Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 198 (22.8.1931)
- Date
- 1931-08-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 198 — 22. Oktober 1931 Zur Frage der Jugendbewegung Sö oft es zu einer Tagung der zionistischen Organisation kommt, werden die Probleme der Jugend erörtert. Welches sind nun wirklich die Probleme der zionistischen Jugendbewegung? Haben wir keine nationalbewußte Jugend, geht sie nicht die Wege, die stets die jüdische Jugend gegangen ist? Jene Jugend, die neben der Schule und der jugendlichen Freiheit stets Sinn für ernste Arbeit an sich und für das jüdische Volk gehabt hat und den Kampf für das Judentum schon ln den frühesten Jugendjahren beginnen mußte. Gerade dieser Kampf hat aber unsere Jugend gestärkt und willig kam sie in das Lager der nationalen Bewegung. Sie fühlte sich hier wohl, weil in der zionistischen Organisation ein gesunder, frischer Geist herrschte, der zur Begeisterung trieb. Und auch weil der Zionismus frei war von Chauvinismus; umfaßte er doch alle bewußten, Freiheit liebenden Teile des jüdischen Volkes. Gerade diese Tatsache, daß es keine Gesamtbewegung war, sondern nur eine Organisation von opferbereiten, von der Intelligenz getragenen Nationaljuden, gerade dieser Umstand zog die Jugend an. Und welches sind heute die Probleme unserer Jugend. Sie hat keinen direkten Anschluß an die Führung. Durch den Krieg ist eine Generation verlorengegangen. Die «alten» Zionisten, die durchgehalten haben, um auf die neue Jugend zu warten, haben scheinbar nicht das Vertrauen der Jugend. Das ist ein schweres Problem. Das kann aber nur durch intensive Aufklärung gelöst werden. Es muß eine Brücke gebaut werden, die die Aelteren zur Jugend führt. Dieser Kontakt muß durch gegenseitiges «Entgegenkommen» hergestellt werden. Ein intensives gemeinsames Arbeiten wird die Jugend belehren, daß die Alten Verständnis für sie haben, daß die Begeisterung der sogenannten Bürgerlichen noch sehr lebhaft ist und so wird die U e b e r g a b e d ec F ü h r u n g an die neue Generation vorbereitet werden. Die Jügend möge nämlich wissen, daß die Alten die schwere Bürde der Führung abgeben wollen, abgeben müssen. Ein schweres Problem der Jugendbewegung ist auch die Zusammenfassung aller Richtungen innerhalb der Jugendbewegung, die keinesfalls störend wirken, soferne es sich um ideologische, prinzipielle Unterschiede handelt. In keinem Stadium des Zionismus ist eine Einheitlichkeit in bestimmten Fragen so dringend gewesen, wie gerade heute. Möge doch jede Gruppe ein kleines Opfer der Bewegung bringen, die Bewegung bleiben muß, soll nicht der zionistische Gedanke erstarren. Und die Bewegung erfordert Frieden und Eintracht in dringenden Fragen der Erhaltung des Palästina Werkes. Ich komme aus Palästina und kann nur feststellen, daß der Jischuw diese Einheitlichkeit ln der Palästinaarbeit von der Galuth erwartet. Vergleiche man doch nicht die Zersplitterung der Parteien innerhalb des Landes mit unserer Tätigkeit. Dort ist und bleibt jeder Palästinenser eben trotz aller Meinungsverschiedenheiten der Pionier, der Arbeiter, der Hebräer, der Volljude. Und was er auch immer meint und tut, es kann nur für das Land geschehen. Hier ist es anders. Wir haben hier nur eine Pflicht: die Erhaltung und Förderung dieses opferbereiten Jischuw. Jede Zersplitterung stört den Aufbau, jede Uneinigkeit schafft Krisen in Erez Israel. Und die Jugend könnte hier beispielgebend für die Aelteren sein. Schließt Euch zu gemeinsamer Palästinaarbeit Zusammen, schafft den Verbindungsweg zu den Führern und ihr werdet der zionistischen Bewegung neue Impulse und neue Wege der aufbauenden Arbeit geben. Von diesem Geist der produktiven Tätigkeit seien die Verhandlungen der kommenden Tagung bezüglich der Jugendarbeit getragen. Bruno Rabinowitz. P ogramm des Delegiertentages: I. Die Eröffnungssitzung des ordentlichen Delegierte ntages findet am Samstag, den 24. d. M., präzise 8 Uhr abends im Saale des Haadelamuseunis, IX., Berggasse 16, statt Tagesordnung: 1. Eröffnung durch den Präsidenten des Landeskomitees. 2. Wahl des Präsidiums und des Bureaus. 3. Referat Adolf Böhm: Der Stand unserer Palästina-Arbeit. 4. Referat Prof. Dr. Viktor Kellner: Das Schicksal des jüdischen Geistes. 11. Sonntag, den 25. d. M., halb 10 Uhr vormittags, Saal der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13 (Lloydhof): 5. Wahl der Kommissionen. :>. Referat Dr. DavidRothblum: Die Weltunion der Hebräer. 7. Tätigkeitsbericht des Zionistischen Landeskomitees und Referat über Schaffung des Territorialverbandes. Referent: Dr. Oskar Grünbaum. 8. Debatte. M-.yjvvahien. Ein min *")BD erhalten, so Höne Schrift, ist zu verkaufen! Zuschriften unter „Schöne Schritt“ an die Exped. d, Bl. 'yrnmgmmm\ ' III m m um» ti i ■ ■»■—mmrnmm €omera oftscura Di* Sorgen de* Herrn Bornstetft Herr Borastein, ein jüdischer Wehrroaün (wohl ein Unikum!), der sograr beim christlichsoztalen Wehrbund sein Seelenheil vergrebens suchen soll, richtete an den Magistrat nachstehendes Gesuch, das wir als Zeitdokument hier wiedergeben: An die Magistratsabteilung Nr. SO Wien, 1. Bes., Neues Ratbaus. Endesgefertigter Friedrich Bornstein, derzeit Wehrmann im Bundesheer, bittet um die Bewilligrung der Aenderung seines Namens auf Wagner und begründet seine Bitte wie folgt: Durch meinen ominös klingenden Namen, welcher Eindruck erweckt, als ob meine Angehörigen erst seit jüngerer Zeit aus den österreichischen Ländern eingewandert wären, während meine Eltern schon seit 82 Jahren in Wien ansässig sind, bin Ich schon als Lehrling, später als ausgelerater Goldschmied und jetzt unter meinen Kameraden nicht nur den Witzen und Spötteleien ausgesetzt, sondern bin auch stets in meinem Fortkommen behindert worden. Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in Oesterreich habe ich nach meiner in kürzester Zeit zu erwartenden Ausscheidung aus dem Bundesheer die Absicht, im Ausland einen Posten in meinem ausgrelemten Fach zu suchen. Bel Erlangung eines Postens in den für mich in Betracht kommenden Ländern wäre mir, wie ich bereits erfahren habe, mein bisheriger Name hinderlich. Ich bitte daher, vor allem auch aus wirtschaftlichen Gründen, um mir eine Schaffung meiner Existenz zu erleiohtern, um wohlwollende Berücksichtigung meiner Bitte. Wien, den 26. September 1931. ... Beilage. Hochachtungsvoll Friedrich Bornstein. Adresse: Friedrich Borastein, Wien, 12. Bez., Meidlinger Kaserne. Fahre wohl, Jude Bornstein! Ob man dich nicht auch weiter trotz geändertem Namen im Ausland an der Nase erkennen wird, ist fraglich. Und gegen die jüdische Nase ist sogar im Wiener Rathaus kein Kräutlein gewachsen! Zur Ziehung der L Klasse der 26. Klassenlotterie bestellen Sie Ihr Glückslos bei der Geschäftsstelle der Oesterreichischen Klassenlotterie J. M. Neufeld Wien, II., Krummbaumgasse 16, Tel. A 46*9»65, Höchstmöglicher Gewinn eventuell S 800.000.—. Lospreise: 1/1 S 48.—, */• S 24.—, *U S 12.—, */» S 6.—. Die Hälfte aller lose gewinnt. Die Ziehung der I. Klasse beginnt schon am 17. November 1921. ro» töw Weizmann, der Missetäter! Der nationalsozialistische Pressedienst in Burlin teilt mit: „Wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, ist der berüchtigte Zionistenführer Weizmann in Berlin ei ngt. troffen, um gemeinsam mit den deutschen Zionistenführern Stellung zu der Tagung der Nationalen Opposition in Harzburg zu nehmen. Ein Zeichen, wie das Ergebnis der Harzburger Tagung bereits 24 Stunden danach die verängstigte Judenschaft in Bewegung gesetzt hat. Auf der Tagesordnung stehen die Abwehrmaßnahmen des Judentums gegen die Absichten der Nationalen Opposition.“ Diese Meldung Ist offenbar unvollständig. Es fehlt die Belegstelle aus den „Protokollen der Weisen von Zion“, Eine teutsch# Stilblüte: Schießt auf die jüdischen Hunde Kennt ihr die Bauern, Hitlers verwegene Schar, Bald wird sich die Nacht erhellen, Brüder, die Freiheit ist da. Ladet die blanken Gewehre, Ladet sie mit Pulver und Blei, Schießt auf die jüdischen Hunde, Nieder mit der Judentyrannet. Und dagegen schreitet kein Staatsanwalt und kein Gericht ein. Das gehört zur „legalen" Eroberung der Macht in Deutschland. Erst sehiiren, dann glätten In dem Städtchen Dabrowice, Kreis Wohlin, hat sich eine schwere Schultragödie abgespielt. Der 12jährige Komar, der von Haus aus antisemitisch verhetzt ist, fiel im Schulhof ohne jede erkennbare Ursache über seinen Klassenkollegen, den 10jährigen Israel Fleischon her und schlug mit einem Stock solange auf ihn ein, bis der Tod Infolge Schädelbruches eintrat. Der jugendliche Mörder wird straflos ausgehen, Fürsorgeerziehung für jugendliche Verbrecher gibt es in Polen nicht. An dem Begräbnis von Fleischon beteiligte sich die gesamte Schuljugend des Städtchens, Juden wie Christen, sowie die gesamte Lehrerschaft. Damit ist weder dem ermordeten Kinde noch den armen Eltern geholfen. Streiohung des Arierparagraphen wegen drohender finanzieller Verluste Der Verband der deutschen Handels- und Industrlcangestellten in der Tschechoslowakei wurde vom böhmischen Landesamt genötigt, den Arierparagraphen aus seinen Satzungen zu streichen. Der S 2 der Verbandssatzungen besagt, daß Juden und Angehörige anderer dem deutschen Volke feindlich gesinnten Nationen kein Mitgliedsrecht im Deutschen Handlungsgehilfen verband erwerben könnten. Der Verband wurde vom Landesamt daraufhin aufmerksam gemacht, daß Ihm der Staatsbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung eingestellt würde, falls dlsse Bestimmung nicht gestrichen werde, In der Hauptversammlung des Verbandes wurde nun mit großer Mehrheit die Streichung des Arierparagraphen beschlossen. Da müssen erst die Machtmittel des Staates drelnhaa*tt« tuft die sauberen Herrschaften su bekehren, Geschieht ihm recht! Dem „Kampfruf* entnehmen wir nachstehende Notiz: Mittwoch, den 24. September, Massenversammlung im großen Brauhofsaal mit Pg. Dr. Walter Riehl aus Wien. Ein Genosse meldete sich zum Wort, da sich aber herausstellte, daß er Jude lat, wurde er glatt hinausbefördert. Recht geschah ihm, dem Juden! Gratis erteilt der Riehl seinen jüdischen Klienten keine Belehrungen!! Da muß man sich schon in seine Kanzlei in Wien bemühen. Richtigstellung. Durch einen Irrtum wurde ln die in voriger Nummer erschienene Glosse „Halbasien“ einige Zeilen über die Revisionisten angeschlossen, die sich auf eine andere Angelegenheit bezogen. (Anm. d. Red.) In aller Kürze „Saturday Review“ weist im Leitartikel auf cüe in Osteuropa und besonders in Rumänien erstarkte antisemitische Bewegung hin, spricht Befürchtungen hinsichtlich der Möglichkeit antisemitischer Unruhen in Deutschland bei Ueberhandnahme der Industriekrisis aus und gibt der An« sicht Ausdruck, daß Lord Readlng diese Fragen in seinen Gesprächen mit den französischen Ministern berührt hat Die in Charkow erscheinende jiddisch-kommunistisch* Tageszeitung „Stern“ stellt eine anhaltende Abwanderung aus den jüdischen Kolonien der Krim und der Ukraine fest, Die Abwanderung übersteigt die neue Zuwanderung. * Die Liberalen stellen in Whitechapel zu den Unter« hauswahlen die Kandidatur des bekannten Londoner Zionisten Barnett Jänner auf, der die nationale Regierung unterstützt. Die Konservativen stellen ihm keinen Gegenkandidaten entgegen. Dagegen tritt als sein Gegenkandidat der berühmte jüdische Boxer „Kid“ Lewis von der Mosley; Partei auf. Die bisherigen liberalen jüdischen Unterhausmltglieder Major H. L. Nathan und Percy Harris haben ihre Kandidaturen ln Ihren bisherigen Wahlkreisen, North-Eeast Bethnal Green und South West Bethnal Green, bei den Londoner Wahlkreisen mit starker jüdischer Wählerschaft,, wieder aufgestellt. Sie haben keine konservative Opposition. Herr Franklin, ein Neffe von Sir Herbert Samuel, ist Kandidat der Arbeiterpartei in Homsey. « Der frühere Oberkommissar Palästinas, Feldmarschall Lord Plumer, verbringt seine ganze Zelt jetzt mit Hebräischunterricbt. Einige Kenntnisse hat er bereits während seiner Amtsdauer erworben; nun beschäftigt er sich eingehend mit hebräischer Literatur und Kultur. Er rechnet wahrscheinlich damit, wieder nach Palästina in offizieller Mission zu kommen. Bekanntlich hat er sich in London dem Keren Hajessod zur Verfügung gestellt, wo er in gewissen „schweren Fällen“ gerne zur Mitarbeit herangezogen wird. Eine Räubertruppe überfiel am 13. d. M. die Synagoge in New York-Brooklyn, terrorisierte und beraubte die in der Synagoge weilenden Andächtigen. Den Räubern fielen Geld xind Juwelen im Gesamtwerte von etwa 10.000 Dollar in die Hände. Es ist dies der zweite Ueberfall auf eine Synagoge in Amerika in den letzten 14 Tagen. « Das Amtsblatt der polnischen Regierung veröffentlicht eine Verordnung, der gemäß die jüdischen Gemeindesteuern auf das Maximum von 10 Prozent der Staatssteuera begrenzt werden. Das deutsche Misrachi-Bureau verbreitet eine Kundgebung, in der mitgeteilt wird, daß die deutsche Landesorganisation der Misrachi ihren Austritt aus der Misrachi- Weltorganisation vollzogen hat, daß aber hiedurch das Verhältnis zur zionistischen Organisation unberührt bleibt. * Anläßlich der am 12. Oktober in Genf begonnenen Konforenzen^über die Kalenderreform hat eine Anzahl Jüdischer repräsentativer Persönlichkeiten aus allen Ländern ein Memorandum überreicht, worin auf die Notwendigkeit der Respektierung des jüdischen Sabbat verwiesen wird. Ebenso liegen Petitionen der wichtigsten jüdischen Gemeinden der Welt vor. Die jüdische Sache wird in Genf von Chief Rabbi Hertz aus London und einer Reihe weiterer jüdischer religiöser Repräsentanten vertreten. Von Hamburg hat rieh Dr. Weizmann nach London begeben. Er dürfte seine Reise nach Südafrika etwa im Februar 1932 antreten. Auf seiner Rückreise von Südafrika beabsichtigt er, Palästina zu besuchen. * Bei den englischen Parlamentswahlen kandidiert in dem stark von Juden bewohnten Londoner Bezirk Whitechapel als Liberaler Mr. Barnett Jänner, ein Zionist, der den Besuchern des letzten Kongresses als Mitglied der englisch-zionistischen Delegation, mit der er zusammen der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten angehörte, bekannt ist. Mr. Jänner hat schon bei der letzten Nachwahl um den Sitz in Whitechapel gekämpft, ist aber gegen den Kandidaten der Labour Party unterlegen. Als Kuriosum Ist noefc zu erwähnen, daß ein jüdischer Boxer namens Lewis ald Kandidat der Mosley-Partei sich gleichfalls um das Par* lamentsmandat in Whitechapel bewirbt. Vorige Woche begann in Tel-Aviv eine Sitzung des großen Rates der jüdischen Arbeiterorganisation (Moazab der Histadruth). Der Versammlung liegt ein 280 Seiten langer gedruckter Bericht über die Tätigkeit der Histadruth während der letzten zwei Jahre vor. Für die General* debatte, die sich an das Referat von Ben Gurlon anschlle* ßen und die innere Lage der Histadruth behandeln soll» sind zwei Tage vorgesehen. König Feisal ln Jerusalem Der König des Irak traf Ende letzter Woche zu einem kurzen Besuch in Jerusalem ein. Dr. Ch. Arlosoroff, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, und Herr J. Ben Zwi vom Waad Leumi waren unter denjenigen, die ihn an der Eisenbahnstation begrüßten. Der Exekutive der Jewish Agency sandte König Feisal ein Begrüßungsschreiben. JAB. Die Pflanzungen ln Beer Tuwla Die Orangen- und Grape Fruit-Pflanzungen, die sich über 352 Dunam erstrecken und teils okkulierte und teils noch unokkulierte Bäume umfassen, haben sich im Sommer befriedigend entwickelt. Ein T^l der Bäume wird im Herbst veredelt .werden. JAB, >