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Die Stimme · 1931-11-12 · Heft 201 (12.11.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 201 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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$*•* OIE STIMME Nr. 201 — 12. November 1031 revisionistischen Zionisten haben wir bisher nicht verhandelt, da ihre inner« Lage ungeklärt ist.» Dtr Redner spricht sied gegen einen losen Daelk* verband ans, der die In Oesterreich ohnehin schon wuchernde Vereinsmeierei stärken würde. Wohl aber Ist er für einen Ausbau der Jetzt bestehenden Landesorganisation durch einen Hinzutritt sämtlicher zionistischer Gruppen. Der Redner meint, daß es in Fragen der Kultusgemeinde keine Differenzen zwischen den einzelnen Gruppen geben werde. «Es trieibt ihnen, meine verehrten Delegierten,» schließt der Redner. «Vorbehalten, mir das Absolutorium 2u erteilen, das Ich nicht allen von Ihnen erteilen kann.» Der Redner schlägt eine Reihe von Resolutionen vor, die wir am Schlüsse unseres Berichtes bringen. (Langanhaltender Beifall.) Der Vorsitzende, Dr. Georg Weiner, dankt dann Dr. Oskar Gränbaum im Namen aller für seine aufopferungsvolle Tätigkeit. Dr. Weiner gedenkt dann unserer Toten des letzten Jahres, insbesondere des Kommerzialrates Max Markus, Dr. Chaim Kotier, Prof. Dr. Adolf Schwarz, Alfred Wolf, Frau Karoline Körner, Dr. Abraham- Glanz, Hermann ZeiseI, Berl Lebenschuß und Dr. Ludwig Gelber. (Die Versammelten erheben sich von ihren Plätzen.) £ltatlien>a spricht Nunmehr ergreift die Dichterin Elischewa zu einem Referat über «Die Weltunion der Hebräer» das Wort. «Der Zweck der Weltunion der Hebräer Ist die Verbreitung der hebräischen Sprache und der hebräischen Kultur In der Galuth. Das ist nichts Neues. Doch gerade jetzt tut «• not, an dieses Werk mit gesteigerter Energie herartsutfeten. In Palästina ist die hebräische Sprache lebendig. Hie und da wird auch in der Galuth hebräisch gesprochen. Das alles aber ist noch immer zu wenig. Es Ist «In Irrglaube, daß Politik und Wirtschaft die Hauptsache Ist. Es gibt keine ersprießliche politische und Wirt* sehaftliche Arbeit ohne hebräische Kultur. Unser Zweck Ist doch die Gründung eines Nationalheimes, eines Hel* mes für die jüdische Nation. Und wie Ist diese Nation vWSteBbar, wenn sie keine gemeinsame Sprache hat? Es ist meine tiefste Ueberzeugung: ein Mensch, der nicht ganz hebräisch fühlt, kann sich nicht voll für das jüdische Nationalheim interessieren. Die Verbreitung der hebräischen Sprache ist also die Voraussetzung zur Mitarbeit des ganzen Volkes am Aufbau des Nationalheimes.» Die hebräische Rede Eltschewas wird sodann von Herrn Dr. David R o t h b 1 u m ins Deutsche Übersetzt. Anschließend fügt Dr. Rothblum noch hinzu: «In der Berliner Konferenz der Hebräer ist folgender Gedanke ausgesprochen worden: Zur Galuth muß eine aktive positive Stellung eingenommen werden. Die Diaspora des jüdischen Volkes wird auch dann bleiben, wenn der Zionismus hundertprozentig sein Ziel erreicht, denn 16 Millionen Juden werden in Palästina nie Platz haben; das ist an sich kein Unglück. Es gibt viele Nationen, die Diasporen haben. Die Frage lautet: Wie bindet man ln der Galuth ein Band, das das ganze Judentum eint? Früher hat die Religion diesen Zweck erfüllt. Das Jiddisch konnte, trotzdem sich so manche dafür eingesetzt haben, dieses Band nicht bilden. Es bleibt nur die hebräische Sprache. Die Berliner Konferenz vertritt den Standpunkt, daß das System Achat Haams, demzufolge die Oaluth immer der Empfänger und nie der Geber werden könnte, etwas vom nationalen Standpunkt Unerwünschtes sei. Es muß eine Instanz gegründet werden, die Wege sucht, um auch das Judentum ln der Oaluth Schöpferisch zu machen, um aus der Galuth einen Partner für Palästina zu bilden. Neue Werte sollen auf allen kulturellen Gebieten, vor allem aber auf dem Gebiete der hebräischen Sprache, geschaffen werden. Ein Organ dieser Bewegung ist die B r i t h I v r 11 h 01 a m i t h (Weltunion der Hebräer).» Der Redner richtet an alle Versammelten den Appell, dieser Union beixutreten und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß, was dar L Zionistenkongreß in Basel für die politische nationale Rege« aeration des Volkes war, die Berliner Konferenz der Hebräer für die kulturelle Renaissance bedeuten möge. Hierauf richtet die als Gast erschienene Arbeiterführerin aus Palästina und Mitglied der Kwuzah Dagania Chajuta Bussei an die Versammelten in hebräischer Sprache einen warmen Appell, mehr Arbeitskräfte und Energien für die Verwirklichung des zionistischen Ideals zu opfern. «Seit 25 Jahren lebe ich im Lande,» — sagte Chajuta Bussei, — «und oft, allzu oft stand unser ganzes Werk vor dem Abgrund. Und doch werden wir von Jahr zu Jahr stärker und schaffen immer neue Positionen. Und je mehr Positionen wir schaffen, desto stärker sind wir im Lande. GroßNeischhauerei SIEQM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggassc I*. fo». A U-3-tfk u, A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen Jr 1E?D-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigem Rabbmats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien amosuxaiiunp «iosisnto» IX, Borsrgasse 1* XVHl Währlngerstrtße ** Als im Jahre 1921 Unruhen ausbrachen, waren wir ein kleines Häuflein und die Oefahr war sehr groß. Bei den Unruhen des Jahres 1929 waren wir schon bedeutend stärker und konnten uns mit Erfolg zur Wehr setzen. Wir fühlten uns bedeutend sicherer, well wir bereits •In ganzes Netz von Jüdischen Siedlungen im Lande hatten, die den Angreifern einen starken Widerstand bieten konnten. Unseir Selbstschutz hat sich bewährt. Wir brauchen zu unserem Selbstschutz keine besonderen Fonds. Die jüdischen Arbeiter ln Palästina sind es gewöhnt, in einer Hand das Arbeitsgerät und In der andern das Gewehr Zu halten.» — Die Rednerin richtet dann einige Worte an die Jugend und kritisiert die Haltung der jüdischen Kolonisten, die jüdische Arbeiter nur zum Teil beschäftigen. Die Frage der Eroberung der Arbeit In den jüdischen Kolonien sei eine der bedeutendsten. Wenn die Kolonisten nur jüdische Arbeiter beschäftigen würden, dann wäre der Weg für eine Allija von Tausenden offen. (Auch die Rede Cha2Uta Bussels wird von Dr. Rothblum ins Deutsche übertragen.) $He Debatte In der Nachmittagssitzung fand die Debatte statt. Als erster sprach Dr. Dagobert Rybaczewski. Der Redner gibt seiner Befriedigung Ausdruck, daß wir auf uns allein gestellt, ziemlich viel geleistet haben und daß das Defizit bedeutend kleiner geworden sei. Wir haben uns glänzend behauptet. Er meint, daß für jede Schattierung in der zionistischen Organisation Platz sei. Auch die Radikalen sollen willkommen sein. Wir brauchen keine Statutenänderung. Wir können ganz gut mit den bestehenden Statuten auskommen. Wir brauchen auch keinen Territorialverband. Jede Gruppe kann in die heutige Landesorganisation aufgenommen Werden. — Herrn Dr, Qrünbaum gebühre ein großer Dank für seine Leistungen. Aber auch die Organisation habe Ihre Pflicht getan und auch sie verdiene den Dank. Die finanziellen Sorgen dürfe man nicht allzusehr übertreiben. Nach Ihm ergriff Dr. Desider Friedmann das Wort: Die Finanzfrage sei das wichtigste. Und zwar sei nicht das Defizit selbst so wichtig, wie die Notwendigkeit, die Geldmittel rechtzeitig zu beschaffen. Der Redner schlägt dann Statutenänderungen vor. 1. Mitglied der L a n d e s o r ga n i s a t i o n kann nurein Mitglied der Weltorganisation sein (das sei Jetzt von Bedeutung, weil es Revisionisten gebe, die behaupten, nran könne Zionist sein, ohne der Weltorganisation anzugehören). 2. Eine schriftliche Verpflichtung, Disziplin z u h a 11 e n, ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in Jen Landesverband. 3. Dieallgemeine Wahl nach Proporz wird abgeschafft. Der Delegiertentag ist eine Tagung der Delegierten einzelner Sektionen und Gruppen. — Zum Punkte Territorialverband liest der Redner die betreffenden Kongreßbeschlüsse vor und erörtert eingehend diese Frage vom Standpunkte der Notwendigkeit in der zionistischen Organisation Oesterreichs. Es gebe zwei Möglichkeiten, a) eine territoriale Arbeitsgemeinschaft mit der HltaChduth, den Poale Zion und Misrachi zu schaffen, b) Hltachduth, Poale Zion, Misrachi, Radikale und Revisionisten werden Mitglieder des Landesverbandes. Der Redner empfiehlt die erste Form. Ala Vertreter der Hitachduth spricht Saul Weimreb. Die Hltachduth befinde sich jetzt im ßtadium des Zusammenschmelzens mit der Poale Zion. Inr nächsten Jahre wäre also der Delegiertentag bloß von den Allgemeinen Zionisten beschickt. Das wäre nicht wünschenswert.* Deshalb schlage die Hitachduth die Schaffung eines Territorialverbandes als Landesvertretung für alle Angelegenheiten, die dem Kongreß unterstehen, vor. ln bezug auf Palästina würde bestimmt Einigkeit herrschen. —- Der Redner schlägt schließlich eine Reihe von Resolutionen vor. Dr. Chaim Tartakower spricht über die Bedeutung der Verbreitung der hebräischen Sprache: Bei den Jugendbünden sei der Hort des Hebräischen, denn für die Jugendlichen bedeutet Palästina Lebensinhalt und Lebensnerv. Diese Jugend befinde sich jetzt in einer tragischen Lage, weil die Tore Palästinas gesperrt seien. Die Frage der Alijah sei die wichtigste von allen. Sie ist das Um und Auf der zynischen Bewegung. Im Namen des Jugendverbandes spricht Lustig und beklagt sich, daß man so wenig Propaganda für den Zionismus mache und daß man nicht genügend Augenmerk der Ausbreitung des Antisemitismus und der schwierigen Lage der Juden in Oesterreich widme. Es möge eine oganisierte Abwehr gegen den Antisemitismus geschaffen werden. Hiefür stellen die Jugendlichen sich zur Verfügung. Direktor Wilhelm Epstein betont nochmals die Notwendigkeit der Sicherung der finanziellen Lage. Der Leitung müsse die Möglichkeit gegeben werden, unbeschwert von täglichen Sorgen eine ersprießliche Arbeit zu leisten. Er spricht sich auch für eine großzügige Werbearbeit für den Zionismus aus, eine Aufgabe, an die wir vollständig vergessen haben. Als Vertreter der Provinz spricht L i n k e r aus Klagenfurt, der darum bittet, den zionistischen Ortsgruppen in der Provinz mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Es gebe dort überall ein gutes Material für die Zionisten und ein dankbares Feld für zionistische Tätigkeit. «Es ist sehr schade, daß Redner zu uns kommen, die Verwirrung stiften. Wir brauchen in der Provinz zuerst eine zionistische Gesinnung, dann erst wird die Zeit kommen für die Stellungnahme der parteipolitischen Differenzen und Meinungsverschiedenheiten.» Dr. Schmerler kritisiert die Tätigkeit des Landeskomitees, das sich den wirtschaftlichen Sorgen der österreichischen Judenhelt nicht genügend gewidmet habe. Eine organisierte Abwehr gegen den Antisemitismus bestehe bei uns nicht. Die Erwerbslosigkeit greife um sich, wir aber tun gar nichts. Dr. Z. F. F i n k e 1 s t e i n: «Aus der Tatsache, daß nach 30J. Arbeit kaum 10 % des Volkes (und organisatorisch ein noch bedeutend geringerer Bruchteil) von der zionistischen Idee beseelt sind, müssen wir Schlüsse ziehen. Pie Assimilalation schreitet gewaltig vorwärts. Die kommende Generation wird nicht mehr den Zusammenhang mit der Vergangenheit besitzen, den wir noch haben. Unser Kampf ging leider nach innen, anstatt nach außen. Die Wirtschaftskrise mag für einzelne oder für eine Generation eine Katastrophe bedeuten; wichtiger jedoch als das Wohl einer Generation ist unsere Zukunitsfestung: Palästina. Nach außen muß eine einheitliche Front auf gestellt werden, ein ferritorialverband als lose Arbeitsgemeinschaft ist bedeutungslos. Es muß eine starke disziplinierte Organisation geschaffen werden, die einen engen Zusammenhang mit der zionistischen Weltorganisation hat.» Als letzter Debatteredner spricht Dr. G r ü n b a u m. Er antwortet auf Argumente einzelner Redner,, wie die des Dr. Rybaczewski und Dr. Desider Friedmann. «Die Notwendigkeit, einen Territorialverband zu schaffen, ist so groß, daß wir über die Beschlüsse des Kongresses hinausgehen sollen. Die Kritik des Jugendvertreters Lustig ist cum grano salis richtig. Es ist wahr, daß es bei? uns viele Zionisten gibt, für die der Zionismus sich im Debattieren erschöpft. Und es ist Bei Magen- und üarmbeschwerden, Eßunlust, Stuhiträgheit, Aufblähung, Sodbrennen, Aufstoßen, Benommenheit, Schmerz in der Stirn, Brechreiz bewirken 1—2 Glas natürliches «Franz-Josefa-Bitterwasser gründliche Reinigung des Verdauungswenjes. richtig, man soll nicht spenden, sondern opfern. Unsere Jugendbewegung leidet an derselben Krankheit wie die Bewegung der Aelteren. Es wird Uber die subtilsten Dinge der Bewegung debattiert, ohne das ABC des Zionismus zu kennen, und es entstehen Immer wieder neue Jugendgruppen, nicht durch Zuwachs, sondern durch Spaltungen.» Der Redner gibt zu, daß die Provinz vernachlässigt wurde. «Hiefür seien unsere schlechten Finanzen verantwortlich. In der Provinz gebe es ein glänzendes Terrain für Arbeit. In Klagenfurt z. B. sei der Antisemitismus so groß, daß sich in der dortigen zionistischen Ortsgruppe alle Klagenfurter Juden treffen. Es fehlen jedoch Anregung und Belehrung. Die zionistische Bewegung in Oesterreich müsse sozusagen ,entmaterialisiert’ werden. Eine endgültig« Sanierung sei aber hiefür die erste und wichtigste Notwendigkeit.» Der Redner dankt schließlich allen seinen Mitarbeitern und fordert alle Zionisten auf, die Krähwlnkelpolitik aufzugeben. Die Stadt, in der Herzl einst wirkte, müsse der zionistischen Welt beispielgebend vorangehen. Dr. F r i e d m a n n begründet sodann die Statutenänderungen, die von der Permanenzkommission vorgeschlagen worden sind. Die betreffenden Aenderungen werden angenommen. (Wir bringen sie in der nächsten Nummer.) Direktor A 11 m a n n beantragt im Namen der Permanenzkommission die Erteilung des Absolutorium s dem zurückgetretenen Landeskomitee. Das Absolutorium wird einstimmig erteilt. Hierauf nimmt der Delegiertentag folgende Resolutionen an. iResolutionen I. Der ordentliche Deleglertentag des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich begrüßt die neue Exekutive und verspricht seine Mitarbeit auf alten Gebieten des Zionistischen Lebens. Der ordentliche Delegiertentag ersucht die Exekutive, für eine Aenderung des Statuts der Weltorganisation in der Richtung Sorge zu tragen, daß das Wahlrecht zum Kongreß auf die in Landes* und Sonderverbände organisierten Mitglieder der Weltorganisation eingeschränkt werde. II. Die schwere wirtschaftliche Lage der Juden und die dadurch bedingte triste finanzielle Situation der zionistischen Weltbewegung erfordert äußerste Sparsamkeit ln den Verwaltungen der Fonds und sonstigen zionistischen Institutionen. Der ln einer weitaus besseren Wirtschaftslage entstandene Gehaltsstandard muß den gegenwärtigen Verhältnissen angepaßt werden. Dieses Prinzip darf aber nicht nur bei einzelnen Tellen, sondern muß vielmehr In der ganzen zionistischen Weltbewegung angewendet werden. Der Deleglertentag fordert das Landeskomitee auf, diesem Prinzip in Oestereich sofort zum Durchbruch ztt verhelfen. III. Der Deleglertentag gibt seiner besonderen Genugtuung darüber Ausdruck, daß Prof. Welzmann nach wie vor im Dienste der zionistischen Sache tätig Ist, und spricht ihm seinen besonderen Dank aus. Dieses Beispiel zionistischer Pflichttreue möge allen Zionisten als Vorbild dienen. IV. Der Delegiertentag widerruft die dem Verbände Demokratischer Zionisten bewilligte Zulassung als Sonderverelnlgung. V. Der Deleglertentag spricht sieb grundsätzlich dafür aus, daß mit den anderen zionistischen Gruppen ln Oesterreich wegen Herstellung einer1' organisatorischen Kooperation Fühlung genommen wird, und beauftragt das Landeskomitee, hierüber dem nächsten, innerhalb vou zwei Monaten einzuberufenden Parteirat Bericht zu sr* statten.

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