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Die Stimme · 1931-11-12 · Heft 201 (12.11.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 201 (12.11.1931)
Date
1931-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Setti 4 DIE STIMME Nr. 201 — 12. November 193t Arabern oder tu Irak verderben könnte. Das mag fUr gewisse einflußreiche syrische Kreise richtig sein, und dock scheint dieses Argument keine richtige Beweiskraft iu besitaen. Die zionistische Politik braucht keineswegs eine Position gegen die syrischen oder nesopotamischen Ansprüche einzunehmen. Sie braucht sich nicht einmal die Mahnungen oder Befürchtungen der Mandatskommission in bezug auf «Mangel an Reife» oder «ungenügende politische Vorbereitung» der Bevölkerung Syriens und Iraks zu eigen machen. Es kommt uns gar nicht zu, Ratschläge uneingetaden zu formulieren und etwa als «Baal-Eize» für die Syrier aufzutreten. Es ist das gute Recht der Einwohner Syriens und des Irak, das Glück dort zu suchen, wo sie es zu finden glauben. Wir können gar nicht umhin, anzuerkennen, daß wir prinzipiell mit ihren Forderungen auf volle Freiheit vom Herzen sympathisieren. Was wir verlangen, ist etwas ganz anderes. W l r verlangen die nötigen Garantien dafür, daß man bei der Entscheidung Über die Forderungen Syriens nicht daran vergißt, daß die Emanzipation Syriens die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes tangieren kann und tangieren muß. Wir haben daher das Recht und die Pflicht, unsere Stimme für den Schutz unseres Rechtes zu erheben. Wir dürfen und wir müssen fordern, daß bei der Neuregelung der Verhältnisse Im vorderen und mittleren Orient die vitalen Interessen des Jewish National Home nicht vergessen werden. Bei einer günstigen Lösung dieses — unseres — Problems sind wir weit davon entfernt, die den Syriern erwünschte Entwicklung zu stören, umgekehrt gerne bereit, daran nach Kräften mitzuarbeiten. Wir wissen ja, daß eine Allianz, daß die Koordination der Entwicklung des jüdischen Nationalheims an die Entwicklung der Umwelt, in die Palästina nun einmal gestellt ist, für jede vernünftige zionistische Politik eine notwendige Vorbedingung ihres Enderfolges ist. Das muß den syrischen Politikern klar gemacht werden, ebenso natürlich den arabischen Politikern Palästinas. Eine aufrichtige und ehrliche, dleRechte undVorteilebelderTeile berücksichtigende Aussprache könnte für beide Teile vorteilhaft sein! Am Ende dieser Betrachtungen möchten wir nochmals Herrn de Caix, den offiziellen Vertreter Frankreichs vor der Mandatskommission, zitieren, der ausführte: «Empfehlungen des Völkerbundes können andererseits sehr nützlich für die Rechte sein, die er in dem Moment sichern will, in welchem die Aenderungen sich vollziehen, über die die Kommission gerechterweise besorgt ist.» Auch wir sind besorgt. Zu den Rechten, von denen Herr de Caix spricht, gehören auch unsere heiligsten Rechte, gehört unserRecht. Und es ist unsere Pflicht, rechtzeitig dafür zu sorgen, daß dieses jüdische Recht durch Verhandlungen mit den in Be tracht kommendeen Machtfaktoren gea 1 c h e r t w i r d. R. N. Ungesühnte Judenmorde Der siebenfache Judenmörder H o r a k wurde von den Prager Oeschwornen freigesprochen. Der Im Jahre 1019 in Bertotovce an dem Studenten Samuel Moskovits von Soldaten verübte Mord harrt noch Immer der Aufklärung. Eine Meldung aus Brünn erinnert nun an die scheußlichen Morde an jüdische Kriegsflüchtlingen. I Vor fünf Jahren verurteilte nämlich das Iglauer Schwurgericht das Mannweib A. Dvoracek, deren Mann Franz und einen gewissen J. Fejta, welche die Brüder Policky in Trebitsch im Jahre 1916 ermordet hatten, zum Tode durch den Strang. Das Verbrechen wurde erst im Jahre 1925 aufgedeckt. Im Verlaufe des Prozesses kam auch die Ermordung von polnischen jüdischen Flüchtlingen zur Sprache, die in den Kriegsjahren von dem Ehepaar Dvoracek und Fejta ermordet und beraubt worden sein sollen. Die Verurteilten haben in der letzten Zeit wiederholt, aber immer vergebens, um eine Wiederaufnahme des Verfahrens angesucht, jm Dezember des Vorjahres wurden nun beim Baggern von Sand im llgfluß in Trebitsch, und zwar gerade an jener Stelle, wo nach Aussagen des Fejta die Leichen der ermordeten polnischen Juden ins Wasser geworfen worden seien, zwei Menschenschädel gefunden. Die Untersuchung wurde neuerdings aufgenommen. Die Erhebungen erstreckten sich sogar nach Polen, Wieben aber ergebnislos, so j9ie JmishJijiemy-Vemaftuni aktiv Jerusalem, 2. November. Dr. Werner Senator, der Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, teilte in einer im Jewish Agency-Bureau abgehaitenen Presse- Konferenz u. a. mit: Dfe Gesamtverpflichtungen der Jewish Agency belaufen sich auf 700.000 Pfund, denen 800.000 Pfund an Aktivbeständen gegenüberstehen, so daß die Verwaltung der Jewish Agency, selbst nach Abschreibung von 50.000 Pfund für Entwertungen bei den Investierungen, immer noch aktiv ist. Die auf der Soü-Seite stehenden 700.000 Pfund sind nicht nur Schulden, diese Summe schließt budgetäre Verpflichtungen und eine Anzahl von Investierungen ein, so u. a. 184.000 Pfund, die zur Liquidierung der Angelegenheiten der American Zion Commonwealth vorgeschossen wurden, eine Summe, die man später um weitere 114.000 Pfund erhöhen mußte. Der Palestine Foundation Fonds, das Finanzinstrument der Jewish Agency, erhielt Boden als Sicherheit für diese Investierung, dessen Wert vom Jüdischen Nationalfonds, dem der Boden übereignet wurde, wieder eingebracht werden wird. Die Exekutive der Jewish Agency, fuhr Dr. Werner Senator fort, hatte niemals die Grenze ihrer normalen Kredite überschritten, ihre wirklichen Schulden übersteigen gegenwärtig nicht die Summe von 150.000 Pfund, welcher Betrag auch die fälligen Gehälter der Lehrer und Beamten und eine Summe von 55.000 Pfund» die verschiedenen Bankinstituten zustehen, einschließt. Dr. Werner Senator schloß: Die letzten Ereignlsse, wie Sturz des Pfundes, wirtschaftliche Depres* sion in Mittel- und Osteuropa und einschneidend« Verringerung der Beiträge aus den Vereinigten Staaten, haben eine Kürzung selbst der verhältnismäßig kleinen Posten, die auf dem Zionistenkongreß in Basel in das Budget eingestellt worden waren, notwendig gemacht. Es ist für uns nur ein geringer Trost, daß auch große Regierungen bei der Bilanzierung ihres Budgets, vor ernsten Problemen stehen, ich hege aber die Hoffnung, daß die zionistische Organisation und das jüdische Volk wissen werden, wie sie auf die jetzige Situation zu reagieren haben: durch Stärkung der Jewish Agehcy und durch Werbung neuer Kräfte für den Aufbau Palästinas werden sie uns helfen, die jetzige kritische Zeit zu überwinden. daß nun dieses neuerliche Strafverfahren gegen das Ehepaar Dvoracek und Fejta definitiv eingestellt wurde. Ein ln der amtlichen «Wiener Zeitung» erschienenes Edikt erinnert uns an die zahlreichen Judenmorde, die in Ungarn in der Zeit nach dem Sturz der Bela-Kun-Regierung verübt wurden und bis heute ungesühnt blieben. Es handelt sich hier um die Ermordung von zwei Juden. Einer von ihnen, Baruch Reich, wird vom Wiener Landesgericht aufgefordert, sich binnen Jahresfrist zu meiden, widrigenfalls er für tot und seine Ehe für aufgelöst erklärt werden würde. Die Gattin des ermordeten Baruch Reich erzählt dem Wiener «Morgen» über ihr trauriges Schicksal folgendes: «Mein Mann fuhr mit einem Lastzug mit einem Waggon Ware nach Budapest. Die Ware kam in Budapest an, aber ohne Begleiter. Ich ahnte Böses und fuhr nach Budapest. Dort wollte man von nichts wissen. Ich betraute den Privatdetektiv Franz Mezei mit den Erhebungen nach dem Verbleib meines Mannes. Schon damals war das Gerücht verbreitet, daß ln Kömorn zwei Kaufleute von Organen der Paßkontrolle vom Zug geholt und zwei Offizieren überantwortet worden seien.; . Einige Tage später fand ein Chauffeur auf der Landstraße nächsfGÖnyü die Leichen zwejer Männer. Der Privatdetektiv Mezei stellte an Hand der ihm von mir mitgegebenen Photographie meines Mannes die Identität meines Mannes mit einem der Toten fest. Mein Antrag, man möge die Leiche exhumieren, damit ich selbst die Agnoszierung mit Bestimmtheit vornehmen kann, wurde abgewiesen. Die Leiche meines Mannes war entsetzlich entstellt. Seine Kleider waren zerfetzt, die Taschen entleert, die Pretiosen geraubt. Mezei setzte mit aller Energie die Erhebungen fort, bis er eines Tages angeblich einen Wink bekam, seinen Eifer zu bremsen und — Ungarn zu verlassen .. . Er hatte nur so viel in Erfahrung bringen können, daß mein Mann mit einem zweiten Reisenden in Komorn vom Zuge geholt und von zwei Offizieren in den Wald geführt wurde. Im Walde wurden dann beide erschossen und die Leichen dann auf die Landstraße geschleppt. Leute, die Mezei in Komorn befragt hatte, haben angegeben, daß es die beiden Offiziere Takacs und Reisz waren, die die beiden Juden von den Paßkontrolloren übernommen hatten. Nun waren die beiden mutmaßlichen Täter eruiert und in diesem Stadium der Angelegenheit mußte der Detektiv seine Erhebungen plötzlich einstellen ... Das ist nur ein Fall von hunderten. Die Wälder von Komorn, von Iszak und Orgovany haben ihr Geheimnis nicht preisgegeben, weil offenbar der Wille fehlt, ungeheuerliche Verbrechen gutzumachen. General Wauchope will den Sabuath schätzen London. (J. T. A.) Rabbi Shachter-Belfast, der den Weltverband Schomre Schabbos in Nord-Irland vertritt, hat anläßlich seines Abschiedsbesuches bei General Arthur Grenfell Wauchope, dem bisherigen kommandieren General in Irland, der zum OberkommisSär in Palästina ernannt worden ist, namens der Sabbathtreuen gebeten, seine Autorität dafür einzusetzen, daß dem Sabbath im Heiligen Lande sein Recht geschehe, zumal die Regierung bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten die Bedürfnisse der sabbathhaltenden Juden respektiere. General Wauchope, der alsbald den Besuch Rabbi Shachters erwiderte, versprach, sein Möglichstes zu tun, um die geheiligte Kulturinstitution des Sabbaths in Erez Israel zu schützen. Aua Sulüatina In dlesom Jahre, dem 50. Jahre seit der Begründung der Chlbath Zlon-Bewegung, wird auf Boden des Jüdischen National-Fonds eine neue große Siedlung entstehen, die den Namen „Chlbath Zion“ tragen wird. * Gemäß den Vorschlägen der O'Donnel-Sparkommlsslon sollen, wie verlautet, 60 ältere und 250 jüngere Regierungsbeamte in Palästina abgebaut werden. * Professor Dr. Franz Oppenheimer Ist ln Palästina eingetroffen und wird sich ein halbes Jahr hier auf halten. Er wird an der Universität und außerhalb derselben Vorlesungen mit dem Titel „Gegen Kapitalismus und Kommunismus1* halten. * Die ägyptische Presse nimmt scharf Stellung gegen den naoh Jerusalem elnberufenen allmoslemischen Kongreß und sein Programm. Sie erklärt, daß die ägyptischen Moslems an moslemischen Angelegenheiten außerhalb Aegyptens nicht interessiert snd und daß nur ganz wenige der eliigeladenen ägyptischen Notabein dm Jerusalemer Kongreß teilnehmen werden. . ... Die Generalversammlung der „Pardes‘,-Gesellschaft, an der 200 Mitglieder aus verschiedenen Orten teilnahmen; fand Ende Oktober lm Ohel Schern in Tel-Avlv unter dem Vorsitz von Herrn M. Smilonsky statt. Herr Rokach, der Manager des „Fardess“, gab einen eingehenden Bericht über dl» Tätigkeit der Gesellschaft Herrn Rokach zufolge hat die „Pardess,a-Gesüllschaft im vorigen Jahr 480.000 Kisten Orangen exportiert und Rekordpreise in Europa erzielt * Herr Zentier aus Rumänien, der schon einmal 800 Pfund für die Gründung einer Schule in Kfar Baruch gegeben hat» überwies vor kurzem der Abteilung für landwirtschaftliche Kolonisation der. Jewish Agency eine Summe von 600 Pfvrad ft, conto seines neuen Beitrages von 620 Pfund für den Batt und die Einrichtung einer Synagoge ln Kfar Baruch. * Der Autostreik in Palästina ist allgemein und dauert ungeschwächt fort Es kommt zu keinerlei Zwischenfällen im Zusammenhang mit dem Streik. Die Jüdische Gemeind» von Haifa und die Jüdischen Handelskammern in Tel Aviv und ln Jaffa haben beschlossen, die Regierung aufzuforden^ die Empfehlungen deB von Ihr eingesetzten Untersuchungsausschusses, mit denen sich die Streikenden zufriedengebe anzunehmen, wodurch der Streik sein Ende finden -würde. * Während einer in Tel Aviv stattgefundenen revisionistischen Kundgebung gegen die Teilnahme der Juden an der palästinensischen Volkszählung wurden der Führer der revisionistischen Jugendorganisation in Palästina, Akhl Mayer» und der Redakteur der revisionistischen Tageszeitung „Haam“, Yevin, sowie sieben andere Teilnehmer an der Kundgebung von der Polizei verhaftet Zwei der Verhafteten wurden gegen eine Kaution von je 20 Pfund freigelassen» während Akhl Mayer, Yevin und die übrigen Verhafteten laut Anordnung des Pollzelrlchters weitere vier Tage in Haft behalten werden sollen. Einsteins neues Werk. Die Josiah Alacy Junior Foundation, die im vorigen Jahr eine Stiftung zur Erhaltung eines Einstein-Mitarbeiters schuf, veröffentlicht e>ine Mitteilung Einsteins über die Vollendung eines neuen Werkes, das die 1929 veröffentlichte Feldtheorie vervollkommnet. Dr. Walter Mayer assistierte Einstein bei seinen Untersuchungen. Das Werk wird in kurzem in Pasdena (Kalifornien) zur Veröffentlichung gelangen. Es führt Einsteins Lebenswerk dort fort, wo di« Relativitätstheorie schließt, und bedeutet eine weitere Ve#* einheitlichung des physikalischen Weltbildes ein Zurückführel der Naturerscheinungen auf noch allgemeinere Gesetze und Formen, als dies durch die Relativitätstheorie bis jetzt möglich war. In diesen Zeit der Not helfen alle Zionisten dem Keren Kajemeth als Selbstkontingentler!

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