Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 195 (1.10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 195 — 1. Oktober 1631 Nach dem Urteil Aber die Berliner Pogromisten Aut 25. September, gegen 4 Uhr morgens, sprach, wie wir bereits kurz berichtet haben, das Schnellschöffengericht Charlottenburg das Urteil gegen die Mitglieder der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, die bei dem antisemitischen Exzeß am 14. September abends, von der Polizei festgenommen wurden, und denen eine direkte Beteiligung nachgewiesen werden konnte. Verurteilt wurden wegen einfachen Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Aufreizung zu Gewalttat und Kiassenhaß der Angeklagte Kuhns zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, Schubert zu einem Jahr fünf Monaten Gefängnis, Utpott zu einem Jahr einem Monat Gefängnis, die Angeklagten Merker, Student Soy, Tedke, Riedel, Kuhn, Ponke, Koch und Gewehr zu je einem Jahr drei Monaten Gefängnis, die Angeklagten Bonin, Schulz, Paw* lick, Bartz, Tahvier, Dziemin, Machaiat, Mildenbruch, Hecke, Angerstein und Scheffler zu je einem Jahr Gefängnis, die Angeklagten Schußberger, Friske, Couvrcux und Mannsdorf zu je neun Monaten Gefängnis. Nur ein Angeklagter, Meede, wurde wegen schweren Landfriedensbruchs zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte für die meisten Angeklagten Zuchthausstrafen für schweren Landfriedensbruch beantragt. Das Verfahren gegen den Jungstahlhelmführer Brand wurde abgetrennt und in das ordentliche Gerichtsverfahren unter Aufrechterhaltung der Haft übergeleitet, da das Gericht den Tatbestand hier noch nicht für hinreichend geklärt hielt. Das Auto des Angeklagten Kühns wird eingezogen. Weiterhin verkündete das Gericht den Beschluß, daß den Verurteilten keine Bewährungsfrist .zuerkannt wurde und daß alle Haftentlassungsanträge, soweit Verurteilung erfolgt ist, abgelehnt wurden. Sechs von den Angeklagten wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Verdammung der Taten der Angeklagten durch Staatsanwalt und Gericht Nach Schluß der Beweisaufnahme hielt Staatsanwaltschaftsrat Stenig sein Plädoyer und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß es sich bei den Ausschreitungen auf dem Kurfürstendamm ohne Zweifel um Gewalttätigkeiten mit antisemitischer Tendenz gehandelt habe, und daß geplant war, das jüdische Neujahrsfest zu stören. Es sei bezeichnend, führte er weiter aus, daß die von . der Verteidigung geladenen Entlastungszeugen nichts von den judenfeindlichen Rufen gehört und nichts von den Exzessen gesehen haben wollen: ein klassisches Beispiel dafür, wie leichtfertig heute junge Menschen es mit ihrer Eidespflicht nehmen. Die Fanatisierung habe einen so hohen Grad erreicht, daß alle Moral wanke. Es werde jeder Eid geschworen, der nötig sei, um einen Kameraden herauszureißen. Staatsanwaltschaftsrat Schade erklärt in seinem Plädoyer, die Staatsanwaltschaft stehe auf dem Standpunkt, daß Arabischer RumptkongreS beschließt Non-Cooperation Von 750 eingeladenen Notabein kommen 250 J e r u s a 1 e m, 22. September. (J. T. A.) In Nablus begann heute nachmittags die Tagung des Arabischen Kongresses, der eigentlich nur ein Rumpfkongreß Ist, da von den 750 eingeladenen arabischen Mandataren und Notabein nur 250 an dem Kongreß teilnehmen. Die gesamte arabische Opposition ist auf dem Kongreß unvertreten. Dieser Rumpfkongreß nahm eine Resolution an, in der ausgesprochen wird, daß die Araber Jede Zusammenarbeit mit der Regierung so lange verweigern werden, als nicht dem Lande eine absolute Unabhängigkeit gewährt wird. Auch wurde beschlossen, alle importierten Waren, die nicht aus arabischen Ländern stammen, zu boykottieren. Der Kongreß nahm auch eine Resolution an, die dahin lautet, daß eine Verständigung mit den Zionisten Unsere geehrten M bonnenfen, die ihre im Chtaber füttigen 0exuisie6flfkcen bisher nicht ßemähtt haben. lassen n? r diese« Sage (fosterlagstheine mugehen. Wir bitten, uns unsere /Irbeit mu erreichtem u. die ‘Betrüge mÖg~ Hebst sogleich auf unser Jtonto abmu fahren. Administration „ßie Stimme" von den Autos aus ein bestimmter Einfluß auf den Gang der Ereignisse ausgeübt worden sei. Es liegt eine Verrohung politischer Sitten vor, die das Ansehen des deutschen Volkes als Kulturstaat schwer schädige. Deshalb müsse auf die Tat eine schnelle Sühne folgen. Die drei Verteidiger der Angeklagten bemühen sich, darzulegen, daß den einzelnen Angeklagten eine strafbare Handlung nicht nachgewiesen sei. Sie beantragen Freispruch sämtlicher Angeklagten. Die Ausführungen des Verteidigers R.-A. Harnack veranlassen den Vorsitzenden Landgerichtdirektor Schmitz zu folgender scharfer Erklärung: «Sie sprechen hier vom Sonderschutz einer Rasse, während das Gericht hier nur bemüht ist, die Unverletzlichkeit der Person und des Eigentums zu schützen. Ich sage es Ihnen gleich: Durch Ihre Ausführungen könnten Sie nur erreichen, daß das Gericht zu härteren Strafen kommt, als es vielleicht sonst der Fall gewesen wäre. Sie vernichten den erzieherischen Einfluß der Gerichtsverhandlung auf die Angeklagten, die zum größten Telle noch ganz junge Leute sind.» In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Schmitz aus, daß es sich bei den Tumulten auf dem Kurfürstendamm offensichtlich um planmäßig vorbereitete Exzesse gehandelt habe, die aber unter der Tarnung der Unauffäliigkeit inszeniert worden seien. Es sei gänzlich abwegig, etwa davon zu reden, daß von irgendeiner anderen Seite provoziert worden sei, obgleich der Zeuge Dr. Mutz derartige Auslegungen unter seinem Eid gespacht habe. Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung besteht für das Gericht durchaus die Möglichkeit, daß Graf Helldorf und sein Stabsführer Ernst von ihrem Auto aus durch Zurufe die Tumulte organisiert und gelenkt hatten. Deutschland, fuhr der Vorsitzende fort, ist gerade wegen seiner schlimmen politischen Lage darauf angewiesen, in besonderem Maße Disziplin zu halten. Wir müssen uns klar darüber sein, daß, wenn eine Partei es unternommen hat, den Winter sozusagen als «Saison für Unruhen» zu eröffnen, dann das Gericht des Staates die «Saison mit Strafen» eröffnen muß. Der letzte Verhandlungstag brachte noch ganz unerwartet die Vernehmung des Oberführers der Berliner S.-A. Graf Helldorf und seipes Stabsleiters, Erpst, dje von ihrem Aufenthalt in München zurückgekehrt wären und sich dem Gericht gestellt hatten. Es herrschte der Eindruck vor, daß sich die Führer bei Hitler Instruktionen für ihr Verhalten vor Gericht geholt hatten. Helldorf und Ernst wurden nicht als Angeklagte, sondern als Zeugen vernommen; sie werden sich als Angeklagte vor einem eigenen Schnellschöffengericht, das am Freitag Zusammentritt, zu verantworten haben. Die beiden haben natürlich alles geleugnet. so lange nicht möglich sei, als die Zionisten auf ihren Grundsätzen und Zielen beharren. Eine Resolution, der Eintreibung der Steuern passiven Widerstand entgegenzusetzen, wurde zurückgezogen. Der Großmufti von Jerusalem ist nicht anwesend, aber Jamal Hussaini vertritt die Ansichten der luftigruppe. ln Palästina wird dieser Kongreß nur als ein Kongreß der extremistischen arabischen Gruppen angesehen. Die Opposition innerhalb der arabischen Exekutive, die au! dem Kongreß nicht anwesend war, ist gegenwärtig dabei, ihre Anhängerschaft straffer zu organisieren. Die politische Kommission des Völkerbundes nimmt den Palästinaiiericht an Genf, 22. September. (J. T. A.) Der Berichterstatter über die Mandate ln der Sechsten (Politischen) Kommission des Völkerbundes, der Norweger Lange, unterbreitete heute der Kommission seinen Berichtsentwurf, der der Völkerbundsversammlung zur Annahme vorgelegt werden soll. Hinsichtlich Palästinas bemerkte Lange, daß die Ordnung ln Palästina seit den Unruhen im August 1929 nicht mehr gestört worden ist. Daran knüpft Lange die schon von der Mandatskommission und dem Völkerbundsrat ausgesprochene Hoffnung, daß die Anstrengungen der Mandatarmacht, die Einwanderung von Juden in Palästina zu erleichtern, ohne daß dabei die Rechte der arabischen Bevölkerung verletzt werden, von Erfolg gekrönt sein werden. Die Sechste Kommission des Völkerbundes nahm den Bericht Langes an. I Oie zion. Sektion Pra.er 1 I spricht ihrem verehrten Vorstandsmitglied fl ■ Herrn Dr. David Kreppei und Gemahlin zum fl H Ableben Ihres einzigen Töchterleins ihr fl H tiefstes Beileid a s jfl Das paiästinensefte Piuiitf und die Währungskrise Die palästinensische Währung macht gegenwärtig eine Bewegung ln dem gleichen Verhältnis wie das englische Pfund Sterling durch. Das macht sich gegen« über dem Auslande insofeme bemerkbar, als im Verkehr mit Aegypten und Syrien, den Ländern, mit denen Palästina in einem intensiven Handelsverkehr steht, Idas palästinensische Pfund zu dem gleichen Kurs wie das englische Pfund Sterling umgerechnet wird; im inlande ist die Wirkung die, daß eine starke Nachfrage nach Gold-Sovereigns, besonders unter den Fellachen, die Goldmünzen hamstern, herrscht. Dies hat zunächst zur Folge, daß die Preise für Nahrungsmittel und andere Bedarfsartikel um 10 Prozent gestiegen sind. Die Großhändler zögern, Handelsgeschäfte auf Dauer zu tätigen. Verurteilung der Nablus-Agitatoren ' Jerusalem, 22. September (J. T. A.). Der englisch* Polizeirichter Cressal sprach heute gegen die drei Agitatoren, die in der arabischen Versammlung in Nablus am 31. Juli die Bevölkerung unter Hinweis auf angebliche jüdische Waffenlager in einer Weise aufhetzten, daß es dann zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei kam, das Urteil aus. Jamal Kassim wurde zu 200 und Dr. Sidki Malhus zu 100 Pfurtd Sterling Geldbuße verurteilt, wobei sie der Richter als «politische Schwindler» erklärte. Den Scheich Abdein sprach er mit der Begründung frei, daß er ein Ignorant sei und selbst nicht wußte, was er sprach. Richter Cressal sagte, es wäre eine Vergeudung öffentlicher Mittel, «irregeführte Nullen» ins Gefängnis zu schicken. «Diese Uebertreibungen», sagte Richter Cressal in der Begründung des Urteils weiter, «mögen einer politisch voreingenommenen Zuhörerschaft patriotisch klingen, aber in der ruhigen Atmosphäre des Gerichtes seien sie nichts anderes als amüsante Beispiele-ge* radezu kindischer Arroganz.» , . Die Judenfrage auf der amerikanischen Konferenz des I. S. S. New York, 22. September (J. T. A.). Auf der Jahreskonferenz des Internationalen Studentendienstes, die an der Mount Holyoke University in Massachusetts abgehalten wurde, und der einige hundert Delegierte aus 39 Ländern beiwohnten, war eine Sitzung der Aussprache über die Rassenprobleme gewidmet. Der Präsident des deutschen Studentenverbandes Hano Schulz erklärte im Verlauf der Debatte, daß obwohl 65 Prozent aller deutschen Studenten Nationalsozialisten seien, den Nationalsozialismus keine Schuld an den antisemitischen Unruhen, die sich jüngst an deutschen Universitäten ereignet haben, trifft. Warum, fragte Schutz, nennt man Deutschland die Heimat des Antisemitismus? Werden nicht jüdische Studenten auch an den Universitäten Polens, Rumäniens und Ungarns attackiert? Bei uns in Deutschland, fuhr Schulz fort, ist der Antisemitismus nur intellektueller Natur. Der Antisemitismus in Deutschland werde schwinden, sobald die Juden aufhören, sich auf kulturellem Gebiete vorzudrängen. James Parkes, einer der Führer des Internationalen Studentendienstes und Verfasser des Werkes «Der Jude und sein Nachbar», gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß die Deutschen ihre so starke Kultur von jüdischem Einfluß be« droht sehen. An der Aussprache beteiligten sich auch der frühere Präsident der Menorahorganisation Harry Stör und das Mitglied des Präsidiums des Weltverbandes jüdischer Studenten A. Teich aus Wien. Zum Schulbeginn IWRI ONAUCHI Hebräische Sohulflbel nach neuester und bester Met ode mit 40 farulgen Bildern, geb. . . S 360 ln sämtlichen Schulen eingefOhit. — Alle Schulbücher für Volks-, Hauptu. Mi1 telechulen vorrätig Buchhandlung Josef Belf Wien, I., Rabensteig 3 Tofloi? lurlo spendet beim THORAAUFRUF ÜCUul dllUG amSlMCHATHTHORAfürden Keren Kajemeth!