Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-12-03 · Heft 204 (3.12.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 204 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053958--2676-3058126
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nf. 204 — 3. Dezember 1031 PTF STIMME Sefte 3 Die Bücher dev Makkabäer Von Josua Hovowito Die Bücher der Makkabäer gehören in die Reihe der sogenannten «Apokryphen», unter welchem Namen man alle diejenigen Schriften zusammenfaßt, die aus irgendeinem Grunde in den a ttestamentarischen Kanon nicht mehr aufgenommen wurden. Die talmud. Gelehrten verboten die Benützung dieser «sefarim chizonim» und «sefarim genusim» (verborgene Bücher). Den talmud Berichten ist zu entnehmen, daß sogar die Kanonizität solcher Bücher bezweifelt wurde, die bereits den festen Bestand des biblischen Kanons bildeten. So wollte man die Bücher Jecheskiel, Hiob, Kohelet, Esther u. a. der «üenisa» anheimfallen lassen (Sabbat 30 b), doch ist dieses Vorhaben dadurch vereitelt worden, daß man keine vom biblischen Geiste abweichende Richtung feststellen konnte und daher kein Grund zum Ausschließen vorlag. Dagegen wurden andere literarische Erzeugnisse, in denen sich fremder Geist und fremde Gesinnung offenbarte, dem Kanon nicht mehr angeschlossen, sie blieben außerhalb desselben und wurden von da an «Apokryphen», «Verborgene Bücher» genannt. Es ist klar, daß die Ueberlieferung der Apokryphen viel litt und mange'.ha t war. Nur dem Zufall hat man es zu verdanken, daß solche Schriften nicht zur Gänze veriorengegangen sind. Manche sind uns nur als Fragmente oder als griechische Uebersetzungen erhalten geblieben. Man unterscheidet allgemein zwischen palästinensischem und hel’enistischem Schrifttum, und da wieder apokryphische Geschichtsbücher, Lehrerzählungen, prophetisch-parakletische Dichtungen und religiös-philosophische Schriften. Die Makkabäerbücher bilden einen integrierenden Teil I der apokryphischen Geschichtsbücher. Es sind 4 Bücher erhalten, von denen boß das erste und zweite wirklich mit Recht den Namen «Makkabäerbücher» .tragen, weil sie tatsäch'ich den Hasmonäeraufstand darstellen. Makk. 111 berichtet über die wunderbare Rettung der ägyptischen Juden unter Ptolemäus Philopator, während das vierte Buch ein philosophischer Traktat ist und in stoischem Sinne die Herrschaft der Vernunft über die Triebe und Leidenschaften darlegen will. Es beinhalten also das dritte und vierte ganz andere Dinge und haben nur durch Hinweise auf hasmonäische Verhältnisse diesen äußeren Namen angenommen. Das erste Makkabäerbuch beinhaltet eine historische Schilderung der großen Zeit des Makkabäeraufstandes in schlichter, einfacher Form; es ist ein treuherziger und wahrhafter Bericht, der uns hier geboten wird/ «Es ist jene schmucklose und reflexionsarme, die Tatsachen für sich selbst reden lassende Art des Erzählens, welche; den Geschichtsbüchern des Alten Testaments überhaupt eignet» (Zöckler.);-Wir finden ein stark ausgeprägtes nationales Gefühl und den absoluten Glauben an die Kraft und Bedeutung des Judentums. Das Buch erzählt in anschaulicher Weise die Vorgeschichte des Aufstandes, den Verlaul der Erhebung selbst, berichtet über die Leistungen Mathatias, die Heldentaten Judas, Jonathans und endlich Simons, der durch Erreichung der völligen Autonomie das Werk erst zu einem Abschluß gebracht hat. Die Erzählung umfaßt im ganzen den Zeitraum von 175—135 v. Chr. Der Standpunkt des Verfassers ist der des gläubigen, gesetzestreuen Judentums. Die göttliche Hilfe wird durch Fasten, Buße und Gebet vermittelt, wir finden nicht Spuren eines Wunderglaubens, Gott allein leistet seine Hilfe unsichtbar. Der Verfasser ist ein feuriger Patriot, sein dynastisches Interesse tritt besonders hervor; er ist bestrebt, die Verdienste der makkabäischen Fürsten um die Freiheit des jüdischen Volkes besonders hervorzuheben. Geiger (Urschrift 206 f) nennt mit Recht den Verfasser des ersten Buches den «Reichsh'storiograph der hasmonäischen Dynastie» und erkennt in der hier vorherrschenden Tendenz und Geisteshaltung die sadduzäische Einstellung. Die Priester, über die das zweite Buch nur Schlechtes zu berichten weiß, werden hier in gutem Licht dargestellt. Die hasmonäische Partei ist der hervorragende Stand im Volke, ihm gehört die Herrschaft; selbständig soll kein Kampf geführt werden, dies kann nur, wie ein Beispiel zeigt, Unheil bringen. Auch die religiösen Ansichten bezeichnen den Verfasser als Feind der Pharisäer. Die Erfolge der hasmonäischen Erhebung sind zurückzuführen au. den persönlichen Mut des einzelnen, auf die kriegerische Tüchtigkeit und politische Klugheit der makkabäischen Fürsten, die aber auch im Vertrauen auf Gottes Hilfe handeln. Der Verfasser weiß nichts vom Unsterhlichkeitsg'aulfen, der besonders stark von den Pharisäern verfochten wurde. Er erzählt anscheinend ruhig, daß Mathatia und seine Söhne auch am Sabbat kämpfen und zur Notwehr greifen; das steht in schroffem Gegensatz zum zweiten Buch, wo eine strenge Befolgung der Sabbatordnung gefordert wird. Der Buchstabe des Gesetzes ist für ihn nicht al es. «Die Frömmigkeit ist ein Schmuck seiner Helden, nicht ihr Heldentum selbst», wie Oskar Holtzmann treffend gesagt hat. Diese und noch andere Gesichtspunkte sprechen dafür, daß wir den Verfasser mit einem Sadduzäer identifizieren können Was die Ab assungszeit betrifft, so ist man sich darüber einig, daß das Buch noch vor der römischen Invasion, also vor 63 v. Chr., geschrieben wurde. Der Verfasser kennt die Römer als Freunde und Beschützer der Juden, die bei ihnen auch Schutz vor den syrischen Königen finden. Am- Schlüsse des Buches wird auf eine üesch'chte der Regierung J. Hyrkans hingewiesen, die voraussetzt, daß dieser schon gestorben ist und dies geschah 105/4 v. Chr. Der Terminus ad quo und terminus ad quem für die Abfassungszeit können demnach mit 104 und 63 v. Chr. angegeben werden. Origines und Hieronymus im «prologus galeatus» bezeugen, daß das Original des ersten Buches hebräisch geschrieben war. Der Letztere nennt das Buch ein «’ibrum hebraicum». Erhalten geblieben ist nur die griechische Uehersetzung, die der Septuaginta einverleibt wurde Vgl. Weiß, Zur Tradition, I, 195 f, Grätz, Geschichte III/2, S. 473, erblickt in Makk. I einen Teil Verband der allgemeinem Zionisten nnd BeztatoscfcHon ILbatcnMd} Heute präzise holb 9 Uhr aoenos Vortrag des Sc-r.ftsteIlers Isak Margosches, Tel-Av'v (in deutscher Spracoei 0* er „Zionismus im Sowiafrufllantl" Reg iebei i ra q Sdiostal & Härtlein I. Kämtnerstr. 14 I. Stephansplatz 2 Weihnachtsverkauf: Sie unsere Preise und Qualitäten 11 Herren-Krawatten, reine Seide.5.50, 3*50 I Beinkleider, guter üradel.3*90 Hemden, prima Popeline. . . 14.—, 9*— Nachthemden, Naturellchiffon . . 10*~ I Pyjamas, moderne Fassons . 24.—, 16*— Dressinggowns.27*— Damen-Hemden mit Schweizer Stickerei. 2-50 I Hemden, Naurellchiffons, handgestickt 3*90 Hemdhosen, Batist, farbig . . . 4.70, 3* — Hemdhosen, Opal, farbig.4a80 Hemdhosen, aus prima Crepe Lavable 14*90 Nachthemden, Batist, farbig .... 4"90 I Flanell-Nachthemden.8*90 Damen-Stoffkleidchen, tnod. Fassons. . 22*— I Tweedstoffkleider.41*— K.-Seidenmongolkleider.65* — Pyjamas, mod. Fassons . . 19.50, 10*50 E Blusen aus englischem Popeline . . . 12*50 Unsere seit 64 Jahren bestehende Firma ieistet | Gewähr für gute Qualitäten u. tadellose Ausführung! der «Megillat Beth Chaschmonaim», die von dem Zelotenführer Eleasar ben Anania gesammelt wurde. In diesem Sinne meint auch Krochmal in «More Nehuchei hasman», S. 50, daß Makk. I mit der oben genannten Megillah identisch sei, die nach der Bezeugung der Halachoth Gedooth von den Alten der Schule Hillels und Schammais geschrieben wurde. So ist die Erzählung im ersten Buche anschaulich und lebendig, «mit mehr Erdgeruch als Weihrauchduft, sie handelt von Menschen mit Fleisch und Blut, die um heilige Güter kämpfen, aber um Güter, die auch von dieser Welt sind.» (Bertholet.) Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt, wenn matt vom ersten Makkabäerbuch zum zweiten kommt; hier begegnen wir einer ganz anderen Geistesha'tung, sind von einem anderen Milieu umgeben. Das zweite Makkabäerbuch, ein Produkt des jüdisch-hellenistischen Schrifttums, bildet einen Auszug (Epitom) aus dem fünfbändigen Geschichtswerk eines Jason v. Cyrene. Das Original, in griechischeir Sprache abgefaßt, ist verlorengegangen und das Epitom, gleichfalls ursprünglich griechisch geschrieben, unter dem Titel «Zweites Makkabäerbuch» bekannt, ist erhalten geblieben. Das Buch erzählt die hasmonäischen Kämpfe unter Seleukos IV. Philopator und Antiochos Epiphanes, berichtet dann über die Volkserhebung und schließt mit dem Siege Juda Makkabis über Nikanor, umfaßt also die Zeitspanne von 175—161 v. Chr, Die Bezeichnung «Zweites Makkabäerbuch» paßt nicht gerade am besten, es ist ja keine Fortsetzung des ersten« Makkabäer des zwanzigsten (ahrhunderts Von Dr. Emil Reich Die Stille der warmen Augustnacht zerreißt der Schrei eines Schakals. Dann wieder tiefe Ruhe. Nichts regt sich ringsum. In der Dunkelheit der mondlosen Nacht sieht man kaum einige Schritte weit. Eine flüsternde männliche Stimme wird hinter einer Bodenwelle vernehmbar. Klärchen, Liebste, wenn es vorbei ist, wenn wir es überstanden haben, dann könnten, wir Hochzeit feiern... Sprich nicht davon, bitte, jetzt nicht, tönt leise eine Mädchenstimme zurück. Aber Herzlieb, wer wird denn so verzagt sein! Karl, ich habe so ein böses Gefühl, daß es nicht gut.. . Pst! ... Da schleicht jemand heran! Die Stirn und die Augen des Mannes erheben sich über dem Hügel und ein üewehrlauf schiebt sich über den mit schüttern Gras bestandenen Boden. Eine dunkle Gestalt kriecht gegen die Bodenwelle zu. Ein halb unterdrückter Schrei. Karl, um Gottes willen, nicht schießen! Du bist’s, Jakob? Bald hättest du eine Kugel im Pelz gehabt! Wozu schleichst du da herum? Ich habe ein bißchen Nachschau gehalten. Die Kerle sind kaum mehr fünfhundert Schritte entfernt.. . Siehst du, dort an der Ecke des Eu.kalyptuswaldes liegen sie . . . Immer näher kommen sie, lang halten wir die Einschließung nicht mehr aus, die Engländer kümmern sich um uns nicht. Nur Mut, wir werden das Gesindel mit blutigen Köpfen heimschicken! ♦ Die Araber scheinen durch Zermürbungs- und Aushungerungstaktik die jüdische Siedlung sturmreif machen zu wollen. Immer enger wird der Kreis, den sie um das Dorf gezogen haben. Die jüdischen Mädchen und Frauen sind im Hause des alten Schnerson versammelt. Sie sind nicht verzweifelt, führen keine bangen Reden. Sie sind auf den Tod gefaßt, den sie sich selber geben wollen, ehe sie den Arabern in die Hände fallen. Gift ist vorbereitet. Plötzlich heftiges Gewehrgeknatter aus nächster Nähe. Paar Burschen stürzen erregt in Schnersons Haus. Sind die Araber schon in der Siedlung? Aber nein, Karl ist mitten durch sie zur nächsten Eisenbahnstation gesprengt . . . Die Araber können ja nicht schießen, er ist heil durchgekommen . . . Jetzt müssen die Engländer uns zu Hilfe kommen, jetzt Können sie sich nicht ausreden, daß sie von unserer Situation nichts wissen! Eine halbe Stunde später kreisen zwei englische Flugzeuge über das Vorgelände des Dorfes, Bomben abwertend. Die Araber, hunderte an Zahl, fliehen in regellosen Haufen. Die Siedlung ist befreit. Einige Tage später halten Karl und Klärchen im Hause Schnersons Hochzeit. Das Leid der Schreckenswoche ist schon vergessen. Unter den Segenswünschen und dem Jubel der Kampfgefährten werden die beiden jungen Leute ein Paar, Makkabäerhochzeit im Jahre 1921. * Die Sonne lacht vom blauen Himmel, üppig steht das Getreide. Auf einem bereits abgeernteten Felde daneben zieht bereits der Traktor den Pflug. Auf einem Gaul reitet ein kräftiger Bursche, ein zweites Pferd neben sich führend, zur Chwuza zurück. Die Mittagsstunde naht. Dort in der Siedlung wird es rings um das Genieinschaftshaus bald recht lebhaft. Von allen Seiten kommen junge, fröhliche Menschen herbei und gehen in den großen Raum, der Speise-, Ver- ' sammlungs- und Theatersaal ist. Sie setzen sich an die langen Tische, große Terrinnen lind Schüsseln werden vor sie hingestellt, jeder löffelt sich aus seinem Teller so viel, wie ihm behagt, und während sie schmausen, unterhalten sie sich angeregt miteinander. Der aus Europa eben eingetroffene Gast fragt die neben ihirt sitzende blonde Frau, ob sie sich hier wohl fühle und nient lieber zu ihren wohlhabenden Eltern nach Deutschland zurückkehren möchte. Sie sieht den Fremden erstaunt an und lächelt. Ach, nicht die Bohne! Was soll ich in Deutschland? Hier ist meine Heimat, hier habe ich ztt arbeiten! . . . Dort, der Mann mit den schwarzen Haaren, das ist mein Mann ... ja, kein Deutscher, sondern ein russischer Jude . . . Schwere Arbeit? Ja, gewiß, es ist kein leichtes Leben, aber der Boden des Emek ist dankbar für die Mühe, die wir an ihn wenden. ... Ja, ein Kind haben wir, es ist im Kinderhaus, während der Arbeitswoche könnten wir uns ihm wenig widmen, mein Mann ist auf dem Feld, ich bin in der Wirtschaft und im Kuhstall beschäftigt. Jetzt haben wir besonders viel Arbeit, wissen Sie, sozusagen großes Reinemachen. Aber niemanden verdrießt das . . Ein Zurück gibt es für uns nicht mehr! Wir bleiben auf der Scholle, die wir uns so schwer erkämpft haben und die wir deshalb doppelt lieben. Makkabäer der Arbeit. * Von fern her hört man eine regellose Schießerei. Die Araber sind im Aufruhr! Von verantwortungslosen Hetzern aufgewiegelt, spielen sie mit dem Gedanken, sich aut die jüdische Stadt zu stürzen. Aber sie kennen den Mut der Juden, sie wagen daher Ueberfälle nur, wenn sie in der Ueberzahl sind. Ja, einzelne abfangen und niederzumachen, das ist ungefährlich, darauf kann man sich einlassen. Plötzlich durcheilt eine Schreckenskunde ganz Tel-Aviv: In der Fabrik draußen, am Rand von Jaffa ' sind einige jüdische Arbeiter zurückgeblieben und nun von den Arabern blockiert. Man wird sie niedermetzeln! Der Sohn des reichsten jüdischen Orangenpflanzers hat rasch einen Entschluß gefaßt: Er wird t D-8A

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.