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Die Stimme · 1931-08-22 · Heft 198 (22.8.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 198 (22.8.1931)
Date
1931-08-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Kr. 198 — 32. Oktober 1931 me stimme Seite 7 eich diese Stimmung bei der Werbung neuer Kräfte auswfrkr, braucht ja nicht erst gesagt au werden! Jugend dient nicht Ideen, deren Wirkung im Erblassen begriffen ist! Wie ist nun diese Ober alte Maßen betrübende Ersehet» nung tu erklären? Die Antwort liegt auf der Hattd. Die heute haben seit 1917 und 1970 in der Wahnvorstellung ge» lebt, daß das Baseler Programm bereits verwirklicht sei und daß alles andere «von selbst» kommen werde. Und als das Gtri* und fang Erträumte von selbst eben nicht kommen wollte und atatt dessen Enttäuschungen undschwere Rückschläge eintrabrt, ließen sie die Flügel hängen. In Wirklich» keit aber gab es weder einen Grund für die übertriebenen Hoffnungen von 1920, noch gibt es eine berechtigte Ursache für die resignierte Stimmung von heute. Denn das von uns in Palästina in kurzer Zeit und urttef schwierigsten bedttt* gungen Geleistete ist etwas, WdS Sich immerhin seHett lassen kann und das auf niemanden (einerlei, ob Jude oder Nichtjude!), der es gesehen, den Eindruck verfehlt hat! Immerhin gibt es in Palästina so etwas wie den Keim eine» nationalen Zentrums, das bereits heute «eine Strahlen ln die Diaspora aussendet. Eine geschickte und zielbewußte zionistische Agitation müßte aut andere Versuche Hinweisen: auf den der Ica, des Agro-Joiht u. ä. Was haben die erreicht? Welch dauerndes Werk Haben diese Bestrebungen mit ihren unzählbaren Millionen geschaffen? Wer nimmt heute Notiz von der jüdischen Siedlung in Argentinien? Wer, mit Ausnahme von Moskaus Agenten, weiß Näheres über die Judensiedlung ln Rußland? Lieber Palästina aber wird überall in der Jüdischen Wett geschrieben, gesprochen und — gestritten. Das beweist aber, daß dieses Und den Juden mehr ist als eines der Gebiete, wo Juden kolonisiert werden! Die Tatsache, daß sich an diesem Stück Erde die jüdischen Gemüter (einerlei ob pro oder contra I) entzünden, beweist, da* es hier um höchste und fetzte Dinge geht, um nichts Geringeres nämtich als um die Frage; Kann, darf, soll das Judentum noch einmal, zum drittenmal im Verlaufe seines geschichtlichen Daseins, zu eigenem Staatsleben erwachen oder nicht? Diejenigen, die an ihre Kraft nicht glauben oder sich von Illusionen blenden lassen — sei es nun die von der religiös-ethischen, sei es die von der sozial-revolutionären Mission des Judentums in der Welt — verneinen natürlich diese Frage. Wir aber, die wir an dieses geistige Maklertum nicht glauben können und nicht glauben wollen, wir, in deren Seelen die Sehnsucht glüht nach einer Verjüngung des jüdischen Stammes und einer Erneuerung der in ihm schlummernden Kräfte — wir bejahen diese Frage aus tiefster Seele. Dann aber müssen wir selbst an die Verwirklichung unsere» Strebens glauben! Und wenn wir in der ehrlichen Ueberzeugung, daß das Judentum entweder zionistisch sein oder Überhaupt nicht sein wird (wie dies Nordau einmal klassisch formuliert hat), diese unsere feste Ueberzeugung mit Mut und Entschlossenheit immer von neuem in die jüdischen Gehirne hämmern werden — dann wird die Jugend, die nur dorthin geht, wo fester Glaube und bewußte Zielstrebigkeit herrschen, wieder in hellen Scharen zu uns strömen! Dr. Schlomoh Horowitz. Weg und Ziel Als das derzeitige Landeskomitee seine Tätigkeit begann, gab man ihm keine lange Lebensdauer. Eine zerrüttete Organisation, zermürbt durch Parteikämpfe, vor dem Zusammenbruch schon allein durch desolate Finanzen, dazu noch die Krise im Zionismus — was gab es da noch zu hoffen! Und doch kam es anders, nicht durch glüokliche Zufälle, sondern durch eine bewußte, mit unerbittlicher Beharrlichkeit vom Landeskomitee eingeleitete Politik. Die Majorität leistete Gefolgschaft, sobald '//sie erkannte, daß positive Arbeit geleistet wurde. Wir hatten bis dahin daran gekrankt, daß wir uns vor jedem unserer Schritte ängstlich fragten, was wohl dje Opposition dazu sagen würde. Wir hatten . . daran gekrankt, daß wir zu uns selbst kein Zuj trauen mehr hatten und meinten, ersprießliche Arbeit nur dann leisten zu können, wenn die Opposition , dabei mittue. Der Delegiertentag des Jahres 1930 war das Spiegelbild dieser verfehlten Politik. Mit dieser Politik haben wir Schluß gemacht. Wir verfielen auch nicht in das Gegenteil, Kampf gegen die Opposition als Selbstzweck. Wir gingen an die Arbeit und ließen die Opposition Opposition sein. Wir wollen hier nicht von der Opposition sprechen, die sich an die Devise hielt; «Und willst du nicht mein Bruder sein, so hau ich dir den Schädel ein». Wir kümmerten uns nicht um Sabotage, wir machten die finanzielle Aushungerungspolitik der Opposition zu Schanden. Heute sind wir starkund die Opposition zerklüftet. Wir haben allein gearbeitet und wir allein haben das moralische und materielle Recht auf unserer Seite, wenn wir den Deieglertentag allein abhalten. Wir haben unter schwersten Mühen den Grundstein zu einer neuen Landesorganisation gelegt. Wir sind daran, dieser Organisation ein neues Haus zu bauen. Der Delegiertentag wird die Aufgabe haben, unser Statut so m ändern, daß Rechte nur Mitarbeitern zustehen. Es darf keine Zweiteilung mehr geben in Zionisten und «Wähler». Zionisten, die sich ein Jahr lang in der Organisation bemüht haben, sollen in ihrer Arbeit nicht gestört werden durch die «Zwei-Schilling-Zionisten», die Immer nur zur Wahl auftauchen und bis zur nächsten Wahl wieder verschwinden. Das ist wahre zionistische Demokratie. Darüber hinaus wird der Delegiertentag das Projekt des Landeskotnitees zu diskutieren haben, die bestehende LandMüfganlfatlöfl dufchdle Hcrflnflehmig möglichst aller Gruppierungen zu erweitern. Wir haben kein Interesse daran, einen losen Dachverband zu schaffen. Wir rufen alle zur Mitarbeit, die bedingungslos zur Weltorganisation stehen und landespolitische Streitigkeiten von der zionistischen Arbeit fernhalten wollen. Das Programm des neuen Verbandes wird heißen: Erez Israel. Das bedeutet Jugenderziehung, hebräische Sprache, Propaganda, Förderung der Fonds, zionistische Führung der Kultusgemeinde. Diesem Programm kann man nur gerecht werden durch harte tägliche Kleinarbeit. Wenn der Deieglertentag die örOße der Probleme richtig erfaßt und an ihrer Verwirklichung mithilft, dann wird das eine Abkehr bedeuten von der bisherige Krähwinkelpolitik, die den österreichischen Zionismus zu dem gemacht hat, was er leider bis heute war. Dr. Oskar Örünbaum. Weltunion der Hebräer Von Dr. David R o t h b I u m. Noch nie war die Kuiturfrage im bewußten Judentum so brennend wie in unseren Tagen. Wohl hat seit 1807 das Problem des geistigen Judentums nicht aufgehört, Gegenstand der Diskussion In Wort und Schrift zu Sein, allein der Schrei nach seiner Lösung war nie so weit hörbar, so markerschütternd wie heute. Das hat seinen Grund in der Erkenntnis, daß das jüdische Volk in der Zerstreuung nur durch seine Kultur, durch die Wahrung angestammter Eigenheiten, Erweckung und Entwicklung seiner nationalen Kräfte bis zur schöpferischen Gestattungsmöglichkeit erhalten werden kann. Wenn die Rückkehr ins Judentum durch die Not der Zeit so spärlich, so armselig sich gestaltet hat, so soll wenigstens die Rückkehr zum Judentum auf größter Basis vorbereitet und vollzogen werden. Dazu kommen die drohenden Zeichen eines geistigen und kulturellen Verfalles im Volke, das Desinteressement an alter und neuer Literatur, Abwendung vom althergebrachten jüdischen Leben in Familie, Gesellschaft und Gemeinde. Was nicht in der Religion oder im Zionismus verankert ist, fällt ab. Richtet man noch den Blick nach jenem Stück Erde, wo. der nationale Born in der Diaspora nicht aufgehört hat in ewiger Frische zu quellen und nunmehr völlig zu versiegen droht, wo Millionen von Juden mit all den an sie geknüpften Hoffnungen für die Wiedergeburt der Nation dem Untergang gewidmet sind, wird man verstehen, daß der Ruf, den Judas größter Dichter vor Tagen an sein Volk gerichtet hat, ein Verzweiflungsruf in zwölfter Stunde ist. An partiellen Bestrebungen zur Behebung der Kulturnot in der Galuth hat es in den letzten Jahren nicht gefehlt. Sie sind naturgemäß innerhalb jeder Partei, jeder Gruppe, jedes Landes und jeder Stadt verschieden ausgefallen. Es wurde vieLgeleistet, viel geschaffen, über die engen Grenzen einer lokalen Bedeutung ging diese Tätigkeit jedoch nicht hinaus. Da der oberste Gedanke des nationalen Dienstes sie mangels einer einheitlichen Weltleitung nicht einigte und zusammenhielt, hatte lind haben sie für die endgültige Problemlösung nur den Wert der Vorbereitung. Sie sind Vorzeichen einer kommenden Kulturbewegung, die das ganze Volk früher oder später ergreifen wird, in allen seinen Schichten und Kreisen, um letzten Endes Zionismus und Judentum zu identifizieren. Vielleicht liegt in den letzten Worten der Sinn des Ganzen. Das Galuthjudentum ringt in den Wehen seiner nationalen Wiedergeburt um neue Lebensformen, um schöpferische Daseinsgestaltung. Das Volk in der Zerstreuung will ein Volk auch außerhalb Palästinas sein, mit einer Seele, die sich nach außen offentbart, einem Geist, der inmitten anderer Völker schafft, um endlich nicht bloß zu empfangen, sondern auch zu geben und zu spenden. Und Immer mit dem Stern des zionistischen Ideals auf seinem Himmel. Diese einigende, aufrichtende, das Judentum der Zerstreuung belebende, eszu einem Ganzen und Einheitlichen gestaltende Kraft liegt ausschließlich in seiner nationalen hebräischen Kultur. Die Weltunion der Hebräer, die auf der hebräischen Konferenz im Sommer dieses Jahres in Berlin begründet wurde, hat sich nun die Erreichung dieses Zieles zur Aufgabe gemacht. Darüber will ich auf dem bevorstehenden Delegiertentag der Österreich!- DR. S. LOW beseitigt rasch Stottern sowie andere Angst- und Seelenzustände (mitunter binnen wenigen Sitzungen) in seinem Institut, III., Hauptstraße 58, b. d. Rochuskirche, Tel. U 12-2-43 Kostenlose Auskünfte (außer Sonntag) 3 bis 4 Uhr nachm. Bei Erkältungskrankheiten, rtreuittaflf^en, ßt<f)fiföert tinft ttettiSfen jtftft fjgafc Tftbtetteft unilbctltöffen. tdgai treibet bi« £arttfäuic au« utth gefjt bähet bi teil jut SButflel bts tieft«!«. g«ft Sic Sfttett »tat. Sn allen ftpdtftetcn. fßtei« S. 2.4Ö. sehen Zionisten sprechen. Aber schon heute will Ich sagen: Der Baseler Kongreß von 1897 hat die zionistische Weltorganisation geschaffen. Die Berlinc- Hebräer-Konferenz von 1931 *— die Weltunion der Hebräer. Beide sind für das Judentum der ganzen Welt schicksalsbesfimmend. Vor dem Parteitag Der kommende Parteitag muß der Auftakt zu konstruktiver zionistischer Arbeit in Oesterreich sein und den gemeinsamen Nenner herausarbeiten, auf den sämtliche am Palästinaaufbau positiv interessierten Gruppen sich einigen können. Nur SO kann dem großen Werk in Erez Israel trotz der gegenwärtigen Krise gedient werden. In dieser Hinsicht müssen namentlich die Frauen, die Zionistinnen aller politischen Schattierungen, wegweisend und beispielgebend mitwlrken. Der zionistischen Frauenorganlsatiört, WIZO, ist es gelungen, eine Front von rechts bis links innerhalb des Zionismus zu bilden und sie ist. gesonnen, allen Einflüssen zum Trotz diese Einheitsfront aufrecht zu erhalten. Ihr konkretes, konstruktives Schaffen stand ihr stets Über der Zerklüftung der Meinungen. Dieselbe Auffassung muß im gesamten Zionismus zur Herrschaft gelangen. Die Vergrößerung der Mittel und der aktiven Stoßkraft wird dann die Jewish Agency in die Lage versetzen, den Sonderinteressen der Parteien in erhöhtem Maße Rechnung zu tragen. Wo diese Mittel fehlen, bedeutet die Erfüllung der Forderungen einer Seite in der Regel die Vernachlässigung auf der anderen Seite, vor allem auf Seite der wirtschaftlich Schwächeren. Darunter aber leidet das uns allen gleich kostbare Werk des Aufbaues von Erez Israel, den unsere Generation nicht wünschen könnte, wenn sie ihn nicht als eine nationale und soziale Notwendigkeit des jüdischen Volkes empfände. Daher kann dieser Aufbau nicht gegen den sozialen Geist durchgeführt werden, den gerade unser Volk in seinem Besten zu allen Zeiten manifestiert und den Wirtsvölkern unserer Wanderung übermittelt hat. Aktion muß unsere Losung sein, die zum Aufstieg führt. Reaktion Ist Niedergang, der das geschaffene Werk aufheben und vernichten müßte. Dr. Martha Höfmann Territorialverband Die zionistische Organisation ist für das jüdische Volk bis zum Momente der Schaffung des nationalen Heims in Erez Israel — der Ersatz dieses Heims. Zur Austragung der Weltanschauungskämpfe innerhalb der zionistischen Bewegung gibt es nur ein Organ — den Kongreß. Die Zeit zwischen den Kongressen ist der alltäglichen Arbeit für den Aufbau Erez Israels, für die Erziehung der jüdischen Generation und für die Gewinnung neuer Menschen und Kreise für die zionistische Idee gewidmet. Um diese Aufgaben zu erfüllen, muß die zionistische Organisation in den einzelnen Ländern integriere werden. Sie muß ein kongreßähnliches Gebilde für die reale zionistische Arbeit werden. Die soziale Trennung der Judenheit und def Zionisten ist ein natürlicher Prozeß und nicht aufzuhaiten, daher ist die Existenz der weltanschaulichen Gruppen innerhalb der Bewegung unvermeidlich. Sie sind alle gleichberechtigt — der Kampf um die Seelen muß atlen Gruppen freistehen. Trotzdem fordert das zionistische Ziel und das Ideal der Erhaltung des Volkes einen engen Zusammenschluß aller Gruppen, die die Einheit der zionistischen Organisation anerkennen. Die Integrierung der Bewegung ist jedoch nur möglich, wenn sie sich auf Angelegenheiten beschränkt, die allen gemeinsam sind. Nicht gemeinsam ist die Landespolitik im engeren Sinne, weil hier die Weltanschauungen und Interessen sich gegenüberstehen. Gemeinsam sind: 1. der Schekel, 2. die Arbeit flitr die Fonds, 3. die Organisation der Palästinaein Wanderung (Hechaluz, Privatinitiative, Palästinaamt, 4. die Sorge um die Erziehung der Jugend und 5. die Arbeit für die Vergeistigung umerer Bewegung: Verbreitung der hebräischen und jüdischen Kultiwwerte. Form des Territorialverbandes: Alle Föderationen entsenden entsprechend der Zahl ihrer Mitglieder nach einem Schlüssel ihre Delegierten zu einem jährlich stattfindenden Delegiertentag. Die Mitgliederlisten müssen streng geführt sein. Für jedes Mitglied muß ein jährlicher Beitrag an den Territorialverband abgeführt werden. Der Delegiertentag wählt die gemeinschaftlichen Organe zur Durchführung der allen gemeinsamen Aufgaben. Der Territorialverband wird geschaffen werden, weil ihn der Zionismus und die Lebensinteressen des jüdischen Volkes brauchen. Dr. Chaim TartakowWü

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