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Die Stimme · 1931-12-03 · Heft 204 (3.12.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 204 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 IW; STIMME Nr. 204 — 3. Dezember 1931 refefiert auch über die Ereignisse in ganz änderet Art und Weise; schon Luther hat bemerkt, daß man es Heber ein «Andere! Makkflbderbuch» nennen soll. Der StH ist «ge» rundet, fließend und rhetorislerend, reich »n griechischen Redensarten, zierlichen und gezierten Antithesen und anderen, auf Effekt beruhenden Wendungen.» (Keil-Komm.) Den Anfang des Buches bilden zwei Briefe der palästinensischen Juden an die ägyptischen, in weichen diese aufgefordert werden, das Chanukkahfest und den «Nlkanortag» am 13. Ada* festlich zu begehen Makk. li Ist nicht so sehr eine streng historische Schrift, wir finden nicht die Sachlichkeit des ersten Buches, hier ist das erbauliche Element ausschlaggebend, es ist nicht ein Stück nationaler Geschichte, sondern Geschichte des Tempels und des Kultes. Nicht so Sehr die Erreichung der national-politischen Freiheit wird betont, sondern das Hauptgewicht Wird aut geistige Unabhängigkeit gelegt. Didaktische Volkssagen und agadische Erzählungen sind in den Text eingeflochten, ein midraschartiger Geist beherrscht das Ganze. Dieser Charakter des Buches erklärt nun die Tatsache, daß man den historischen Wert herabsetzte, das Buch für unzuverlässig und historisch wenig glaubwürdig erklärte. Erst in neuerer Zelt hat B. Niese in «Kritik der beiden Makkabäerbücher» eine Apologie des zweiten Buches geschrieben, wo er nachweist, daß auch diese Schrift, relativ gemessen, historische Erkenntnis vermitteln kann und dem ersten Buch nicht nachsteht. Auch hier vertritt Geiger seine Ansicht, daß wir es hier mit einer Tendenz- Schrift zu tun haben, deren Verfasser «ein die Makkabäer mit Mißtrauen beobachtender Pharisäer ist», Und wirklich zeugen viele Gesichtspunkte, zeugt der Charakter für diese Annahme. Die Hohenpriester werden getadelt, der Verfasser weiß nur Juda hervorzuheben, den Mann, der in seiner idealen Geisteshaltung, erhaben, Über alle Parteien stand, während die anderen Familienmitglieder ignoriert werden. Prof. Aptowitzer hat in seiner «Parteipolitik der Hasmonäerzelt* (S. 4f) den Grund der feindseligen Stimmutfg in pharisäischen Kreisen gegen die Hasmonäer Jonathan und Simon erklärt. Die Pharisäer, zu denen ja auch der Verfasser von Makk. II. zählt, konnten sich mit dem Gedanken nicht aüssöhnen, «daß Männer, die ihr Leben auf dem Schlachtfelde verbringen, das höchste religiöse Amt bekleiden sollen.» Juda, der kein Hohenpriesteramt bekleidete, wird daher verherrlicht, während seine Brüder, die auch als Hohenpriester fungierten, als beim Volk unbeliebt hingestellt werden. Aber besonders in den religiösen Anschauungen erkennt man den Anti-Sadduzäer. Mit «polemischer Absichtlichkeit» wird der Auferstehungsglaube betont, am Sabbat, dem Tag der Ruhe darf nicht einmal ein Verteidigungskrieg geführt werden. Das Buch ist erfüllt von einem Geist phantastischer Schwärmerei} das Erscheinen überirdischer Wesen, die prophetischen Traurflerscheinungen, die Wundersucht, diese alle Momente erbringen den sicheren Beweis, daß der Verfasser In den 3Reihen der Pharisäer zu suchen ist. Ueber die Abfassungszeit gehen die Meinungen auseinander. Einigermaßen sicher 'iSt nur, daß das Buch vor 70 n. Chr. geschrieben wurde. | Wenn die Echtheit der am Anfänge von Makk. II. stehenden i Briefe erwiesen wird, die vom Jahre 125/4 v. Chr, datiert j Sind, so könnte man diese Zeit ungefähr als Abfassungszeit festsetzen. So ist auch Makk. II. eine Tendenzschrift, die vorwiegend pharisäische Interessen vertritt und den Leser in der Treue gegen das überlieferte Gesetz bestärken will, eine Schrift, deren Geist Bertholet folgendermaßen charakterisiert hat; «ein blühender Stil, eine glänzende, selbstgefällige Rhetorik, die Freude am Wortschwall und am Wunder, ein Schwelgen im geistlichen Exemplifizieren.» die Arbeiter befreien. Wer mithelfen will, geht mit ihm! Man rät Ihm ab. Es sei ein wahnwitziges Beginnen, er allein mit einigen Kameraden könne gegen den wilden Haufen nichts ausrichten. Man solle doch die englische Besatzung in Jaffa verständigen. Ach was, diet Ich hole unsere Leute selber heraus! Wer kommt mit? Läuft um sein Auto, setzt sich ans Lenkrad, den Revolver in der einen Hand. Sechs, sieben junge Leute springen zu ihm in den Wagen. Los geht es in rascher Fahrt. Wo die ersten arabischen Häuser beginnen, ist die Straße von einem wild gestikulierenden Araberhaufen abgesperrt. Die Menge schreit und fuchtelt mit Messern und Dolchen. Der Pflanzersohn fährt auf sie los, seine Kameraden halten die Revolver schußbereit. Nicht schießenl Die Kerle werden so verblüfft sein, daß sie uns durchlassen! Unwillkürlich verlangsamt er das Tempo, um niemanden zu Überfahren. Im nächsten Augenblick ist das Auto in der tobenden Menge eingekeilt. Heulend stürzen sich die Araber mit gezückten Dolchen auf die Insassen, die, von unzähligen Stichen getroffen, blutüberströmt zusammensinken. > - - ♦ Am ersten Sederabend des nächsten Pessach erhebt sich der reiche Pflanzer nach der Stelle der Hagada, auf die das Manischtano folgt, und sagt mit einem Blick auf die an der Wand hängenden schwarz umflorten Bilder seiner beiden Söhne; Mein erster Sohn fiel im August 1921, mein zweiter Sohn im August 1929 zur Ehre seines Volkes. Makkabäertod im zwanzigsten Jahrhundert. * Hallo, Herr Pol^kowitsch, hallo! Ein Mann im Overall drinnen im Garten wendet uns den Kopf zu und gleichzeitig mit ihm eine Frau in einem blauen Kattunkleid, über das eine große Schürze aus Sackleinen gebreitet ist. Herr Polakov/itsch, wir bringen Ihnen Grüße aus Europa! Juda Jila&üatii Von Dr. Karl Rosenfeld Ruhmgekränzte Steine alter Gruft erbeben ... An der Spitze deiner glaubenstreuen Brüder Hebst du dich vom Qrabe, willst uns sammeln wieder, Zündest Fackeln, rufst zum Kampf um neues Leben/ Wie du einst mit deinem Feuerschwerte strammes Antiochus’ Heer bet Emaus hast geschlagen, Willst du Sieg uns bringen unfer Zions-Flaggenl Uns! Zwergsprossen deines großen Heldenstammes. Und du eiferst, rüstest, wlltst dein Volk stolz retten, Zweifelst ob zur Heimkehr wir bereit schon seien — Führe uns auf Hasmonäer-Sturmvedetten Und verfluche Zwist in brüderlichen Reihen/ Einig nur zerreißen wir bald Sklavenkettent Nur vom Eintrachtsamen Erez kann gedeihen! Ein neues porlomentaMes Palästina- Komitee in London begründet London, 27. November. (J. T. A.) Im neugewählten britischen Parlament hat sich, ähnlich wie ln früheren Parlamenten, ein Palästina-Komitee gebildet, das sich zum Ziele gesetzt hat, «über die Interessen des Jüdischen Nationalhelms ln Palästina zu wachen». Viele prominente Mitglieder des Unterhauses und des Oberhauses, unter Ihnen die Herzogin Atholl, Sir Austen Ckamberlain, Winston Churchill, Frl. Megan Lloyd George, Tochter von David Lloyd George, Marquis of Hartington, George Lansbury, — auch eine Anzahl jüdischer und nichtjüdischer Parlamentarier, die sich bisher an Palästina nicht Interessiert gezeigt hatten — wohnten der Gründungsversammlung bei, ln der das eigene hierzu eingeladene Mitglied der Exekutive der Jewlsh Agency, Dr. Selig Brodetsky, eine Ansprache über jüdische Wanderprobleme, Über Pläne des Palästina-Aufbaues und die Lage in Palästina im allgemeinen gehalten hat. Zum Vorsitzenden des parlamentarischen Palästina-Komitees wurde Colonel John Bucan, zum Vizevorsitzenden Josiah Wedgwood, zum Sekretär Bamett Jänner gewählt. Zur Ziehung dor XI. Klasse der 26. Klassonlottorio bestellen Sie Ihr Glückslos bei der Geschäftsstelle der Oesterreichischen Klassenlotterie J. M. Neufeld Wien, II., Krummbaumgasae 16, Tel. A 45-9-65. Höchstmöglicher Gewinn eventuell S 800.000.—. Lospreise: 1/1 S 48.—, S 24.—, */« S 11—, »/■ S 6.—. Die Hälfte aller Lose gewinnt. Die Ziehung der II. Klasse beginnt schon am 16. Dezember 1921. rar "iöw Der Mann, der gemeinsam mit seiner Frau an einer Hühnersteige gebastelt hat, dreht sich uns nun vollends zu und kommt, uns durch seine goldgeränderte Brille halb mißtrauisch betrachtend, entgegen. Nach wenigen Worten ist er über unsere Persönlichkeiten unterrichtet und lädt uns ein, sein Gast zu sein. Er führt uns in sein bescheidenes Haus, das auf dem Sandboden auseinanderzubrechen droht und deshalb am Grund und unterhalb des Daches mit starken Eisenreifen umfangen ist, stellt uns seine aus Deutschland stammende Frau und seinen blonden siebenjährigen Buben vor, der recht weit in die Schule wandern muß, kredenzt uns Trunk und Imbiß und zeigt uns dann seinen jungen ürangengarten. Eine verdammt schwere Sache, besonders wenn man das meiste allein und nur ab und zu einige Arbeiter verwendet. .. Anders kann ich nicht durchhalten . Ja, ja, durchhalten heißt es jetzt. Mein ganzes Vermögen, das ich mir drüben in Europa als Handelsmann erspart habe, es war ein hübsches Stück Geld, habe!rh in Erez Israel, in diesem Boden angelegt. Jetzt bin Ich fast ganz blank. Uvn jn ein paar J thren, wenn der Garten Früchte trigr bin ich aus dem Wasser . . . Von Weggehen ist natürlich keine Rede. Ich bin froh und glücklich, daß wr hier Wurzel getnßi haben, aut diesem sandigen Bodtn . . . Jetzt, wo schon eine *;anz ansehnliche Siedlung entstanden ist zuerst war ich nämlich ganz allein hier _ bleibe ich um so lieber. . Im August 1929 waren aufgeregte Tage. Da lugten wir aus, ob der Alm Kischik nicht mit seinen Leuten gegen u~3 geht. Wir waren entschlossen, uns tüchtig unserer Haut zu wehren. Es ist gut, daß er ruhig ge* blieben Ist . . . Abtr solche Geschichten können uns nicht wankend machen. Schauen Sie uoen diese prächtigen Orangenbäumchen an und sehen Sie den herrlichen Eukalyptuswald dort drüben! Das sollen wir im Stich lassen? . . . Was glaubt man, wie wird die Reparationsfrage gelöst werden? Wird das Hover- Moratorium verlängert werden? . . . Makkabäer-Pionier des Friedens und der Arbeit. Neuestes vom Kriegsschauplatz BoxhMm — Budapest — Wien. Kriegsschauplatz? Leider ist das keine Uebertreibung. Es ist ein gewaltiger Krieg gegen das Judentum entbrannt. Die Hakenkreuzlerei, bar jedes Programms, wenn man nicht «Juda verrecke» als genügend großes Programm ansieht, schickt sich zum üeneralsturm gegen das Judentum an. Wer wußte bisher etwas von Boxheim? Durch die Aufdeckung der Putschvorbereitungen der Nazis In Hessen ist Boxheim in die Geschichte .eingegangen. In der für den Fall der Ueherttahme der Staatsgewalt duren die Hltierlsten vorbereiteten Verordnung heißt es: «Jeder Deutsche (nicht Juden usvv.) männlichen und weiblichen Ueschlechtes ist vom 16. Lebensjahr an zur Dienstleistung verpflichtet, ausgenommen die Mitglieder der S. A. und der Landeswehren^Ansprueb aut Ernährung ist abhängig von der Erfüllung der Dienstpflicht.» Da haben wir einen Vorgeschmack davon, was uns bevorsteht, könnten die Hakenkreuzler, so wie sie wollten. Was durch die BoxhelmeTTTokumente offenbar wurde, Ist nichts Neues. In Hitlers Buch «Mein Kampf», in hunderten blutrünstigen Zeitungsartikeln und Reden wird die wirtschaftliche Vernichtung und die physische Ausrottung der Juden verlangt, in Deutschland heißt das «Legaler Kampf um die Macht Im Staate». Wie kann man dieses Deutscntanu charakterisieren? — «Deutschland tn seiner tiefsten Schmach und Schande!» Daß Ungarns Rassenschützler Hitler nicht nachstehen wollen, ist selbstverständlich. Die ungarischen Hakenkreuzler wollten mit dem blutigen Tanz beginnen. Die Regierung hat aber durchgegriften. Ging es doch gegen Horthy, Bethlen und Konsorten. Das Unangenehme für die ungarische Regierung besteht nur darin, daß so gar keine Juden In die Putschvorbereitungen verwickelt sind, Im Gegenteil sogar einige von «Horthys besten O t f tzieren». Da geht die Regierung — wenigstens bis jetzt — sehr zart um. Kaum, daß man die Namen der Beschuldigten hört. Wohl aber hört man, daß hundert reicne Juden durch Masc h i n ge w e h r f e u er hingerichtet werden sollten, falls nicht eine gewisse Summe Geldvon den Verwandten der Geiseln herbeigescham würde. D e rT empel In der Tabakgasse sollte In die Luft gesprengt werden. So lauten die bisherigen Nachrichten vom ungarischen Kriegsschauplatz. Und Wien? Oesterreich scheint es darauf abgesehen zu haben, in der Achtung der Welt an letzter Stelle zu stehen. Aber man hat doch «Kultur*. Man inszeniert mit großer Erfahrung und durchschlagendem Erfolg seit Jahren den wirtschaftlichen Pogrom, Jetzt soll er gesetzlich sanktioniert werden. Gleispach ist wieder obenauf. Er ist beim Vertassungagerichtshof durchgefallen, bei dem Mitglied des christlfchsozialen C. V., Herrn Unterrlchtsmlnister Czermak scheint er die Prüfung bestanden zu haben. Der von der «Sonn- und Montagszeitung» veröffentlichte Re* glerungsentwurt ist eine Kopie der ülelspachschen Studentenordnung. Dem verschlägt es nicht, daß «Gleichberechtigung» proklamiert wird. Diese Art von «Gleichberechtigung» genügt uns nicht. Wir wollen gleiche Geltung, und das ist viel mehr als papierene «Oleicttbereerttigung». Die Regierung hat nicht den Mut, offen zuzugeben, da» der in der «Sonn- und Montagszeitung» veröffentlichte Regierungsentwurt echt ist. Sie dementiert daher nur, «daß erer veröffentlichte Wortlaut keineswegs der Vorlage entspricht, mit der sich der Ministerrat tasächlich befaßt». Wir werden sehen, wer Recht behalten wird. Czermak, mit dem nun auch die Klerikalen nicht einverstanden zu sein scheinen, oder der Rassenschützler Gleispach, der erklärte, es sei nur eine «kleine rechtstechnische Einzelheit» zt» losen gewesen, um die Studentenordnung unanfechtbar zu machen und der Minister sei aut seiner Seite. Wir werden den authentischen Text abwarten, und verletzt et unsere Rechte, dann werden wir rücksichtslos alle Hebel in Bewegung setzen, um Unheil zu verhüten. Was anderen Bevolkerungstellen In Oesterreich zu tun nicht verwehrt war, dart auch uns nicht verwehrt werden, und dio Welt und der V ölkerbund wird uns hören. Wir grenzen uns aber fitf vom Gewinsel der «Union», die sich gegen den Ausdruck «Jüdische Volkszugehörigkeit» wehrt. Das sind dieselben Herren, die nur ein Israelltentum auf religiöser Basis gelten lassen wollen und sich auch gegen ein Studentenrecht auf konfessioneller Grundlage aussprechen würden, weil sie es noch aus der verschollenen liberalen Zeit her 'gewohnt sind, immer unter fremder Flagge zu segeln, nur nicht unter jüdischer Flagge. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß w 1 r die Anerkennung der jüdischen Nation verlangen unter faktischer Durchsetzung aller jener Rechte, die der Mehrheit Im Staate zustehen. Wir warten lange und werden noch weiter warten, sollte das kommende Stuoentenrecnt nicht jene Anerkennung der jüdischen Nation bringen, wie wir sie verstehen, sondern nur den Auftakt bilden zu einem kalten Pogrom und zur gesetzlichen Verankerung der Macht des Hakenkreuzes. G. Warum? Auf Grund der zwecamäßigen Zusammensetzung und der vorzüglichen Erfolge, welche von namhaften Aerzten und in zahlreichen Kliniken und Krankenanstalten mit Togal erzielt wurden, hat Togal in kurzer Zeit allgemeine Anerkennung gefunden. Alle Urteile stimmen darin überein, daß Togal ein prompt wirkendes schmerzstillendes Mittel darstellt, das unübertroffen ist bei gichtischen, rheumatischen und nevösen Schmerzen, bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, bei nervösen Zahnschmerzen und

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