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Die Stimme · 1931-08-15 · Heft 197 (15.8.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 197 (15.8.1931)
Date
1931-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 197 — 15. Oktober 1931 t>iH 5TIMME Seite 7 Der Berliner Polizeipräsident für jüdische Abwehr Unter der Ueberschrift «Grzesinski empfiehlt Selbsthilfe» bringt die «Berliner Jüdische Zeitung» eine Unterredung mit dem Berliner Polizeipräsidenten, in deren Verlauf er die von der «Liga für Menschenrechte» aufgestellte Behauptung, daß die Polizei bei Ueberfällen auf Juden die notwendige Tatkraft vermissen lasse, energisch zurückweist und unter anderem ausführt: «Für mich gibt es keine Unterschiede zwischen jüdischen und christlichen Bürgern. Die gesamte Bevölkerung gegen das politische Rowdytum zu beschützen, ist die Pflicht der Polizei und eines jeden Beamten. Sollten einmal Uebergriffe oder Unachtsamkeiten einzelner Beamter festgestellt werden, so werde ich mit der notwendigen Strenge gegen sie vorzugehen wissen.» Polizeipräsident Grzesinski meinte weiter, die Polizei habe zwar alle Maßnahmen getroffen, um den plötzlich auftretenden Banden sofort entgegentreten zu können. Niemand könne aber in diesen Tagen dafür bürgen, daß in der Viermillionenstadt nicht hier und da kleine Unruhen entstehen. Nur für die Schnelligkeit und für die Energie der Berliner Polizei sei er in der Lage, Bürgschaft zu leisten. Die Frage, ob nicht auch die Juden zu ihrem Teil daran m i t w i r k e n könnten, die Welle des Antisemitismus zu brechen, bejahte der Polizeipräsident durchaus. Er begrüßte die Tatsache, daß die jüdische Jugend entschlossen sei, jeden Angriff mit einer entsprechenden Parade zu beantworten. Ich fahre, fuhr er fort, täglich im Grunewald an dem jüdischen Sportplatz vorüber und freue mit sehr, daß die Juden auch auf ihre sportliche Ertüchtigung bedacht sind. Eine tatkräftige Abwehr ist das beste Mittel, Lausejungen zur Ordnung zu rufen. Im übrigen dürfte es nicht nur die Aufgabe der Juden sein, die Kulturschande des Antisemitismus zu bekämpfen. Dies sei in erster Linie Sache der Nichtjuden, die energisch dagegen Front machen müßten, daß in Deutschland derartige Rassenkriege überhaupt möglich sind. Die jfldiscben Parlamentarier Polens gegen das jetzige Warschau, 5. Oktober. Iin Verlaufe der Aussprache im polnischen Sejm über die Regierungsaktion zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit forderte Deputierter Henry Rosmario im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs radikale Aenderungen im jetzigen Steuersystem, das besonders das jüdische Element zermürbt und ihm jede Initiative zur Teilnahme an einer Wiederbelebung der Wirtschaft raubt. Der Plan der Arbeitslosenhilfe müsse alle Bürger ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens umfassen. In der jüdischen Sphäre ist die Not am schrecklichsten, dringendste Hilfe tut not. Der Handel ist tot, die Handwerker sind ohne Arbeit, die Proletarisierung der jüdischen Bevölkerung hat katastrophale Formen angenommen. Die spanische Republik will das Unrecht an den Juden gutmachen — Erklärung des Justizministers Don Fernando de Los Rios in der Kammer Madrid, 9. Oktober. (J. T. A.) Während der Debatte über die Trennung von Kirche und Staat führte der Justizminister der spanischen Republik, Don Fernando de Los Rios, in der Kammer unter lautem Beifall der Abgeordneten u. a. aus, die spanische Republik wünscht, historisches Unrecht wieder gutzumachen. Die katholischen Abgeordneten mögen sich an die Geschichte der spanischen Kirche und ihre Judenverfolgungen erinnern, Verfolgungen, die in der Judenaustreibung aus Spanien im Jahre 1492 gipfelten. High Commissioner General Wauchope beim König Georg London, 9. Oktober. (J. T. A.) König Georg von England empfing, wie offiziell mitgeteilt wird, General Sir Arthur Grenfell Wauchope aus Anlaß seiner Ernennung zum High Commissioner für Palästina. Der König erhob den neuen High Commissioner General Wauchope in den Ritterstand. Fragen des Zionismus und Antisemitismus auf dem kommenden Vatikankongreß Rom, 9. Oktober. (J. T. A.) Der in kurzem im römischen Papststaat stattfindende, «Wirtschaftsrat» genannte katholische Kongreß wird sich auch mit Fragen des Zionismus und des Antisemitismus befassen. Der letzte Kongreß dieser Art war 1870 abgehalten worden, seither hat Infolge des Konfliktes zwischen Vatikan und Qulrinal ein solcher Kongreß nicht mehr stattgefunden. Auf der Tagesordnung des Kongresses von 1870 stand u. a. auch die Erörterung der Judenfrage. Zwei prominente katholische Priester, deren einer der zum Katholizismus bekehrte Jude Lehman war, unterbreiteten damals dem Kongreß eine Resolution, in welcher der Antisemitikmus vom katholischen Standpunkt gebrandmarkt wird. Die Resolution gelangte nicht zur Abstimmung, weil der inzwischen ausgebrochene Krieg zwischen Deutschland und Frankreich eine plötzliche Vertagung des Kongresses zur Folge hatte. Es heißt nun, daß der demnächst in Rom stattfindende Kongreß die damalige Resolution wieder aufnehmen und zum Gegenstand einer Aussprache machen wird. Auch die Frage des Palästina-Mandates wird zur Erörterung gelangen. Einflußreiche vatikanische Kreise halten es für untragbar, daß Palästina, das Land, in dem die Grabeskirche ist, unter dem Mandat des Staates der anglikanischen Kirche stehen solle. Es Ist zu erwarten, daß auf dem Kongreß die Uebertragung des Mandates an ein katholisches Land gefordert werden wird. Hierbei wird auch die BalfouHDeklarft» Hon fn di« Diskussion gezogen werden. Tante Blanka, II., Praterstraöe 48, II. Stiege, I. Stock, Tür 19. Tel R-44-8-61. Inhaberin und Leiterin: Blanka Hönigsber, staatl. geprüfte Kindergartenpädagogin. Auf Wunsch werden die Kinder abgeholt u. nach Hause begleitet Samstag geschlossen, Sonntag offen. Die österreichischen Katholiken gegen das Hakenkreuz Wien. Der in Wien stattgefundene österreichische Katholikentag wandte sich in einer Resolution in der schärfsten Form gegen den Nationalsozialismus, dessen Lehren und Handlungen in Widerspruch zum Christentum und zur Lehre Christi stehen. In den Ansprachen haben nicht allein der hohe katholische Klerus mit dem Kardinal-Erzbischof Dr. Piffl an der Spitze, sondern auch aktive führende christlichsoziale Politiker die katholische Bevölkerung vor jeder Verbindung mit dem Hakenkreuz gewarnt. Vizekanzler der Bundesregierung Schmitz führte u. a. aus: Die Hakenkreuzbewegung trage ein bloß scheinbares Kreuzesabzeichen, ein Kreuz, das an den Ecken verbogen ist, Symbol dafür, daß die Hakenkreuzler die Lehre Christi verbiegen; kein wahrer Christ kann und darf sich mit dem Hakenkreuz identifizieren. Wer Christ sein und bleiben will, muß es sein, wie Christus es gelehrt. jo Taste Blantßs Stadt üttpst Verbringt toset üebliag frohe Stunden bei Spiel nnd Beschäftigung! Jüdische Politiker auf dem interparlamentarischen Kongreß in Bukarest Bukarest, 4. Oktober (J. T. A.). An dem Kongreß der interparlamentarischen Union, der in der Zeit vom 1. bis 7. Oktober jm Parlamentsgebäude zu Bukarest tagt, nehmen mehrere jüdische Politiker als Mitglieder der verschiedenen Landesdelegationen teil. Am Vorabend des Kongresses fand in den Repräsentationsräumen des Militärkasinos ein feierlicher Empfang für die ausländischen Parlamentarier statt. Dem Empfangskomitee gehört auch der Vorsitzende des Jüdischen Klubs in der rumänischen Kammer, Dr. Theodor Fischer, einer der Vizepräsidenten der rumänischen Kongreßdelegation, an. Von den angemeldeten jüdischen Parlamentariern waren Salomon Grumbach (Frankreich), Baron Elto und Henry Morpurgo (Italien), William 1. Sirovitch (Nordamerika) sowie die Senatoren Dr, I. Niemlrower, Jancu Finkeistein, Dr. Esra Bercovic und die Deputierten Dr. Theodor und Josef Fischer (Rumänien) beim Festempfang anwesend. Die Deputierten D. Robinson (Südafrika), Dr. Moses (Deutschland) und Henryk Rosmarin (Polen) trafen erst im Verlauf des Kongresses in Bukarest ein. Es wird damit gerechnet, daß es anläßlich des Kongresses zu einer Fühlungnahme zwischen den jüdischen Politikern der verschiedenen Länder und zu einer Aussprache Uber jüdische Probleme kommen wird. Die Tagesordnung des Kongresses sieht eine Beratung über nationale oder religiöse Minderheitsfragen zwar nicht vor, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß im Verlauf der Debatte auch die eine Dis Zionistisch« Bstlfkssekisrl Lsopoldstadt gratuliert ihrem Vizepräsloenten Herrn Or. Malr Pals anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Zita Schi) oder die andere jüdische Frage angeschnitten werden wird. Camera obsema Halbasien Der Präfekt des Bezirkes Storojinetz, Cherescu, ein Schwiegersohn des Ministerpräsidenten Jorga, hat ungeachtet des Protestes der gesamten Bukowinaer Judenheit 144 Juden in Wischnitz, die seit zehn Jahren dort in Holzbaracken wohnten, auf die Straße gesetzt. Im Auftrag des Präfekten erschien in der Nacht der von diesem in der fast rein jüdischen Stadt Wischnitz eingesetzte Bürgermeister Dr. Martinescu mit einem Trupp Polizisten und jagte die BaracKeneinwohner, Männer, Frauen und Kinder, halbnackt auf die Straße. Nicht wiederzugebende Verzweiflungsszenen spielten sich ab. Die Evakuierung der Flüchtlinge geschah aus dem Gründe, weil der Stadtrat und Lehrer Popescu es nicht dulden wollte, daß arme Juden in der Nähe seiner Villa wohnen. Diese Nachricht muß jeden Zionisten schamrot machen. Vielleicht dämmert es auch den Revisionisten auf, daß sie und alle anderen Zionisten, die für Palästina nur große Worte übrig haben, Palästina zugrunde richten. Wiener Kultur Die den Namen «Teutonia» tragende Organisation der deutschen Nationalsozialisten in Amerika hielt in diesen Tagen in Chicago ihre erste Jahresversammlung ab. Uebe* 200 Hitler-Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten und Kanadas nahmen an derselben teil. Hauptredner war der zur Konferenz aus Wien eingetroffene Professor Eduard Leonhardt. Jetzt werden die Amerikaner wenigstens wissen, was Wiener Kultur ist. Wofür es in Amerika noch Geld gibt Im abgelaufenen jüdischen Jahre spendeten Juden für verschiedene Zwecke 56,205,870 Dollar, wobei nur Spende» von 50.000 Dollar aufwärts gewählt wurden. Für ausschließlich jüdische Zwecke wurden 30,340.000 Dollar gespendet, für ausschließlich nichtjüdische Zwecke 20,497.120 Dollar. Eine Spende von 1,975.000 Dollar stammt von Daniel Ouggenheimer und dient Zwecken der Luftschiffahrt. Rosenwald spendete 1,000.000 Dollar für eine Schulzahnklinik in Berlin. Eine Kunstsammlung im Werte von 10,000,000 Dollar erhielt das Metropolitan Art Museum von Michael Friedsam. 1,000.000 Dollar gingen nach Rußland für die dortigen «jüdischen» Kolonien. Von den 30,340.000 Dollar, die für ausschließlich jüdische Zwecke gespendet wurden, gingen nach Palästina — was außerordentlich beschämend ist — nur 1,080.000 Dollar, die sich auf Keren Hajessod, Keren Kajemeth und Hadassah verteilen. Gäbe es in Amerika eine gute und starke zionistische Organsation, dann würden sich die oben angeführten Ziffern sehr zu unseren Gunsten ändern. Der Zug des Elends in Wiznitz Der vom «Czernowitzer Morgenblatt» entsandte Berichterstatter gibt seinem Blatt nachstehende Schilderung vom Elend der Flüchtlinge in Wiznitz (siehe unsere Mitteilung in der Rubrik «Camera obscura»): Wiznitz macht den Eindruck eines auferstandenen Friedhofes; als ob die Toten sich aus ihren Gräbern erhoben hätten und durch die Straßen wandeln würden, Hunger und Not prägen sich in den Gesichtern aus. Man kann sich eine Steigerung der Not der Wiznitzer Bevölkerung gar nicht mehr denken. Es ist sehr be* dauerlich, daß die Mitglieder der interparlamentarischen Konferenz, die jetzt in Bukarest tagt, nicht nach Wiznitz eingeladen werden konnten, um zu sehen, was ein menschliches Auge besser nicht sehen soll. Die gesamteuropäische Presse hätte dabei sein sollen, es wäre für sie eine noch nicht erlebte Sensation geworden, Der Korrespondent berichtet dann, daß die Evakuierten, wenn sie obdachlos und verzweifelt durch die Straßen gewandert waren, durch die Polizei gewaltsam ln weit abliegende Elendsbaracken, die schon bisher stark übervölkert waren, gepreßt wurden, so daß mehrere Familien zusammengepfercht in einzelnen Elendsräumen wohnen müssen. Dies sei ein grausamer Hohn, denn die Evakuierung wurde damit begründet, daß die Baracken in der Nähe der Villa des Herrn Chirescu den Anforderungen der* Hygiene nicht ent* ' sprechen. Stuhl Verstopfung. Schöpfer klassischer Lehrbücher für Frauenkrankheiten schreiben, dafl die günstigen Wir- Hungen des natürlichen „Fr«n*'Jos«f“-Bltterwassers auch durch ihre Untersuchungen bestätigt seien. Wenn Mnen unmew minti tfefailf, min* »Ir gerne Aereit, e» 9Ancn, füv $le unneiAlndllcA, diB*«fk drei WomHen üostenios mumummn*en

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