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Die Stimme · 1931-10-01 · Heft 195 (1.10.1931) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 195 (1.10.1931)
Date
1931-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 105 — 1. Oktober 1931 OIE STIMME Seite 3 *v Klavierunterricht erteilt staatl. gepr. K'averr IdcgORln (mit Matjtat io und außer Haut Lette Ederer Wien, XX., Xe r l«Meitl«Str eie 4, II. Steck, Tür S« Ungeahnte @rleid)ferimg SBieberbelebung be§ gefeinten Organismus befohlen bei SlterSerfdjeinungen, lute ®enom* ntenljciL Sdjroinöelgefübl, Äopfidjmerien, Atemnot, gidjtiidje unb rbeumotiidje ©efdjfoer&en, bie äratlid) empfohlenen, fretnerfäuflidjen SRabtofflertn*Xabletten. SRabiumljaltißef SRabiofflcrin förbert bie SMutiiirfuIation, terleiht beit Slbern bie notfoenbige Glaftitftat unb beugt baburdj ßalfablagerungen unb ben bamit jufammenljängenben SUterSerfdjcinungen bor. Siabiumgebnlt amtlidh geprüft, ©eneralbepot unb SluSfunft: Slpotljefe SB aper, 5Bieit, I., SöoH^cile 13. ^ßrofpefte groliS unb fronfo. Zionistische Trennungsorthodoxie Von Dr. Michael Steinberg Wer die egozentrischen Oedankengänge und die destruktiven Kampfmethoden des Revisionismus in der letzten Zeit aufmerksam verfolgt hat, wird Uber seine unausbleibliche Entwicklung zu einem gefährlichen Spaltpilz am zionistischen Bau kaum sehr Überrascht sein. Seit Jahr und Tag wurden leichtgläubige Gemüter mit schönklingenden, aber nur wenig mit den gegebenen Realitäten rechnenden Worten geradezu aufgeputscht, Andersdenkende als Neuassimilanten und Verräter geschmäht und beschimpft, die Zionistische Organisation und ihre schwer ringenden FUhrer in böswilliger und kleinlicher Art bekrittelt und in den Kot gezerrt. Seit Monaten wurde die «Eroberung der Macht» angekündigt, ein nationales Revoluzzertum gezüchtet und eine beispiellose Selbstberauschung an der Phrase betrieben. Politische Extratouren wurden mehrfach unternommen, wobei man gleichzeitig verkündete, daß die Zionisten nicht der Zionistischen Organisation, sondern ausschließlich ihren eigenen Sonderverbänden Disziplin schulden. Wie soll man nun, nach dem Kongreß, der ja mit einem unbestreitbaren Eklat des Revisionismus endete, die enttäuschten Parteigänger zu einer geordneten Zusammenarbeit mit den «Nichtmehr-Zionisten» zurückführen; wie soll man gar jetzt die berühmte Geste des Zerreißens der Kongreßkartc nur plausibel machen, ohne der Inkonsequenz geziehen zu werden? Inzwischen hat man aber noch eine, jedem Einsichtigen freilich längst bekannte Tatsache entdeckt: «Wäre der Zionismus» — sagt Jabotinsky — «ein Staat und ginge es darum, die Macht physisch an sich zu reißen, dann wäre es viel einfacher. Physische Revolutionen erfordern keine Majorität; wer die Kraft hat, der regiert».*) (Ja, wenn man könnte, wie man möchte!) Es ist also bis zur «Eroberung der Macht» vorläufig noch ein weiter Weg. Und noch etwas ganz Neues: «Niemand ist» — schreibt V. J. — «verpflichtet, der Zionistischen Organisation beizutreten, aber wer diesen Beitritt freiwillig vollzogen hat, der hat sich selber zur Wahrung ihrer Normen verpflichtet. Entweder ist die selbständige politische Tätigkeit des Revisionismus unzulässig,, oder aber die Union der •) Siehe «Rassviet» vom 30. August 1931, Seite 2. Zlonisten-Revisionisten bildet keinen Teil der Zionistischen Organisation».**) Die Revisionisten sind also, wie leicht vorauszusehen war, in eine Sackgassegeraten. Wer aber erwartet, daß diese etwas späten Erkenntnisse zur endlichen Ernüchterung und schuldbewußten Einkehr führen, die unhaltbaren Parteidogmen revidiert und die verfehlten Kampfmethoden den nun einmal vorhandenen Verhältnissen angepaßt werden, der ist in einem Irrtum befangen. Das hieße doch — Gott bewahre — seine zur Schau getragene Unfehlbarkeit aufgeben. Daher die Sucht nach dem «schönen Abgang» und nach der Raketenwirkung des Austrittes. Um «ideologische und ethische» Argumente ist man selbstverständlich nicht verlegen; für welche parteipolitische Verbrechen hat noch nicht eine zungen- **) Seite 35 ibidem. Massen-Mecting der Zionistischen Verbände (Allgemeine Zonisten, Demokratischer Verband, Zionistische Frauenorganisation WIZO, Hitachduth, Misrachi, Poale Zion, Radikaler Verband). DIENSTAG, den 6. OKTOBER 1931, präzise 8 Uhr abends. Großer Saal des HOTEL CONTINENTAL. II.. TABORSTRASSE 4 Tagesordnung: „Palttsiina und wir“. Es sprechen u. a.: Frau Blanka Pedern-LIpschütz, Prof. Arthur Freud. Dr. Oskar Grttnbaum, Dr. Leopold Plaschkes, Mendel Singer. Juden, erscheinet In Massen ( Im Hauran Von Asis E f f e n d i In der hebräischen Tageszeitung; «Davar» finden wir diese stimmungsvolle Skizze über Hauran, einen Teil Transjordaniens der für die jüdische Arbeit zu erschließen wäre. Der Frühling in den Bergen geht zu Ende, der grüne Teppich, der die felsigen Berghänge bedeckt hatte, wird unter dem Einfluß der von Tag zu Tag heißer glühenden Sonne graugelb. Der Hirte fängt an, um seine Tiere, wie um sich selbst zu sorgen. Die Wanderung beginnt. Wir ziehen nach dem Hauran. Hauran, Hauran, H-a-u-r-a-n! Wer kommt dir gleich! Der Segen Allahs ruht auf dir. i Rechteckige Felder, hohes, fettes Getreide, das Auge trinkt die weiten Flächen und Horizonte, Stille und Ruhe senkt sich in dein Herz, bemächtigt sich des ganzen Körpers. Im Osten: der Berg der Drusen, im Süden: die Hochflächen Gileads, im Westen: der Galil, und im * Norden: der alte schneebedeckte Hermon. Das Blut singt in den Adern, singt lautlos. * Unaufhörlich beunruhigen die Hauran-Kamelhirten die Luft mit ihrem wilden Geschrei. Sie haben Sorgen nur dann, wenn ein Kamel krank wird. Früher, erzählen sie, haben alle Kamele den Juden gehört, die Araber hatten keine Kamele und fingen mit den Juden Krieg an. Der Krieg war schwer, die Juden wurden gescwlagen, und die Araber nahmen ihnen alle ihre Kamele und Ihren Besitz, bedrückten sie, bis sie über das Meer flohen, und seitdem haben die Juden keine Kamele mehr. Aber — o weh, — es gelang ihnen nicht, den Juden das «Rezept», das medizinische Geheimnis zu entreißen, und so ist es heute noch in dem Besitz der Juden. Ein Jude braucht einem Kamel nur eine Anzahl Worte ins Ohr zu flüstern, und es wird, wenn es auch lehr gefährlich krank war, sich gesund aufrichten. Wenn zufällig ein Jude zu den Kamelhirten kommt. drücken sie ihm ihre Freude aus: «Bitte, tritt ein!» Und er muß ihnen irgend ein «Rezept» geben, schwarz auf weiß, sie kochen es in Wasser, geben es dem kranken Kamel zu trinken, und es wird gesund. Dann geben sie dem rettenden Juden reiche Geschenke aus ihrem kleinen Besitz: Wüstendatteln oder Kamelmilch. Manche Stämme und Familien haben ihren besonderen Juden in Damaskus, der gegen Bezahlung ihre Kamele «behütet» und sie jedesmal warnt, bevor «gefährliche» Zeiten kommen, die er kennt und die er mit den Geheimnissen seiner Rezepte und Zaubersprüche abwehrt. Dieses Land hier, so erzählen sie, hat früher einmal den «Kindern Jisrael» gehört, das sind die Juden von heute. Und wo waren seine Grenzen? Weit, weit im Osten, in der Wüste, und in ihrer Hand lag die Herrschaft Uber das ganze Land. Sie waren Riesen und Helden — die Wüste gehörte ihnen. Tapfer waren sie, einmal, vor langer Zeit, es gab im Lande keine tapfereren Helden als sie. * Ein Fellachendorf im Hauran, Lehmhäuser, die wie eine kahle Stelle in den schönen sie umgebenden Getreidefeldern wirken, — ohne Baumschatten, ohne Garten, der Geruch von verbranntem Mist dringt beizend in die Nase. Im Hause des Scheichs sitzen die Vornehmen des Dorfes und ein paar Gäste rauchen Nargileh, trinken bitteren Kaffee und erzählen von der Herrlichkeit des Hauran-Bodens. Die Alten, die den Galil und die Jordanebene schon kannten, bevor es dort jüdische Siedlungen gab, als dort noch alles öde und wüst lag, erzählen rühmend von den Plantagen, den Weinbergen, den Wäldern, den schönen Häusern, den Maschinen und fügen hinzu: wenn dieser Boden hier, der gesegnete Hauran-Boden, den Juden gehörte, würde man ihn nach ein paar Jahren nicht wiedererkennen. Weinberge und Plantagen würden sie pflanzen, Rassenkühe einführen — es gibt keine solchen Kerle in der Welt wie die Juden. — Es gab auch im Hauran einmal eine kleine jüdische Siedlung, die aber schon vor dem Kriege aufgegeben wurde. fertige Phraseologie und ein verblendeter Fanatismus jederzeit ein ideelles Mäntelchen gefunden? Sollen wir uns mit den Einzelheiten der fadenscheinigen «Begründung» auseinandersetzen? Nein, denn sie sind alle auf einen Generalnenner zu bringen: die den Ueberradikalen aller Völker und Richtungen eigene Unduldsamkeit und Unversöhnlichkeit; überheblicher Eigendünkel, der sich selbst zum alleinigen Hüter und Helden des nationalen Gedankens ernennt; maßlose Uebertreibung der vorhandenen oder eingebildeten Gegensätze, ein durch die parteipolitische Brille verdunkelter Gesichtskreis, der die eigene Partei zum Götzen Uber die Gesamtheit erhebt; geistige Herrschsucht, die jede Achtung vor der Meinung des andern verbietet. Sie beinhalten alle letzten Endes den einen Grundgedanken: «Sie haben gegen unsere Resolution gestimmt, darum sind sie keine Zionisten mehr und wir haben mit ihnen nichts weiter zu schaffen.» Und dennoch, dürfen wir dieser blinden Selbst« zerfleischung und diesem ungezügelten Vernichtungswahn gegenüber gleichgültig bleiben? Müssen wir nicht die jüdischen Massen, die man im Statutenprojekt als «Wähler» zu ködern sucht, aufrütteln und ihnen zum Bewußtsein bringen, welch ungeheuerlich« Freveltat am jüdischen Volke und am jüdischen Einheitsgedanken hier begangen werden soll? Seit fast zweitausend Jahren lebt das jüdische Volk ein Leben der bitteren Verbannung, der weltweiten Zerstreuung und der inneren Zersplitterung. Während dieser langen Galuthnacht hat es jeder einheitlichen, die Juden der ganzen Welt umfassenden Organisation entbehren müssen. Trotz alledem hat das Judentum bis zum neunzehnten Jahrhundert seine geistige und nationale Einheit bewahrt, weil die Religion das moralische Band bildete, welches den zerschlagenen nationalen Körper zusammenhielt. Es kam aber dann die unglückselige Zeit deir bewußten Assimilation, des Verleugnens der nationalen Zusammengehörigkeit, der würdelosen Selbstzerstörung. Gleichzeitig büßte auch die jüdische Religion ihre beherrschende Rolle im jüdischen Leben fast vollständig ein. Das Band warzerrissen und es drohte der Zerfall und die Auflösung. In diesem Moment höchster nationaler Not erschien der befreiende Gedanke des Zionismus, dem der Genius Herzls die Zionistische Organisation als sichtbaren Körpef schuf. In der Zionistischen Organisation haben sich zum ersten Male in unserer Galuthge- «Die Moskober*) sind tüchtiger als alle, — tapfer wie die Beduinen und mehr als sie, das sind Kerle, die Moskober.» Der arme «Charat», der das ganze Jahr arbeitet, erhält dafür den vierten Teil des Ertrages, ganz gleich, ob er groß oder klein ist, — und das genügt ihm zum Unterhalt für die Zeit, da es keine Arbeit gibt. Wenn Juden kämen, um sich hier anzusiedeln, «dann würde Allah in seiner Güte reichlich für alle Nahrung hervorbringen.» Nur ein Städter, der die Welt kennt, manches gelesen und gehört hat, zwinkert mit den Augen: «Palästina ist genug für sie, mögen sie dort bleiben.» «Und was hast Du für Angst, Du Stadtmensch? Was stört es Dich, wenn die Juden herkommen und aus dem Boden so viel mehr Ernte hervorlocken als die Fellachen, diesen gesegneten Boden in einen Fruchtgarten umwandeln?» Und wenn man die Fellachen fragt: «Warum macht ihr das Feld nicht von den paar Steinen frei? Arbeit von ein paar Tagen, und der Boden ist sauber?», so antworten sie: «Wir machen es wie unsere Väter und Großväter.» «Eure Großväter haben keine Hosen getragen, — warum tut ihr es?» «Wenn einer ein Esel war, — muß es auch sein Sohn und sein Enkel sein?» Da lachen sie. «Vielleicht sollen wir unsere Kinder noch lehren zu arbeiten, wie die Juden?» Diese Juden, die Moskober, haben ein Herz von Eisen, vor nichts fürchten sie sich, sie hassen das Nichtstun; in ihrem Kumpanije**) arbeiten alle, groß und klein, — tüchtige Kerle. Tüchtig. * Einen einzigen Juden gibt es Im Hauran. Er Ist schon alt, hat sein Leben größtenteils hier verbracht. •) Moskobi, Bezeichnung für den Aschkenasischen Jude« ••) Kwuuk

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