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Die Stimme · 1931-11-05 · Heft 200 (5.11.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 200 (5.11.1931)
Date
1931-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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OIE STIMME Nf. 200 — 5. November 1931 Groll an Elsik Tomyner Was ich an dom Freunde bewundert habe, war sein militanter Zionismus. Wehe, wenn ein Jude jener Zeit, in der H e f z 1 die große Botschaft verkündete, die zu verbreiten die luden auf sich nahmen, es wagte, zu spötteln oder gar feindselig zu werden. Seine Rede schwoll und ergoß sich wie ein Lawastrom auf das Haupt der Widersacher. Er schrak da vor keiner Autorität zurück, denn nichts ging ihm über die heilige Sache. Nur einmal gab er nach. Das war auf dem Uganda-Kongreß, wo er zu den Ja-Sagern zählte. Da unterlag er dem Zauber Theodor Herzig wie viele andere. Er war unter den Weinenden, mit denen sich Achad Haam auseinandersetzle. Er weinte auch, als er mir nach jenem Kongreß über den Vorfall berichtete. Denn er war dem großen Führer ergeben, wie wir alle es gewesen sind, denen sein Stern geleuchtet hat. Was ich an dem Freunde stets geehrt habe, war seine Liebe zum hebräischen Schrifttum: daß er ein Maskil war, ein Kämper für Fortschritt und Aufklärung jener Zeit, die in der jüdischen Geschichte eine besondere Epoche war, ist nicht sein Verdienst. Dazu machte ihn das Milieu seiner Vaterstadt B r o d y. Daß er an der Haskalah-Literatur aktiven Anteil nahm, ein hebräischer Schöngeist war, dessen Aufsätze in den verschiedenen Zeitschriften jener Zeit gerne gedruckt und gelesen waren, wird sicherlich nicht unbeachtet bleiben. Daß er aber in schweren und schwersten Tagen den einzigen Trost im hebräischen Buche gesucht und gefunden, eg nicht bloß gelesen, sondern auch gefördert hat — das ist der Verehrung würdig. Er hielt unerschütterliche Treue dem. hebräischen Buche wie dem Zionismus. Eine Treue, die auf seine Söhne überging, deren Stolz der Vater immer war und ist. Eisik Torczyner ist ein hilfreicher und guter Mensch. Sein Haus war immer offen den Bedürftigen und Bedrückten, vor allem aber den um ihre Existenz kämpfenden hebräischen Schriftstellern aus der Haskalahzeit. Bei ihm verkehrten Männer von Ruf, wie B r a u d e s, S i 1 b e r b u s c h, L u b e t s k y. Er stand in freundschaftlichen Beziehungen zu Goldfaden, dessen Lebenslauf und Werk er in seiner umfangreichen Biographie beschrieben hat. Heute, da er ein Siebziger geworden ist, wenden sich ihm die Herzen seiner Freunde zu. Möge er noch lange unter uns wandeln, blondgelockt und lebensfroh, wie er sich uns heute als Jubilar präsentiert, Dr. David Rothblum. Jüdische Hot Winterhilfe der jüdischen Gemeinde Bukarest Bukarest. (J. T. A.) Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Bukarest hat im Hinblick auf die unter der Jüdischen Bevölkerung herrschende schwere Not beschlossen, eine großzügige Winterhilfsaktion einzuleiten. Es werden mehrere Volksküchen errichtet und an die Bedürftigen warme Kleidungsstücke zur Verteilung gebracht werden. Auch in Amerika! Boston. (J. T. A.) Die Vereinigung der jüdischen Institutionen für soziale Fürsorge in den Vereinigten Staaten hält gegenwärtig in Boston eine Konferenz ab, um über Mittel und Wege zur Besserung der Lage der jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen zu beraten. Richter Proskauer teilte in der Konferenz mit, daß die jüdischen Krankenhäuser New Yorks eine Unterbilanzvonnichtwenigeralszwölf Millionen Dollar aufweisen. Eine Liga zur Bekämpfung der Selbstmorde unter den Juden Warschau. (J. T. A.) Auf Initiative des Rabbi von Zwohlin wurde in Warschau eine Liga zur Bekämpfung der Selbstmorde unter den Juden gegründet. Auf Anregung dieser Liga hielt der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten Eli M a z u r eine Sitzung ab, die der Beratung von Maßnahmen zur Linderung der Not und der Arbeitslosigkeit unter den Juden gewidmet war. Es wurde ein neungliedriges Komitee zur Leitung der Hilfsarbeit eingesetzt. Katastrophale Finanzlage der jüdischen Gemeinde Kischinew — 2000 jüdische Kinder ohne Unterricht Kischinew, 30. Oktober. (J. T. A.) Die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde Kischinew hat sich dieser Tage in einer außerordentlichen Sitzung mit der ungemein schwierigen finanziellen Situation der Gemeinde befaßt. Sämtliche Institutionen der Gemeinde stehen infolge des katastrophalen Rückganges der Einnahmen, insbesondere des bedeutsam- Neues jüdisches Theaterf II. Taborsirafie 12 (Hoicl Slefanie) Sonntag, 8. November, y29 Uhr abends, gelangt zur Aufführung neu, zum ersten Male, die Komödie mit Gesang und Tanz ,Gechaptev Chaisen* hn Soloteil Hilde Dulitzkaja, Dina Podlubna, E. Podlubna. Donnerstag, 12. November, zum ersten Male die Komödie mit Gesang und Tanz. A koscher jidisch WabeV Im Soloteil Hilde Dulitzkaja, Dina Podlubna, Karl Ujvary, E. Podlubna. Karten zu beiden Vorstellungen k S 1— und S 2.— ölt Restaurant Operer, II., Taborstraße 12. sten Einnahmepostens, der Koscherfleischtaxe, vor dem Zusammenbruch. Die G e m e I n d e s c h u 1 e n, die bereits seit Wochen ihre Tätigkeit hätten aufnehmen sollen, sind auch mangels Mitteln noch immer geschlossen. 2000 jüdische Schulkinder der ärmsten Bevölkerungsschicht sind ohne Unterricht, tagsüber auch ohne Aufsicht. Unter den Gemeindeangestellten, die monatelang kein Gehalt bekommen, herrscht Not. Die Judenkolonisation In Sowjet» roßland Moskau, 29. Oktober. (J. T. A.) Die Kommission zur Aufstellung eines Einwanderungsplans für Biro- Bidschan im Zusammenhang mit dem Beschluß der Regierung der Sowjetunion, Biro-Bidschan zu einem autonomen nationalen jüdischen Territorium oder einer jüdischen Republik auszügestalten, hat beschlossen, im Jahre 1932 4 0 0 0 jüdische Familien und 3000 Alleinstehende in Biro-Bidschan anzusiedeln. Der Plan sieht ferner eine Einwanderung von 1 200 jüdischen Familien und 1000 alleinstehenden Juden ausdem Ausland vor. Die Sowjetregierung wird — so wird angenommen — für das Aufbauwerk in Biro-Bidschan im Jahre 1932 eine Summe von 20 Millionen Rubel zur Verfügung stellen. Und die Wirklichkeit in der Krim Moskau, 29. Oktober. (J. T. A.) im Zusammenhang mit der Tatsache, daß in den allerletzten Wochen wiederum 250 jüdische Neusiedlerfamilien die Krim verlassen haben, wodurch in diesem Jahre die Zahl der jüdischen Familien, die sich von der landwirtschaftlichen Betätigung in der Krim zurückgezogen haben, 4 00 0 erreicht hat, untersucht der bekannte ukrainisch-jüdische Kommunist S c h a 1 i k in der Moskauer jiddischen Tageszeitung «E m e s s» die Ursachen dieser unnatürlichen Abwanderung. Die jüdischen Kollektiven in der Krim, meint Schalik, haben ein Zuviel an Boden. Da die Kollektiven gezwungen wurden, den gesamten Boden zu bearbeiten, mußten sie fremde Arbeitskraft benützen, dadurch stiegen die Ausgaben ins Ungemessene, so daß Verluste entstehen mußten. Die Mehrzahl der Mitglieder der jüdischen Kollektiven arbeiten intensiv, aber sie sind nicht Aufgaben gewachsen, die die menschliche Leistungsfähigkeit übersteigen. Die Levantemesse in Tel-Aviv Aus Jerusalem wird gemeldet: Angesichts des großen Interesses, das das Ausland der Levante- Messe entgegeiibringt, die vom 7. bis 3 0. A p r i 1 1932 in Tel-Aviv stattfinden wird, hat die Ausstellungsleitung eine Reihe von entsprechenden Maßnahmen ergriffen. Das Mitglied der Ausstellungsleitung, Herr S. Jaffe, ist zwecks Besprechung mit zuständigen Stellen und Firmen nach Frankreich und Italien abgereist. Es besteht die Aussicht, daß beide Länder mit besonderen nationalen Pavillons auf der Ausstellung vertreten sein werden. Der Generalsekretär der Tel-Aviver Handelskammer, Herr J. Katz, begab sich zu demselben Zwecke nach Brüssel. In Berlin wurde, wie bereits berichtet, ein spezielles Bureau unter der Leitung des Herrn Julius Berger eingerichtet. In einer gemeinsamen Sitzung der Jewish Agency, des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth, der Stadtverwaltung Tel-Aviv mit der Leitung der Levante-Messe wurde die Frage der Organisierung des Massenbesuchs ausländischer Bes’ucher besprochen, der nach allen Anzeichen anläßlich der Messe zu erwarten ist. Die Hauptschiffahrtslinien, vor allem Lloyd T r i e s t i n e, Sitmar Line, Servici Maritimi .Roumain, haben bereits. R e i $ g e r m ä ß i gütigen ’zugestanclen. Voraussichtlich werden auch di.e Eisenbahnlinien verschiedener Länder Europas und des Nahen Ostens Besuchern der Levante-Messe Tel- Aviv 1932 Fahrpreisermäßigungen gewähren. Die Sitzung, an der die Herren M. Ussischkin, Diezengoff, Leib Jaffe u. a. teilnahmen, beschloß angesichts der Bedeutung der Messe und eines Massenbesuches von Ausstellern und Touristen für die Wirtschaft Palästinas die erforderlichen Schritte zu ergreifen, um einen weitreichenden Informationsdienst in der ganzen Welt für die Messe zu schaffen und die Organisation der zu erwartenden Touristenbewegung in die Wege zu leiten. Frühere derartige Messen wurden von Kaufleuten und Käufern aus der Levante, Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens besucht. Die Besucherzahl der letzten 1929 veranstalteten Messe betrug 120.000. Die Zahl der Aussteller belief sich auf 209 einheimische und 121 ausländische Firmen. Es wird besonders damit gerechnet, daß die Ausstellung von landwirtschaftlichen Maschinen, Pumpen und anderen Bewässerungsanlagen, kleinen Maschinen, wie sie zur Herstellung von Oel, Seifen, Textilwaren benutzt werden, ferner von elektrischen und drahtlosen Apparaten und Automobilen die palästinensische Kauflust anregen wird. Beginn des Wintersemesters an der Universität in Jerusalem Der Beginn des Wintersemesters an der Hebräischen Universität zu Jerusalem wurde durch eine Feier eingeweiht, der die Professoren- und Dozentenschaft sowie fast die gesamte Studentenschaft der Universität beiwohnten. Der Kanzler der Universität Dr. J. L. M a g n e s hielt eine sehr ausführliche Ansprache über Wesen und Bedeutung, Gegenwart und Zukunft der Universität sowie den Radius ihrer Lehr- und Forschertätigkeit. Dr. Magnes machte Mitteilung von der Begründung des Biologischen Instituts an der Universität, das unter der Leitung von Professor F o d o r steht sowie davon, daß Assistent Doktor Bodenheimer zum Professor der Zoologie ernannt worden ist. Dr. Magnes vermied es, auf aktuelle politische Fragen Palästinas einzugehen, er sprach nur in bewegten Worten über den tieferen Sinn der «Rückkehr nach Zion» und die, im geistigen Sinne, strategische Position der Universität an diesem Punkt der Erde, wo Menschen aus dem Orient und aus den westlichen Mittelmeerländern hin und her kreuzten, und einen Niederschlag ihres Geistes zurückließen. Freilich hat dieses Zusammenstößen der Körper und der Geister zu Wirrnissen geführt. Palästina ist ein heiliges und auch ein tragisches Land. Wieder und wieder wurde es im Verlauf der Geschichte durch Kämpfe entweiht, es kannte wenig Frieden. Hier aber, schloß Dr. Magnet», erklangen die Stimmen der höchsten moralischen Persönlichkeiten in der Geschichte. Das Gesetz über die Jüdischen Gemeinden in Italien Das Amtsblatt der italienischen Regierung veröffentlicht soeben das Dekret über die neue territoriale Zusammenfassung der jüdischen Gemeinden Italiens. Gemäß dem Dekret wird das italienische Judentum in 26 Hauptgemeinden, die territorial auf ganz Italien verteilt sind, eingeteilt; jeder in Italien wohnende Jude wird einer bestimmten Gemeinde zugewiesen. Die demnächst endende Verwaltungsperiode der jüdischen Gemeinden wird um acht Monate verlängert; bis dahin werden die Gemeinden, wie bisher, durch vom Kultusministerium bestellte Regierung! kommissare verwaltet. ln aller Kürze Pie spanische Tageszeitung „EI Sol“ behauptet, der vor einigen Tagen verstorbene geniale amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison sei Abkömmling einer jüdischen Familie gewesen, die ursprünglich in Spanien ansässig war und nach der Judenaustreibung aus Spanien nach Holland ausgewandert ist. * Eine Gruppe extrem-liberaler Juden Warschaus hat sich zu einer G. m. b. H. zusammengeschlossen, deren Zweck es ist, in Warschau eine Reformgemeinde zu gründen und eine Reformsynagoge zu erbauen, in der der Gottesdienst (mit Frauenchor) anstatt an Sabbattagen an Sonntagen stattfinden wird. * Nelson Ruttenberg, der stellvertretende Polizeikommissär von New York, wurde einstimmig zum Präsidenten deB Jüdischen Nationalfonds für Amerika an Stelle des zum Mitglied der Exekutive der Jewish Agency ernannten Herrn Emanuel N e u m a n n gewählt. * Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Regierung der Sowjetunion beschlossen, eine während der letzten Polarreise des Eisbrechers „Malygin“ entdeckte Inselgruppe zu Ehren des auf der Nordpolluftfahrtsexpedition des Generals Nobile umgekommenen hervorragenden jungen italienischen Forschers Prof. Aldo Pontremoli „Pontremoli- Inseln“ zu benennen. Prof. Aldo Pontremoli war ein treuer Jude und ein Enkel des verstorbenen hervorragenden italienischen Volks Wirtschaftlers und früheren Premierministers LuigiLuzzatti. . . " ■ .. Der aktive General ln der italienischen Armee Angelo Modena, ein Jude, wurde zum^ Vorsitzenden des Obersten Militärgerichtes Italiens ernannt. * Wie der J. T. A.i Vertreter erfährt, gedenkt der holländische Misrachl dem Beispiel des deutschen Misrachl zu folgen und aus der Mlsrachi-Weltorganisation auszutreten. Eine außerordentliche Tagung des holländischen Misrachl wird demnächst zusammentreten, um in dieser Frage eine Entscheidung zu treffen. « Laut Bericht des Statistischen Amtes der Stadt New York leben gegenwärtig in Groß-New York 1,875.521 jüdische Seelen. Seit 1910 hat sich die jüdische Bevölkerung um 623.386, seit 1920 um 232.509 Seelen vergrößert. Der Bevölkerungszuwachs der Juden ist bedeutend geringer als der bei Katholiken und Protestanten, Der Vorstand des Vereines »Machsike Hadaih Nachtaih Jakob« gratuliert seinem hochverdienten Vizepräsidenten Herrn F« NebenxaM und Gemahlin aus Anlaß der Verlobung Ihrer Tochter Prl. Dr. Mavy Nebenxahl mit Herrn Apotheker Mag. Pharm. Igitax Großberg

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