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Die Stimme · 1931-12-03 · Heft 204 (3.12.1931) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 204 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 204 — 3. Dezember 1931 DIL SUMME Seite •> Zionistisches Leben in Wien Vetfauibatun# des j(andcifto< tniiees betreffend Parteiratsnabten!. Die Bezlrkssektioneti und Ortsgruppen werden daran erinnert, daß die 1. Quartalsrate der vom letz* ten Deleglertentage mit S 3.— festgesetzten ordern* liehen Parteisteuer am 1. Dezember d. J. einzuzahten . Ist. Zugleich mit der Einzahlung sind die Listen der \Parteisteuerzahler mit genauer Angabe von Vorname, Zuname, Beruf und Adresse dem L. K. einzusenden. Das L. K. ersucht, die Mitglieder zu veranlassen, die ganze Parteisteuer womöglich auf einmal zu bezahlen. 2. Der Termin für die Vornahme der Wahl der Mitglieder des Parteirates wird auf den 15. Dezember verschoben. Wahlberechtigt sind nur jene Mitglieder der Organisation, deren am 1. Dezember fällige Partei- Steuer bis spätestens 10. Dezember beim Landes* Komitee eingeht. 3. Die Wahlprotokolle sind bis spätestens 20. De* lember dem L. K. einzusenden, ebenso Allfällige Wahlproteste. 4. Es wird der Kongreßbeschluß in Erinnerung gebracht, wonach Jeder Mandatar seiner Verpflichtung gegenüber dem Keren Hajessod nachgekommen sein muß. Für das Zionistische Landeskomitee Dr. Orünbaum m. p. Sabine Paßweg m. p. Dr. Steinberg m. p. Empfangsk mitee für N. Bialik in Wien Sonntag, den 29. November, fand unter Beteiligung hervorragender Persönlichkeiten und Vertreter Sämtlicher jüdischer Parteien, Organisationen und Institutionen Wiens die konstituierende Sitzung des . Bialik-Empfangskomitees statt. Nach den Eröffnungsworten des Herrn Dr. D. Rothblum unterbreitete M. Ungerfeld ein Empfangsprogramm und machte Wafilvorschläge. Es wurden hierauf zum Präsidenten des Empfangskomitees gewählt: Dr. D. Rothblum (Präsident der Histadruth); zu Vizepräsidenten: Dr. Grünbaum (Präsident des Zionistischen Landeskomitees), Hofrat Prof. Dr. Frankfurter (Bnei Brith), Prof. Dr. S. Kraus (Verein für jüdische Geschichte, Rabbiner-Seminar) und Dr. A. Kaminka (Alliance Israelite und Maimonides-Institut). Nach einer eingehenden Diskussion über das vorgeschlagene Empfangsprogramm wurde ein engerer Aktionsausschuß gewählt, der mit der Ausführung des Programms beauftragt wurde. Zu diesem engeren Aktionsausschuß gehören: Das Präsidium der Histadruth, das Präsidium des Empfangskomitees, ferner Prof. M. Rath als Vertreter der Kultusgemeinde, Dr. Simon Horowitz, Kulturreferent des Zionistischen Landeskomitees, Prof. A. Wolf, Prof. Julius Wolfssohn, Dr. Ch. Tartakower, S. Weinreb, sowie je ein Vertreter der Union Zionisten-Revisionisten, der Wizo und des Hochschulverbandes «Judäa». Prof. Siegmund Freud, der dem Empfangskomitee beigetreten ist, hat sein Fernbleiben von der ersten Sitzung mit einem eigenhändig geschriebenen Brief entschuldigt. Ehrung für Dr. Desider Friedmann Ucberrelchung des Diploms für die Eintragung ins Goldene Buch Die Zionistische Bezirksektion Leopoldstadt überreichte Samstag abends Herrn Dr. Desider Friedmann im Rahmen einer intimen Feier, die im Vereinsheim, II., Praterstraße Nr. 13 (Lloydhof), statt and, das Diplom seiner Eintragung ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. ZZu dem Fest hatten sich die Vertreter des Zionistischen Landeskomitees und zahlreiche Mandatare sowie Freunde Dr. Frieamanns eingefunden^ Nach einem kleinen Festessen ergritt aei Vorsitzende Dr. Dagobert Rybaczewski als Übmann der Sektion Leopoldstadt das Wort zu einer Begrüßungsansprache an die Gäste und insbesondere an Dr. Friedmann. Hierauf übergab Dr. S c h m e r 1 e r in einer gehaltvollen Ansprache Dr. Friedmann das Diplom. Sodann würdigte eine Reihe von Rednern, Dr. (iriinbaum für das Landeskomitee, Prof. Rath für die Kultusmandatare, Vizepräsident Doktor L ö w e n h e r z, L e b e n s o h n für die Jugend, Markus Gottfried (in hebräischer Sprache), Frau Pass weg für die Wizo, diie Verdienste des Gefeierten um den Zionismus und das Judentum. Direktor Epstein brachte einen Toast auf die Damen aus, Oberkantor M a r g u I i e s erfreute die Anwesenden durch den Vortrag der Volkslieder «Der Philosoph» und «Rebbenju» und erntete dafür reichen Beifall. Nun erhob sich Dr. Friedmann, um für die Ehrung in eiher längeren Rede zu danken, in der er unter anderem ausfuhrte: ln der Ehrenurkunde, die Sie mir überreicht haben, sehe ich das Symbol individueller Verknüpfung meiner Person mit dem großen Werk, in dessen Dienst ich nunmehr seit mehr als dreißig Jahre stehe. Die Urkunde bedeutet für mich die Anerkennung dafür, daß ich durch lange Zeit vielleicht an führender Stelle, obgleich ich eine solche nie für mich angestrebt habe, daß ich für die Idee des Zionismus gewirkt habe. Jeder Mensch Ist das Produkt äußerer und innerer Ge* scliehnisse, die seinen Entwicklungsgang bestimmen. Ich war ein junger Mensch, als die zionistische Idee Im Kreise der Westjuden sich zum erstenmal deutlich und wahrnehmbar offenbarte. Ich habe einige Vorbedingungen aus meinem Vaterhaus mitgebracht, denn ich hatte das Glück, in einer jüdischen Familie und in Liebe zum Judentum aufzuwachsen. Mein Vater, der in seiner kleinen Uemeinde an der Spitze stand, war Zionist, obzwar er den Zionismus Herzls nicht erlebte, Zionist in der Liebe zum Heiligen Land und In dem Sinne, daß er Unterschiede im Judentum nicht kannte, ich erinnere mich der schweren Verfolgungen der russischen Juden. Es ist ein Ereignis, das stets lebendig in meiner Erinnerung ist, als an einem Pessachabend mein verstorbener Vater russische Juden, die aus der Heimat geflüchtet waren, zu uns zum Sedernnbend brachte, Ich erinnere mich der Schweigsamkeit jener ernsten Männer und wie ihnen die Zunge gelöst wurde, als mein Vater hebräisch mit Ihnen sprach. In meinem Vaterhaus war jenes alte, gute, schöne jüdische Milieu, in dem die Kinder im Gegensatz zu späteren Zeiten in den Geist und in die Lehre des Judentums eilige* führt wurden. Den Zionismus aber kannte ich nur aU« der Lehre und aus den Gebeten. Als Ich von der Mittelschule zur Universität kam und mit den Ideen Herzls vertraut wurde, schloß ich mich der neuen Bewegung mit jener stürmischen Begeisterung an, die jungen Menschen eigen ist. Die Einfachheit der Konzeption der zionistischen Idee, jene Einfachheit, die uns in den Irrungen und Wirrnissen der letzten Jahre vielleicht einigermaßen verloren gegangen ist, überwältigtet mich. Was der Zionismus anstrebte, war für uns klar, die Forderung nach Anerkennung der Nationalität, die Forderung einer Heimat für das jüdische Volk. Ich glaube, wenn wir alle uns dieser Anfänge des Zionismus erinnern wollten, wäre uns viel Kummer, viel Aerger, viel Streit und viel Verwirrung erspart geblieben. E?, war uns klar, daß wir diese Heimat nur beanspruchen können als Volk, weil nur ein Volk, nicht aber eine Summe von Individuen, die nicht verbunden sind durch den gemeinsamen nationalen Gedanken, einen Staat aufbauen können. Es ist heute wiederholt von meiner Führerschaft gesprochen worden. Sie wissen, daß ich der Phrase abhold bin. Wenn ich Führer geworden bin, so hat mich wahrscheinlich die Welle der Gunst hinaufgetragen, weniger mein Verdienst. In diesem Zusammenhang will ich das Wort, das Max Nordau geprägt hat, erwähnen. Er sagte — ich zitiere nicht wörtlich —: Das Beispiel ist das Wichtigste. W'ir wirken dadurch erzieherisch, daß wir sind. Die propagandistische Kraft liegt darin, daß ernste Männer die Idee vertreten. Wir sind aus einer kleinen Gruppe eine große Bewegung geworden, weil jeder einzelne Zionist, der zionistisch tätig ist, ein Beispiel für die anderen gibt. In unserer jüdischen Geschichte ist viel Irrationelles. Irrationell ist unsere Existenz. Wir werden in den nächsten Tagen von den Wundern sprechen, die an uns geschehen sind. Das jüdische Volk ist das größte Wunder. Es gibt kein Analogon in der Geschichte, daß ein über die ganze Erde zerstreutes, vom Fundament semei Heimat losgelöstes Volk sich durch die Jahrtausende erhalten hätte. Unsere Idee ist irrationell, weil es kein Beispiel in der Geschichte gibt, daß eine freiwillige Organisation, die gleichzeitig den Kampf um die nationale Wiedergeburt führt, einen Staat begründet. So könnten wir aus der ueschichte unseres Volkes noch unzählige Momente nennen, die reinen Vernunftgründen nicht standlialten. Wenn aber so vieles irrationell ist, so muß es unser Streben sein, zur Normalisierung unserer Bestrebungen zu gelangen. Wir bauen in Erez Israel unsern zukünftigen Staat. Wir haben aus dem träumerischen Drang nach Zion eine politische Weltfrage gemacht und haben durchgesetzt, daß unser Rechtsanspruch von der Welt anerkannt wurde. Wir haben diesen Weg ohne zureichende Legitimation durchschritten. Wir haben die Grundlage eines Staates im Namen des jüdischen Volkes gelegt, ohne die Mehrheit des jüdischen Volkes zu sein, weil •vir an den Sieg unserer Idee glauben und weil die Schwerkraft des großen Gedankens auch solche mitreißt, die nicht in unseren Reihen stehen. Aber das letzte Ziel ist, daß wir auch tatsächlich die Legitimation erhalten, für das jüdische Volk zu sprechen, indem wir zur Majorität im jüdischen Volke werden. Das können wir erreichen, wenn wir ein Gut nicht verlieren, das wir bis vor kurzem besessen haben, Unerschütterlichkeit, Festigkeit und Einigkeit unserer Organlsa- Ition. Eine Bewegung hat nur so lange Werbekraft, als sie sich nach außen h;n als eine Einheit repräsentiert. Deshalb rühre ich an dieses ernste und bedeutungsvolle Problem. Ich bin in meinem Leben niemals ein starker Hasser gewesen. Ich halte Härte für einen gleichen Fehler wie Schwäche. Rückschauend müssen wir sagen, daß unsere außerordentlichen Erfolge unserer Organisation zu verdanken gewesen sind. Es ist unsere erste Pflicht, die Einheit der Organisation, soweit es an uns liegt, wieder herzustellen und damit zu jener einlachen und überzeugenden Formulierung zurückzukehren, die seinerzeit ungeheure Anziehungskraft auf alle jüdischen Menschen geübt hat. Es ist hier gesagt worden und ich unterstreiche es: Wenn jemand sich der zionistischen Bewegung anschließt, ist ef der Empfangende. Was ist das Leben eines Menschen, der nichts anderes als Ziel seines Strebens vor sich Hat denn materielle Dinge und einseitige Berufsarbeit? Die Tätigkeit eines Zionisten ist anstrengend und greift an die Nerven und ans Herz, doch sie gibt so viel Befriedigung, sie verschafft jene Ueberwindung der Zerrissenheit der Jüdischen Seele, daß man für alle Opfer und Mühseligkeiten reichlich entschädigt wird, Gibt es etwas Schöneres und Erstrebenswerteres im Leben als die Freundschaft gleichgesinnter Menschen! Als Aktivpost aut meinem zionistischen Konto buche ich die Freundschaft mit Menschen, die mit mir und neben mir stehen, mit mir und neben mir, weil ich keinen Zionisten kenne, der unter mir gearbeitet hat. Sie alle haben ihre Pflicht erfüllt ohne besonderen Dank für sich In Anspruch zu nehmen. Ich bitte Sie, mir meinen weiteren zionistischen Weg dadurch zu erleichtern und zu verschönern, daß Sie mir die Freundschaft, die bei diesem Feste so schön zum Ausdruck gekommen ist, weiter bewahren Wir wollen wünschen, daß wir alle in unserer Kraft für die zionistische Arbeit im selben Ausmaß wachsen, als der Zionismus Anforderungen an uns stellt, ich wünsche, daß der Herr, der das Geschick der Welten leitet, mir die Kraft geben möge, vereinigt mit Ihnen und gekrättigt durch Ihre Freundschaft, den Weg weitergehen zu können, der zu unserem Ziele führt, den Weg nach Zion. Die zu Herzen gehenden Worte Dr. Friedmanns, dlö wiederholt stürmischen Beifall auslösten, machten aur tue Festgäste tiefen Eindruck. Gang zum Grabe Adolf Stands Alle Freunde, Verehrer unseres unvergeßlichen Führers Adolf Stand werden auf diesem Wege verständigt, daß Sonntag, am 6. Dezember, um y211 Uhr vormittags, der Gang zu seinem Grabe wie alljährlfch stattfindet. Treffpunkt: Zentralfriedhof, I. Tor, Zeramonlenhalle. Mittwoch, den 9. Dezember, um 8 Uhr abends, findet in der Bezirkssektion Leopoldstadt, 11., Praterstraße 13, eine Gedenkfeier statt, bei der Dr. Z. F. Pinkelstein sprechen wird. Z. A. V. „Bar Kochba". Der Z. A. V. „Bar Kochba" veranstaltet gemeinsam mit der Gruppe der Freunde Adolf Stands, Montag, den 7. Dezember, um 8 Uhr abends int Holme, II., Untere Augartenstraße 38, anläßlich des Todestages Adolf Stands eine Stand-Gedenkfeier, bei der Dr. Z. F. F i n k e 1 s t e l n die Gedenkrede halten wird. Es wird um pünktliches und zuverlässiges Erscheinen ersuoht. meth Ein historisch wichtiges Jahr unserer Bewegung 50 Jahre Chibbath Zion — 30 Jahre Keren Kaje« meth! An Stelle des passiven — ein Judentum, das sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Statt der bisherigen Wurzellosigkeit — ein elementares Streben nach Verwurzelung im eigenen Erdreich. Statt eines vielsprachigen und daher stummen — ein durch die Wiederbelebung seiner nationalen Sprache wieder beredt gewordenes Volk. Ein Schauder geht durch unseren Leib — ein Schauder der Ehrfurcht vor denjenigen wenigen, die, einem revolutionären Instinkt folgend, an die Vergangenheit anknüpften, um unser« nationale Zukunft zu sichern. Und ist es nicht märchenhaft, daß so manche dieser Ersten noch in unserer Mitte weilen, in Erez Israel und hier in der Gaiuth! Wir haben allen Grund, im Alltag stillzuhalten, um aus der nahen Vergangenheit Trost zu schöpfen — und Vergleiche zu ziehen. Nicht immer werden sie zu unseren Gunsten, zugunsten dieser Generation ausfallen. T. Jubiiäumsaktion des Keren Kajemeth. Der Keren Kajemeth bereitet anläßlich des 50jährigen Bestan- Tretet dem Verbände Allgemeiner Zionisten bei!

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