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Die Stimme · 1931-08-22 · Heft 198 (22.8.1931) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 198 (22.8.1931)
Date
1931-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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?e?fe tO DIE STIMME Nr. 198 — 22. Oktober 1931 JiviädÖt fiameiri Nachdruck auch In Auszügen verboten. Der große Wahnsinn Autorisierte üebertragung aus dem Hebräischen von Sem Wolf Ich trete auf die Seite rechts, trockne mir die Tränen und stoße einen Seufzer der Erleichterung aus. Ein nie gekanntes Gefühl des Stolzes wird in mir .wach. Das ist ein Sieg! Wie wertlos sind alle meine literarischen Erfolge dagegen. Ich bin tapfer. Mir sagt man bravo! Erst jetzt bemerke ich, daß der Herr Oberleutnant ein wenig auf seinem rechten Bein hinkt. Da erinnerte Ich mich: das ist er, der Offizier, über den man im Geheimen häßliche Dinge spricht. Man erzählt, daß er, als er zum ersten Mal an der Front war, alles mögliche tat, um davonzukommen. Und als es ihm nicht gelang, steckte er seinen Revolver in die Tasche und durch die Hose schoß er sich mit eigener Hand in das Bein. Seit damals war er «zu Hause», im Hinterland, und unterrichtete die Rekruten im Exerzieren. Pfui! So eine Feigheit!, dachte ich mir. Dann trat er zu denjenigen, die es falsch gemacht hatten, schüttelte mitleidig den Kopf und sagte mit Verachtung und gerunzelter Stirn: «Ihr wollt — Soldaten sein?» «Wer will? Ich will nicht!» — Irgendjemand aus der Bande sagte es. Ich konnte nicht verstehen, wie er den Mut dazu fand. Einer lachte leise. Der Offizier fuhr auf, warf die Zigarette weg, trat zum frechen Witzbold und sagte zähneknirschend: «Was hast du gesagt? Was hast du gesagt?» «Ich habe gesagt . . .» «Schweig’! Ich hab’ dich nicht gefragt! Was hast du gesagt? Was hast du mir gesagt?» «Ich habe ge . . .» «Schweig’! Zugsführer!» er wandte sich an unseren Lehrer, «drei Tage Einzelarrest. Ohne Essen, Trinken, und ohne Licht. Führt ihn weg!» Der unglückliche Verurteilte wurde vom Unteroffizier abgeführt. Er murmelte: «Ohne Sonnenlicht — wunderbar! Da kann man ja die Augen schließen!» Der Oberleutnant hörte es und wurde rot: «Stehen bleiben!» Er trat an ihn so nahe heran, daß seine Nase fast die des Soldaten berührte, und sagte: «Du machst Witze? Zugsführerl Eine Spange — vier Stunden!» Eine Spange — das heißt, man wird an eine Wand angebunden, man steht nur auf den Zehenspitzen und die Arme sind nach oben gerichtet. Ein Witz. Und die Strafe: drei Tage Einzelarrest, Finsterzelle, Fasten und Spange. Am nächsten Tage sagte man uns, daß jeder von uns bereit sein sollte, die Intelligenzprüfung abzulegen. Jeder von uns sollte einzeln geprüft werden. Der Unteroffizier nahm ein Papier heraus und las die Prüfungsgegenstände vor. Dann erklärte er uns im Laufe von fünf Minuten in beispielgebender Kürze, was für ein Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Soldaten und seiner Majestät, König Franz Joseph I. wäre. Der andere soll sagen, was er tun würde, wenn er den Befehl erhielte, auf seine eigene vor ihm stehende Mutter zu schießen. Der Dritte soll in einem Satz erklären, wer die Russen sin,d. Der Vierte soll die Kraft der Schimpfworte beweisen. Und der Fünfte — das war ich, weil ich doch ein Schriftsteller bin — soll die zehn vernehmlichsten Vorteile des Krieges aufzählen. Und so weiter. Wir saßen einige Minuten, um die Prüfungsaufsätze zu verfassen. Alle meine Gedankengeister und alle neun Musen rief ich zu Hilfe, und sie halfen mir, folgende Vorteile des Krieges zu finden: 1. Der Krieg stärkt die Muskeln. 2. Er lehrt, zu leiden. 3. Er gewöhnt an den Tod. 4. Er lehrt, ohne Haß zu töten. 5. Er lehrt uns, den Herrn Feldwebel zu ehren. 6. Er bringt uns in Ortschaften, die wir bisher nicht kannten. 7. Er beschäftigt Arbeitslose. 8. Er vernichtet die Armen, die nichts zu essen haben. 9. Er bringt uns ins wahre Leben des Jenseits hinüber. 10. Er läßt den gewöhnlichen Tod zum Heldentod avancieren. Ich übergab meine aufgeschriebenen Gedanken dem Unteroffizier in der Hoffnung, ihm eine außergewöhnliche Ueberraschung zu bereiten. Ich hatte mich geirrt. Er las und sagte dann mit klassischer Einfalt: «Dreck!» Und er fügte hinzu: «Schade. Begabt bist du Ja. Aber es fehlt dir an der nötigen Intelligenz. Die Vorteile des Krieges sind: Er zerbricht, tötet, mordet, vernichtet, rottet aus, entwurzelt, zerschlägt, zermalmt, zerstampft und begräbt.» «Wen?» «Wen? Was glaubst du denn wen? Den dreckigen Feind! Wie gescheit du bist! Hereingefallen bist du, mein Lieber. Und damit du dich vor dem Herrn Oberleutnant nicht zu schämen brauchst, gebe ich dir Gelegenheit, noch eine andere Prüfung zu bestehen. Siehst du den HUg^l dort? Er ist einen halben Kilometer von hier entfernt. Oben auf dem Hügel steht eine Ruine. Einst war’s eine Festung. Nur eine Mauer ist davon zurückgeblieben. Du wirst dort hinauflaufen, zwanzig Minuten darfst du dazu brauchen, ohne dich auszuruhen, wirst auf die Mauer hinaufklettern und auf der Mauer wirst du stehenbleiben und die Hymne singen. Also: eins, zwei, drei!» Ich lief. Aus allen Kräften. Hinter mir sah ich den Herrn Oberleutnant, der auf einem Pferde ritt. Und hinter diesem den Unteroffizier, der neben ihm lief. Als ich oben auf der Mauer stand, sang ich die «Hatikwah». Der Unteroffizier winkte mir, herunterzukommen. Als ich unten war, klopfte mir mein Lehrer auf die Schulter und sagte leutselig: «Bravo, mein Lieber! Der gute Wille ist bei dir da. Aber die Möglichkeit fehlt leider! Du hast keine gute Stimme und auch kein gutes Gehör. Die Hymne hast du nicht gut gesungen, an sehr vielen Stellen falsch. Schädel» «Also, was wird mit mir sein?» fragte ich ihn. «Was sein wird? Das werden wir noch sehen. Vorläufig mußt du noch viel lernen.» (Fortsetzung folgt) (Fortsetzung des Berichtes der Wizo-Konlerenz.) Schließlich gehört die bereits früher erwähnte große Veranstaltung unter der Devise «Zehn Jahre Wizo» auch hieher und wieder ist es ein Verdienst Frau Fedems, daß der ausgezeichnete Vortrag über die palästinensische Frauenarbeit von Dr. Lotte Hanemann durch die österreichische Ravag verbreitet und tausenden zu Gehör gebracht wurde. Aus dem folgenden detaillierten Finanzbericht der Kassierin und Vizepräsidentin Frau Paßweg entnahm man mit Genugtuung, daß die erwähnte «Zchnjahrfeier» (bei welcher außer Dr. Hanemann auch Frau Löwenherz, Frau Dr. Martha Hofmann und einige jüdische Künstler mitgewirkt hatten) außer dem großen moralischen auch einen beträchtlichen finanziellen Reingew;nn abgeworfen hatte. Nach Erstattung der Tätigkeitsberichte wurde das Absolutorium für die abtretende Leitung erteilt, worauf auf allgemeinen Vorschlag Frau Marie Pollak das Tagespräsidium . übernahm. Hierauf wurden die Vorschläge für die Neuwahlen erstattet. Gewählt wurden die folgenden Frauen: Präsidentin: Sofie Löwenherz; Vizepräsidentinnen: Blanka Fedem-Lipschütz, Sabine Paß weg; Sekretärinnen: Dr. A. Kantor, Dorly Kleiner (Wizo-Mirjam- Gruppe); Kassiermnen: Sabine Weiß, Martha Bondi; K. K. L.-Referentin: Frau Ajala Tartakower; Keren-Hanaschim-Referentin: Dr. Ada Kestenbaum, Ottilie Größe!; Kulturreferentinnen: Dr. Martha Hofmann, Dr. Hennle Liechtenstein; Organisations- und Propag.-Referentinnen: Gisela Bauer, Johanna Griffel und eine Vertreterin der «Mirjam»; Chaluzreferentinnen: Berta Berger und eine Vertreterin der «Mirjam»; Revisorinnen: Frau Brandlstein, Frl. Perlberger. Die geschäftsführende Leitung bilden neben der Präsidentin die Damen: Blauer, Federn, Griffel, Dr. Hofmann, Dr. Kantor, Paßweg, Tartakower, Weiß und eine Vertreterin der «Mirjam»- Wizo-Gruppe. Die neugewählte Leitung wurde lebhaft akklamlert. In zwei Resolutionen wurde der Beitritt der aus 40 Mädchen bestehenden Gruppe der «Mirjam» zu der Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs unter dem Titel «Mirjam-Wizo-Gruppe» begrüßt und die Modalitäten der Vertretung dieser neuen Jung-Wizo-Gruppe im Rahmen der Leitung festgelegt. — Somit ist der Nachwuchs der Frauenorganisation gesichert, was einen günstigen Ausblick für die Zukunft gewährt. Zuletzt wurden den beiden aus der Leitung privater Umstände halber vorübergehend ausscheidenden Keren Hanaschim-Referentinnen, Frau Silbiger und Frau Sehattinger, jr eine Oelbaumspende und der wiedergewählten Präsidentin die Urkunde über eine erfolgte Eintragung in das Silberne Buch des-K—K. L überreicht. Unter dem Eindrücke, daß trotz der kritischen Zeiten bei festem und ernstem Willen auch weiterhin Ersprießliches für das Wohl des Palästinaaufbaues und insbesondere für die produktive Vorbereitung vouen und Kindern für das praktische Leben in Palästina geleistet werden kann und muß, schloß die eindrucksvolle Versammlung. Dr. Martha Hofmann Ordentliche Landeskonferenz des Keren Kajemelh Die Landeskonferenz des Keren Kajemelh findet am Mittwoch, den 28. Oktober 1931, um 7 Uhr abends, im Heime der «Mirjam», Wien, I., Jordangasse 7, statt. Tagesordnung: 1. Hat Erez Israel genug Boden für das jüdische Volk? Referent: Gg. Adolf Böhm, Präsident des KKL. 2. Rechenschaftsbericht über das Jahr 5691. Referent: Dr. Chaim Tartakower. 3. Arbeitsprogramm für das Jahr 5692. Referent: Dr. Chaim Tartakower. 4. Debatte. 5. Verlesung der in den Pinkas des Keren Kajemeth wegen ihrer Verdienste eingetragenen Mitarbeiter. 6. Wahlen. Gruppen, die mindestens 10 Pfund aufgebracht haben, entsenden einen Delegierten, solche die mindestens 50 Pfund abgeführt haben, 2 Delegierte. Den schriftlichen Rechenschaftsbericht sowie die Legitimationen für die Landeskonferenz erhalten die Gruppanvertreter ab Dienstag, den 27. Oktober, im Bureau des Keren Kajemeth, oder unmittelbar vor der Eröffnung der Landeskonferenz. Die Gruppen werden ersucht, die Wahl ihrer Delegierten dem Keren-Kajemeth-Bureau bekanntzugeben. Die Arbeit des Keren Kaje* meth Silbernes Buch des Keren Kajemeth. Tempelvorsteher Samuel Selinger in Graz anläßlich seines am 16. September 1931 stattgefundenen Abschiedsabends. Prof. Dr. Josef Silbiger durch die Generalversammlung der Sektion III im Oktober 1931. Else und Karl Diener anläßlich ihrer Außerstande, allen unseren Freunden und Bekannten für die uns anläßlich unserer Verlobung zugekommenen Glückwünsche zu danken, tun wir dies auf diesem Wege mit herzlichs em Dank Zita S c h i j — Dr. Mair P a i s J rrmn rrrrm iTmTTrnmTITITII 11X33 Hochzeit am 18. Oktober 1931 durch die Hochzeitsgäste. Die Ueberreichung der Diplome an die Eingetragenen erfolgt anläßlich der feierlichen Eröffnung des Silbernen Buches gelegentlich des Vollzuges der 50. Eintragung. Bisherige Eintragungen: 41. Selbstkontingentierung in den Jugendgruppen. Der Bund «Haschomer Hazair-BIau-Weiß» ist an die Durchführung der Selbstkontingentierung seiner Mitglieder geschritten und wird allmonatlich mit dem Bureau des Keren Kajemeth die von den einzelnen Selbstkontingentlern aufgebrachten und abgeführten Beträge verrechnen. Verrechnung der Septemberleerung. Die Z. M. V. Mirjam sowie die Vereinigung der zion. dem. Jugend haben die Seplemberleerung vollkommen verrechnet. Der Bericht der zionistischen Exekutive an den XVII. Kongreß, der sehr wertvolles Material über unsere Bewegung enthält, ist im Keren Kajemeth- Bureau zum Preise von S 3.50 erhältlich. Eine neue Palästina-Karte des Keren Kajemeth« Das Hauptbureau des Keren Kajemeth hat eine neue kolorierte Karte Palästinas nach dem neuesten Stande unseres Siedlungswerkes in hebräischer Sprache herausgegeben. Sie ist zum Preise von 70 Groschen im KKL-Bureau erhältlich. «Lanoar». Als neuestes Heft erschien anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Siedlung Ein Charod das Heft 34 von N. Bcnari, welches die Geschichte dieser Siedlung enthält. Es weist alle Vorzüge der bisherigen Lanoar-Ausgaben auf. Ausweis des Keren Kajemeth. Der Spendenausweis des Keren Kajemeth für den ganzen Monat Oktober erscheint mit Rücksicht auf die Arbeitshäufung anläßlich des Jahresabschlusses des Beginnes des neuen Jahres und der Vorbereitung für die Landeskonferenz anfangs November. ©ct $ümorrl)0tbatlcibcn, SSerftopfung, ©armriffett, Slhföeffen, £arnbrattg, ©taimngöleber, Streuefcfjmeraeit, SöruftOeHommenpeit, §ßrapochen, 6d)h)inbcIanfnHett bringt ber ©ebrauch beS natürlichen „$rana 3ofef"« SöittcrtnaffcrS immer angenehme Qjrleidjterung. Die Exekutive hat soeben eine Broschüre herausgegeben, die den vollständigen, revidierten Text der Beschlüsse des 17. Kongresses in einer systematischen Anordnung und daneben eine kurze Darstellung des Vorlaufes des Kongresses und eine komplette Liste sämtlicher vom Kongreß gewählten Funktionäre enthä't. Der Preis der Broschüre beträgt 70 Groschen. Bestellungen sind unter gleichzeitiger Einsendung des entfai enden Betrages an das zionistische Landeskomitee zu richten.

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