Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 200 (5.11.1931)
- Date
- 1931-11-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 200 — 5. November 1931 OIH STIMME Seite 3 Hitlers Schatten Über Deutsch« land „Hitler ist unser Führer, Ihn lohnt nicht goldener Sold, der von den Jüdischen Thronen vor seine Füße rollt." Das sind Worte aus einem Hitler-Liede. Es sagt uns nicht, von welchen «Thronen» her das Geld vor Hitlers Füße rollt. Aber wie dem auch immer sei: Es ist Hitler gelungen, in Deutschland und darüber hinaus eine Volksbewegung ins Leben zu rufen, wie sie seit den Tagen des Aufstieges der Sozialdemokratie nicht geschaffen wurde. Es ist müßig, immer wieder darauf hinzuweisen, daß Hitlers Wirtschaftsprogramm, daß seine Ideologie nebulös und phantastisch ist. Hitler hat große Massen für sich gewonnen. Er hielt sich dabei an das Rezept, das er in seinem Buche freimütig niedergelegt hat: «Die Zukunft einer Bewegung wird bedingt durch den Fanatismus, ja, die Unduldsamkeit, mit der ihre Anhänger sie als die allein richtige vertreten und anderen Gebilden ähnlicher Art gegenüber durchsetzen.» Daß Hitlers Programm sich sehr viel mit uns Juden beschäftigt, ist nur selbstverständlich. Sind wir Juden doch der beliebteste Sündenbock. Kann man etwa vqn Leuten, die der Schwerindustrie und dem -Adel nahestehen, verlangen, daß sie zugeben sollen, Nervenlefdenden und Gemütskranken schafft das überaus milde, natürliche «Franz-Josef»-Bitterwasser regelmäßigen Stuhlgang, gute Verdauung und erhöhte Eßlust. In Apotheken und Drogerien erhältlich. an Deutschlands Elend ein vollgerüttelt Maß von Schuld zu tragen? Da muß der Jude schuld sein. Hitler beklagt es, daß man während des Krieges nicht 15.000 bis 16.000 «hebräische Volksverderber» beseitigt oder «unterGiftgasgenommen» hat. Die «nordischen» Menschen müssen nach Hitler vor der inferioren jüdischen Masse geschützt werden: «Planmäßig schänden diese schwarzen Völkerparasiten unsere unerfahrenen, blonden, jungen Mädchen und zerstören dadurch etwas, was auf der Welt nicht mehr ersetzt werden kann.» Ist es noch notwendig, daran zu erinnern, daß Hitlers Programm die Juden entrechten und vertreiben will? Er sagt: «Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremder Nationen (Nichtstaatsbürger) aus dem Reich auszuweisen.» Er jagt aus dem Lande, was ihm nicht behagt, er, der Diktator. UnddieserHitlersoIInuninDeutschland regierungsfähig werden! Seine Besuche beim Reichswehrminister, eine gewisse Bereitschaft beim Zentrum und bei Brüning, bevorstehende Reisen Hitlers «zur Beruhigung des Auslandes» sind die Sturmzeichen, die Hitlers Kommen ankündigen. Der wichtigste außenpolitische Faktor für Deutschland ist Frankreich und von ihm schrieb Hitler: «Dieses an sich Die Höhle oder Oie Geschichte von der Ziege (Nach dem Hebräischen des S. J. A g n o n.) Seht, da gab es einen alten Mann, den ein schrecklicher Husten quälte. Er befragte einen Arzt und der Arzt verordnete ihm Ziegenmilch. Und der alte Mann kaufte sich eine Ziege und stellte sie in den Stall. Nach einigen Tagen verschwand die Ziege plötzlich und man konnte sie nicht finden, nicht im Garten, nicht am Hügel und nicht im Walde. Aber nach einigen Tagen kam die Ziege plötzlich zurück. Ihre Euter waren gefüllt mit einer Milch, die paradiesisch duftete. Und so ging das öfters. Die Ziege verschwand und kehrte plötzlich wieder zurück und ihre Euter waren gefüllt mit paradiesisch duftender Milch. Einmal sagte nun der alte Mann zu seinem Sohne:. «Mein Sohn, ich möchte gerne wissen, wohin die Ziege immer verschwindet und woher sie die süße Milch bringt, die mich so wunderbar stärkt.» Der Sohn sagte; «Das könnte ich schon herausbekommen, Vater.» Und er ging hin und band an den Schwanz der Ziege einen Strick. «Was machst Du da, mein Sohn?», fragte der Vater. «Ich binde einen Strick an ihreft Schwanz und wenn ich sehe, daß sie Weggehen will, ergreife Ich das Ende des Strickes und folge ihr.» Der alte Mann nickte zustimmend und sagte: «Wenn Dein Herz weise ist, mein Sohn, wird auch mein Herz sich freuen.» Und der Junge band einen Strick an den Schwanz der Ziege und ging mit ihr auf die Weide. Und als er merkte, daß sie davongehen wollte, ergriff er das Ende des Strickes und folgte ihr, bis sie zu einer Höhle kamen. Die Ziege ging in die Höhle und der Junge folgte ihr. Und so gingen sie Stunde um Stunde, vielleicht einen Tag oder gar zwei Tage. Er dachte nicht an die Zeit, so fesselte ihn sein Erlebnis. Plötzlich aber meckerte die Ziege und sie kamen an das Ende der Höhle. Und als sie die Höhle verließen, da sahen sie grüne 3# Vielen Fällen leerten getotffe Staaeidjen ntdji Beamtet. SBorgeiHge ©rmübung, glimmern bor ten Singen, SJenommenljeiL Sdjlafloiigfcit, Sdjtomtelanfälle, Äopffdjmeraeri, ßljtenfauien, gtjcfjtifdje unl> rljeimtatifdje ©efdjroerteit finü SUtßrserfdfcinungßn, öie je früfjcr je beffer burdj bic riratlidj empfohlenen, frei berfauflidjen 9tabiofHerin*$abletien gelinbert inerten. ÜtaDiumljaltigeS Ütabiöfflerin beluirft bie belfere £>urdjblutung be§ ganaen Äörperä, nerljinbert ^allablagerungen, gibt ben Stbern bie nottoenbige (Slaftigität, beugt $ltter§erid>einimgen bor. Siabtumgcbalt amtltd) geprüft, (deneralbepot unb Susfitnfi Hputljefe Sapec, SBien, 1. 93ea., SBotlaetle 13. ^rofpefte gratis unb fraufo. immer mehr der Vernegerung verfallende Volk bedeutet ln seiner Bindung an die Ziele der jüdischen Weltbeherrschung eine dauernde Gefahr für den Bestand der weißen Rasse in Europa.» Der Mann, der das schrieb, soll regierungsfähig werden? Mag es nun kommen wie immer. Hitler ist eine Gefahr für das Judentum. Er hat die Massen, die nicht wir ins Elend gestürzt haben, aufgeputscht. Die Juden in Deutschland leiden unter dem antisemitischen Terror der Nazis. Aber nicht genug damit. Hitlers «Ideen» verbreiten sich wie die P e s t. Er faselt von der internationalen Macht des Judentums, die nicht existiert und schafft die Internationale des Hakenkreuzes. In allen Ländern Europas, in denen Juden wohnen und schon auch in Amerika, gibt es Hitler-Bewegungen und zumindest Hitler-Zellen. Die Wiener Universität ist so ein Ansteckungsherd, wo fremde Studenten, die in Wien studieren, die «Protokolle der Weisen von Zion» und anderen Unsinn in sich aufnehmen und von da in ihre Länder bringen, um dort antisemitische Bewegungen zu entfachen. Wir gehen schweren Tagen entgegen. Der jüdische Mittelstand wird überall zermalmt, jüdische Finanziers trifft der wirtschaftliche Zusammenbruch der Welt doppelt stark. Sie sind die Sündenböcke für unfähige Regierungen, sie, die vielfach nicht einmal zu Jom Kippur sich an ihr Judentum erinnern, sind nach Ansicht der Hakenkreuzler die Führer des Judentums. Wir gehen schweren Tagen entgegen, auch wir in Oesterreich. Die Heimwehr, gespickt mit Geld aus Deutschland, biedert sich den Hakenkreuzlern an, In einer Massenversammlung in Graz wurde zwischen Hakenkreuz und Heimwehr so eine Art Verbrüderung gefeiert. So sehen wir überall einen entschlossenen, gesammelten antisemitischen Willen, nirgends aber eine Sammlung im Judentum, die heute dringender ist denn je. Viele erwarten das Heil von irgendwo und JÜDISCHE ELTERNI Kauft Sdiulbilchur auch antiquarische) für Eure Kindet in der IId. Buchhandlung Harm^TUCHNBR Wien, II., Or. StadtguigTlEdel! borstraße 52) LEIHBIBLIOTHEK: Alle Neuerscheinungen erh<lich 10 Groschen täglich, keioe weiteren Gebühren i Füi Anfragen Telephon R-41-4-20 haben keine Vorstellung darüber, woher dieses Heil kommen soll. Viele sind abgestumpft, zermürbt von täglichen Sorgen, ihnen Ist alles gleichgültig. Und doch dürfen sie nicht passiv bleiben. Gewiß, wir haben Pharao und Haman, wir haben die Kreuzfahrer überlebt, aber ln allen diesen Fällen gab es einen entschlossenen jüdischen Willen und vor allem Opfermut. Weng wir auch in dieser schweren Zeit den jüdischen Willen und den Opfermut aufbringen, der unsere Ahnen beseelte, dann werden wir auch das Hakenkreuz und Hitler überleben. O. G. Beratung der polnischen Mitglieder der Jevish Agency Warschau, 29. Oktober. (J. T. A.) In Warschau fand soeben die erste Sitzung der neuegewählten polnischen Mitglieder des Council der Jewish Agency statt. Es nahmen an derselben teil das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency H. Farbstein, Leon Levite, Dr. Flaum, L. Lewin- Eppstein, Einhorn, Ministerialrat Ade 1 berg, der Vizepräsident des Warschauer Stadtrates Maurizi M e i s e I, Ing. Czerniakow, Dr. Goldflamm, Rabbi S. D. Kahane, Seidschnur (Wilna) und A. Dobkin. Farbstein berichtete über die politische und finanzielle Lage des Jüdischen Nationalfonds, Levite berichtete über das der Palestine Jewish Colonisation (P. J. C. A.) übermittelte Memorandum. Kein arabischer Proteststreik am Balfour-Tag Jerusalem, 30. Oktober (J. T. A.). Musa K a z i m P a s c h a, der Präsident der arabischen Exekutive, teilte in einer Kundgebung mit, daß die Exekutive im Hinblick auf die s c h w e r e Zeit beschlossen hat, am 2. November d. J., dem Jahrestag der Balfour-Deklaration, keinen Generalstreik zum Protest gegen Balfour-Peklaration und -Mandat stattfinden zu lassen. Musa Kazim Pascha wünscht aber, daß auch der diesjährige Balfour-Tag durch Stärkung des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Boykotts gegen die Juden gekennzeichnet werden möge. Moderne Leihbilbiothek Hermann Tu ebner, Wien, II., Ecke Taborstraße 62. Biet« Ihnen für 10 Groschen täglich die Möglichkeit, die modernsten Autoren zu lesen. Die Riesenauswahl in modernster Literatur ermöglicht es mir, auch den verwöhntesten Geschmack befriedigen zu können, was die stets wachsende Anzahl meiner Abonnenten beweist. Machen Sie, bitte, einen Versuch! Telephon R 41-4-20. Hügel und Berge und Bäume, mit Früchten reich behängen, sie sahen Zisternen, gefüllt mit klarem Wasser, das von den Hügeln kam und die Luft war durchtränkt vom Gerüche feiner Spezereien. Und die Ziege hob sich auf den Hinterfüßen, zerrte an den Aesten eines Baumes, und plötzlich fielen Karobefrüchte herab, gefüllt mit Honig; und sie aß von den Früchten und trank vom Wasser, Der Junge stand auf und sagte zu den Leuten, die vorbeigingen: «Ich beschwöre euch, gute Leute, sagt mir, wo bin ich hier?» Und sie sagten ihm: «Du bist im Lande Israel, nahe von Safed.» Sein Herz war plötzlich erfüllt von heißer Liebe zu dem Orte, an dem er sich befand. Er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: «Gesegnet seist Du, Allgegenwärtiger, der mich gebracht hat in das Land Israel.» Er küßte den Erdboden, setzte sich unter einen Baum und sagte: «Hier will ich sitzen, bis das Morgengrauen die Nacht verscheucht, und dann will ich nach Hause gehen, um meinen Väter in das Land Israel zu bringen.» Aber es war gerade Freitag Abend und während er so unter dem Baume saß und das schöne Land betrachtete und von den Früchten aß, da hörte er eine Stimme: «Komm’, laß uns gehen, die Prinzessin Sabbath zu begrüßen.» Und er sah Männer, wie Engel anzusehen. Sie waren in wallende, weiße Gewänder gehüllt und trugen Myrthenzweige in den Händen. Und in den Fenstern der Häuser sah er viele Kerzen brennen. Er wußte nun, daß der Sabbathabend mit Einbruch der Finsternis da sein werde und daß er keine Zeit zur Rückkehr haben würde. Rasch brach er ein Stück Schilfrohr ab und tauchte es in einen Gallapfel, aus dem man die Tinte macht, mit der die Thorarollen geschrieben werden. Dann nahm er ein StücK Papier und schrieb seinem Vater einen Brief: «Von den Enden der Erde möge mein Gesang gehört werden. Ich bin im heiligen Lande, nahe der heiligen Stadt Safed. Frag’ mich nicht, wie Ich hierher kam, aber ergreife das Ende des Strickes, den ich an den Schwanz der Ziege gebunden habe, und folge der Ziege; sie wird ihren Weg finden und Du wirst das heilige Land erreichen.» Der Junge rollte den Brief zusammen und steckte ihn der Ziege ins Ohr. Er sagte sich dabei: «Wenn die Ziege zu meinem Vater kommt, dann wird er ihr den Kopf streicheln. Da wird sie mit den Ohren wackeln und der Brief wird herausfallen und der Vater wird ihn sehen und lesen; dann wird der Vater den Strick in die Hand nehmen und die Ziege wird ihn hierherführen in das Land Israel.» Die Ziege kam zurück in das Haus des alten Mannes, aber sie wackelte nicht mit den Ohren und der Brief fiel nicht heraus. Und als der alte Mann sah, daß sein Sohn nicht zurückgekehrt sei, da schlug er seinen Kopf mit den Fäusten und schrie und weinte und jammerte: «Mein Sohn, wo bist Du?, wäre ich statt Dir gestorben, mein Sohn.» Und er weinte und trauert« lim seinen Sohn. «Ein wildes Tier hat ihn in Stücke gerissen und gefressen. Und er trauerte um seinen Sohn viele Tage und fand keinen Trost. Und wann immer er die Ziege sah, sagte er: «Wehe dem Vater, der den Sohn wegschickt, wehe der Kreatur, die ihn aus der Welt gedrängt hat.» Und der alte Mann konnte keine Ruhe finden und er rief den Schlächter, um die Ziege schlachten zu lassen. Und der Schlächter kam und schlachtete die Ziege. Er zog ihr die Haut ab und der Brief fiel aus dem Ohre heraus. Der alte Mann hob ihn auf und sah die Handschrift seines Sohnes! Er las den Brief, las, was ihm sein Sohn geschrieben hatte. Und der unglückliche Vater hämmerte mit den Fäusten auf seinen Kopf und schrie: «Oh, oh, wehe dem Mann, der sein eigenes Glück vernichtet, wehe dem Mann, der Gutes mit Bösem lohnt.» Und er trauerte um die Ziege viele Tage, konnte keinen Trost finden und sagte: «Wehe ist mir, ich hätte mit einem Sprung in das Land Israel kommen können und nun muß ich meine Tage in der Verbannung vertrauern.» Seit damals ist der Eingang zur Höhle vor jedem Auge verborgen, es gibt keinen kurzen Weg mehr ine heilige Land. Und der Junge? Wenn er noch nicht gestorben ist, so blüht er noch im Lande des Lebens wie ein Jüngling, wenn er auch den grauen Bart des Welsen trägt