Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 198 (22.8.1931)
- Date
- 1931-08-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 198 — 22. Oktober 1931 (in ettmi« JLIlC OllnUflC Sette 0 ZlonlslisdiBs Lehen In Vien Programm des Verbandes der JttiHemeinen Zionisten Bei der konstituierenden Versammlung des Verbandes der Allgemeinen Zionisten wurde nachstehendes Programm beschlossen: /. Der Zionismus ist die nationale Freiheitsbewegung des jüdischen Volkes. Wir halten an seinem Im Baseler Programm niedergelegten Ziel unerschütterlich fest, in Erez Israel die Lösung der Judenfrage herbeizuführen. Durch eine ununterbrochene Einwanderung und Aussiedlung soll das zur Auswanderung drängende jüdische Volk in Erez Israel seine geistige, wirtschaftliche und soziale Not überwinden und im Lande seiner Väter ein mit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens ausgestattetes nationales Dasein erneuern. Wir weisen jeden Versuch, dieses Ziel des Zionismus zu verkleinern, mit Entschiedenheit zurück. II. Die Führung der Zionistischen Politik muß ausschließlich der Exekutive Vorbehalten bleiben. Ihre Einheitlichkeit darf durch Sonderaktionen einzelner Gruppen nicht durchbrochen werden. , Wir fordern, daß die Konstitution der zionistischen Weltbewegung einer Revision in der Richtung unterzogen wird, daß bei Aufrechterhaltung der demokratischen Grundlagen unserer Verfassung und bei Wahrung der vollen Freiheit der zionistischen Meinungsäußerung der fortschreitenden Zersplitterung unserer Bewegung Einhalt geboten und der Zusammenhang der Fraktionen und Föderationen mit den zionistischen Landesverbänden in der Zionistischen Weltorganisation wieder hergestellt wird. Pflicht jedes allgemeinen Zionisten ist es, dazu beizutragen, daß alle Kräfte ohqe Ablenkung auf das Gebiet unfruchtbarer innerer Streitigkeiten, auf die wichtigste zionistische Aufgabe konzentriert werden, das im Werden begriffene Werk in Palästina zu festigen und zu erhärten. Von der Stärke unserer Position in Erez Israel und den Fortschritten unseres realen Schaffens im Lande wird jederzeit die Wertung unserer Letküng, die Achtung der Welt und die Gestaltung der Bedingungen unserer Arbeit abhängig sein. III. Der Verband Allgemeiner Zionisten anerkennt den Primat der nationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez Israel und des Wiederaufbaues Palästinas. Die Interessen von Gruppen, Schichten und Klassen müssen daher unter selbstverständlicher Wahrung des dem Judentum immanenten Prinzips der sozialen Gerechtigkeit mit den Geboten des nationalen Wohles in Einklang gebracht werden. IV. Der Verband Allgemeiner Zionisten proklamiert die Losung der Vereinigung und Aktivierung der schöpferischen Kräfte der Arbeit und des Kapitals im Dienste der Nationen. Er vertritt den Standpunkt, daß Dienstag, den 13. Oktober d. J., fand die überaus gut besuchte und — wie vorweggenommen sei — außerordentlich eindrucksvoll und harmonisch verlaufene diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Frauenorganisation Oesterreichs (W. 1. Z. 0.) statt. Man hatte von Zerwürfnissen im Rahmen der Wizo gehört und in der zionistischen Presse gelesen. Auch in Oesterreich war ein Echo davon vernehmbar geworden. Und es muß zum Lobe der in der österreichischen Wizo vereinten Frauen und insbesondere der Präsidentin, Frau Sofie Löwenherz, gesagt werden, daß nichts, aber auch nicht das geringste Merkmal einer irgendwie gestörten Eintracht in dieser repräsentativen Versammlung zum Ausdrucke kam, Der Gesamteindruck der Jahresversammlung der Zionistischen Frauen Oesterreichs war der, daß hier trotz aller bestehenden Schwierigkeiten materieller urid psychologischer Natur dennoch ganze und gute Arbeit geleistet wurde. Man ist den Forderungen der Stunde fast zur Oänze nachgekommen und hat sich auf der Höhe der vorangegangenen,Jlußer- Mlttwoch, den 28. Oktober, 8 Uhr abends, VIII., Bennoptetz 1a, VORTKAQ Prof. Dr. Wilhelm Stein »IDas wissen die Juden vom Zionismus« gleichzeitig mit der Förderung der kollektiven Aufbauarbeit der Chaluzim und der sozialen Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft Privatinitiative in Landwirtschaft und in Industrie, sowie die Seßhaftmachung jener Elemente, die zum Teil oder »ganz die Mittel hierzu besitzen — Im Einklang mit den nationalen Interessen organisiert und gefördert wird. Hierdurch sollen die Möglichkeiten für eine große Immigration und für eine rascheste Erschließung des Landes geschaffen werden. V. Es ist Aufgabe der zionistischen Politik, darüber zu wachen, daß die durch das Mandat urid unsere unveräußerlichen Rechte auf das Land unserer Väter gegebenen Grundlagen unserer Arbeit in Palästina weder durch Interpretationen, die den Sinn der dem jüdischen Volke gegebenen Zusagen abschwächen, noch durch eine der Schaffung des jüdischen Nationalheimes zuj widerlaufende Verwaltungspraxis in Palästina in nach- \ teiliger Weise geändert werden. Vor allem ist die eheste Beseitigung der Beschränkungen der freien Einwanderung und Kolonisation mit allen Mitteln anzustreben. Wir wünschen die Herstellung eines auf gegenseitigem Vertrauen und der Integrität unserer Rechte beruhenden Verhältnisses zwischen der Mandatarmacht und der Jewtsh Agency. Wir wünschen eine friedliche und aufrichtige Verständigung mit dem arabischen Volke unter uneingeschränkter Wahrung der durch das Mandat gegebenen Rechtslage. VI. Der Verband der Allgemeinen Zionisten erachtet es als seine Aufgabe, in der Galuth die zionistischen Fonde zu fördern und für sie Opfer zu bringen, die zionistische Idee ins jüdische Volk zu tragen, eine allgemeine zionistische Jugendorganisation innerhalb des Verbandes im Geiste seiner Grundsätze ins Leben zu rufen und auszubauen,, die hebräische Sprache zu verbreiten* vkuh -; . die nationaljüdische Kultur und Erziehung zu' pflegen und den maßgebenden Einfluß aüf die Verwaltung der jüdischen Gemeinden zu erlangen und sie zu Volksgemeinden auszugestalten. VII. Die Mitarbeit der Nichtzionisten an unserem Aufbauwerke soll durch die eheste Schaffung einer auf breiter Grundlage beruhenden demokratischen Organisation der Nichtzionisten in der Jewish Agency verstärkt werden. Anmeldungen aus Wien und aus der Provinz sind zu richten an den Verband der Allgemeinen Zionisten, per Adr. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, Wien, II., Praterstraße 13, lieh um so vieles besseren Zeit gehalten. Ja, man hat sogar teilweise neue Wege der Organisation und neue Erfolge der praktischen Arbeit gefunden. Den Abend eröffnete die Präsidentin, Frau Löwenherz, mit einigen schlichten, eindrucksvollen Worten Über die Aufgabe der Zionistischen Frauenorganisation Oesterreichs gegenüber der lokalen, wie gegenüber der interterritorialen zionistischen und Wizoorganisation. Sie verlas unter größter Aufmerksamkeit der Versammlung einen Brief der Londoner Exekutive, gezeichnet von Frau Romana Goodman und Frau Dr. Vera Weizmann, der starken Eindruck hinterließ, und der auf die seit der Baseler Konferenz etwas unruhige Stimmung außerordentlich befriedigend und beruhigend einwirkte. (Diesen Brief bringen wir in der nächsten Nummer. Anm. d. Redakt.) Unter lebhaftem Applaus teilte die Präsidentin sodann mit, daß eine starke Gruppe junger Mädchen und Frauen der Z. M. V. «Mirjam» sich mit heutigem Tage als «Mirjam-Wizo-Gruppe» der Fraüenorganisation anschließe und bereit sei, alle Pflichten und Lasten der Arbeit mit den Frauen zu teilen. Damit ist ein langjähriges Bemühen der österreichischen Wizo von vollem Erfolge gekrönt. Frau Löwenherz erwähnte sodann, daß sie trotz schwerer privater Hindernisse nach reiflicher Ueberlegung bereit sei, eine eventuelle Wiederwahl anzunehmen, was einen selten gehörten Ausbruch von Freude und Dankbarkeit unter den Anwesenden hervorrief., Nach der Präsidentin, die unter den Anwesenden den Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation, Dr. Ö. Grünbaum, Herrn Dr. Tartakower für den & K. L., Frau Marie Pollak, die Leiterin des Kontinentalbundes zionistischer Mädchenvereine uiid die Qründerin der Zionistischen Frauenorga- ■ niiation Oesterreichs, Frau Erna Patak, begrüßen durfte, ergriff Df. (Jfflnbaum das Wort zu einigen überaus ermutigenden, Organisation und Tätigkeit der W. I. Z. O voll würdigenden Ausführungen. Ihm folgte der Leiter des K. K. L., der gleichfalls die Leistungen der W. I. Z. O. hervorhob, und das Gemeinsame der beiderseitigen Arbeitsgebiete betonte. Sodann folgte der Tätigkeitsbericht der Organisationssekretärin Frau Dr. Kantor über das abgelaufene Arbeitsjahr 1930/31. Die drei Hauptgebiete: Organisationsarbeit, Kulturarbeit und Palästinaarbeit würden eingehend erörtert. Innerhalb des ersten Arbeitsgebietes konnte die erfolgreiche Reorganisierung der Bezirkssektion VIII angeführt werden, um welche sich die Vizepräsident^ Frau Fedem-Lipschtitz sowie die Leiterin der Bezirksgruppe Frau Else Karp.us besonders verdient gemacht haben. Ferner wurde in St. Pölten von der Sekretärin Frau Dr. Kantor eine neue Ortsgruppe gegründet, während im allgemeinen der Kontakt mit den Provinzgruppen — trotz des Besuches von Dr. Lotte Hanemann (außer in St. Pölten) in Linz und Graz — zu wünschen übrig ließ. Ferner wurde vom Vorstandsmitglied Frau Hansl Kohn gemeinsam mit der Sekretärin der Versuch eines Klubs junger Frauen unter dem Namen «Jung-Wlzo» unternommen. Die Organisation Zionistischer Frauen Oesterreichs beteiligte sich lebhaft am Schekel-Drive und an den anderen Aktionen des Zionistischen Landeskomitees, in dem sie durch Frau Paßweg vertreten war. Zur VI. Wizokonferenz in Base! hatte die österreichische Föderation fünf Delegierte entsenden können, doch war es nur den Damen Blauer, Dr. Hofman und Dr. Kantor möglich, an der Konferenz als Delegierte teilzunehmen. Im Hinblick auf die Wichtigkeit dieser Konferenz wird der Erörterung ihrer Probleme ein besonderer Abend gewidmet werden. Den Höhepunkt der Berichtsperiode bildete die in Anwesenheit der Jerusalemer Delegierten Dr. Lotte Hanemana veranstaltete Zehnjahrteier, die im April dieses Jahres unter außerordentlicher Beteiligung nicht nur der Mitglieder und der Gesinnungsgenossen, sondern auch bisher fernstehender jüdischer Frauen und Vertreterinnen der gesamten Frauenbewegung Oesterreichs, mit größtem Erfolg stattfand. Allerdings hatte der daran angeschlossene Organisations- Und Mitgliederdrive nicht den gewünschten. Erfolg, was wohl auf die Ungunst des Zeitpunktes (Frühsommer.) und der Wirt» schaftslage unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Credit-Anstalt zurückzuführen ist. Dieser Driye wird im jetzt beginnende^ (Arbeitsjahr um so energische^ in. Angriff .genommen werden. In den Rahmen der P a 1 ä s t i n a a r beit fällt vor allem die Sammlung des Frauenfonds Keren Hanaschim, über welche die verdienstvolle Referentin Frau Silbiger Bericht erstattete. Hier sei nur erwähnt, daß von der übernommenen Summe von jährlich 200 Pfund im letzten Arbeitsjahre 175 Pfund nach London überwiesen werden konnten. Einen nicht geringen Anteil an diesem Ergebnis hat die Phönix- IC K. L.-Versicherungsaktion der W. 1. Z. O., durch welche in den beiden letzten Jahren 3000 Schilling für den Keren Hanaschim aufgebracht werden konnten. Auch wurde der Wizozentrale ein gewisser Betrag für Fropagandazwecke zur Verfügung gestellt. Die Zentrale sicherte die Einleitung analoger Aktionen auch in anderen Ländern zu. Um dieses Arbeitsgebiet machte Bich die Leiterin der Phönix-Wizoaktioii Frau Gisela Blauer besonders verdient. Dem Keren Hanaschim wurde in dankenswerter Weise vom jüdischen Frauenverein Währing und vom Klub jüdischer Frauen je eine Spende von 100 Schilling zuteil.. Kulturarbeit. Nach bewährter Methode wurde ein Vortragszyklus von der Zentrale veranstaltet, wozu Kurs« und Seminare über jüdische Geschichte und Literatur in den verschiedenen Bezirken hinzukommen. Von den Vorträgeii der Zentrale seien in chronologischer Reihenfolge die. folgenden erwähnt: 1. Dr. Martha Hof mann: «Ein Arbeitsjahr in der Wizozentrale ln London». 2. Prof. Paula Arnold: «Der Alltag in Palästina*. 3. Frau Marie Pollak: «Probleme der Mädchenerziehung** 4. Herr Ludwig Bato: «Die Juden im alten Venedig*. 5. Hofrat S. Frankfurter: «Bibel und Talmud*. 6. Frau Cyla Waldmann: «Anstands- und Umgangsformen ln der jüdischen Antike». 7. Frau Zipora Taubes: «Jehuda Halevi». 8. Frau Helene Klepetar: «Jude oder Europäer» (Georg Brandes). 9. Dr. Tulo Nussenblatt: «Herzl und die Frauen». 10. Prof. Artur Freud: «Palästinaarbeit In Wien*. Sämtliche Vorträge besaßen gutes Niveau und waren stark besucht. Außerdem widmete sich die O. Z. F, Oe. dem hebräischen Kindergarten sowie der Veranstaltung von Kinderfesten anläßlich der hohen Feiertage und von «Qneg Sabbath»-Nachmittagen. Sehr erfolgreich waren die von Frau Blanka Federn-Lipschütz geleiteten Kunstführungen durch die Ateliers jüdischer Maler, Museums- und Privatsamn\Iungen in Wien sowie auf den alten jüdischen Friedhof in Wien (Seegasse) und in das Ghetto von Eisenstadt im Burgenland. Auf diesem Gebiete hat Frau Martha Bondi als zweite Kulturreferentin viel wertvolle Hilfe geleistet Eine Neuerung bedeuteten die (von der um die künstlerischen Veranstaltungen der Wizo so überaus verdienten Frau Fedem-Upschütz gemeinsam mit dem palästinensischen Kapellmeister templ veranstalteten), hebräischen Kinderchöre und die Zupf- und Blasmusik, in tot die Jugendlichen unterwiesen wurde*- (Tretet dem 'Verband, off^emeinev Xianisten bei 7 Die Generalversammlung der „Wizo“