Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 200 (5.11.1931)
- Date
- 1931-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 200 — 5. November 1931 Tretet dem Verbände Allgemeiner Zionisten bei! Am 7. Dezember beginnt der Pan* Islamitische Kongress in Jerusalem Die Kalifatsfrage wird nicht berührt werden Aus Jerusalem wird uns berichtet: Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Part-Islamitischen Kongreß, der am 7. Dezember d. J. in Jerusalem eröffnet werden soll, erklärte der Jerusalemer Großmufti den Vertretern der arabischen Presse, daß die Frage der Restitution des Kalifats auf der Tagesordnung des Kongresses nicht stehen wird. Es scheint, daß verschiedene politische Momente den Großmufti beeinflußt haben, vorderhand auf die Wahl eines Kalifen am Jerusalemer Kongreß zu verzichten. Zum Kongreß wurden viele mohammedanische Persönlichkeiten und Organisationen in Aegypten, Syrien, Tripolis, Tunis, Marokko, Algier, Persien, Jemen, Hedsctias, Irak, Afghanistan, Indien, Türkei, Java, Albanien und Jugoslawen^ eingeladen. Eingeladen wurden auch die Vertreter der polnischen Mohammedaner. Der Kongreß wird unter anderem über die Gründung einer Organisation zur Pflege der mohammedanischen Kultur beraten. Zu diesem Zwecke soll auch das Problem der Gründung einer mohammedanischen Universität in Palästina berührt werden. Die Tagesordnung und die Zusammensetzung des Kongresses sind bisher nicht bekannt. Johann Kremenezkys Appell zur Einigkeit Einer unserer Mitarbeiter nahm dieser Tage Gelegenheit, den Nestor des österreichischen. Zionismus und Mitarbeiter Theodor Herzls, Herrn I n g. Johann Kremenezky aufzusuchen, und sich mit ihm über die gegenwärtigen zionistischen Notwendigkeiten zu unterhalten. Herr Ing. Kremenezky, welcher, wie man weiß, jahrzehntelange zionistische Erfahrungen gesammelt, sich persönlich an dem Wiederaufbau Palästinas intensiv betrügt hat, und einer der Mitbegründer des Keren K a j e m e t h ist, äußerte sich über die Verhältnisse in der zionistischen Organisation wie folgt: Anläßlich des Delegiertentages wollen Sie meine Meinung über die derzeitige Situation des Zionismus hören?, nun denn: «Man hat den Zionismus in der letzten Zeit zu . einer unerquicklichen Parteisache gemacht. — Während die gesamte Judenheit in fast der ganzen Welt beschimpft und bedroht wird, haben die Zionisten nichts besseres zu tun, als hie ,Weizmann hie Jabotinsky’ zu schreien, ihre Kräfte zu vergeuden, anstatt'sich brüderlich die Hände zu reichen, und von den Engländern zu lernen, im gegebenen Falle wie «ein Mann» aufzutreten, um der Sache, der man dient, zu nützen. Weizmann ist zurückgetreten, er hat die zionistischen Angelegenheiten so gut und ehrlich geführt als er konnte. — Daran ist nicht zu zweifeln und wir dürfen nicht undankbar sein! Ich möchte Herrn Jabotinsky, den ich wegen seiner großen Fähigkeiten hochschätze, bitten, wenigstens für eine gewisse. Zeit —■ bis sich die Wässer etwas geglättet haben -— zurückzutreten, und auf diese Weise ein Beispiel von Treue, Ergebenheit und Selbstlosigkeit dem Zionismus gegenüber zu geben. '—Denken Sie doch an die heroische Arbeit in Pa- -geleistet.wurde und. npch.immer -.geleistet .wird,' und’die ' äudrbef Freund''und Feind Anerkennung findet. — Müssen da nicht persönliche Rücksichten und Eitelkeiten zurücktreten, um der Sache za dienen? - Vergessen Sie nicht, es geht ums Ganze! Es handelt sich um Sein oder Nichtsein!» Besinn einer Aktion zur Demokratisierung der Jewish Agency Paris, 1. November (J. T. A.). In der Sitzung der Keren Hajessod-Kommission der in Frankreich eingewanderten Judea teilte der Vorsitzende der Kommission Herr J. Jefroikyn, Mitglied des Councii der Jewish Agency, mit, daß sich, in Verfolg seines schon während der Tagung der Jewish Agency in Basel entwickelten Planes einer Demokratisierung der Jewish Agency, in Paris eine «Vereinigung für den Wiederaufbau Palästinas» gebildet habe, deren Ziel es ist, alle diejenigen organisatorisch zusammenzufassen, die das Prinzip der Balfour-Deklaration und des Palästinamandates bejahen. Diese Vereinigung soll die Zeile für eine zukünftige Erweiterung und Demokratisierung der Jewish Agency bilden. Die Keren Hajessod-Kommission billigte die Aktion Jefroikyns und beschloß, ihn in seinen Bestrebungen zu unterstützen. Cbanffenrsireik in Palästina Infolge der hohen Benzinsteuer haben die arabischen und jüdischen Chauffeure einen gemeinsamen Streik begonnen, der sich gegen die Regierung wendet. Der Autobusverkehr und der Autoverkehr von Stadt zu Stadt sind völlig lahmgelegt Nur die der Mufti-Partei angehörenden Chauffeure beteiligen sich nicht an dem Streik. Große Hinterlassenschaft für den Jüdischen Nationalfonds New Y o r k, 29. Oktober. (J. T. A.) Der vor kurzem verstorbene Morris Wohl hai die Hälfte seines auf 750.000 bis eine Million Dollar geschätzten Vermögens dem Jüdischen Nationalfonds hinterlassen. Das Kapital wird aber erst in frühestens zwei Jahren realisiert werden können. BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhand ung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, li. Taboratrala 23 a Tel. R-43-1-58 M. RATH S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw. geschmackvolles Bibliothelcseinband. Außer den deutschen Büchern, auch englische, hebräische, j I d d seh e u, De ätsch* lud ai ca in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6. Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3«*— Keine Bandgebübr Beginn der XXL Session der Mandatskommission des Völker« bundes — Mehrere Palästina« Petitionen, .werden in Behandlung gezogen Genf, 27. Oktober (J. T. A.). Am 2 6. O k t o - b e r nachmittags begann die XXI. Session der Mandatskommission des Völkerbundes. In seiner Eröffnungsrede führte - der Vorsitzende Marquis T e o d o 1 i u. a. aus: Der Bericht der Sechsten Kommission des Rates an die Plenarversammlung des Völkerbundes-vermerkt, daß die Ordnung in Palästina seit den bedauerlichen Zwischenfällen von 1929 nicht gestört worden ist,, und. macht si.ch’die von der Mandatskommission und dem Rat geäußerte Hoffnung zu eigen, daß die von der Mandatarmacht gemachten Anstrengungen, die jüdische Einwanderung zu erleichtern, ohne die Rechte der arabischen Bevölkerung zu verletzen, von Erfolg gekrönt sein werden. In Zusammenhang mit dem Abkommen betreffend die das Mosul- Gebiet mit dem Mittelmeer verbindende Röhrenleitung, fuhr T e o d o I i fort, nahm der Rat die Erörterungen der Kommission und die von den beglaubigten Vertretern der Mandatarmächte vor der Kommission abgegebenen Erklärungen zur Kenntnis. Der Rat ersuchte den Generalsekretär, diese Information an die Regierungen der Mandatarmächte für Syrien- Libanon und für Palästina zu übermitteln. Die Mandatskommission wird sich in dieser Session u. a. mit den folgenden, Palästina, betreffenden P e t i 11 o n e n zu befassen haben: 1. Petition vom 28. Juni 1931; eingereicht von der A g u d a th Isr a e 1 - Z e n t r a 1 e. Diese Petition enthält Bemerkungen betreffend die Klagemauer. Berichterstatter: Palacios. 2. Petition vom 15. Juni 1931, eingereicht von dem Permanenten Komitee der Arabischen Liberalen Partei. Die Petitionäre protestieren gegen die Klagemauer-Kabinettsorder. Berichterstatter: Palacios. 3. Petition vom 17. Mai 1931, eingereicht von dem Präsidenten der arabischen Exekutive. Diese Mitteilung enthält einen Protest gegen das Maridatsregime in Palästina und im Besonderen gegen die zionistische Politik. Berichterstatter: Sakenobe. 4. Petition vom 10. Mai 1931, eingereicht von Herrn Israel A m i k a m. Die Petition betrifft die Frage der Uebermittlung von Telegrammen in hebräischen Schriftzeichen in Palästina. Berichterstatter: Ruppel. Die antisemitische Hochschulhetze beginnt Die Krakauer Universität geschlossen An der Krakauer Universität kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen auf nationaldemokratischer Grundlage organisierten polnischen Studenten und jüdischen Studenten^Die Unruhen begannen damit, daß an der Medizinischen Fakultät die polnischen Studenten versucht haben, ihre jüdischen Kollegen mit Gewalt aus den Vprtragssälen zu entfernen. Die polnischen Studenten erklärten, sie würden nicht zulassen, daß jüdische Mediziner ihre Uebungen im Anatomischen Institut fortsetzen, bis nichtjüdische Leichen in einem der Zahl der jüdischen Studenten entsprechenden Verhältnis beigestellt werden. Sehr bald dehnten sich die Unruhen auch auf die übrigen Fakultäten aus. Der Senat der Krakauer Universität trat zu einer Beratung zusammen und beschloß, die Universität für unbestimmte Zeit zu schließen und eine Disziplinarkommission zur Bestrafung der. Rädelsführer der Unruhen einzusetzen/' Das jüdische Akademikerheim und die Redaktion der jüdisch-polnischen Tageszeitung «Nowy Dziennik» werden ständig durch Polizei bewacht. Martyrium dar jüdischen Studenten an der Warschauer Universität Warschau, 30. Okober. {J. T. A.) Die Zeitungen berichten Über tägliche wilde antisemitische Exzesse an der Warschauer Universität, insbesondere an der juridischen Fakultät. Es ist bereits zur Regel geworden, daß in den Pausen zwischen den Vorlesungen Sprecher der nationaldemokratischen Studenten das Katheder besteigen und rufen: «Die Juden nehmen unsere Plätze ein, die Juden beherrschen die Universitäten, hinaus mit den Juden!» Kommt während dieser Tumulte ein Professor in den Saal, so wartet er ruhig ab, bis der Tumult zu Ende ist, und beginnt sodann seine Vorlesung, ohne mit einem Wort auf die Vorgänge hinzuweisen. Gestern wurden die erwähnten Losungen durch die Losung «Schlagt die Juden» vermehrt Auf dieses Signal hin fielen antisemitische Studenten mit Stöcken über die jüdischen Studenten her. Doch fanden sich unparteiische Studenten, die einen Keil zwischen den antisemitischen und den jüdischen Studenten bildeten, so daß es zu schweren Zusammenstößen nicht gekommen ist. Abermals antisemitische Ansschreitungen an der Warschauer Universität Warschau, 3. November. An der Warschauer Universität kam es heute neuerdings zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. Eine Gruppe nationalistischer Studenten versuchte, die jüdischen Studenten aus den Hörsälen der juridischen Fakultät zu drängen. Es kam zu wüsten Schlägereien, in deren Verlauf zahlreiche Hörer durch Stockhiebe erheblich verletzt wurden. Die Demonstranten zogen dann zum Anatomischen Institut, wo sie die Entfernung der jüdischen Studenten aus dem Vorlesungssaal erzwangen. Juden! Folget dem Ruf der noch lebenden Biliffffl und werbet für den Keven Kfllewietfi m seinem Jubeljahre