Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 203 (26.11.1931)
- Date
- 1931-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053957--2666-3058115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seite 4 DIE STIMME Nr. 203 — 26. November 1031 Sprache einander und dem Lande anzupassen und sie ökonomisch und politisch selbständig zu machen. In diesem Zusammenhang erwähnte die Rednerin die bekannte Stickerei* und Konfektionswerkstätte «Shani», die unter der Aegide der H. N. J. entstanden sei und uhlreichen orientalischen Jüdinnen ärmster Schichten durch Heimarbeit einen kleinen Verdienst eröffnet habe. Frau Smoira beschäftigte sich sodann ausführlich mit dem Problem der sozialen Fürsorge in Erez Israel, von dem sie sagte, daß sie während ihres halbjährigen Aufenthaltes in Europa den Eindruck gewonnen habe, daß es nach denselben Richtlinien wie die moderne Wohlfahrtsarbeit Europas geleistet werde. Auf dem Gebiete der sozialen Arbeit begegnet sich die H. N. |. einerseits mit «Hadassah», der ilonistlschen Frauenorganisation Amerikas, andererseits mit der W. I. Z. 0., von der sie ein jährliches Budget von Pfund 2400.— für die Erhaltung des Säuglingsheimes in Jerusalem und der Tageskrippe in Tel-Aviv erhält. Auch mit der Moazath Hapoaloth, den arbeitenden Müttern, wirkt hier die H. N. J. vielfach gemeinsam, zum Beispiel in Haifa u. a. Frau Smoira gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zusammenarbeit der verschiedenen Frauenorganisationen in Palästina weiterhin günstige Fortschritte machen werden. Bei zahlreichen Beschwerden des weiblichen Geschlechts bewirkt das natürliche «Franz-Josef »-Bitterwasser die allerbeste Erleichterung. Erhältl. in Apoth. An die indischem Stauen 1 Die Landesföderation zionistischer Frauen Oesterreichs geht daran, Ihr neues Arbeitsjahr mit einer großzügigen Werbeaktion zwecks Stärkung und Ausbau der Organisation einzuleiten. Ist doch das Problem der Gewinnung von neuen Menschen, wie für die gesamte zionistische Organisation, so auch für die Wizo gerade in der Zeit schwerer wirtschaftlicher Depression aus vielen Gründen zu einem der brennendsten geworden. In der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestandes hat die Wizo zehntausende jüdischer Frauen in allen Ländern organisiert und in ihnen das nationale Bewußtsein erweckt. Die Leistungen der Wizo auf dem Gebiete nationaler und kultureller Propaganda in der Gatuth und der Erziehung jüdischer Mädchen und Frauen zu produktiver Arbeit in Erez Israel sind allgemein bekannt und anerkannt. Diese Betätigung der Wizo, zu der noch ein Teil der sozialen Fürsorge des Landes (Säuglings- und Mütterheime) hinzukommt, kann nicht mehr aus dem Rahmen des jüdischen Aufbauwerkes hinweggedacht werden. Es ergeht daher der Ruf an alle diejenigen jüdischen Frauen Wiens, die der zionistischen Idee naheatehen, durch Beitritt zu unserer Organisation gemeinsam mit uns an der Verwirklichung dieses Zieles mitzuhelfen! Wir erwarten voll Zuversicht, daß dieser Appell an unsere jüdischen Schwestern nicht ohne Widerhall bleiben wird. Die Mitglieder unserer Leitung, die in den nächsten Tagen die Werbeaktion durch persönliche Besuche einleiten wollen, werden hoffentlich williges Gehör und die Bereitschaft finden, sich in unsere Reihen einzugliedern. Die Leitung der Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs (Föderation der W. 1. Z. O.). denen sie verkehrte, für die Verbreitung Goethescher Schöpfungen unermüdlich tätig war. Aus Wien, weiter in lebhaftem Briefwechsel mit Goethe stehend, berichtete sie ihm über die gesellschaftlichen, künstlerichen und literariehen Zustände ln der Donaustadt. In Wien bildeten auch die geistvollen, auffallend schönen und einflußreichen Schwestern, Franziska Baronin von Arnstein und Cäcilie von Eskeles, einen geistigen Mittelpunkt, von dem Goethes Ruhm ausstrahlt e. Die beiden Frauen, Töchter des Berliner Bankiers ttzig, hatte Goethe im Jahre 1808 in Karlsbad kennengelernt und war mit ihnen dortselbst auch iq den Jahren 1811 und 1812 zusammengetroffen. Auch Cäcilies Schwägerin, ihres Gatten, des steinreichen Bankiers von Eskeles Schwester: E#?onora von Fließ, wurde eine begeisterte Goethe-Verehrerin und Verkünderin seines Ruhms. Wie eine Jüdin, die Jutta Schaper, am Eingang In das Liebesieben Goethe steht, so bleibt an eine — allerdings getaufte — Jüdin, die berühmte russische Hofpianistin Maria Szymanowska, der Ausklang seiner Liebeslaufbahn geknüpft. Er hatte die wunderschöne Polin 1823 in Marienbad kennengelernt, gerade als er seinen Liebesroman mit Ulrike von Levetzow erlebte und erlitt, dein er in der «Elegie», diesem furchtbaren Aufschrei einer von wildem Liebesleid zerrissenen Seele, herzergreifenden Ausdruck verlieh. Die Szymanowska, die den Dichter zwei Monate später in Weimar besuchte, und ihn mit ihrem herrlichen «unglaublichen* Klavierspiel entzückte, wurde die Trösterin des in seiner Liebeshoffnung enttäuschten und leidenden Dichters. «Dieser holden Frau», sagte er zum Kanzler Müller, «habe ich viel zu verdanken. Ihre Bekanntschaft und Ihr wundervolles Talent hat mich zuerst mir selbst wiedergegeben.* In seiner Dankbarkeit widmete ihr der Dichter das j tritt« Gedicht der «Trilogie der Leidenschaft». Au* daidstina Dr. Wunderlich gestorben Iffl Atter von 52 Jahren verstarb in Haifa der bekannt« Arzt und Revisionistenführer Dr. Wunderlich. Revolte Im ZentralgefSngnis von Jerusalem Am vergangenen Sonnabend revoltierten die kommunistischen Gefangenen im Zentralgefängnis 2U Jerusalem. Sie schlugen an die Türen, lärmten und sangen. Der Aufforderung, die Zellen zu verlassen, leisteten sie nicht Folge, so daß sie gewaltsam aus den Zellen entfernt werden mußten. Bei diesem Kampfe wurden 12 Gefangene und 13 Wächter verletzt, Dr* Joseph Lurie zurückgetreten Dr. Joseph Lurie, früher Direktor des zionistischen Schulwerkes in Palästina, der seit dem aus Anlaß des Lehrerstreiks erfolgten Rücktritt Dr. ßerksons als Direktor des Unterrichtadepartements der Jewish Agency fungiert hat, ist nun von diesem Posten zurückgetreten. Oberrabbiner Jakob Melrs Appell zugunsten des Keren Kajemeth Der sephardische Oberrabiner von Palästina Jacob Meir erließ eine Kundgebung an die Judenheit der ganzen Welt, in der er aul das Doppeljubiläum der jüdischen Palästina- Arbeit (50. Wiederkehr des Tages, an dem die Bilu-Oruppe im Lande eintral, und das 30jährige Bestehen des Jüdischen Nationalfonds) hinweist und 2ur weiteren Auslösung des Bodens auffordert Verlängerung des Termins für die Registrierung der illegalen Einwanderer Die Palästina-Regierung hat den am 15. November abgelaufenen Termin für die Registrierung, bezw. Legalisierung des Aufenthaltes der auf illegalem Wege nach Palästina gekommenen Einwanderer bis zum 15. Dezember d. J. verlängert, um denjenigen illegalen Einwohnern, die sich noch nicht auf Grund der Amnestie haben registrieren lassen, Gelegenheit zu geben, dies nachzutragen. Zur Ziehung der L Klasse der 38. Klassunl Otter io bestellen Sie Ihr Olüokelos bei der Geschäftsstelle der Oesterrelchlschcn Klassenlotterio J. M. Neufeld Wien, II*, Krummbaumsau« 16, Tal. A 46*0»65. Höchstmöglicher Gewinn evontuell 3 800.000.—. Lospreise: 1/1 S 48.—, '/* S 24.—, */* S 12.—, S 6.—. Oie Hälfte aller Lose gewinnt. Die Ziehung der I. Klasse beginnt schon am 17. November 1031. rutt ipw Zu den Vorgängen an den Hochschulen in Polen Protestresolution der «Judäa». Der Delegiertentag des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler «Judäa» beschloß folgende Protestresolution: Der Delegiertentag des üesamtverbandes jüdischer Hochschülcr Oesterreichs «Judäa» protestiert gegen die antisemitischen Ausschreitungen an den Universitäten Polens und drückt den jüdischen Studenten Polens dafür seine Anerkennung aus, daß sie durch ihre energische Abwehr Ehre und Selbstbewußtsein der jüdischen Studenten hochgehalten haben. Der Delegiertentag begrüßt den Beschluß des 17. Zionistenkongresses, daß die hebräische Universität möglichst rasch in eine Lehranstalt umgewandelt werde, die befähigt ist, die jüdischen Studenten wie an einer Hochschule auszubilden und denselben akademische Grade zu verleihen. Der Delegiertenlag hält es für die primitivste Pflicht jüdischer Solidarität, den jüdischen Studenten in der üaluth die Möglichkeit zu geben, ihre Studien an allen Fakultäten in Jerusalem durchzuführen. Weizrnann in Amsterdam Amsterdam, 19. November. (J. T. A.) ln eiper vom holländischen Keren Hajessod in der Amsterdamer Konzerthalle veranstalteten Massenkundgebung hielt Dr. Chaim Weizrnann, von der Riesenversammlung mit Enthusiasmus begrüßt, eitu» Rede über «Die Zukunft des jüdischen Volkes». F.r entwarf ein Bild von der Lage des Judentums in der ganzen Welt und wies insbesondere auf die neue Welle des Antisemitismus in Polen hin, die das Gespenst des Pogroms heraufbeschvvört, und forderte das holländische Judentum auf, sein möglichstes dazu beizutragen, daß dem jüdischen Volk eine Heimat in Palästina werde. Der rumäi. Kriefcsm!n?ster Ehrenpräsident einer antisem. Organisation Bukarest, 15. November (J. T. A.) Kriegsminister General Amta Stcfanescu hat das Ehrenpräsidium der siebenbürgisdien faschistisch-antisemitischen Organisation «Fratia de cruce* (Kreuzesbrüderschaft) übernommen. Zweieinhalb Millionen Juden sprechen englisch, eine Million d utsen Nach in New York auigestellten Statistiken ist die englische Sprache nächst der jiddischen die am meisten unter den Juden verbreitete, sic hat der deutschen Sprache, die früher die jüdische Welt beherrscht hat, schon längst den Rang abgdaufen. Von den über 15 Millionen Juden in der Welt haben 8 Millionen Jiddisch, V/% Millionen Englisch und 1 MäUon Deutsch m Muttersprache. Was wollen Sie hören? Di« Radiowünsche der jüdischen Hörer. Die Ravag fordert di« Rundfunkhörer auf, ihr bis 1. Dezember besondere Wünsche bekanntzugeben. Die Jüdischen Hörer sind ln der Lage, der Ravag eine große Anzahl von Wünschen zu übermitteln. Es Ist nämlich bemerkenswert, laß die Ravag bisher jüdische Themen, jüdische Vokalmusik, jüdische Kunst und jüdisches Theater aus dem Radioprogramm ausgeschlossen hat In fast allen Sendern der Welt kommen jüdische Kunst und jüdische Künstler zur Geltung. Durch viele Sender werden ganze jüdische Gottesdienste übertragen. Als im Vorjahre das Zionistische Landeskomitee an die Ravag mit dem Ersuchen herantrat, einen Teil des vom Verein «Ere2 Israel» veranstalteten Hebräischen Konzertes 2u Übertragen, wurde dieser Wunsch nicht berücksichtigt. Wir hörten bisher von Radio Wien nur einen einzigen Vortrag über das moderne Palästina. Es war dies der Vortrag der Prau Dr. Hannemann. Ab und zu hört man bei Radio Wien einen Cellisten, der das Kol Nldrei oder dergleichen spielt Das Ist aber auch alles. Wir wollen nicht davon sprechen, daß es keine Darbietung jüdischer Kunst Ist, wenn man bei Radio Wien von einigen Kabarettgrößen schlechte Witze erzählen läßt, durch die die Juden als solche verspottet werden. Wenn die Ravag nun ihre Hörer auffordert, Ihre Wünsche bekanntzugeben, dann gibt sie uns auch di« Möglichkeit, ln Erfahrung zu bringen, ob ihre bisherige Stellungnahme jüdischen Programmen gegenüber auf ihre Unkenntnis In jüdischen Dingen zurückzuführen ist, oder ob ihr andere Gründe vorliegen. Wir erinnern uns, daß sich die Ravag vor einigen Monaten in aller Oeffentlichkeit bei der «Reichspost» deswegen entschuldigte, weil sie eine Uebertragung einer von Einstein in London gehaltenen Rede brachte. Was wollen wir nun von der Ravag hören? Wir haben in Wien eine große Anzahl ausgezeichneter Interpreten der modernen jüdischen Musik. Wir haben Lieder- und Volksliedersänger, die über ein konzertreifes Repertoire jüdischer Werke verfügen. Wir haben in Wien eine große Anzahl von Kantoren, die erstklassige Sänger sind und dem österreichischen Publikum die ehrwürdigen und schönen Tempelgesänge zu Gehör bringen können. Es gibt auch eine ausgesprochen jüdische Musik berühmter Komponisten, die in den Konzert- und Radioprogrammen der ganzen Welt zu finden ist. Wir haben in Wien eine große Anzahl von jüdischen Wissenschaftlern, die in der Lage wären, wissenschaftliche Themen, die mit der Palästinafrage Zusammenhängen, bei Radio Wien zu erörtern. Man komme uns nicht damit, daß es sich hier um politische Angelegenheiten handelt. Die Uebertragung eines Freitagabend-Gottesdienstes aus dem Seitenstettentempel ist sowenig eine politische Angelegenheit, wie die Uebertragung der Missa solemnis von Beethoven. Die Aufklärung des österreichischen Publikums Uber das zionistische Aufbauwerk in Palästina wird das österreichische und auch das nichtjüdische Österreichische Publikum zumindest so interessieren, wie irgend ein Reisebericht. Diese Beispiele lassen sich beliebig vermehren. Und sollte die Ravag meinen^ daß sie nicht die nötigen Kenntnisse für die Auswahl der Künstler hat, die für jüdische Themen in Betracht kommen, dann werden unsere Institutionen der Ravag gerne mit Rat und Tat an die Hand gehen. Wir fordern daher die Juden Oesterreichs auf, sich an der Aktion zu beteiligen, die wir hiemit einleiten. Jeder Jude, der mit dem Darbietungsprogramm der Ravag, das uns Juden einseitig benachteiligt, unzufrieden ist, und selbst Radioabonnent ist, wolle den unten befindlichen Kupon ausschnciden, mit seiner Unterschrift und Adresse versehen, auch von Bekannten und Freunden unterfertigen lassen und uns spätestens am 30. November einsenden. Wir werden die uns eingesendeten Kupons sammeln und mit einem entsprechenden Begleitschreiben der Ravag überreichen. Wir behalten uns vor, besonders geeignete Vorschläge, die uns aus unserem Leserkreis zugehen werden, ln der «Stimme» zu veröffentlichen. An die «Ravag» in Wien, I. Der (Die) Unterzeichnete(n) wünschen eine Erweiterung Ihres Programms durch Uebertragung von synagogaler Musik, von moderner hebräischer Musik, von Vorlesungen aus Werken moderner hebräischer Dichter, von Vorträgen über Palästina und von jüdischen Volksliedern. Name:.... Adresse: Name:.... . Adresse; .. Name:.. Adresse: t