Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 195 (1.10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DfT* STIMME Nr. 195 — t. Oktober 1931 tdßttin’s pamilidt>Pen5ion ititaiiiiiH, Kafliihii täglich 5-Uhr-lee SENNERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— aulwärts. Zentralheizung, Hießendes Warm und Kaltwasser in tedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27-8-24 schichte Bürgerliche und Sozialisten, Orthodoxe und Atheisten, mit einem Wort, Juden aller Weltanschauungen und Schichten, unter der Devise Herzls zusammengeschlossen: «Wir sind ein Volk, e in Volk.» Dieser Zusammenschluß bedeutete nach dem Verlust unserer Heimat die größte Wendung unserer Geschichte. Unser Volk, das seit Jahrtausenden keine einheitliche Leitung seiner nationalen Politik hatte, nahm nun die Führung seiner Angelegenheiten ln die eigenen Hände. Die Zionistische Organisation wurdedamltzumalleinigenSachwalter des ganzen jüdischen Volkes. Sie ist im Sinne ihres Schöpfers «das Volk unterwegs», gleichsam unser Staat im Exil. Sie hat die A u f g a b e, neben der Religion, vielfach aber auch an Stelle der Religion, durch den nationalen Gedanken das verlorengegangene geistige und moralische Band zu bilden, welches erst aus dem zersplitterten und zerrissenen Judentum der Neuzeit ein geeintes jüdisches Volk wieder schafft. Die Zionistische Organisation ist kein bloßer interterritorialer Verein und auch keine Partei im Judentum, die man je nach Laune einfach verläßt. Der Austritt aus diesem Volksverbande, den sich die jüdische Gemeinschaft als die nationale Organisation, d i e Repräsentantin und Trägerin ihres einheitlichen nationalen Willens errichtete, bedeutete nichts anderes als eine Fahnenflucht und den Versuch, die nach langer Zeit endlich hergestellte nationale Einheitzu sprengen. Und nichts kann die leichtfertigen Zerstörer in den Augen der Geschichte entschuldigen, nicht einmal der durch nichts begründete, Glaube, daß sie an deren Stelle eine andere «unabhängige» Organisation schaffen werden. Diese «neue» Organisation kann den zionistischen Weltverband schon aus dem Grunde nicht ersetzen, weil sie ja selbst nach den Intentionen ihrer Schöpfer nichts anderes als eine einseitig orientierte Partei im Zionismus sein soll. Gewiß, unsere Volksorganisation besitzt keine Brachialgewalt, die einen Zionisten zwingen könnte, ihre Autorität vorbehaltslos anzuerkennen. Um so größer muß unsereEhrfurchtvorder moralischen Majestät und Souveränität des jüdischen Volkes sein. Das freiwillige Joch liebt von Herzen die Einsamkeit und den Hauran. Er gehört zu denen, die vor dem Kriege in Djilin angesiedelt wurden. Man merkt seinem Ton an, wie er leidet. «Es gibt keinen vernünftigen Grund, die Besiedlung des Haurans beiseite zu schieben, Auch freien Boden gibt es genug. Schwierigkeiten? Sicher. Und wo gab es keine Schwierigkeiten und Fehlschläge?» Er kennt den Hauran und seine Bewohner ausgezeichnet. Weder die Fellachen, noch die Beduinen der Nachbarschaft haben etwas gegen die jüdische Siedlung. Die arabisch-syrische Presse würde natürlich Lärm schlagen, aber wenn die Siedler nur kämen und Ehre einlegten, würde es wieder still werden. —• «Wie haben wir in den türkischen Zelten die ersten Kolonien gebaut? Wir haben ja Erfahrung, Gott sei Dank.» Er erinnert sich der Antwort des Barons, als ihm vor dem Kriege arabische Fellachen vorschlugen, eines seiner Dörfer im Hauran gegen ein palästinensisches umzutauschen. — Gar nichts antwortete er, — auf dem Boden des Haurans sollen noch jüdische Dörfer entstehen. Und noch ist es nicht zu spät. In früher Morgenstunde auf der Terrasse seines Hauses legt er sich Rechenschaft ab: «Wozu habe ich gelebt? Welchen Sinn hatte mein Leben? Vierzig Jahre habe ich gearbeitet, für wen und für was? In der Einöde habe ich gesessen. Wozu?» Er weiß, was schuld ist, er weiß es gut, eine Erfahrung von 40 Jahren spricht aus ihm: «Schlamperei, Schlamperei von uns, — weiter nichts.» Wenn er wenigstens an seinem Lebensabend seinen Traum vom Hauran erfüllt sähe, — solange er noch kräftig, gesund, arbeitsfähig ist, — Tätigkeit, nur Tätigkeit, — dann wüßte er wenigstens den Sinn seines Lebens, das er in dieser Einsamkeit verbracht hat. Ich verabschiede mich. Er läßt seinen Blick über das weite Gelände schweifen, Tränen ln den hellen, fcUrea Augeui. der zionistischen Disziplin steht uns über jeder anderen Parteidisziplin. Der angeblichen «Ethik der Unabhängigkeit» stellen wir die zionistische Ethik der gewollten Abhängigkeit von unserem «Judenstaatc» in der Verbannung entgegen. Dieser geistige Staat kann gewisse Mängel aufweisen, die reformbedürftig sind, er kann politische Fehler begehen, aber er ist u n s e r. Nicht als unbeteiligte «Beobachter» und nicht nur «symbolisch» müssen wir zusammen mit jedem Zionisten, ob rechts oder links, in ihm und für ihn den gemeinsamen Kampf für das Recht unseres Volkes führen. Wer ihn verläßt, der stoßt sich selbst aus unserer nationalen Gesellschaft aus. Der Revisionismus muß sich allerdings dessen bewußt werden, daß seine Ideengänge und Methoden nur auf gefährliche Abwege führen. Er muß es lernen, auch im andersdenkenden Zionisten den Volksgenossen und Bruder zu sehen, mit dem ihn, trotz aller «Endzielresolutionen» dasselbe Wollen und Trachten verbindet, mögen über die Mittel und Wege noch so große Meinungsverschiedenheiten bestehen. Er muß verstehen, daß die zionistische Gemeinschaft schon wegen ihrer Freiwilligkeit nur eine demokratische sein kann, in der die Majorität entscheidet, und daß das jüdische Volk sich in seiner Schwäche und abnormalen Lage nie htdenLuxuseines wüte nten Parteikampfes nach dem Muster des politisch kranken Europas leisten darf. Die Revisionisten müssen auch andere Meinungen vertragen können, ohne gleich mit niedrigen Verratsverdächtigungen bei der Hand zu sein; sie müssen endlich den lächer- BUCHERSTUBE H. RATH 3 i2 i’i n I j i j . \iii 11 i.’i 3 :, . i i j Wien, (I., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen ire Original. b*w. geschmackvollen Bihliotheksenband. Außer "den deutschen Büchern auch englische, hebräische, iidd'sche u. Deutsch’judsics in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr MIT S 3.— Keine Bandgebühr liehen Wahn aufgeben, daß sie zionistische «Uebermenschen» sind, die allein das Monopol darauf haben, zu wissen, was Zionismus ist. Die Bücke des jüdischen Volkes und der ganzen Welt sind auf uns gerichtet. Nichts kann ln dieser krisenhaften Zelt unserer nationalen Idee mehr Abbruch tun als rücksichtsloser, innerer Hader und äußere Spaltung. Die Zionistische Organisation darf nicht zum Spielball des unglückseligen Bruderzwistes herabgezerrt werden. Die schwere Verantwortung, die auf unserer Generation vor der jüdischen Geschichte lastet, gebietet es uns, an unserer Grundfeste nicht rütteln zu lassen. Fortschritte der jüdischen Sied« lung in Palästina J e r u s a 1 e m, 24. September (J. T. A.). Durch die Erwerbung weiteren Landes Im Emek Jesreei seitens des Jüdischen Nationalfonds auf dem Hügel von Kumi werden die umliegenden jüdischen Siedlungen vergrößert Zu diesen gehören die genossenschaftlichen Siedlungen von Ejn Cliarod, Gewa und Tel Josef und die Siedlung für Einzelwirtschaften Kfar Jechesklel. Die neu hinzukommenden Ländereien sind von großer wirtschaftlicher Bedeutung für diese Siedlungen. Von zuverlässiger Stelle wird bekanntgegeben, daß annähernd 10.000 Dunam neue Orangenpflanzungen während der letzten Pflanzungssaison von Juden angelegt wurden. firoßfisischbauerei SIEGM. KORN MEHL Zentrale »X, Berggasse Iv, l ei. A u. A 16-9-34 Lleierant ür weilanstahei Abteilungen für lt2?>Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigei, Kaobinat? der israelitischen Kultusgemeinde Wien Auioasusteiturif) (otien.ot «X, Berpgasse ' XVHi, Währinperstraße W Jtus Salüstina Zehn Jahre Ejn Charod Die große palästinensische Kwuzah Ejn Charod beging in diesen Tagen die Feier ihres zehnjährigen Bestehens. In dem zunt erstenmal zugänglichen Speisesaal herrschte festliche Stimmung, etwa 1500 Mann waren anwesend. Eine Ausstellung von Arbeiten der Schulkinder machte den Beinn. Reden von Bin-Uurion und Arlosoroff, von Mitgliedern jn Charods und einiger Nachbarsiedlungen waren eingerahmt von Chor- und Sololiedern. Am Abend wurde Schiionskis «Der Wüste gegenüber», aufgeftihrt. Kalenderreform-Resolutlon des Waad Lettmi Der Waad Leumi faßte in seiner letzten Sitzung eine Resolution, die besagt: Eine Umgestaltung des Kalenders durch Einführung eines Blankotages im Jahr, wodurch die Kontinuität der Woche geändert wird, wird die Basis des jüdischen Sabbath, der im jüdischen Gesetz unabänderlich für ewige Zeiten als siebenter Tag der Woche festgesetzt wurde, erschüttern, andererseits wird eine Reform des christlichen Wochenruhetages, des Sonntags, die jüdische wirtschaftliche Struktur wankend machen. Der Waad Leumi ersucht alle maßgebenden Faktoren, im Interesse der Religion und im Interesse der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit eines Volkes, jeden Plan einer Reform des Kalenders, der die Kontinuität der Woche ändert, abzulehnen. Gesetzliche Sabbathruhe ln Tel Aviv Der Gemeinderat von Tel-Aviv hat einige Verordnungen, betreffend die Durchführung der Sabbathruhe, erlassen. Im Stadtkreise von Tel Aviv müssen alle Geschäfte und Werkslätten an Sabbath* und Feiertagen geschlossen bleiben. Nur den Restaurants und Gaststätten ist es gestattet, an diesen Tagen Speisen zu verabfolgen. {flußfand Propaganda für Konfiszierung Jüdischer Synagogen Die Propaganda jüdischer Kommunisten für Umwandlung jüdischer Synagogen und Bethäuser in Arbeiterklubs und andere soziale Institutionen wurde in Rußland wieder aufgenommen. In zahlreichen Arbeiter- und Studentenklubs werden diesbezügliche Resolutionen gefaßt. — Die in Moskau am 20. September im Kolonnensaal abgehaltehe von 2000 Personen besuchte antireligiöse Massenversammlung faßte einstimmig den Beschluß, von der Regierung die Umwandlung der Moskauer Chor-Synagoge in einen jüdischen Arbeiterklub zu fordern. Für Einbeziehung der jüdischen Massen in idle Industrie Das Arbeiterkommissariat der weißrussischen Sowjet« republik befaßt sich im Rahmen des allgemeinen Staatswirtschaftsplanes mit einem Projekt, betreffend Einbeziehung jüdischer Massen in die Industrie. ln aller Kürze Zur Makkabiah in Tel-Avlv werden nicht, wLa irrtümlich gemeldet, 10.000, sondern nur 2000 ausländische jüdische Sportler erwartet. * Aus der großen Synagoge von AdJud (Rumänien) wurden ln der Nacht zum 20. September eL Thorarollen gestohlen; am nächsten Tag wurde der Gemeinderat aufgefordert, an einem bestimmten Platz 30.000 Lei zu erlegen, worauf die Thorarollen zurückgestellt werden würden. In Budapest wurde zu Rosch Haschanah der neuerbaute Heldentempel zum Gedächtnis der Jüdischen Kriegsgefallenen eröffnet. Es wurde festgestellt, daß die Juden Polens von Ihren Verwandten ln Amerika in den letzten Wochen Insgesamt eine Million Dollars als FeiertagsunterstUtzungen erhalten haben. Nahum Sokolow und Prof. Bro* detsky bei Sir Robert Hamilton Nahum Sokolow und Professor Brodetsky wurden, wie die J. T. A. erfährt, im Unterhause von Sir Robert Hamilton, dem neuen Unterstaatssekretär für die Kolonien, empfangen. E Das Rusterstüberl im Restaurant Mirabell, I., Habsburgergasse 4/0, welches von dem bekannten Restaurateur Mayer eröffnet wurde, ist eines der reizendsten Lokale, welches Wien jetzt aufzuweisen hat. Es werden dort zum Großteile die besten Rüster- Qualitätsweine zu wirklich billigen Preisen verabfolgt und bürgt die Genossenschaft der Ruster-Weinproduzenten für die U n v e r f ä 1 s c h t h e i t und Hochwertigkeit dieser Weint*. Die hervorragende K ü c h e mit den auffallend billigen Preisen ist ein Grund mehr, dieses Lokal kennen zu lernen. Das beliebte Quartett «Raffeis, Maurer, Hajek mit Frau Rosl Baumann» sorgt für einen tatsächlich gemütlichen Abend. Tüchtige hebräische Lehrerin erteilt Privatunterricht In Hebräisch u. TJH nach besonderer Methode. ln kürzester Zeit vollkommene Beherrschung der Sprache. Auskunft; WALZER, II. Taborstraße Nr. 43, Telephon A-49-2-48 „Gozeta Warszawska“, das Organ der Nationaldemokraten Polens, veröffentlicht einen Artikel des Sejmdeputierten Jan Korneckl, der die Einführung des Numerus clausus an den polnischen Hoch- und Mittelschulen fordert Unsere geschätzten Leser werden auf die Jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R-41-4-20. B Die Organisation Zionistischer Frauen Oesterreichs spricht ihrem Leitungsmitglied Frau Salomea Rottenberg anläßlich des Ablebens ihrer Mutter das tief gefühlte Beileid aus.