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Die Stimme · 1931-12-03 · Heft 204 (3.12.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 204 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 204 — 3. Dezember 1931 DH* STIMME Seite 5 %tonUn*€h*t Undoikom»oc für MCamfncrsff,18 Montag, den 14. Dezember 1931, halb 9 Uhr abends den Jüdischen Künstlerspieen (Theater Rekam), W.en, I». Praterstraße 34 Vorsfenuna DER TOTE MENSCH Von Scna om Asch Mitwirkend: Gisa Heiden, S. Prsament, M. Zelmker und das ganze Ensemble Karlen sind im Zionistischen üüro, I. Kärntnerstraßa 28 (Tel. R 27-4-86J erhäli Ich Palästinabrief (Von unserem Korrespondenten) .Generalautostreik in Palästina Die Einstellung jeglichen Straßentransportes seitens der vereinigten arabischen und jüdischen Autobusführer und sonstigen Chauffeure, die neun Tage andauerten, war etwas Außegewöhnliches für Palästina. Die vereinigten arabischen und jüdischen Chauffeure beharrten ihfolge der unbefriedigenden Antwort der Regierung auf ihren Forderungen, alle öffentlichen und privaten Fahrzeuge vom 3. November ab aus dem Verkehr zu ziehen und so die wesentlichsten Verbindungen im Lande abzuschneiden. Am 7. August hatte man schon einmal 24 Stunden lang gestreikt. Nach dieser Demonstration ernannte die Regierung eine Untersuchungskommission, deren Vorsitzender der Landkommissär Herr A. Abramson war, und die sich über die Lage im Autogewerbe informieren und Vorschläge machen sollte. Die Regierung sah sich aber nach diesen Untersuchungen nicht in der Lage, dem Hauptvorschlag — Abschaffung der Autolizenzen — zu entsprechen. Die Vertreter der Chauffeure hielten mehrere Versammlungen ab und kamen zu dem Schluß, daß sie keinen anderen Weg als den des Streiks hatten. Infolgedessen wurde von Mitternacht des 2. November ab der allgemeine Autostreik verkündet. Der Streik hat die Wirtschaft und den Handel des Landes ernstlich berührt, da die vorhandenen Transportmöglichkeiten nicht ausreichten; Kamele und Esel mußten für den Warentransport benutzt werden — eine zwar malerische aber ungeeignete Methode. Ueberdies komplizierte sich die Lage noch dadurch, daß gerade der OrangenfTansport begann und die Verschiffungen mit den nach Europa abgehenden Dampfern verzögert wurden. Die Orangenindustrie und das ganze Land standen schweren Verlusten gegenüber. Versuche der jüdischen und arabischen Handelskammern, den Streik zu beendigen, hatten keinen Erfolg. Sie unternahmen es, im Namen der Chauffeure 50. Jahre moderner jüdischer Entwicklung in Palästina und dem 30. Jahre seines eigenen Bestehens herausgebracht hat, auf der der jüdische Bodenbesitz eingezeichnet ist. Die Karte wurde von dem bekannten palästinensischen Kartographen Dr. Brawer gezeichnet. Mit ihren drei Nebenkarten — Verteilung unter die Stämme Israels, das südliche Edom und ein Plan von Jerusalem — wird diese Wandkarte ein kostbares Uut sein, das unser Wissen über Erez Israel bereichert. Für jüdische Schulen wird es von unschätzbarem Wert sein und das Bedürfnis nach einer modernen Palästina- Karte befriedigen, das sich seit langem fühlbar machte. Der Keren Kajemeth verdient unseren Dank für diese Arbeit. Haifa—Bagdad per Eisenbahn und Luftverkehr Es zeigt sich immer mehr, daß Palästina tatsächlich für Großbritannien ein strategischer Punkt für die Verbindungslinien des Reiches ist. Der Luftverkehr des Imperiums von Bagdad nach Indien benutzt jetzt den Kinerethsee als seine Station im Nahen Osten; hier gehen jetzt einmal wöchentlich die Wasserflugzeuge nieder, und die Fahrt geht dann mit Landflugzeugen weiter. Sobald der Hafen von Haifa fertig gebaut ist, wird die Station dorthin verlegt werden. Der Kette der britischen Rcichsverbindungen wird jetzt ein neues Glied hinzugefügt werden: Die Haifa— ftveiflidkier der Woche Jorga und Tartarescu werfen sich gegenseitig ihren Antisemitismus vor Bukarest. In der letzten Sitzung der rumänischen Kammer erhob der Deputierte ü. Tartarescu, früher liberaler Unterstaatssekretär im Innenministerium, gegen die jetzige Regierung den Vorwurf, sie zeige eine Tendenz zu Reaktion und Diktatur und bereite dadurch den «zersetzenden Elementen» im Lande den Boden vor. Damit spielte Tartarescu auf die Förderung und Ermutigung der antisemitischen Bewegung in Rumänien durch einzelne Mitglieder der Regierung an. ln seiner Erwiderung sprach Ministerpräsident Prof. Jorga dem Deputierten Tartarescu das Recht ab, derartige Vorwürfe gegen die Regierung zu erheben. «Als Sie an der Macht waren,» rief Prof. Jorga, «haben jede Woche Schändungen und Plünderungen von Synagogen stattgefundenl* Das Wortgefecht zwischen dem Cuza-Freund Jorga und Tartarescu, den man für die seinerzeitigen antisemitisenen Unruhen in Oradea Mare verantwortlich macht, wurde von den jüdischen Abgeordneten mit ironischen Zwischenrufen begleitet. Wie heißt es bei Heine? «Es tut mich schier bedünken.» Ein ausgeschlagener Ministerposten Montreal. Der jüdische Deputierte Peter Bercowitch, der für das Amt eines Schatzmeisters der Provinz Quebec Erben gesucht orrls Gree (Moriz Grünb Schneider nach „Unverbindlich“ mit der Regierung zu verhandeln und eine Besserung der verzweifelten Lage herbeizuführen, und die Regierung schob die Eintreibung der Lizenzen für einen weiteren Monat auf. Mit diesem Abkommen in Händen brach dann die Vereinigung der Chauffeure den Streik am 11. November ab — zur großen Erleichterung aller Teile der palästinensischen Bevölkerung. Leute, die in entfernten Vorstädten oder in dörflichen Bezirken leben, waren froh, ihre täglichen weiten Fußwanderungen aufgeben zu können. Es besteht freilich noch die Möglichkeit, daß der Streik nach dem 1. Dezember wieder auflebt, wenn nicht in der Zwischenzeit eine Form der Regelung zwischen der Regierung und den Chauffeuren gefunden wird. Die gemeinsame Aktion der jüdischen und arabischen Chauffeure hat sich als so wirksam erwiesen, daß sie zu einer ständigen Vereinigung führen kann. Die hebräischen Schulen Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der jüdischen Lehrerorganisation in Palästina, während der fast 30.000 jüdische Schulkinder nach Schluß der Sommerferien nicht wieder zur Schule gehen konnten, wurden, die Schwierigkeiten des palästinensischen Erziehungswerkes dadurch überwunden, daß der Waad Leumi und andere jüdische Körperschaften, vor allem anderen die Tel- Aviver Stadtverwaltung, sich zu einer Beihilfe für das Budget - verpflichteten. . Infolgedessen .konnten die Schulen einige Tage nach dem angesetzten Termin er- •öffnet werden.. Auf dem letzten Zionistenkongreß in Basel im .Juni/Juli d..J..wurde das.Erziehungsbudget für das hebräische Schulwerk auf Dollar 57.000.— festgesetzt. Aber die kritische Finanzlage der. Jewish Agency zwang die Exekutive in Jerusalem, dieses Budget um 20.000 Dollar zu kürzen* Das bedeutete Opfer in der Bezahlung der Lehrer und führte auch zu Entlassungen, wenngleich die Exekutive. der Ansicht ist, daß sich das Schulsystem trotzdem intakt erhalten läßt. Es muß erwähnt werden, daß der Jischuw selbst sich energisch für die Aufrechterhaltung des Schulwerkes einseiztp und daß sich das Sprichwort bewährte: «Vorbeugen Ist besser als Heilen.» Neue hebräische Wandkarte Man kann dem Keren Kajemeth zu der Herausgabe einer modernen hebräischen Wandkarte mit hebräischen Ortsnamen gratulieren, die er in diesem a u m), österr. lüde, ca. 1865 geb. ca. 1888 als U. S. A. ausgewandert, 1923 gestorben. Unter an J. Danneberg, Wien, I., Singerstraße 1 Bagdad-Eisenbahnlinie und die Petroleum-Röhrenleitung von Mossul, die in Haifa enden soll. Die Vermessungen für die Eisenbahn sind eben abgeschlossen; dieselbe wird über 680 Meilen lang sein. Die Vermessung wurde von sechs verschiedenen Vermessungsgruppen durchgeführt, die unter der Leitung von Lt. Col. J. K. Robertson arbeiteten, und zu gleicher Zeit wurde eine wissenschaftliche und technische Prüfung des Weges unternommen Es wurden die wirtschaftlichen Bedingungen und die Verkehrsaussichten der zu durchlaufenden Länder untersucht. Wenn mit dem Bau wirklich begonnen wird, wahrscheinlich in einigen Jahren, so werden dabei tausende von Menschen für mindestens fünf Jahre Beschäftigung finden. Die Linie geht durch den Emek Jesreel, wo der Keren Kajemeth große Besitzungen hat. Bei dem steilen Aufstieg aus dem Jordantal, von 830 Fuß unter dem Meeresspiegel zu einer Höhe von 29.000 Fuß der Berge von Moab, werden sieben Tunnels und zehn Viadukte gebaut werden müssen. Eine Brücke wird auch über den Jordan führen. Das grüßte Bauwerk an dieser Linie wird aber die große Eisenbahnbrücke über den Euphrat sein, die in der Nähe der asphalthältigen Sümpfe von Hit im Irak errichtet werden wird. Diese Brücke wird den Fluß in einer Breite von 1658 Fuß überqueren. Haifa steht also die bemerkenswerteste Entwicklung in der modernen Zeit bevor, infolge seines ausgezeichneten Hafens, als Endpunkt der Bagdadbahn und der Rohölleitung und mit den großen industriellen Unternehmungen, die in Haifa schon heute bestehen oder errichtet werden sollen. Vor kurzem wurde hier mit der Ausführung der ersten Bauten auf K. K. L.- Boden nach dem Plan einer Arbeitervorstadt begonnen, deren Errichtung von der Palestine Economic Corporation finanziert wird. Julian L. Meitzer. Gene al Smuts Gast Weizmanns London, 27. November. (J. T, A.) Dr, Chaim Weizmann gab zu Ehren von General Smuts, Mitglied des Kabinetts, das die Balfour-Deklaration verkündet hat, später Premierminister Südafrikas, einen Empfang In seinem Heim, dem zahlreiche Mitglieder des englischen Parlaments und führende Zionisten beiwohnten. in Aussicht genommen ist, hat in einer Mitteilung an die Presse erklärt, er werde kein Ministeramt in der Provinz Quebec annehmen, solange das antisemitische Vorurteil das politische Leben dieser Provinz beherrscht. Die Juden, führte ßercovitch weiter aus, sind keine Gäste im Dominion Kanada; jüdische Siedlungen ließen sich schon im Jahre 1786 in Kanada nachweisen, unter der französischen Herrschaft kamen viele Juden ins Land. Es sei traurig, daß jetzt nicht allein in Quebec, sondern in ganz Kanada der Antisemitismus als rassisches und religiöses Vorurteil eine Stätte findet. Gott sei dank, es gibt noch aufrechte jüdische Mänqprf Organisierter Boykott gegen die Juden in Polen Beschluß der nationaldemokratischen Partei Der Hauptrat der nationaldemokratischen Partei Polens hat die folgende Resolution gefaßt: Die Zahl der Juden ln Polen, und die durch 616 bedingte Bedrohung des zukünftigen wirtschaftlichen und geistigen Lebens gebieten es, daß sich die polnische nationale Politik mit aller Entschlossenheit gegen die jüdische Gefahr wendet. Die letzten Aktionen der akademischen Jugend haben erwiesen, daß diese Jugend in ihrer Mehrheit von einep starken nationalen Geist beseelt ist. Die Hauptursäche der Störung des normalen Laufs des Universitätslebens sieht der Hauptrat der national-demokratischen Partei in der gesteigerten Agressivität der Juden. Der Hauptrat der Nationaldemokratischen Partei beschließt darum: 1. Ein starker Druck ist auf die Bevölkerung dahin auszuüben, daß sie den polnischen Handel und die rein polnische Industrie unterstützt, indem ausschließlich bei Christen gekauft wird und die Juden aus allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens zurückgedrängt werden. 2. Gegen den schädlichen Einfluß der Juden auf das geistige und moralische Leben Polens sowie gegen die jüdische Ueberflutung der freien Berufe ist ein scharfer Kampf zu führen. 3. Die Zahl der Juden an den Hoch- und Mittelschulen ist durch ein Numerus-clausus-Gesetz einzuschränken. 4. Die Hauptverwaltung der Partei wird angewiesen, die Aktion zur Stützung des polnicchen Handels durch Judenboykott organisatorisch durchzuführen. Eine Zuwendung für jüdische Zwecke aus dem Nachlaß Schnitzlers Die Familie des verstorbenen Dichters Arthur Schnitzler übergab der Jüdischen Kultusgemeinde 1000 Schilling als Spende für das jüdische Hospital und 300 Schilling zur Verteilung an jüdische Arme. Dies geschah im Sinne des Testaments Schnitzlers und als Entgelt für die ersparten Ausgaben für ein einfaches Begräbnis. Die Kultusgemeinde hat bekanntlich dem Dichter auf ihre Kosten ein Ehrenbegräbnis gewährt Zu Chaiwkbah — sdwwlcd Kere ► J ä I

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