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Die Stimme · 1931-11-12 · Heft 201 (12.11.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 201 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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12. November 1Ö31 DIE STIMME Nf. 201 — Der der c.- ordenHidie Deleglertentag österreichischen Zionisten te 5 •y 7r Säm9tag, den 7. November abends, wurde im Saale des Oestmeichischen Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, der diesjährige ordentliche Delegiertentag des zionistischen Landesverbandes für Oesterreich eröffnet. Der Präsident des zionistischen Landeskomitees, Dr. Oskar Grü n bäum, begrüßte die Delegierten und Gäste, insbesondere Herrn Rabbiner Dr. David Feuchtwan g, die Delegierten aus der Provinz, das Mitglied der Zionistischen Exekutive in Westgalizien Dr. Körner und die in Wien weilende hebräische Dichterin Elise hewa. Ins Präsidium der Tagung wurden gewählt: Dr. Georg Weiner (Allgemeine Zionisten), Frau Sabine Paß weg (Wizo), Saul Wein re b (Hitachduth), Karl Schwarz- Graz (Provinz). Als Schriftführer Frau Blauer (Wizo) und Dr. Glücklich (Allgemeine Zionisten). Nath einer kurzen Eröffnungsrede des Herrn Dr. Georg Weiner wird folgendes (ScgriiilungBscfhrefltevi der Zion* Exekutive Torgelesen: Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Die Exekutive bedauert außerordentlich, daß es ihr leider unmöglich ist, durch eines ihrer Mitglieder auf Ihrem Delegiertentag vertreten zu sein. Ihre Tagung findet in einer für die Gesamtbewegung und für unsere Arbeit in Pa’ästina überaus schwierigen und wichtigen Zeit statt, und es wäre für uns sehr erwünscht, wenn wir mit Ihnen über die auf der Tagesordnung stehenden Probleme direkt beraten könnten. Leider sehen wir keine Möglichkeit, daß jemand von uns seine Arbeit hier auch nur für wenige Tage verläßt, und so müssen wir uns mit dieser brieflichen Begrüßung begnügen. Wir bedauern es tief, daß nicht alle Teile der Bewegung in Oesterreich an dieser Konferenz t e i 1 n e h m e n. Wenn Einigkeit und gemeinsame Tat jemals für die Bewegung notwendig waren, so ist es im gegenwärtigen Augenblick. Nur wenn wir alle Kräfte der Bewegung zusammenfassen, wenn alle inneren Differenzen und Streitigkeiten beiseite gestellt und die gesamte Energie aller Teile des Zionismus für die Rettung und Festigkeit unseres Werkes mobilisiert wird, kann es uns gelingen, aus diesemschicksalsschweren Moment ohne dauernden Schaden für unsere Sache herauszukommen. Wir haben vor. kurzem mit, Genugtuung erfahren, daß sich die verschiedenen Richtungen im österreichischen Zionismus zur gemeinsamen Tat für die Notaktion zusammengefunden haben und bedauern es umso Iebhaiter, daß es Teile der Bewegung gibt, die es für möglich h alten, g er a d e jetzt neue Zersplitterung i n msefe Reihen h i n e i n z u b r i n g e n. Wir sind so weit davon entfernt, von jemandem zu verlangen, Grundsätze zu opfern, aber es sollte doch in Oesterreich, ebenso wie in anderen Ländern mög'ich sein, trotz innerer Differenzen die bisher bestandene Einheit der Bewegung zu wahren Es ist kaum notwendig, Ihre Konferenz auf die im Augenblick so akuten finanziellen Probleme aufmerksam zu machen. Das in Basel beschlossene Budget war an sich schon ein Notbudget, kaum ausreichend, um die bisherigen Positionen zu halten und so weit als möglich zu festigen. Die Exekutive hat es für unumgänglich gehalten, außerhalb dieses Budgets eine Notaktion zu proklamieren, die gegenwärtig in einer Reihe von Ländern im Gange ist. Sie wissen aus den Pressenachrichteri, daß die Palästina-Exekutive im Einverständnis mit uns zu weiteren, sehr schmerzlichen Einschränkungen sich entschließen mußte, von welchen vornehmlich das Schulwerk, aber.auch andere Zweige unserer Arbeit zu leiden haben. Wir sind überzeugt, daß Ihre Konferenz im Bewußtsein ihrer Verantwortung die Mittel und Wege finden wird, um den Anteil unserer österreichischen Freunde an den Anstrengungen zur Aufbringung von Geldern für die Aufbauarbeit zu sichern. Wir hofen, daß es Ihnen gelingen wird, den Ausbau : und die Stärkung der österreichischen Organisation in die Wege zu leiten. Gerade in dieser von finanziellen und politischen Sorgen erfüllten Zeit müssen wir dauernd den organisatorischen Problemen volle Aufmerksamkeit schenken, denn ohne eine gut funktionierende schlagkräftige Organisation ist weder eine erfolgreiche politische Aktion noch finanzieller Erfolg möglich lieber die politische Situation sind Ihre führenden Instanzen durch die Zirkulare der Exekutive informiert. Es dürfte der Situation entsprechen, wenn wir behaupten, daß seit dem Kongreß eine gewisse Erleichterung und Entspannung in der politischen Lage eingetreten ist, wenn es auch kaum möglich ist, über die Entwicklung in der nächsten Zukunft einigermaßen sichere Vermutungen aufzustellen. Wir bitten Sie, versichert zu sein, daß die Exekutive den politischen Fragen wachsamste Aufmerksamkeit schenkt. Was die wirtschaftliche Lage in Palästina anbetrifft, so ist es natürlich, daß die schwierige Lage der Finanzen der Jewish Agency nicht ohne Einiluß aut die wirtschaftliche Gesamtsituation bleibt. Aber im a 11 gemeinen hat der Jischuw in dieser von wirtschaftlichen Nöten erfüllten Zeit doch eine verhältnismäßige Festigkeit gezeigt, die die Hoffnung begründet, daß er aus ihr unversehrt und gefestigt hervorgehen wird, wenn die Bewegung überall ihre Pflicht voll und ganz e r f ü 111. Die Exekutive ist sich bewußt, daß sie die Verantwortung für die Führung der Bewegung in einem Moment außerordentlicher Schwierigkeiten übernommen hat. Sie ifet entschlossen, alle Kräfte anzuspannen, um dieser Schwierigkeiten Henr zu werden. Sje hält sich für berechtigt und verpflichtet, von allen Teilen der Bewegung dal gleiche zu verlangen, in dem Bewußtsein, daß gerade in der Epoche, in der wir jetzt leben, die Verwirklichung des Zionismus als die höchste Lebensnotwendigkeit für das jüdische Volk erscheint Mit Zionsgrüßen und herzlichen Wünschen für fruchtbare Arbeit Nahunr S o k o I o w. Auch von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der ungarischen Zionistischen Organisation und von dem Zionistischen Verbände für die Tschechoslowakei sind Begrüßungsschreiben eingeengt. Hierauf hielt Herr Adolf Böhm ein aufschlußreiches Referat über den Stand unserer Palästinaarbeit. Dieses Referat, das wir in unserer nächsten Nummer bringen werden, wurde von den Delegierten und Gästen mit großem Beifall aufgenommen. Herr Direktor Dr. Kellner sprach hierauf über «Das Schicksal des jüdischen Geistes». (Auch seine Ausführungen werden wir in unserer nächsten Nummer wiedergeben.) In die Permanenzkommission wurden gewählt: Apotheke* Giroß, Dr. Emil Reich, Dr. Alfred Löwy, Direktot Dr. Kellner, Prof. Wilhelm Stein, Frau Tartakower, Frau Dr. Kantor, Saul Weinreb, Lustig, Ing. Lancau, Wittlin, Nimmhäuser. iSerldbt Met die Jittigkeit des xionistisdken Sandeskomitees Sonntag, den 8. November, y2\0 Uhr vormittags, wurden die Beratungen des Delegiertentages fortgesetzt. Doktor Grünbaum hielt ein ausführliches Referat über die Tätigkeit des zionistischen Landeskomitees und über die Schaffung des Territorialverbandes und führte im wesentlichen folgendes aus: «Ich stieß,» begann der Referent, «Während meiner Tätigkeit auf doppelten Widerstand: in der Organisation und bei der Opposition. Insbesondere bot die Frage der Landespolitik, die nach der Auflösung des österreichischen Nationalrates und infolge der ausgeschriebenen Wahlen wieder akut JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbücher Jauch antiquarische) für Eure Kindei in der Ud. Buchhandlung HarmMTUCNNftR Wien, li.f Or. StadlflutaTl^EcIeTa^ borstraße 52) IBIHBiBUlOTHlKi Alle Neuerscheinungen erhältlich 10 Groschen täglich, keine Weiteren Gebühren» Füi Anfragen Telephon R-41-4-20 wurde, der Opposition Gelegenheit zu heftigen Angriffen gegen die Leitung. Bekanntlich hat damals der Pärteirat die Frage der Aufstellung einer jüdischen Liste im negativen Sinne erledigt. Der außerordentliche Delegiertentag beschloß bekanntlich später, die Lan despoli tik aus dem Rahmen der Tätigkeit der zionistischen Organisation in Oesterreich auszuschalt e n. Diese Stellungnahme des außerordentlichen Delegiertentages und der Mehrheit der österreichischen Zionisten hat die Opposition in noch stärkere Gegnerschaft zum Landeskomitee gebracht. Der Friede mit der Opposition Ist wünschenswert, aber jeder Versuch eines faulens Friedens muß bekämpft werden. Wenn es nicht anders geht, werden wir die Landesorganisation auch weiter allein erhalten.» Der Redner dankt dann der Wizo, welche die Arbeiten des Landeskomitees immer nach Kräften unterstützt hat und fordert andere Gruppen auf, sich an der Wizo, die heute die bestorganisierte und verläßlichste zionistische Organisation in Oesterreich ist, ein Beispiel zu nehmen. «Jemand behauptete,» fuhr der Redner fort, «daß wir hier heute nur einen Rumpf-Delegiertentag haben. Das ist nicht richtig. Es ist ein Kopf-Delegiertentag. Es ist uns gelungen, den Allgemeinen Zionisten In Oesterreich zu beweisen, daß sie die Majorität haben. Anläßlich der Kongreßwahl kam dies besonders stark zum Vorschein. Wir haben sozusagen keinen Finger gerührt und doch stimmte für uns eine starke Gruppe, und unsere Wähler waren wirklich Zionisten. Im Gefühl unserer Stärke, trat ich kürzlich an die Opposition heran, ungeachtet der Tatsache, daß die Mitglieder der Opposition die Zahlung der Parteisteuer verweigerten und schlug ihr vor, am Delegiertentage teilzunehmen, obzwar sie eigentlich kein Recht dazu hätte. Hierauf bekam ich ablehn e n d e Bescheide der 'revisionistischen Zionisten und der demokratischen Zionisten. Meiner Meinung nach ist der wahre Grund der Ablehnung in den schweren inneren Kämpfen überhaupt und insbesonders unter den Revisionisten Oesterreichs zu suchen. Auch an den Verband (radikaler Zionisten trat ich heran. Dieser Verband entstand bekanntlich durch die Sezession einer Gruppe aus dem Verbände der demokratischen Zionisten. Die Radikalen haben aber eine Reihe von Bedingungen für ihre Mitarbeit gestellt, worüber eine Einigung nicht erzielt wurde. Ich hoffe jedoch, daß es zu einer Einigung kommen wird.» Zur inneren Tätigkeit übergehend, sagte der Redner: «Stürme außenpolitischer Natur hätten eine gesteigerte Tätigkeit des Landeskomitees zur Folge nach sich ziehen müssen. Ich gebe zu, daß unsere Tätigkeit xicht genügend ausgiebig war. Wir haben uns bemüht, das zu tun, was in unseren Kräften lag. Eine große Anzahl von Versammlungen wurde abgchalten. Ich erinnere bloß an die Vertrauensmännerversammiungen, in denen Rabbi Meir Berlin, Joachim Neiger und Felix Rosenblüth referierten, und an die ganze Reihe der vom Landeskomitee organisierten Diskussionsabende. Nach der Veröffentlichung des Passfieldschen Weißbuches hatten wir zusammen mit dem Misrachi, der Hitachduth und der Poale Zion ein imposantes Meeting in den Sofiensälen. Leider wurde damals diese große Kundgebung von den demokratischen Zionisten gestört und zur Propaganda für die Nationalratswahlen mißbraucht Ich erinnere ferner an das Meeting mit dem Exekutivmitglied Rosenblüth, an den Vortrag Dr. Theodor L e s s i n g s, an den Jüdischen Abend im großen Konzerthaussaal, an das Meeting im Bayrischen Hof über Fragen der Kultusgemeinde und an .eine Reihe von Kongreß wähl Versammlungen. Der Provinz konnten wir uns leider nicht allzusäsF" widmen. Der Grund hierfür ist unsere finanzielle Es wurden immerhin St. Pölten, Linz, Graz, Klagerifürt und Salzburg besucht. In dieser Hinsicht muß künftig systematisch Arbeit geleistet werden.» Hierauf bespricht der Referent die Tätigkeit d e r einzelnen Sektionen in Wien und geht zur Frage der Statutenänderung über. Der kostspielige und müheraubende Apparat der Wahlen sei nicht notwendig. Zionistische Demokratie heißt: Beschränkung des aktiven Wahlrechtes auf organisierte Zionisten. Der Redner beantragt eine Reihe von Abänderungen der Statuten, insbesondere eine Erhöhung der Parteisteuer und die Schaffung der Institution einer ständigen Finanzkommission, welche die finanziellen Angelegenheiten der Organisation leiten und überwachen soll. Die Situation vor einem Jahre war trostlos. Heute sei sie bedeutend besser geworden. Aber eine vollständige Sanierung tue not. Dr. Grünbaum bringt dann zur Kenntnis des Delegiertentages, daß die langjährige Sekretärin des Landeskomitees, Fräulein Channah Hajek, sich entschlossen hat, in der nächsten Zeit nach Palästina zu übersiedeln. Ef spricht ihr im eigenen Namen und im Namen der Organisation den Dank für ihre aufopfernde Tätigkeit und ihre langjährigen Verdienste aus und wünscht ihir viel Glück für die Zukunft. Der Redner referiert dann über die Frage des Territorialverbandes. Beim Misrachi bestehe Geneigtheit, sich einem Territorialverbande anzuschließen. «Am linken Flügel der zionistischen Organisation ist jetzt eine Fusion zwischen Hitachduth und Poale Zion im Gange. Aber auch dort, glaube ich, würde ein Territorial verband begrüßt werden. Vom neugegründeten Verbände der Allgemeinen Zionisten erübrigt es sich, das zu sagen. Auch die Gruppe der Radikalen ist bereit, sich unter gewissen Bedingungen einem derartigen Verbände anzuschließen. Mit den demokratischen und X. Am I). »Bar Kochba« Wien Der Z A V. »Bar Kochba« gibt allen seinen freunden und Bekannten Nachricht vom plötzlichen Ableben seines A.H.DrJkbrahain6laBZ der Mittwoch voriger Woche verschieden ist Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. A H. Verband Dr. Moses Stöckel für den Aktivitas Theodor Grubner

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