Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 202 (19.11.1931)
- Date
- 1931-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sei te 6 DIE STIMME Nr. 202 — 19. November 1931 ....—■ Noch zwei Juden in der englisclien Regierung London, 13. November. (J. T. A.) Sir Philip Sassoon (konservativ), der in der letzten konservativen Regierung Baldwin und in der ersten nationalen Regierung MacDonalds Unterstaatssekretär für Luftverkehrswesen war, ist auf den gleichen Posten in die zweite nationale Regierung berufen worden. Lesly Hore-BeHsha, Vorsitzender der Exekutive der liberalen nationalen Partei (Simon-Gruppe), erhielt das Amt des Parlamentssekretärs des Board of Trade. Sassoon und Hore-Belisha sind Juden. Sir Robert Hamilton, der in der ersten nationalen Regierung Unterstaatssekretär für die Kolonien war, behält seinen Posten. Malcolm MacDonald, der Sohn des Premiers, ein bekannter Zionistenfreund, bleibt Unterstaatssekretär für die Dominien. Die Palästina-Regierung bewilligt nur den fünften Teil der angeforderten Zertifikate Jerusalem, 13. November. (J. T. A.) Von den von der Jewish Agency für ein halbes Jahr angeforderten 1700 Einwandererzertifikaten für Chaluzim und Angehörige von Palästinaeinwohnern hat die Regierung, wie verlautet, nur etwa ein Fünftel bewilligt, das auch nur zum geringen Teil für Chaluzim verfügbar sein wird. Die Jewish Agency führt die Verhandlungen über Erhöhung der Quote fort. Der Autostreik iu Palästina beendet Jerusalem, 12. November. (J. T. A.) Der seit mehr als eine Woche in Palästina dauernde Streik der Autobesitzer und -Chauffeure ist als abgebrochen erklärt worden, nachdem sämtliche Handelskammern des Landes sich bereit erklärt hatten, die Forderungen der Streikenden auf Ermäßigung der Lizenzgebühren und der übrigen Steuern bei der Regierung zu unterstützen. Der Taxi- und Lastwagenverkehr wurde in vollem Umfange wieder aufgenommen. Das Streikkomitee erließ eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß vom Beginn bis zum Ende des Streiks die gemeinsame arabisch-jüdische Front ungebrochen geblieben ist. Schwerste antisemitische Ausschreitungen in Ungheni Ein Toter, fünf Schwerverletzte Bukarest, 13. November. (J. T. A.) ln Ungheni bei Jassy drang gegen Mitternacht eine Gruppe Cuzisten in ein Lokal ein, in welchem eine jüdische Veranstaltung stattfand. Die unter Führung eines gewissen Maietchi stehenden Cuzisten versperrten alle Ausgangstüren und feuerten mehrere Revolverschüsse auf die Gäste ab. Ein junger Mann namens Averbuch wurde getötet, drei andere junge Männer und zwei Mädchen wurden schwer verletzt. Die Gendarmerie verhaftete Maietchi. Die syrisch - palästinensische Delegation in Genf für eine Vereinigung Syriens und des Irak Genf, 15. November. (J. T. A.) Die von der arabischen syrisch-palästinensischen Delegation beim Völkerbund herausgegebene Monatsschrift «La Nation Arabe» setzt sich für die Vereinigung von Syrien und dem Irak unter der Herrschaft von König Feisal ein. Diese Vereinigung könnte, so heißt es in einem Artikel, in der Form einer vollkommenen Zusammenschmelzung oder einer Union geschehen. Feisal habe ein Recht auf den syrischen Thron, da seine Absetzung und Vertreibung aus Syrien seinerzeit ungesetzlich war. Die Zeitung appelliert an die syrischen Patrioten, Feisal, der jetzt König des Irak ist, auch den syrischen Thron anzubieten, da nur in der Vereinigung oder einer Föderation aller arabischen Länder eine Unabhängigkeit der arabischen Welt möglich sei. Die Vereinigung Syriens und des Irak würde der erste Schritt diesem Ziele entgegen sein. König Feisal sei das Symbol der nationalen arabischen Renaissance und Freiheit. Zusammen mit dem Hedschaskönig Ibn Saud und dem Imam von Jemen könnte er die arabische Föderation schaffen. 1110 Legalitätsgesuche Jüdischer Einwanderer in Palästina Jerusalem, 8. November. (J. T. A.) 1120 ln Palästina Illegal eingewanderte Juden, davon 500 in Jerusalem, haben bis jetzt von dem AmnestieerlaB der Regierung, betreffend Illegale Einwanderer, Gebrauch gemacht und um die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt aachgnuchL •mADU Die Konvention der amerikanischen Zionisten Am Sonntag, den 8. November, wurde in Atlantic City die 34. Jahres-Konvention der Zionistischen Organisation Amerikas durch Richter Julian W. Mack bei Anwesenheit von etwa 500 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten eröffnet. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Emanuel Neuman, verlas einen Brief von Senator Borah, Vorsitzenden des außenpolitischen Komitees im Senat der Vereinigten Staaten, in welchem Borah sich energisch für die Begründung eines Pro-Palästina-Komitees in Amerika einsetzt. Neuman teüte mit, daß jetzt in den Vereinigten Staaten ein palästinensisches Wirtschaftsbüro eingerichtet wird, das ein Clearing House für die verschiedenen Palästina-Probleme sein und allen an Palästina interessierten Personen Auskunft und Belehrung erteilen wird. New York, 12. November (J. T. A.). Die in Atlantic City abgehaltene Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten ist nach Bildung einer neuen Leitung, bestehend aus Anhängern der Brandeisgruppe und der Lipsky-Oruppe, zu Ende gegangen. Zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas wurde Richter Julian W. Mack, zu Ehrenvizepräsidenten wurden Louis Lipsky und Rabbi Stephen S. Wise gewählt. Vorsitzender des Verwaltungskomitees ist Morris Rothenberg, Vizevorsitzender Rabbi Abba Hillel Silver. Vorsitzender des Natiönalkomitees ist Richter Lewis, Vizevorsitzender Jacob de Haas, Schatzmeister ist Harry Fierst, Vorsitzender der Finanzkommission ist Louis Rocker. Die Konvention beschloß, die Institution einer nationalen Exekutive, wie sie bisher bestand, abzuschaffen, und wählte Allen I Freunden und Gesinnungsgenossen, die mich aus Anlaß meines 70. Geburtstages beglückwünschten u. in liebenswürdiger, reicher Weise ehrten, danke ich ganz gerührt auf diesem Wege, da es mir der großen Anzahl wegen unmöglich ist, es in jedem einzelnen Fall zu tun Wien, im November 1931 E Torczyner an deren Stelle als die oberste zionistische Landesbehörde ein aus 150 Personen bestehendes Nationalkomitee. Bei der Wahl des Nationalkomitees ergaben sich ernste Differenzen mit den Delegierten des Zionistischen Frauenvereines Hadassah. Die Hadassah-Delegierten verließen unter Protest die Konvention, als in die bereits fertige Liste des Nationalkomitees weitere sechs Namen, meist Anhänger Louis Lipskys, eingefügt wurden. Emanuel Neuman gelang es jedoch, die Hadassah-Delegierten zur Rückkehr in die Konvention zu bewegen. Gleichzeitig mit der Zionistischen Konvention hielt die Hadassah eine eigene Konvention ab, in der beschlossen wurde, den Beitrag der Hadassah an die Zionistische Organisation Amerikas auf die Hälfte, d. h. um 20.000 Dollar jährlich, zu kürzen. Die Konvention der Zionisten Amerikas nahm ein Budget von 90.000 Dollar an, wovon 30.000 Dollar zur Teildeckung des Defizites in Höhe von 140.000 Dollar bestimmt sind. Mit der unter starkem Beifall erfolgten einmütigen Annahme einer Huldigungsresolution für Weizmann wurde die Konvention geschlossen. Jtus (fatüstina Ueber die in der letzten Nummer berichteten Vorfälle in der Kolonie Chederah hat sich der Arbeiterbevölkerung der Kolonie und des ganzen Landes große Erregung bemächtigt, und es wird vielfach gegen das Verhalten der jüdischen Plantagenbesitzer und gegen das brutale Vorgehen der Polizei protestiert. * Polizeirichter Harcavy in Haifa verurteilte vier Arbeiter, die bei der Arbeitslosendemonstration von den Plantagen in Chederah festgenommen wurden, zu je sieben Tagen Gefängnis. * Baron Henri de Rothschild, der bekannte französische Dramatiker und Begründer des Pigal'e-Theaters in Paris, Ist zu einem kurzen Besuch in Jerusalem eingetroffen. * Der päpstliche Nuntius in Jerusalem Msgr. Barlassina hat sich nach Rom begeben, um dem Papst und den vatikanischen Behörden Bericht über die Lage in Palästina zu erstatten. ♦ In Anwesenheit der Herren M. B. Hexter und Julius Simon ist ein Kontrakt zwischen dem Arbeiterviertel Haifa und der Palestine Mortgage & Loan-Bank für den Bau von 113 Häusern abgeschlossen worden. * Bei seiner Rückkehr aus London hat Herr J. Weizmann, der Direktor der Palestine Plantations Ltd. mitgeteilt, daß während des Jahres weitere 300 Dunam in Tel Mond mit Orangen bepflanzt werden sollen. * Ein Betrag von 150 Pfund Sterling ist für sanitäre Einrichtungen in einem neuen Lager des Kibbuz «Gordonia» ln Klar Aharon bei Nesa Zk»ali b^reitpesteHt worden Bei Schmerzen in den Gelenken und ©liebem roiift logol lafd) uttb [idjer. 3ö$l*cid)e Stanffdjreiljen Über £ogal bei oeralteten Seihen, bei beiteit fein aitberes SJiittel Ijalf. ©in SBerfud) über* aeugt! — 3n allen SlpotJjefen. — $reis S. 2.40. ln aller Kürze Der französische Delegiertentag, der für Ende 1931 geplant war, wurde verschoben. Die Revisionisten erklärten, sie müßten die endgültigen Beschlüsse ihrer Organisation abwarten, die Poale-Zionisten wollen weiterhin nur an dem Kongreß teilnehmen. Die Hitachduth hat bisher noch nicht geantwortet. Ein Teil von Zionisten der Mitte plant, eine Organisation der Allgemeinen Zionisten zu schaffen. Julius Grün, Führer der deutschen Sozialdemokraten iu Olmütz, legte seine Aemter nieder, verzichtete auf das Parteimandat und schloß sich der Poale Zion an. Herr Grün erklärt, daß er dies unter dem Eindruck des Selbstmorde« des Führers der deutschen Sozialdemokraten von Preßburg, Heinrich Kalmar, tue. Man sagt, daß Kalmar wegen der antisemitischen Haltung seiner Kollegen ln der sozialdemokratischen Partei Selbstmord verübt habe. Laut Mitteilung des Polnischen statistischen Amtes betrug im zweiten Viertel des laufenden Jahres der natürliche Zuwachs der katholischen Bevölkerung Polens 90.754, der der griechisch-orthodoxen Bevölkerung 18.985, der der Juden 10.515. Auf je 1000 Katholiken beträgt der natürliche Zuwachs 18.2, auf je 1000 Juden nur 14 Seelen. * Die rumänischen Blätter veröffentlichen die Gesetzentwürfe, die die Regierung für die beginnende Session de« rumänischen Parlaments vorbereitet hat. Zur großen Enttäuschung der jüdischen Bevölkerung befindet sich unter diesen Gesetzesvorschlägen nicht die wiederholt versprochene Abänderung des rumänischen Staatsbürgerschaftsgesetzeo. In der Bukowina und in Bessarabien errichtet O. S. EL eine Reihe Anstalten für den Gesundheitsschutz des Kindes, Die Kundgebung der antizionistischen Britischen Liga, die für den 2. November als Demonstration gegen die Balfour- Deklaratlon einberufen, dann mit einem anderen Thema („Großbritannien hält der moslemitlschen Welt die Freundschaftshand entgegen“) auf den 12. November festgesetzt wurde, ist jetzt abermals auf unbestimmte Zeit verschoben worden. ♦ Im Alter von 72 Jahren verstarb Rabbi Menachim Schachna Riczewol, der älteste Warschauer Rabbiner und einer der angesehensten Führer der Orthodoxie. * Die schwedische Zeitung „Judisk Tidskrift" veröffentlicht einen Brief, den der kürzlich verstorbene, in der ganzen Welt und auch in Deutschland verehrte Erzbischof Nathan Söderblom an Dozent Hugo Vallentin ln Upsala gerichtet hat. Erzbischof Söderfjlom nimmt in diesem Schreiben scharf gegen den deutschen Antisemitismus Stellung und bezeichnet diesen als einen „Schandfleck für die Christenheit und die Menschheit“. In Zagreb tagte die dritte Landeskonferenz de3 Verbandes zionistischer Frauen Jugoslawiens. Dem auf der Konferenz erstatteten Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß in wenigen Jahren 25 Gruppen mit 2200 Mitgliedern entstanden sind. * Im Alter von 73 Jahren verstarb in Leningrad der einst berühmte Advokat Wladimir Bernstamm. « Laut einer im April dieses Jahres hergestellten Statistik gibt es in der Ukraine 370.350 jüdische Lohnempfänger (Arbeiter und Angestellte). In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der jüdischen Lohnempfänger um etwa 150.000 Mann erhöht; diese Erhöhung ist auf das Zuströmen der Juden zur Schwerindustrie zurückzuführen. Heitere Ecke Rabbi Jonathan Eibenschütz, der Prager Oberrabbiner, war mit dem Bischof Hasselbauer befreundet. Einmal sprach der Bischof zu Rabbi Jonathan: «Euer Oott ist ein Gott der Rache, unserer aber ein Gott der Liebe. Das sollt ihr doch endlich einsehen.» «Ich seHe es einh, erwiderte Rabbi Jonathan. «Unser, Gott ist wirklich ein Gott der Rache, euer Gott wirklich ein Gott der Liebe. Was bedeutet aber «Gott der Rache» und was «Gott der Liebe»? ln Wahrheit ist es so: Unser Gott ist ein Gott der Rache, das bedeutet, daß wir ihm die Rache überlassen, die Liebe aber bei uns bleibt; bei euch aber ist oft das Gegenteil der. Fall.» | Jüdisdker Malender 1 Novemb. 1931 Kislew S692 20 1 Freitag 10, 21 Samstag 11* 1t. 8abbat 22 Sonntag 12a 23 Montag 13a 24 Dienstag 14, 8 23 Mittwoch 15. I 26 Donnerstag 10.