Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 196 (8.10.1931)
- Date
- 1931-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 196 — 8. Oktober 1931 Zionistische Wochenschau Palästina Verhandlungsobjekt aut der indischen Round Table-Konferenz? Die Nachgiebigkeit der indischen Moslems soll durch Konzes* sionen in anderen moslemitischen Ländern erkauft werden? London, 28. September. In politischen Kreisen ist es kein Geheimnis, daß die gegenwärtig in London stattfindende indische Round Table-Konferenz nicht recht weiter kommt und daß man von englischer Seite bemüht ist, durch Konzessionen auf abseitigen Gebieten die verhandelnden Parteien zu einer Aufgabe des starren Standpunktes zu bewegen. Scharf unnachgiebig zeigte sich bisher die Vertretung der moslemitischen Minderheit in Indien gegenüber gewissen Vorschlägen von seiten der Inder. Nunmehr will e>s scheinen, als ob sich die Vertreter der indischen Moslems gegenüber Kompromißvorschlttgen von seiten der Engländer, die ihnen Konzessionen in anderen moslemitischen Ländern, Palästina eingeschlossen, anbieten, um ihre Geneigtheit zur Schließung eines Kompromisses mit den Indern zu erkaufen, zugänglicher zeigen. Schaukat Ali ist unter den Führern der indischen Moslems derjenige, der solche Konzessionen außerhalb Indiens sogar zu einer Grundlage der Verhandlungen gemacht sehen will, die große Majorität der moslemitischen Delegierten auf der Konferenz steht hinter Ihm. Der einzige indische Moslemführer, der den Intentionen Der Großmutti von Jerusalem will lebenslänglich Präsident des obersten moslemitischen Rates bleiben Jerusalem, 1. Oktober. (J. T. A.) Aus den Kreisen des .Großmufti von Jerusalem ist dem Kolonialamt in London der Vorschlag unterbreitet worden, die demnächst ablaufende neunjährige Amtsdauer des Großmufti von Jerusalem als Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates automatisch, ohne daß eine Neuwahl ausgeschrieben wird, zu erneuern, was faktisch bedeuten würde, daß die Verordnung des einstigen High Commissioner, Sir Herbert Samuel, wonach der Großmufti lebenslänglich Vorsitzender des Rates bleibt, bestätigt wird. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Kolonialamt diesem Vorschlag die Billigung versagt. Es wird erwartet, daß der Wettstreit um das Amt eines Präsidenten des Moslemitischen Obersten Rates, in das 1922 Sir Herbert Samuel den Mufti eingesetzt hat, entbrennen wird. London, 1. Oktober. (J. T. A.) Aut eine Anfrage der Londoner Jüdischen Telegraphen-Agentur beim Kolonialamt über die Möglichkeit einer Neubesetzung des Postens eines Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates wurde eine nur sehr unbestimmte Antwort gegeben. Aus Kreisen des Kolonialamtes wurde darauf hingewiesen, daß Sir Herbert Samuel in seiner Verordnung vom Jahre 1921 den Mufti zum dauernden Präsidenten des Rates ernannt hat. Gleichzeitig aber wurde die Möglichkeit eines Wechsels in diesem Amte zugegeben, da Sir Herbert Samuels Verfügung von seinem Nachfolger Lord Plumer als ungeeignet befunden wurde. Lord Plumer hat eine Kommission zur Revidierung dieser Verfügung eingesetzt, insbesondere im Zusammenhang damit, daß die 1926 stattgefundenen Wahlen zum Obersten Moslemitischen Rat durch das Oberste Gericht deshalb annulliert wurden, weil der Mufti die Wahlen in einer Weise leitete, daß sie nur seinen eigenen Zwecken dienten. Infolge der Uneinigkeit in den arabischen Lagern und des Verhaltens des Mufti konnte die Kommission erst 1927 ihre Arbeit beenden. Damals war es die Absicht der Regierung, die Vorschläge der Kommission zu veröffentlichen, um der moslemitischen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, diese Vorschläge zu diskutieren. Diese Vorschläge liefen darauf hinaus, die Wahl eines Präsidenten des Moslemitischen Obersten Rates alle neun Jahre neu stattfinden zu lassen, Die Unruhen im August 1929 haben jedoch die Veröffentlichung verzögert. Zuletzt wurde diese Angelegenheit wieder aufgenommen und es wird erwogen, die Vorschläge der Kommission zu verwirklichen und noch in diesem Jahre die Neuwahl des Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates auszuschreiben. Es wird als illegal und als unratsam empfunden, daß die Aemter eines Mufti von Jerusalem und eines Präsidenten des j Obersten Moslemitischen Rates in eia und derselben Person vereinigt bleiben. . | Schaukat Alls offenen Widerstand entgegensetzt, ist Sirali Imman, der Sprecher der indisch-nationalen Moslems auf der Konferenz. Sirali imman erhebt schärfsten Einspruch dagegen, daß die indischen Moslems auf der Konferenz irgend etwas anderes als nur innere Angelegenheiten Indiens erörtern. Aga Khan führte in seiner Rundfunik-Rede ungefähr aus: Wir Moslems sind eine weltumspannende Brüderschaft, wir teilen Freud und Leid mit den Moslems in der ganzen Welt, politisch jedoch haben wir kein anderes Land als Indien und keinen anderen Patriotismus als den indischen. Diese Rede Aga Khans verstärkt die auch ln zionistischen Kreisen bestehenden Besorgnisse, daß Palästina in den Rahmen der indischen Round-Table- Konferenz einbezogen werden könnte, noch dazu, ohne daß wir Verhandlungsteilnehmer wären. Wir können uns trotzdem schwer vorstellen, daß England ein Interesse daran haben könnte, die panislamitische Bewegung zu stärken. Die Exekutive verfolgt jedenfalls aufmerksam den Gang der Ereignisse. Nach grossen Worten ein Saules Kompromiss Die revisionistische Tagung in Calais Am 28, und 29. September fand in Calais eine Sitzung des Exekutivkomitees der Union derZionisten-Revisionisten statt. Gegenstand der Beratung waren die nach dem Basler Kongreß 1931 innerhalb der Union entstandenen Differenzen in der Auffassung des Verhältnisses der Union der Zionistischen Weltorganisation, Nach eingehender Behandlung kam es zu einer völligen Einigung. Die Union der Zionisten-Revisionisten .bleibt als eine einheitliche Organisation bestehen. Dem Umstande, daß ein Teil der Mitglieder der Union seine Zugehörigkeit zur Zionistischen Weltorgansation nicht weiter aufrecht zu erhalten gewillt ist, wurde dadurch Rechnung getragen, daß künftighin ein Teil der Mitglieder aus Nichtschekelzahlern bestehen wird. Andererseits wurde vereinbart, daß die Frage der Gründung einer «Unabhängigen Zionistischen Organisation» nicht aufgerollt werden -soll. Die Vertreter des Exekutivkomitees werden die in der Sitzung angenommenen Vorschläge den bevorstehenden Landeskonferenzen der Union zur Annahme empfehlen. Im Dezember 1931 soll eine außer- , ordentliche Tagung des Parteirates stattfinden, der diese Vorschläge zur Ratifikation vorgelegt werden. Der Verkehr mit den Organen der Zionistischen Organisation erfolgt durch die revisionistische Fraktion im A. C. Die Regelung des Verhältnisses der revisionistischen Gruppen zu den zionistischen Landesverbänden respektive Arbeitsgemeinschaften wird auf der nächsten Konferenz der Union erfolgen. In der Zwischenzeit gilt der Beschluß der Basler Konferenz von 1931, demzufolge den revisionistischen Landesverbänden bis zur Konferenz in dieser Frage freie Hand gelassen wird. Diese Meldung der J. T. A, liest sich wie eine parteioffiziöse Aussendung der revisionistischen Union. Wäre die J. T. A.-Meldung wortwörtlich zu nehmen, dann hieße es, daß Jabotinsky auf die Gründung der unabhängigen zionistischen Organisation verzichtet hat, ja, daß er sogar zugestimmt hat, daß über die Frage der unabhängigen zionistischen Organisation nicht weiter debattiert werden darf. Die kommenden Ereignisse werden lehren, wie es mit dieser «völligen Einigung» bestellt ist und ob man die unruhigen Geister, die man im revisionistischen Lager heraufbeschworen hat, zur Ruhe bringen wird. Wichtiger für uns Ist aber die Frage, wie sich nun das Verhältnis der Revisionisten zur zionistischen Weltorganisation gestalten wird. Es wird zwei Gruppen von Revisionisten geben. Gruppe 1, das sind Revisionisten, die lediglich den Schekel zahlen, und Gruppe 2, das sind solche Revisionisten, die nur der revisionistischen Union angehören werden. Für beide Gruppen wird die revisionistische Fraktion im A. C# eine Art Gesandtschaft bei der zionistischen Organisation sein und für beide Gruppen wird das Exekutivkomitee der revisionistischen Union die oberste Instanz sein. Kann nun die Gruppe 1 in iiirer Tätigkeit innerhalb Unserer Organisation unabhängig von Gruppe 2 sein? Und was noch wichtiger ist, kann eich di« Tätigkeit der Gruppe 1 von der bisherigen «Tätigkeit» in unseren Reihen unterscheiden? Man sieht, es wird nur ein «symbolischer» Zusammenhang mit uns aufrechterhalten. Wir danken für die Ehre, wenn sich die Revisionisten, die in unserer Organisation bleiben, so wie bisher aufführen. Wir danken für die Ehre, wenn sie Weisungen unserer Organisation erst dann ausführen werden, falls es das revisionistische Exekutivkomitee erlaubt, und wir danken fiir die Ehre, wenn sie ihre politischen Extratouren nicht einstelien. Es ist leider nur ein frommer Wunsch, daß es in absehbarer Zeit eine disziplinierte revisionistische Fraktion geben könnte. Will aber unsere Organisation nicht Selbstmord begehen, dann sollte die Frage des Verbleibens der Revisionisten in unserer Organisation auch von uns aufgerollt werden, zunächst in den einzelnen Landesverbänden. Wenn wir auch auf dem Standpunkt stehen wollen, daß wir im Interesse unserer Sache Langmut beweisen können, so müssen wir doch nicht ruhig Zusehen, wie unsere Organisation systematisch zertrümmert wird. Wir können von den Revisionisten, die so ungeheuer stolz auf ihr festgefügte» Programm waren — allerdings vor dem Kongresse —■ verlangen, daß sie Farbe bekennen. Ein Teil von ihnen hat das getan, das sind diejenigen, die aus der zionistischen Organisation ausscheiden. Der andere Teil jedoch, der weiter in unserer Organisation bleiben will, bleibt unschlüssig zwischen Tür und Angel stehen. Dieser Teil der Revisionisten soll endlich Farbe bekennen. Eine Fortdauer des jetzigen Zustandes l9t unmöglich für uns und unmöglich für die Revisionisten. Diese Revisionisten sollten Im Rasswlet-Heft Jabotinskys nachlesen, daß es dort heißt: «Wer einer Organisation angehört, muß sich Ihren Normen fügen.» Wir sehen also, daß von einer völligen Einigung nicht die Rede ist, sondern von einer Einigung, die nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Für uns ist das keine Genugtuung, sondern nur ein Grund mehr, nicht müßig zuzusehen, daß unsere Organisation systematisch zugrunde gerichtet wird. Weizmann besucht Palästina auf seiner Südafrikareise Jerusalem, 4. Oktober. (J. T. A.) Wie die JTA erfährt, wird Dr. Chaim Weizmann im Dezember dieses Jahres auf der Reise nach Südafrika, wo er die nächstjährige Kampagne für den Keren Hajessod leiten wird, Palästina besuchen. Seine Ankunft in Südafrika wird in der zweiten oder dritten Februarwo'che 1932 erwartet. Dr. Weizmann spricht im Bach* Saal zu Berlin Berlin, 5. Oktober. (J, T. A.) Dr. Chaim Weizmann, der am Sonntag, den 11. Oktober, in den Kroll- Festsälen von der Jewish Agency in Deutschland begrüßt werden wird, wird am Sonnabend, den 10. Oktober, 8/2 Uhr abends, im Bach-Saal, Lützowstraße* im Rahmen einer öffentlichen Kundgebung der Zionistischen Vereinigung über «Jüdenfrage und Zionismus» sprechen. Einleitende Ansprachen werden halten: Dr. Schmarja Levin, Dr. Aron Barth, Alfred Berger und Dr. Hermann Leiewer. Amerikareise Israel Cohens London, 4. Oktober. (J. T. A.) Im Aufträge der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation begab sich der Generalsekretär der Organistischen Weltorganisation, Herr Israel Cohen, am 1. Oktober nach den Vereinigten Staaten und Kanada. Er wird in allen jüdischen Zentren dieser Länder Reden halten. Die Palästinaregierung gegen Preistreiberei und Münzen* hamsterung > Jerusalem, 4. Oktober. (J. T. A.) Die Palästinaregierung hat eine Kundgebung veröffentlicht, in der gesagt wird, daß Papiergeld und Münzen hinsichtlich ihres Wertes in London völlig gesichert seien, und daß keine Wertdifferenz zwischen Papiergeld und Münzen besteht. Die Regierung warnt vor jedem Versuch, in Palästina durch Ausnutzung der Situation eine Profitmacherei zu betreiben. In der Erklärung heißt es, daß, wenn schon eine Preiserhöhung von Waren, die aus Ländern stammen, in denen die Währung nicht auf dem Sterling basiert, zu rechtfertigen sei, doch solche Erwägungen auf lokale landwirtschaftliche Produkte keine Anwendung finden dürfen. tng. Bernhard Zlmmermann, Mit* glied des CouncU der Jewish Agency, gestorben im Alter von 40 Jahren verstarb ln‘Krakau Ingenieur lkrnhurd Zimincnnami, Mitglied doa Council der Jewish Agency und früherer Vizepräsident der zionistischen Arbeit»* Partei Htstadrutb ln .Westgalizlea,