Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 197 (15.8.1931)
- Date
- 1931-08-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053951--2598-3058041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE STIMME Nr. 107 — 15. Oktober T0W Die literarische „Stimme“ Die Bilder Lazar Krestins Von Will P1 e ß, Berlin. i jüdische Bild, die Darstellung jüdischen Lebens und einer spezifisch jüdischen Gefühlswelt, ist in unserer Zeit selten geworden. Der unaufhaltsame Schritt der Technik, der ungeheure Wandlungsprozeß, den sie allem Bestehenden aufzwingt. Läßt wenig Raum für die Bezirke der Seele, für eine nach innen gerichtete besinnliche Kunst. Aber nur eine solche, in Gemütswerten wurzelnde und der religiösen Sphäre nahe Kunst vermag Szenen von jüdischem Eigenleben, Menschen, die jüdisch erfüllt sind, bildnerisch zu gestalten. Ganz wenige jüdische Künstler der Gegenwart wenden sich noch liier und da diesem Thema zu. Im allgemeinen muß man zu den Werken der vorigen Generation, und hier speziell zu den aus dem Osten gekommenen zurückgreifen, um Bilder rein jüdischen Inhaltes zu finden. In ihnen ist, wenn auch oft ihre Manier und ihr Stil unserer neuzeitlichen Auffassung nicht mehr entsprechen, ein Stück lebendiger jüdischer Wett eingefangen, das verdient, nicht ganz vergessen zu werden. Zu denen, die noch fast ausschließlich ihr Schaffen jüdischen Motiven widmeten, gehört der 1868 in Kowno geborene Lazar K r e s t i n. Seine Bilder erzählen in einer einfachen, unmittelbaren Sprache von dem jüdischen Leben des Ostens. Sie berichten von einer Welt, die jetzt im Versinken ist und versinkend noch den Glanz ihrer sonderbaren Weltentrücktheit und Schönheit zurückstrahlt. Sie beschwören mit ihren bärtigen, sinnenden Gestalten im Dämmer des Beth-Hamidrasch ein ganzes Kapitel jüdischer Geschichte. Sie rühren an die tiefe und unvergängliche Quelle jüdischen Lebens, wenn sie Väter zeigen, die, den Gebetriemen fest um den Arm gewunden, den lauschenden Kindern die Lehre der Urvtäter weisen. Wen ergriffen nicht die im Gebet versunkenen jüdischen Knaben mit den großen, ernsten Augen, die über ihr Werk gebeugten Thoraschreiber, deren Gesicht leuchtet von der Heiligkeit ihrer Arbeit! Diese Bilder vermögen auch dem West-Juden etwas zu sagen, weil sie, wirksam gerade in ihrer rührenden Schlichtheit, urwüchsiges jüdisches Leben einer Epoche umspannen, die trotz unsäglicher Nöte und Zerstörungen im Zuge der neueren jüdischen Geschichte aufbauend und erhaltend war. Mag diese Weit nun vergehen, mag sie halb schon Hlstone sein — sie hat unschätzbare Werte des Judentums gehütet, ja gerettet, die im schnellebigen Westen längst verflacht, verlören wären. Sie hat den «Sabbathfrieden» wie einen kostbaren Schatz uns bewahrt. Wenn zwischen diesen, dem Alltag wundersam entrückten Menschen und uns, trotz aller Zwischenräume und trotz aller Sonderstandpunkte, ein Wechselstrom lebendig ist, wenn wir bei ihrem Anblick fühlen, daß wir Juden sind und sein wollen, so haben wir jener Welt zu danken. Und eine jenseits des Wägbaren liegende Verbundenheit, ein blut- und schicksalbedingtes, unnennbares Gefühl spannt sich von dort nach hier, wenn wir dem Knaben in die jüdischen Augen sehen, der «das Erbe» in den schönen adligen Händen hält, der die Lehre von Jahrtausenden her, unsere Lehre, im Herzen trägt. Den Adel jüdischer Tradition, die Heiligkeit des Gesetzes hat Krestin, nachhaltiger noch und mit einem vom morgenländischen Milieu bestimmten Pathos in den Bildern gefeiert, die er auf seinen Palästina-Reisen schuf. Hier gibt er mit markanten, von stürmischem Schicksal geprägten Gestalten jemenitischer Juden seinen Blättern eine besondere Weilte. Jüdisches Fühlen, jüdischer Glaube wird lebendig in diesen Bildern einer versinkenden Epoche, Freude und Wehmut vergangener Generationen klingen in ihnen auf und schlagen die Brücke von Damals ins Heute. Darum sprechen sie zu uns. Sprechen zu uns, bei all ihrer Volkstümlichkeit und Einfachheit, eine eindringliche Sprache. Und noch von den alltäglichsten Bezirken jener Welt, von heiteren Bildern selbst, wie den plaudernden «Politikern» vor dem Hause, rührt ein Ernst uns ans Herz, das Leid und der Stolz des Judescins, die geläuterte, fast mystische Friedsamkeit von Menschen, die weit gev/andert sind und viel erfahren haben. Ein Brief Max Liebermanns an die Künstlerschaft Erez Israels Max Liebermann hat einen Glückwunschbrief, den ihm M. Disengoff, als Vorsitzender des Vereins für das Museum in Tel-Aviv, im Namen der Künst- Nrschaft Erez Jisraels gesandt hat, mit folgenden eigenhändig geschriebenen Worten geantwortet: Sehr verehrter Herr Direktor! Die freundlichen Glückwünsche zu meinem 84. Geburtstage, die Sie brieflich und telegraphisch zu übermitteln die Güte hatten, haben mich außerordentlich erfreut und ich sage Ihnen und der palästinensischen Künstlerschaft wärmsten Dank. Zwar gibt es nur Kunst schlechthin: sie kennt weder religiöse noch politische Grenzen. Was anderes aber die Künstler, die sowohl durch ihr Vaterland wie ihre Religion miteinander verbunden sind. Und wenn ich mich durch mein ganzes Leben als Deutscher gefühlt habe, so war meine Zugehörigkeit zum Judentum nicht minder stark in mir lebendig. Daher ist es mir eine große Ehre, die Zustimmung der *) in Wien lebt und schafft dieser Meister der jüdischen Malerei — schafft und ringt schwer mit dem Schicksal! Gibt es wirklich keinen jüdischen Mäzen, der sich dieser hohen Kiin stfer.se ha ft annimmt?! (Anm. d. Red.) Künstlerschaft Palästinas in meinem künstlerischen Wirken durch Sie, verehrter Herr Direktor, empfangen zu haben. Zu meinem Geburtstage sandte mir Herbert Eulenberg, ein sehr renommierter deutscher Schriftsteller, sein Buch «Palästina» mit einer begeisterten Würdigung der zionistischen Bestrebungen: was um so bedeutungsvoller ist, als der Verfasser Katholik ist. Wenn ich auch nicht Zionist bin — denn ich bin von einer früheren Generation — so verfolge ich doch die ideellen Ziele, denen er nachstrebt, mit größtem Interesse. Mit dem Wunsche, daß er weiter gedeihen möge und mit dem wiederholten Ausdruck meines Dankes, verbleibe ich Ihr sehr ergebener Dr. h. c. Max Liebermanti. jüdisches Theater Eine ständige jüdische Bühne in Wien Großer Erfolg des Künstlerensembles In der Praterstraße 60 Während die wirtschaftliche Krise in fast allen Ländern die meisten jüdischen Bühnen zur Schließung ihrer Pforten zwingt, wird Wien nun ein ständiges jüdisches Theater haben. Es war sicherlich keine leichte Arbeit. Aber die Begeisterung der jüdischen Künstler für die jüdische Sache hat dieses Werk ermöglicht. Eine Arbeitsgemeinschaft wurde unter Leitung der beiden Fachleute Podzanrcze und Braclavski gebildet, die nicht nur den Juden Wiens ihr Theater schaffen, sondern auch dafür Sorge tragen wird, daß unbekannte jüdische Dichter und jüdische Musik zur Geltung kommen. Im letzten Stück «Sonja» konnte man wieder den amerikanischen Star Raschei Rosenfeld bewundern. Sie versteht es derart das Publikum durch ihre glänzende Spielart mitzureißen, daß die Besucher ganz im Banne der Handlung stehen. Glänzend Frau Glattstein als komische Soubrette und die Damen Braclavska, Zucker und Lehrer. Von den Herren sind hervorzuheben Norikoff, Neuwiirth und Zucker. Norikoff ist ein glänzender Schauspieler, Neuwirth ein musterhafter Liebhaber und Zucker ein hervorragender Komiker. R e i ß m a n n, einer der ältesten jüdischen Schauspieler, ist noch immer Meister seines Faches. Hausknecht verkörpert kleine Rollen mit gutem Erfolg. Am Freitag, den 16. Oktober, gelangt die Komödie «Natascha» mit Musik und Gesang zur Erstaufführung. Das Stück wurde in New York sowohl in jiddischer als auch in englischer Sprache hunderte Male gespielt und dürfte in Wien der Schlager der Saison werden. Das Stück bleibt bis 22. Oktober auf dem Spielplan. Sonntag, den 18. Oktober, Y24 Uhr, Nachmittagsvorstellung bei ermäßigten Preisen. Zur Aufführung gelangt «Minke of Broadway». Ein jüdisches Theater in Berlin Direktor Jitomirsky hat das Theater am Schiffbauerdamm für die Saison gepachtet und wird dort jüdische Operetten und Schauspiele aufführen. Den Anfang macht die Operette «Die Amerikaner Chassene» von Sandler mit der bekannten amerikanischen Schauspielerin Anna Jakubowitz in der Hauptrolle. Auch das übrige Ensemble setzt sich aus namhaften jüdischen Schauspielerinnen und Schauspielern zusammen. In Zukunft werden sich Clara Jung, Isa Krämer und andere Stars der jüdischen Bühne dem Ensemble einfügen. Regie und künstlerische Leitung hat der bekannte russische Schauspieler und Regisseur Michael Rasumny inne. Direktor Jitomirsky hat mit seinem Ensemble bereits in mehreren Theaterzentren ,zuletzt in Paris, kiin-t'vrisciic Erfolge errungen. Literarische Chronik «Berliner Jüdische Zeitung». Soeben erschien Nr. 1 der «Berliner Jüdischen Zeitung» (B. J. Z.), Organ fiir die üesamtinteressen des Judentums». Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Kurt Kramarski. In dem Programmartikel «Ein neues Blatt» setzt sich die neue Zeitung zum Ziel, Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft abzuwehren und dabei neue Wege zu suchen und neue Mittel zu erproben. Die Zeitung will auch dem Zwiespalt im jüdischen Lager, der Vergeudung jüdischer Energien entgegenwirken; sie will unparteiisch, aber nicht ohne Meinung sein. Die letzte Arbeit Arthur Sakhelms. Die soeben erschienene Oktober-Ausgabe des Frankfurter israelitischen Gemeindeblattes enthält die letzte Arbeit des vor kurzem verstorbenen Schriftstellers und Dramaturgen Arthur Sakheim, eine Erzählung aus der tragischen Geschichte seiner Familie. Die Erzählung trägt den Titel «Menschen aus einer anderen Welt» und behandelt die Blutbeschuldigung von Roshana (1659). Sakheim hat die Erzählung kurz vor seinem Tode niedergeschrieben. Max Gabriel 70 Jahre. Amsterdam. Max Gabriel, der über Holland hinaus bekannte Amsterdamer Komponist, Musikdirigent und Theaterdirektor, vollendet in diesen Tagen sein 70. Lebensjahr. Max Gabriel entstammt einer deutschjüdischen Familie. Sein Großvater, Geheimer Sanitätsrat Dr. Samuel Cohn, lebte in Königsberg. 75. Geburtstag von Professor Leo Graetz. Am 26. September beging der bekannte Münchener Physiker Professor Leo Graetz, ein Sohn von Heinrich Graetz, dem Historiker des Judentums, seinen 75. Geburtstag. Er verfaßte eine große Zahl Lehrbücher über Physik; sein Werk «Die Elektrizität und ihre Anwendungen» erschien in 23 Auflagen und wurde in viele Fremdsprachen übersetzt. Das Preßgasgliihliclit trägt nach ihm den Namen Graetzin-Licht. Oberrabbiner Ignaz Ziegler 70 Jahre alt. Prag. Der Oberrabbiner von Karlsbad, Dr. Ignaz Ziegler, begeht dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Dr. Ziegler, der der Autor zweier populärer Werke über die Judenfrage im Werk Romain Rollands und über die «Sittlichen Lehren des Judentums» ist, hat sich in weitesten jüdischen Kreisen der Tschedioslowakei durch die Schaffung des großzügigen und kürzlich seiner Bestimmung übergebenen «Israelitischen Altersheimes» in Karlsbad einen Namen gemacht. Er hat das Altersheim mit Unterstützung des amerikanischen Philanthropen Frederick C. Brown errichtet. Die Auflage jüdischer Bücher in Sowjetrußland. Moskau, 9. Oktober (J. T. A.). Der Zentralverlag fiir nationale Minderheiten wird jetzt liquidiert, die jüdischen Verlage und Druckereien werden dem Staatsverlag einverleibt. Jüdische Verlagssektionen existieren in Moskau, Charkow und in Minsk. Die Minsker jüdische Sektion stellte 1929 150 Druckbogen her, für das Jahr 1932 sind 2000 Druckbogen vorgemerkt. Die Charkower jüdische Abteilung hat 1928 200 Druckbogen hergestellt und wird 1932 4000 Druckbogen in Buchform herausgeben. Die Moskauer jüdische Abteilung hat 1928 200 Druckbogen hergestellt und wird 1932 1000 Druckbogen herausbringen. Hergestellt werden in jiddischer Sprache Lehrbücher, politische Literatur, Belletristik, Kinderliteratur und Literatur für Marxismus und antireligiöse Propaganda. Die Auflage eines jüdischen sehöneistigen Werkes betrug vor etwa drei Jahren noch 2000 xemplare, 1930 erhöhte sich der Auflagendurchschnitt auf 5000 Exemplare. Die wissenschaftlichen Werke werden durchschnittlich in 10.000 bis 12.000, Lehrbücher in 25.000 bis 35.000 Exemplaren herausgegeben. Wichtige medizinische Erfindung eines Wiener Zionisten. In Wiener medizinischen Kreisen erregte lebhaftes Interesse eine neue erfundene Methode zu rascher Heilung von Mageni geschwüren. Es ist dies ein Bestrahlungsverfahren,welches der im Wiener Misrachi tätige Dr. S. Knopfmacher mit durchschlagendem Erfolg bei Patienten, welche sonst einer sehr langwierigen und wenig aussichtsreichen Behandlung sich unterziehen müßten, anwendete. Durchwegs gelang es Dr. Knopfmacher, auch Leute, denen bis jetzt alle möglichen Methoden nichts nutzten, nach kurzer Bestrahlungsbehandlung zu heilen. Auch ins weiteste Ausland gelangte bereits der Name Dr. Knopfmacher, der als strenger Sabbathüter einen Zulauf zahlreicher Patienten aus nah und fern bewältigen muß. Ein Warschauer Rechengenie. Seit längerer Zeit erregt in der polnischen Gelehrtenwelt ein Rechengenie ungewöhnliches Interesse, das unter anderm zehnstellige Zahlen binnen wenigen Sekunden im Kopf multipliziert. Es Ist dies der jugendliche Dr. Sally Finkeistein, für den sich nunmehr auch ausländische Gelehrte interessieren. So ist er vor kurzem von dem hervorragenden Mathematiker Professor Henning untersucht und als ein beispielloses Phänomen erklärt worden. Im Sommer dieses Jahres produzierte sich Dr. Finkelstein auf dem Naturwissenschaftlichen Kongreß in Stockholm und rief geradezu sensationelle Wirkung hervor, Der phänomenale Rechenkünster unternimmt nunmehr eine Tournee nach Deutschland, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Oesterreich, ln Wien beabsichtigt er längeren Aufenthalt zu nehmen, um sich von den dortigen Koryphäen der Psychologie untersuchen zu lassen. Gerhart Hauptmann über jüdische Dramatiker Der «American Hebrew» veröffentlicht in der Neujahvsnummer ein Interview seines Mitarbeiters David Ewen mit dem großen deutschen Dichter Gerhart Hauptmann (der bekanntlich einer religiösen katholischen Familie entstammt). Im Verlaufe der Unterredung erklärte Gerhart Hauptmann, der sich sehr anerkennend über die junge deutsch-jüdische Dichtergeneration aussprach, u. a.: Es sind vor allem die jüngeren Dichter wie Ernst Toller und Franz Werfel, welche heute das gute Drama pflegen. Die Furcht vor dem aussterbenden Theater ist absurd. Man braucht keine größere Versicherung, daß das Theater designiert ist, in der nahen Zukunft zu großen Höhen aufzusteigen, als ein genaues Studium der Dramen von so talentierten jungen Dichtern wie es Toller und Werfel sind. Die Stücke dieser Dichter zeigen, daß das Drama heute besser gedeiht als je zuvor. Ueberdies sind Werfel und Toller heute noch in ihren Anfängen begriffen, sie kämpfen noch mit ihrer Technik, aber sie sind auf bestem Wege. Wenn sie ihre Technik perfektioniert haben — und dieser Tag kann sicherlich nicht fern sein — werden wir das Drama der Kraft und der Originalität erhalten, neues Blut wird dann das ganze Theaterwesen durchziehen und es neu beleben. Gerhart Hauptmann sprach sich sodann über Arthur Schnitzler aus, den er als einen der größten Prosaschreiber unserer Zeit bezeichnete, auf diesem Gebiete sei Schnitzler stärker als in seinen Schauspielen. Schnitzler sei ein Künstler durch und durch und seine Kraft wachse mit seinem Alter. Die Brüder Zweig, führte dann Gerhart Hauptmann zum Schlüsse aus, und Lion Feuchtwanger schreiben mit Kraft, Originalität und Individualität. Ich setze einen großen Glauben in ihr Werk und ihre Zukunft. Ich werde bitter enttäuscht sein, wenn solche Talente wie Arnold Zweig und Lion Feuchtwanger in den nächsten Jahren in ihrer künstlerischen Bedeutung nicht beträchtliche Fortschritte machen werden. Heitere Ecke Mendel wollte, daß sein Sohn Hebräisch lerne und nahm ihm daher einen Lehrer. Als Mendel eines Tages in das Zimmer seines Sohnes trat, hörte er, wie der Lehrer mit seinem Sohne gerade das Kadischgebet lernte. «Halt, haltI» schrie Mendel, «sofort auf hören! Wozu lehren Sie meinen Sohn Kadisch sagen, ich bii doch erst 40 Jahre alt!» «Regen Sie sich nicht auf», — sagte der Lehrer, «Ich wünsche Ihnen, daß es Ihnen vergönnt sein soll, so lange zu leben, bis Ihr Sohn endlich das Kadisch erlernt hat.» Wegen Raummangel entfällt in dieser Nummer die Fortsetzung des Romans von Avlgdor Hamelri «Der große Wahnsinn». 'vi'A