden Propaganda der Sowjetregierung von seinem Posten entfernt worden ist? Sir Philip Cunliffe-Lister: Nein. Wenn auch der Beschluß vor meiner Amtszeit gefaßt wurde, kann ich dennoch sagen, daß diese Annahme grundlos ist Smithers: Wird der Kolonienminister vor einer zukünftigen Ernennung Bentwichs weitere Untersuchungen über seine Verbindungen mit Sowjet- Propaganda anstellen? Cunliffe-Lister: Ich habe bereits über alles Vergangene Erkundigungen eingezogen; niemals ist von dergleichen die Rede gewesen. Vortragszyklus Norman Bentwich in der Schweiz Der gewesene Oberstaatsanwalt Palästinas, Norman Bentwich, wird in der nächsten Zeit in Zürich und in dem unter der Leitung von Mantoux und Laffard stehenden Institut für Internationales Recht in Genf eine Reihe von Vorträgen halten, und zwar über die Türkei, Palästina und. Aegypten. Zur Ziehung der II. Klasso der 26. Klaasenlotterio bestellen Sie Ihr Glückslos bei der Geschäftsstelle der Oesterreichlschen Klassenlotterlo J. M. Neufeld Wien, II., Krummbaumga#8e 16, Tel. A 45«9-05. Höchstmöglicher Gewinn eventuell 8 800.000.—. Lospretse: l/l ß 48.—, b, g 24.—, S 12,—, S 6.—. Die Hälfte aller Lose gewinnt, Die Ziehung der ü. Klasso beginnt schon arn 16. Dezember 1931. rav law In den fünf fruchtbarsten Zonen von Erez Israel besitzen Juden 13% des Bodens, innerhalb derselben o

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