Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 197 (15.8.1931)
- Date
- 1931-08-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 197 — 15. Oktober 1931 Zionistische Wochensc Die ‘Forderungen der neuen xlonisttsehen txekutive an die neue tngiisdie (Regierung JZaftum fofiolows (Hede in der Mingsrvay Malt zu Sondon London, 5. Oktober (J. T. A.). Auf dem ihm zu Ehren in der Ktngsway Hall zu London veranstalteten Empfang hielt N ah um S okolow eine große Rede, in der er die Forderungen der n e u en E x ekutiv e der J ew is h Agency an die Nationale englische Regierung formulierte. Ein neuer 0 e ist müsse in die Palästina-Administration einziehen, diese Administration müsse mit Ernst an die Lösung des jüdischen Problems herangehen. Die Mandatarmacht aber müsse der gesamten Judenfrage in ihrem Zusammenhang mit Palästina ein weitherziges Verständnis entgegenbringen. Sie müsse verstehen, daß der Zionismus eine Lösung der J u d e n f r a ge zum Ziel hat. Eine Alijah im weitesten Sinne müsse vorbereitet werden. Wir gehen nach Palästina, nicht um eine jüdische Heimstätte, sondern eine nationale jüdische Heimstätte zu errichten. Wir verlangen von der Regierung, daß sie mehr als bisher die J ewish Agency zu Rate ziehen soll. Die Regierung müsse die Einwanderung durch Schaffung besserer Bedingungen im Lande fördern. Wir fordern, daß man uns Kronländereien zu Siedlungszwecken gibt, wie man solche Ländereien bereits den Arabern gegeben hat. Wir fordern, daß die Regierung bei öffentlichen Arbeiten Juden in einer richtigen Proportion beschäftige. Wir fordern, daß die Regierung aktiv an dem Aufbau des Jüdischen Nationalheimes mitarbeitet und unsere Institutionen für .Erziehung und öffentliche Gesundheit mit entsprechenden Mitteln fördert. Auch die Einstellung von Juden in die Beamtenschaft, die Polizei und die Landesverteidigungskorps müsse in einer richtigen Proportion erfolgen. Wir fordern auch, daß die Regierung die neue Industrie in Palästina schützt und ihre Entwicklung fördert. Was wir wünschen, ist eine kontinuierliche gradlinige Evolution. Die Beschuldigung, daß die Exekutive den Weg Herzls verlassen hat, ist falsch. Wir wollen das gleiche, was Herzl wollte, aber gebt uns die Mittel hierzu. Wir haben Vertrauen zu der Nationalen Regierung Englands und wir haben Oründe zu einem solchen Vertrauen, wir werden mit dieser Regierung verhandeln. Aber ist das alles? Neint Wir selbst müssen arbeiten. Und dies in Frieden und Einigkeit. Die ganze Welt — noch mehr das jüdische Volk — geht durch eine Krise, unser Appell an das Volk müsse darum eindeutig sein. Das jüdische Volk hat sich gerade in der Zeit der großen Krise zur höchsten Stufe der Opfer auf geschwungen. Wolle man aber einen solchen Ruf an das Volk ergehen lassen, so müsse man alle Parteiinteressen beiseite schieben. Man müsse die Jewish Agency ermutigen, im Namen eines geeinten jüdischen Volkes zu sprechen. S o k o low erklärte, daß er die Führerschaft nicht aus persönlichen Motiven übernommen hat und daß sein Hauptziel die Herbeiführung des inneren Friedens sei. Wir haben, sagte er, die für uns beste Regierung in England, aber wir müssen geeint vor sie treten. Sokotow sprach noch über die praktischen Ziele der neuen Exekutive, die Förderung der Siedlung von Angehörigen des Mittelstandes und von Chaluzim, Erhaltung der hebräischen Kultur basis in Palästina u. a.,m. Zum Schluß drückte Sokolow die Hoffnung aus, daß alle Zionisten und Palästina- Freunde mit Energie und gutem Willen für den Enderfolg des zionistischen Ideals arbeiten werden. Anläßlich den Verlobung unseres lieben Freundes Dr. Mair Pais mit Fräulein Zita Schij gratuliert herzlichst Zionistischer Klub »Reim« Handelsattache Dr. Hausner über Einwanderungsmöglichkeiten in Palästina Warschau, 8. Oktober. (J. T. A.) Der polnische Handelsattache in Palästina, der frühere jüdische Deputierte Dr. Bernhard Hausner, hielt im Rahmen einer Veranstaltung des Instituts für Erforschung der Nationalitätenfragen in Polen einen Vortrag über die Einwanderungsmöglichkeiten in Palästina. Zahlreiche angesehene polnische Politiker wohnten der Veranstaltung bei. Palästina, führte Dr. Hausner aus, liegt an einem Punkte, an dem sich in alten Zeiten die Interessen großer Völker, der Aegypter, Perser, Griechen u. a. m. gekreuzt haben. Die Juden haben niemals ihre Verbindung mit diesem Lande gelöst. Palästina, nicht viel kleiner als Belgien, hat eine Bevölkerung von 850.000 Seelen, während Belgien von 8 Millionen Menschen bewohnt ist. Palästina besitzt zwar keine Bodenschätze wie Belgien, es hat aber immerhin das Tote Meer mit seinen unerschöpflichen Relchtümern an Mineralien und die Tiberiasquellen, die in beste Heilbäder umgewandelt werden können. Die geographische Lage ist günstiger als die irgendeines Landes in der Welt, das Land liegt am wichtigsten Verkehrsweg zwischen Europa, Asien und Afrika. Laut Josephus Flavius wohnten in Palästina zur Zeit des jüdischen Staates etwa 5 Millionen Menschen. Theoretisch könnte diese Zahl auch heute noch im Lande untergebracht werden. Die Elektrifizierung und Bewässerung schafft immer neue Möglichkeiten für Industrie und Landwirtschaft. Die polnischen Juden ln Palästina schaffen ein festes Band zwischen Palästina und Polen. Polnische Produkte, wie Zucker, Schokolade, Textilien, gehen nach Palästina und von dort nach den anderen Ländern des Nahen SraMIMSdllUMNI SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasie IV, reu A 17-3-üUn. A 16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten Abttilunotn für nt£3*Pltl«oh unter Aufsicht des Ehrwürdigen rt&bbioat» der Itrat» ■Wachen Kuitusgemelode Wien \ulozi’«ie'iuno toslenio» IX, ber gasie > XVIlt Währingeritrabe Ostens. Die polnische Regierung hat ein natürliches Interesse daran, die jüdische Kolonisation in Palästina zu unterstützen. Die schwere Lage der Jewish-Agency-Schulen in Palästina Jerusalem, 9. Oktober. (J. T. A.) Die hebräischen Schulen der Jewish Agency, die am vergangenen Sonntag hätten eröffnet werden sollen, sind immer noch geschlossen. Eine Wiedereinstellung der generell gekündigten Lehrer ist noch nicht erfolgt. Die Exekutive der J. A. teilt mit, daß sofort eine Reduzierung des Budgets um 33.000 Pfund gemacht werden muß, wovon 20.000 Pfund auf das Unterrichtsbudget entfallen, eine weitere Kürzung um 8000 Pfund werde nicht zu umgehen sein. Der Direktor des Unterrichtsdepartements J. A. und Mitglied der Agency-Exekutive, Dr. Berkson, hat seinen Rücktritt bekanntgegeben, er wurde aber veranlaßt, wenigstens in der Exekutive der J. A. zu verbleiben. Die Exekutive teilt mit, daß durch die Budgetreduktion die Einheit des zionistischen Unterrichtswesens nicht gefährdet sei, eine solche Reduktion mußte aber vorgenommen werden, weil sonst die landwirtschaftlichen Siedlungen gefährdet sein würden. Jabotinsky hat kein Einreisegesuch an die Palästinaregierung gerichtet W i e n, 9. Oktober. (J. T. A.) Am 16. September hat bekanntlich der frühere Minister Oberst Joslah Wedgwood im englischen Unterhaus an den Kolonienminister die Frage gerichtet, warum die neue Nationale Regierung nicht das Verbot der Wiedereinreise nach Palästina für Jabotinsky aufhebt. Jabotinsky teilt nun der Wiener jüdischen Wochenschrift «Neue Welt» mit, daß er die Bemühungen seines Freundes Wedgwood um Gutmachung des an ihm, Jabotinsky, begangenen Unrechtes zu schätzen weiß, aber feststellen muß, daß er weder an die Palästina-Regierung noch an Minister Thomas ein Ansuchen gerichtet hat. Synagogen in den palästinensischen Kolonien Jerusalem, 9. Oktober. (J. T. A.) Herr Zentier aus Rumänien hat die Jewish Agency benachrichtigt, daß er 350 Pfund für die Errichtung einer Synagoge in Kfar Baruch spendet. — Die große Synagoge, die vom Emergency Fund in Kfar Chassidim mit einem Kapital von 825 Pfund errichtet wurde, ist vor den hohen Feiertagen vollendet worden. Hebräisch ln der palästinensischen Polizei Jerusalem, 8. Oktober. (J. T. A.) Laut einer soeben erschienenen Verordnung dürfen nur jene Offiziere, Beamten und Schutzleute der britischen Abteilung der palästinensischen Polizei befördert werden oder Gehaltszuschläge bekommen, die die Kenntnis des Arabischen und Hebräischen nachweiscn können. Bei Erscheinen der Order fehlte der Hinweis auf hebräisch; auf Anfrage der Jüdischen Telegraphcn-Agentur wurde dieser mitgeteilt, daß selbstverständlich auch die Kenntnis des Hebräischen für die Beförderung Voraussetzung sei, dieser Hinweis sei aus Versehen aus der Verordnung ausgeblieben. Nachtrag zum Fall Bentwich* Bentwich wurde von der Palästinaverwaltung, die hiezu vom Kolonialamt London ermächtigt war, in Pension geschickt, obgleich er einen ganz besonders schwerwiegenden Anspruch auf Schutz und Auszeichnung hatte. Als nach dem Pogrom im Sommer 1929 von arabischen Heißspornen eine Serie Terrorakte gegen prominente Juden (Dr. Ticho usf.) ausgeführt wurden, ging ein arabischer Postbeamter mit dem Revolver auf das Leben Bentwichs los; es war ein glücklicher Zufall, daß Bentwich nur eine leichte Verwundung davontrug. Eine selbstbewußte Regierung hätte sich solchem Terror niemals gebeugt. Wie empfindlich, ja mit welcher Entrüstung wiesen doch die Mitglieder der Simsson-Commission und die gesamte öffentliche Meinung Englands die Beschwerden der Juden zurück, dahingehend, daß die Regierung vor, während und nach dem Pogrom sich ihre Maßnahmen von den meuternden Arabern habe verschreiben lassen. Und nun ein Fall mehr! Bentwich, der Jude, wich den fortgesetzten Todesdrohungen nicht; er wollte auf seinem Posten bleiben. Die englische Regierung aber opferte ihn dem arabischen Terror. Nicht genug daran! Die Tatsache, daß Bentwich, und zwar noch vor Ablauf seiner normalen Amtszeit, pensioniert wurde, hebt sich schroff von jener anderen Tatsache der letzten Zeit ab, daß ein zweiter jüdischer Oberbeamter der Palästinaverwaltung, der berüchtigte Chief-Immigration-Officer Hyamson, nach Ablauf seiner Amtszeit auf eine weitere Periode von fünf Jahren angestellt und überdies, zu Königs Geburtstag, mit einem hohen Orden ausgezeichnet wurde. Zwar haben die Araber auch gegen Hyamson als Judien gehetzt, doch wurde das, reichlich dadurch kompensiert, daß die Erbitterung der Juden gegen Hyamson überwog. Schreiber dieses ist gewiß kein blinder Nachbeter von Bentwich, der ja zu den Parteigängern des Rektors Magnes, zu den Leuten vom Brith Schalom, gezählt wird; sein Verhalten im arabisch-jüdischen Konflikt war so kraß objektiv und seine Schwäche als Oberstaatsanwalt bei Verfolgung arabischer Ungesetzlichkeiten so sinnfällig, daß die Juden ihn mit dem Spitznamen «das getigerte Kamel» beehrten. Dennoch, im Hinblick auf Hyamson, welch ein Unterschied der Charaktere! Denn was immer Bentwich tat, geschah reinen Herzens. Da drängt sich einem das Schmerzenswort auf: «Ach, Patroklus liegt erschlagen und Thersites kehrt zurück!» Und noch eine Lehre für unsere internen zionistischen Beziehungen 1 Bentwich wies höhere, besser bezahlte Posten, welche ihm die Regierung außerhalb Palästinas anbot, zurüok und ließ es auf seine Entlassung ankommen. Ja, er. bleibt als Privatmann in Jerusalem, um an der Universität zu wirken und durch seine Anwesenheit dauernd an den Schwachmut der Regierung zu erinnern. Seht, so handelt ein Mann vom verfenmten Brith Schalom. Wie adeln solcher Altruismus, solche Noblesse den jüdischen Namen! Ein Fingerzeig mehr für uns Zionisten, die Vertreter auch solcher Anschauungen in unserer Mitte, die sich von jener der Majorität abheben, mit Respekt zu behandeln. Der neue Kolonialminister Thomas entschuldigte sich gleichsam Im Parlament damit, daß Bentwichs Pensionierung noch auf Konto des früheren Ministers Passfield gehe. Konnte Thomas das nicht reparieren? Darüber müßten Kenner der englischen Verhältnisse und müßte vor allem die zionistische Exekutive Auskunft geben. ) In dieser Angelegenheit erhalten wir im Anschluß an unseren Aufsatz in der vorigen Nummer nachstehende Informationen von einer führenden Persönlichkeit, die ständig in Palästina wohnt« (Anm. d. Red.)