Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 204 (3.12.1931)
- Date
- 1931-12-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 D!F STIMME Nr. 204 — 3. Dezember 1931 englisciien Kegitpung Soeben ist der offizielle Bericht der englischen Regierung über die wirtschaftliche Lage in Palästina erschienen. Der vom Direktor des Departements für Zölle, Akzise und Handel der Palästina-Regierung, K. W. Stead, abgefaßte Bericht stellt eingangs fest, daß Palästina noch immer an den Folgen der Unruhen im Spätsommer und Herbst des Jahres 1929 leidet; diese Ereignisse hätten das Land in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeworfen. Die Einnahmev der Palästina-Regierung haben sich seit 1925 konstant vermindert und erreichten 1930 einen Stand, der um eine halbe Million niedriger war als der von 1925 (1925: Pfund 2,809.324; 1930: Pfund 2,389.546). Demgegenüber haben sich die Ausgaben seit 1925 von Jahr zu Jahr konstant erhöht. Während 1925 ein Ueberschuß von 800.000 Pfund erzielt wurde, verzeichnete man 1930 ein Defizit von 200.000 Pfund. Diese ungünstige Balance ist vornehmlich auf die Finanzkrise in den Vereinigten Staaten und in Europa rückzuführen, als deren Folge sich das Zuströmen ausländischen Kapitals in der Form von Beiträgen zu den lokalen Institutionen, von Investierungen durch Juden in Landwirtschaft und Industrie beträchtlich verringert hat. Auch der Touristenstrom ist schwächer geworden. Obwohl die Einfuhr noch immer ein Vierfaches der Ausfuhr ausmacht, ist in dieser Beziehung eine Besserung zu verzeichnen; die Importe haben sich seit 1929 beträchtlich verringert. Einigermaßen ausgeglichen wird die Handelsbilanz durch die unsichtbaren Importe (Kapitalseinfuhr), worunter die Ausgaben der zionistischen Fonds, der Touristen, die Einwanderer-Kapitalien, die Investierungen aus fremden Ländern usw. die wichtigsten sind. Die Wirtschaft- 6roBfleischnauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse l1*, l ei. A l/-j-bt> u. A 16-9-34 Lieferant »ür rteilanstalter Abteilungen für Iffp-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kaobmats der Israelitischen Kuitusgemeinde Wien Autosustellung «otientox IX, Bervgasse 1 KVU> Wä h ringer st ratäe liehe Stabilität Palästinas ist in einem hohen A'.aße von der Regelmäßigkeit und der Höhe der erwähnten Einkunftsquellen abhängig. Im Jahre 1926 zählte man 6000, im Jahre 1927 7400 ja- .dische Arbeitslose. 1929 zählte man nur noch etwa 1000 und 1930 1030 jüdische Arbeitslose. In den Jahren 192o bis 1930 betrug der Ueberschuß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung rund 10.000 (29.165 Einwanderer und 18.029 Auswanderer). Die nichtjüdische Einwanderung war demgegenüber um 2000 niedriger als die Auswanderung (5425 Einwanderer, 7368 Auswanderer). Heute gibt es in Palästina rund 30.000 jüdische Arbeiter, von denen 7000 in der Landwirtschaft, 4500 im Bauwesen und bei öffentlichen Arbeiten, 4000 in den Fabriken und großen Werkstätten, 3000 in kleinen Werkstätten, 1500 im Transportwesen und 10.000 in anderen Fächern tätig sind. Rund 75 Prozent der jüdischen Arbeiter in Palästina sind gewerkschaftlich organisiert. 1929 wurden aus den Vereinigten Staaten nach Palästina für zwei Millionen Dollar Waren (5.13 Prozent des gesamten Imports) eingeführt. Der Prozentsatz des Imports aus England betrug im gleichen Jahre 16.66 Prozent, 1930 betrug der amerikanische Import nur noch 250.000 Dollar. Die Ausfuhr aus Palästina nach den Vereinigten Staaten betrug 1929 nur 1.24 Prozent, der Export nach England 37.7 Prozent des üesamtexports. 1930 wurde nach Amerika für nur 110.000 Dollar exportiert Bis 1929 stand Deutschland an der Spitze jener Länder, die Maschinen nach Palästina einführen. Aber seit dem Industrien errichtet wurden, in denen britisches Kapital investiert ist, hat sich der Import von Maschinen aus England erhöht und nahm 1930 den ersten Platz auf der Maschinen- Einfuhr-Liste ein. 1928 wurden aus England Maschinen im Werte von 42. 235 Pf., aus Deutschland Maschinen im Werte von 74.029 Pf. und aus Amerika Maschinen im Werte von 6293 Pf. eingeführt. 1928 betraf die -Maschinen-Einfuhr aus England 88.710 Pf., aus Deutschland 96.530 Pf., aus Amerika 10.731 Pf. 1930 wurden aus England Maschinen im Werte von 131.492 Pf., aus Deutschland im Werte von 74.645 Pf., aus Amerika im Werte von 20.295 Pf. eingeführt. Die Entwicklung der Industrie in Palästina (1928 zählte man 3505 Industrie-Unternehmungen), erweist sich am besten aus dem Import von Brennstoffen. 1930 wurden über 16 Millionen Liter Benzin (gegen 2/2 Millionen im Jahre 1929), in Palästina eingeführt. Der Import von Kerossin verdreifachte sich gegen 1928 und betrug 1930 über 37 Millionen Liter. 1930 wurden in Palästina 16.500 Tonnen Brennöl (gegen nur 466 Tonnen im Jahre 1922) eingeführt. Die Orangen-Saison 1930/1931 war befriedigend sowohl hinsichtlich der eingeschifften Menge als auch der erzielten Preise. Der Bau des Haifaer Hafens, die Vorbereitung der , Eisenbahn Haifa—Bagdad, das Tote Meer-Unternehmen nehmen eine sehr günstige Entwicklung. Anfang 1932 wird die Ruthenberg-Elcktrizitätsstation eröffnet, wo dann eine beträchtliche Verbilligung des Strompreises platzgreifen wird. Der Verbrauch von Elektrizität in Palästina erhöht sich immer mehr, nach der Reduktion des Strompreises wird sich wohl ein Markt für häusliche elektrische Apparate entwickeln. Das Programm des Dritten Reiches: flustiungepung der Süden Ankündigung von Massenerschießungen Berlin, 26. November. Die Behörden sind hochverräterischen Plänen Innerhalb der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei auf die Spur gekommen, die bereits zu einem Eingreifen des Oberreichsanwalts geführt haben. Der Oberrelchsanwalt hat gegen beteiligte nationalsozialistische Führer und Mitglieder des neugewählten hessischen Landtages ein Ermittlungsverfahren eingelcitet. Auf seine Anordnung sind Mittwoch nachmittags Haussuchungen abgehalten worden bei der hessischen Gausteüe ln Darmstadt und ln den Wohnungen des Sturmführers Hauptmannes a. D. Wassung ln Darmstadt, des Gerichtsassessors und Amtsanwalts Dr. Best in Darmstadt, beim Gutspächter Dr. Wagner auf dem Boxheimer Hof, bei Lampertheim, «Gaufachberater für Landwirtschaft», sowie bei dem Kapitänleutnant a. D. von Davidsohn in Darmstadt. Die Haussuchungen sind angeordnet wegen des dringenden Verdachts der Vorbereitung zum Hochverrat In der hessischen Gauleitung der N. S. D. A. P. Die am Nachmittag des 25. und ln der Nacht zum 26. November vorgenommenen Haussuchungen auf dem Boxheimer Hof an der Bergstraße haben umfangreiches Material zutage gefördert, das die beschuldigten Führer der N. S. D. A. P. aufs schwerste belastet und den Beweis erbringt, daß wichtige Funktionäre der Münchener Parteileitung der N. S. D. A. P. über das Tun und Treiben durchaus informiert waren. Es ergibt sich, daß die für den Fall einer Ergreifung der Diktatur vorbereiteten Notverordnungen in jeder Hinsicht echt sind. Der Oberreichsanwalt Werner in Leipzig hat die hessischen Polizeibehörden ermächtigt, auch zu vorläufigen Festnahmen zu schreiten. Da-3 Kernstück der beschlagnahmten Dokumente ist ein «Entwarf der ersten Bekanntmachung unserer Führung nach dem Wegfall der seitherigen obersten Staatsbehörden und nach Ueberwindung der Kommune in einem für einheitliche Verwaltung geeigneten Gebiet.» Der Entwurf enthält eine große Reihe Verordnungen, deren geringste Uebsrtrctung grundsätzlich mit dem Tode bestraft werden soll. Er enthält «Richtlinien für eine Notverordnung über die nationale Arbeltsdienstpfiieht, wonach «jeder Deutsche (nicht Juden) männlichen und weiblichen Geschlechtes vom 18. Lebensjahr zur Dienstleistung verpflichtet ist», ferner «Richtlinien zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung, wonach der Anspruch auf Ernährung von der Erfüllung der Dienstpflicht abhängig ist. Es ist daraus der Schluß zu ziehen, daß die Juden, die ausdrücklich von der Arbeltsdsenstpfflcht ausgenommen sind, auch keinen Anspruch auf Ernährung haben. Da nun gemäß dem Entwurf betreffend «Erfassung der Lebensmittel» alle Lebensmittel der Führung der S. A. ohne Entgelt abzullefem sind und jeder Verkauf und tauschweise Veräußerung von Lebensmitteln mit Einziehung des gesamten Vermögens, ev. mit dem Tode bestraft werden sollen, so wäre daraus, der Schluß zu ziehen, daß es die Absicht der Verfasser des Entwurfs sei, im Dritten Reich die Juden auszuhungern. Weizmann in Köln Dr. Weizmann sprach in einer von der Kölner Zionistischen Vereinigung veranstalteten öffentlichen Versammlung, die von mehr als 1500 Menschen besucht war, und in einer vom Deutschen Komitee Pro-Palästina und dem Keren Hajessod gemeinsam arrangierten Matinee vor etwa 800 Personen. Dr. Weizmann behandelte in etwa einstündiger, wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochener Rede die heutige Lage der Judenheit in den Ländern der Diaspora, ging mit besonderer Ausführlichkeit auf die Lage der Juden in Rußland ein und behandelte in diesem Zusammenhang auch die Probleme des politischen Kommunismus, der heute für gewisse Teile der jüdischen Jugend dieselbe Attraktion ausübt, wie seinerzeit etwa Liberalismus und Sozialismus; er zeigte, daß alle diese modernen Zeitströmungen naturnotwendig doch das jüdische Problem nicht lösen können. Dr. Weizmann schilderte an Hand des Schicksals, das die amerikanische Judenhelt in den letzten zwei Jahren erlitten hat, die Unzuverlässigkeit der jüdischen Positionen in der Diaspora und stellte dem gegenüber das Bild des neuen jüdischen Palästina auf, das — wenn auch noch in den Anfängen der Entwicklung begriffen — doch auf festen Fundamenten ruht und Zukunftshoffnungen für die wirtschaftliche und geistige Renaissance des, jüdischen Volkes in sich trägt. Die gemeinschaftliche Veranstaltung des Deutschen Komitees Pro-Palästina und des Keren Hajessod, die vor geladenem Publikum stattfand, wurde von Herrn Dr. h. c. Alfred Leonhard Tietz geleitet. Herr Tietz begrüßte namens der beiden einberufenden Körperschaften den Gast und wies auf das Interesse hin, das Angehörige der Kölner Universität (Prof. Walb) im Rahmen des Pro-Palästina-Komitees für das Jüdische Nationalheim lind für die Jerusalemer Universität gezeigt haber. Jtus Palästina Die landwirtschaftliche Kolonisationsabteilung der Jewish Agency gibt in Beantwortung einer Anfrage an, daß die folgenden Siedlungen, die vom Keren Hajessod auf Keren-Kajemeth-Land angelegt wurden, keine Unterstützungen mehr erhalten, sondern zu unabhängigen Siedlungen geworden sind. In Galiläa: Dagania A., Dagania B., Kincreth. Im Emek: Gewa, Nalialal, Kfar Jecheskiel, Ginegar. In Judäa: Kfar Malal, Naehlath Jehuda, Ben Shetnen, Atharoth, Kirjath Anawim. In der Sarona-Ebene: üan Schmuel. * Die Exekutive der Jewish Agency hat Herrn Dr. j. Lurie aufgefordert, vorläufig das Amt des Direktors des Erziehungsdepartements der Agency zu übernehmen. # Der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur ürenfell Wauchope, begab sich im Flugzeug nach Amman, der Hauptstadt von Transjordanien, wo seine offizielle Einführung in das Amt eines britischen High Commissioners für Transjordanien vorgenommen werden wird. * Laut einer von Herrn Spigel im Aufträge des Vereins jüdischer Hausbesitzer in Jerusalem unternommenen Zählung gibt es gegenwärtig in allen jüdischen Wohnvierteln von Jerusalem 3996 Häuser. Außerdem gibt es 255 Synagogen (unter ihnen eine Anzahl kleiner, 55 jüdisch-religiöse Schulen, 36 jüdische Bäder und 5 jüdische Hospitäler. Eine Attacke gegen jüdische Studierende in Preßburg Preßburg, 29. November. (J. T. A.) Hörer der .juridischen Fakultät Preßburg erschienen in größerer Zahl im Gebäude der medizinischen Fakultät und nahmen am Eingang zum Antonia-Saal Legitimierungen vor. Die aus der Slowakei stammenden jüdischen Studenten wurden in den Saal gelassen, dagegen wurden alle aus Polen stammenden jüdischen Hörer am Betreten des Saales verhindert. Die slowakischen Studenten behaupten, sie seien zu ihrem Schritt durch jüdische Provokationen veranlaßt worden. Die zurückgewiesenen jüdischen Studenten legten beim Dekan Protest gegen das Verhalten der slowakischen Studenten ein. Was wollen Sie hören? Unsere Anregung, die wir in der letzten Nummer der «Stimme» veröffentlicht haben, hat starken Widerhall erweckt. Wir erhielten bereits Hunderte von Einsendungen. Um denjenigen, die bisher unserem Rufe nicht folgten, Gelegenheit zu geben, das Versäumte nachzuholen, wiederholen wir heute diese Anregung. An die «Ravag» in Wien, I. Der (Die) Unterzeichncte(n) wünschen eine Erweiterung Ihres Programms durch Uebertragung von synagogaler Musik, von moderner hebräischer Musik, von Vorlesungen aus Werken moderner hebräischer Dichter, von Vorträgen über Palästina und von jüdischen Volksliedern. Name: .••.«'■■i •».•»»>» Adresse: .. ■ Name: «a.fii.taiaiaitaaa Adresse: ... . Name: . . » . . * a . . a » a i . a « t Adresse: An sämtliche zionistischen Sektionen und Gruppen wie auch alle jüdischen Organisationen und Vereine wenden wir uns mit dem Ersuchen, ihre Mitglieder hierauf aufmerksam zu machen und uns deren Wünsche (Namen und Adressen) einzusenden für die Winterhilfel der Kultusgemeinde S