Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 194 (24.9.1931)
- Date
- 1931-09-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053948--2564-3058004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 194 — 24. September 1931 LML STIMME Seite 5 Sie müssen gehen! Von S. Picker. Der Aufsatz «U. Z. O.» gegen «Z. 0.» von Dr. Oskar Qrünhaum («Die Stimme» Nr. 192) hat eine Reihe von Zuschriften in dieser Angelegenheit hervorgerufen. Wir drucken heute eine dieser Zuschriften ab. Die Red. Recht haben sie, jene Revisionisten, die die zionistische Organisation verlassen zu müssen glauben, da ihnen diese nicht mehr entspricht. Es ist nur schade, daß diese Konsequenz nicht schon früher gezogen wurde. Zwar erwies sich die zionistische Organisation als standhaft genug, um dem Revisionismus nicht zum Opfer zu fallen; für die Dauer ist jedoch der gegenwärtige Zustand unerträglich. Auch nach dem XVII. ZTonistenkongrefl, nachdem Weizmann nicht mehr im Wege stand und nachdem sie für Sokolow gestimmt hatten, haften es die Revisionisten, auch diejenigen, die für den Verbleib in der zionistischen Organisation plädieren, für notwendig, ihre politische Selbständigkeit herauszustreichen. Ihrem Briefwechsel mit Passfieid wurde die bestmöglichste Publizität verliehen. Und diese Tatsache wurde mit einer Kommcntarlosigkelt hingenommen, als ob gar kein Anstoß daran zu nehmen wäre. Was soll man über eine zionistische Organisation denken, die sich über derartige Methoden stillschweigend hinvvegsetzt? Wie kläglich, daß von von der anderen Seite die Frage auftauchen mußte, ob die Revisionisten in der Organisation bleiben sollen oder nicht. So ist auch zu verstehen, wenn bei ihnen gefragt wird, ob denn die zionistische Organisation ihrer noch würdig sei. Wäre es denn nicht natürlicher, daß diese Frage von anderen, von denen, die der zionistischen Organisation treu sind, gestellt werde? Aber nein, bei uns wird gar noch die Hoffnung gehegt daß sie vielleicht doch bleiben werden. Was erwartet denn noch jene Naiven von den Revisionisten innerhalb der zionistischen Organisation? Daß die Revisionisten eine respektable Quantität darstellen, bedeutet wenig, da sie für die Erfordernisse der Organisation nicht zu haben sind, fm Oegentell, sie nützen ihre Position innerhalb der zionistischen Organisation für parallele eigene Fonds aus; obendrein können sie sich mit einer gewissen — allerdings sonderbaren — Berechtigung an unsere Konstitution, wie an unsere Beschlüsse nicht gebunden fühlen, da wir das Forum der Agency haben, das sie nicht anerkennen. Dafür aber stehen dem Revisionismus alle unsere organisatorischen Zellen, ja, die ganze zionistische Organisation, für seine Propaganda zur Verfügung. Was ist sohin mit dem Abgang der Revisionisten noch mehr zu verlieren als Gegenpropaganda und Zersetzungsarbeit im eigenen Hause? Gegenüber dem heutigen Zustand fällt der Schaden einer auch faktisch bestehenden unabhängigen zionistischen Organisation gar nicht ins Oewicht. Dieses Gebilde dürfte uns viele, bis jetzt noch von der Phraseologie Mitgerissene, zurückbringen. Die Unabhängige zionistische Organisation möge sodann Zusehen, wie sie als Jewish Agency anerkannt wird. Gewiß wird sie uns einstweilen schaden mit Gegenpropaganda, mit selbständiger Politik, aber lange nicht in dem Maße, wie der Revisionismus uns schadet, solange er noch innerhalb der zionistischen Organisation ist. Für diejenigen aber, die in der Organisation bleiben wollen, muß fortab als primäres Gesetz gelten: Unbedingte Unterordnung, gleiche obligatorische Mobilisierung für die Durchführung aller KongreßbeschlUsse und der jeweiligen Direktiven der Exekutive. Was geschieht mit dem Land- * « ■ London, 14. September. (J. T. A.) Eine der vom Finanzminister Snowden ln seiner letzten Budgetrede Im Unterhaus angekündigten Sparmaßnahmen betrifft die Kürzung des Colonial Development Fonds um eine Viertelmllllon Pfund. Man nimmt an, daß von dieser Kürzung auch der Palästina-Landentwicklungsplan betroffen Ist, da er in die Palästina- und Südafrika-Anleihe einbegriffen ist, die einen Teil des Colonial Development Fonds bildet. London, 16. September. (J. T. A.) Colonel Joslah Wedgwood richtete im Unterhaus an den Schatzkanzler Philip Snowden die Frage, ob und welche Schritte unternommen worden sind, um der weiteren Verzögerung des Palästlna-Landentwicklungsplanes, wie sie durch Verweisungen und Rückverweisungen im Instanzenweg bedingt ist, ein Ende zu setzen. Philip Snowden erwiderte, es werde erforderlich sein, den Palästina-Anleiheplan fm Gesetzgebungswege abzuändern. Gesetzgebung sei im Augenblick Gegenstand einer Untersuchung in Palästina. * Im Verlaufe der Palästina-Debatte im Unterhaus im November 1930 erklärte der damalige Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Slüels, daß die Regierung beschlossen habe, für die Entwicklung Palästinas eine Summe aufzuwenden, die 2,500.000 Pfund nicht überschreitet. Ein großer Teil dieser Summe würde für Trockenlegungs- und Bewässerungsarbeiten sowie für andere Werke, die die allgemeine Produktivität des Landes erhöhen und die Ansiedlung von annähernd 10.000 Familien auf dem Lande ermöglichen, aufgewendet werden. Diese Summe werde mittels •Her Anleihe unter Garantie der englischen Regierung beschafft werden. In den ersten Jahren der Durchführung des Entwicklungsplanes werde man aus englischen Fonds jährliche Vorschüsse bewilligen, um die Zinsen und Gebühren Oes Schuldentitgungsfonds der Anleihe zu begleichen. Der Landentwicklungsplan, sagte Dr. Shiels weiter, soll in erster Linie jenen landlosen Arabern zugute kommen, die nachweislich infolge des Ueberganges von Boden in jüdische Hände den Boden verlassen mußten; ein Ueberechuß werde für jüdische und für arabische Siedlung verfügbar sein. Im Verlaufe der letzten Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes richtete das Kommissionsmitglied Orts an Dr. Drummond Shiels die Frage, wann der Landentwicklungsplan verwirklicht werden wird; ob die Palästina-Administration mit dieser Verwirklichung so lange warten wolle, bis der gesamte Boden des Landes vermissen Ist, eine Arbeit, die noch Jahre in Anspruch nehmen könne; wieviel von der 2,/2-Millionen-Pfund-Anleihe für die Bodenentwicklung Aufgewendet werden wird. Dr. Drummond Shiels antwortete damals: Der Landentwicklungsplan bezweckt in erster Linie die Wiederseßhaftmachung landloser Araber, die als Folge der jüdischen Kolonisation den Boden verlassen mußten. Bis zur Erlangung der erforderlichen Details würden wohl sechs Monate vergehen. Sobald solche Details und entsprechende Vorschläge vorliegen, werde man ein Arbeitsprogramni für das Landentwicklungsamt ausarbeiten. Iirr Juli dieses Jahres erklärte Dr. Shiels im Unterhaus auf eine Anfrage von Ormsby-Gore. zur Realisierung der Palästina-Anleihe werde eine Bill erforderlich sein, die vor das Parlament gebracht werden wird. Im Juli war Herr Lewis Frencli zum Landentwickiungsdirektor ernannt worden. Er weilt gegenwärtig in Palästina nnd hat mit den Arbeiten zur Durchführung des Planes bereits begonnen. Wie offiziell erklärt wurde, wurde der High Commissioner ermächtigt, für die Untersuchungs- und Vermessungsarbeit sowie für Experimente eine Summe von höchstens 50.000 Pfund nuszugeben, die in erster Linie aus Palästina-Fonds gedeckt werden soll. French sollte seinen Bericht spätestens Ende Dezember 1931 vorlegen. Erst dann werde die Bill dem Parlament vorgelegt werden. Thomas lehnt ein Palästina- Wiedereinreisegesuch Jabotinskys ab London, 16. September. (J. T. A.) Der Führer der Zionisten-Revisionisten Vladimir Jabotinsky, dem die Wieder, einreise ln Palästina nach den Palästina-Unruhen im Herbst 1929 vom damaligen Kolonienminister Passfieid verboten worden war, hat nach Bildung der Nationalen Regierung ln England an den Kolonienminister Thomas das Ansuchen gerichtet, ihm die Wiedereinreise nach Palästina zu gestatten. Thomas hat dieses Gesuch abgelehnt. In der heutigen Sitzung des Unterhauses richtete Colonel Joslah Wedgwood an den Kolonienminister Thomas die Frage, ob er nicht seine Ansicht revidieren und Jabotinsky die Rückkehr nach Palästina, wo er bis zu den Unruhen seinen ständigen Wohnsitz hatte (er war nur vorübergehend JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbücher (auch antiquarische) für Eure Kinder In der |fld. Buchhandlung Herrn^TlJCHMBR Wien, li.t Qr. ItadtgutgrMEckTTr borstraße 52) LEIHBIBLIOTHEK! Alle Neuerscheinungen erhältlich 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! Für Anfragen Telephon R-41-4-20 zu den Verhandlungen des Zionistenkongresses nach Zürich gereist), gestatten wolle. Minister Thomas erwiderte, er habe nach Erhalt des Ansuchens Jabotinskys die Angelegenheit mit dem stellvertretenden High Commissioner reiflich erwogen und sei zu dem Schlüsse gekommen, daß die Umstände in Palästina heute noch nicht solche sind, daß eine Modifizierung der vom früheren Minister Lord Passfieid ergriffenen Maßnahmen gerechtfertigt wäre. Auf den weiteren Hinweis Wedgwoods, daß Jabotinsky eine britische Kriegsauszeichnung erhatten habe und daß seine Ausweisung nur eine Folge der von den Arabern verübten Massakers gewesen war, erwiderte Thomas, Passfieid habe die Ausweisung Jabotinskys Im besten Interesse Palästinas ausgesprochen. Vorbereitung der Makkabiade in Tel-Aviv 10.000 Sportler haben sich zur Teilnahme angemeldet — Ein Riesenstadion wird gebaut Das Berliner Präsidium des Weltverbandes Makkabi hat in der Angelegenheit der Makkabiah, die im April 1932 in Tel-Aviv stattfinden wird und der mit der Vorbereitung der Makkabiah verbundenen Reise Dr. Alexander Rosenfelds, Mitgliedes des Präsidiums des Weltmakkabi, nach England, Amerika und Kanada die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Besprechung eingeladen. Dr. Alexander Rosenfeld, der von dem Ueberfall nationalsozialistischer S.-A.-Leute auf ihn am Abend des ersten Rosch Haschanah-Tages noch sehr mitgenommen ist, verließ das Krankenlager, um an der Besprechung teilzunehmen. Der Präsident des Weltmakkabi Dr. Leiewer begrüßte die erschienenen Pressevertreter und machte Mitteilung über die Vorbereitung der Makkabiah, für die bereits 10.000 Anmeldungen von jüdischen Sportlern vorliegen, Sonderdampfer werden von verschiedenen Häfen die Sportler nach Tel-Aviv bringen. Der High Commissioner für Palästina hat einen riesigen Sportplatz bei Tel-Aviv dem Makkabi für 09 Jahre zur Verfügung gestellt. Da arabische Sportler und arabische Bevölkerungskreise zur Teilnahme an der Makkabiade eingeladen sind, wird die Makkabiah zur Stärkung des inneren Friedens in Palästina beitragen. Für alle Fälle sind die Befürchtungen, als würde die Ansammlung jüdischer Sportler anläßlich der Makkabiah in Palästina die radikalen arabischen Kreise zu Gegenkundgebungen veranlassen, ungerechtfertigt; die Palästina-Regierung, die die Abhaltung der Makkabiah erlaubt und sie fördert, wird ihrerseits gewiß alles tun, um eine Unruhe nicht aufkommen zu lassen. An der Makkabiah werden auch die palästinensischen Militärsportler teilnehmen. Es sei auch mit der Teilnahme von etwa zehn englischen Unterhausmitgliedern zu rechnen. Erinnerung an Eduard Sueß Von Dr. T. Nussenblatt. Jüngst feierte die Stadt Wien, ganz Oesterreich und die Wissenschaft der Welt den hundertsten Geburtstag von Prof, Dr. Eduard Sueß, dessen segensreichem Wirken auch die Wiener Wasserleitung ihr Entstehen verdankt. Anläßlich dieser Feier möge in kurzen Zügen daran erinnert werden, daß Eduard Sueß zeitlebens zu den mutigen Bekämpfern des Antisemitismus gehörte. Er setzte sich immer für Recht und Freiheit ein und stand deshalb oft im Kampfe mit den Antisemiten. Zeitlebens war er ein hochaktives Mitglied des von Artur Gundaccar von Suttner im Jahre 1892 ins Leben gerufenen und geleiteten Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Ehrenvorsitzender dieses Vereines war kein geringerer als Professor Hermann Nothnagel. Ueberdies bekämpft? Sueß den Antisemitismus in seiner Eigenschaft als Mitglied des Landtages und als Reichsratsabgeordneter. Diesen Kampf auf der öffentlichen Tribüne führte er mit ungewöhnlicher Vornehmheit, auch wenn es sich darum handelte, einem skandalierenden Gegner zu begegnen. Seine Waffe blieb stets tiefgründiges Denken, Schlagfertigkeit und Veraatwortlichkeitsgefühl. Am 29. März 1895 trat Sueß als Generalredner ln der Debatte über das Budgetprovisoriunr im Parlament auf. In dieser Rede setzte er sich mit dem Antisemitismus auseinander. Einige Stellen dieser Rede, die ich nach dem offiziellen Bericht zitiere, lauten: «Sobald wir an die wahren Kulturerscheinungen herantreten, werden wir in den meisten Fällen das semitische Element hervorstehen sehen. Sehen Sie doch auf die Uhrl Die Zwölfteilung derselben ist eine semitische Einrichtung. Von dieser Kleinigkeit bis hinauf zu den erhabensten Ideen, die unsere Kultur tragen, wo fehlt das semitische Element? Der Monotheismus ist eine speziell hebräische Einrichtung. Es wurde hier von Rom gesprochen. Der Abgeordnete Dr. Lueger möge nach Rom gehen .. .* Lueger unterbricht: «Ich war schon dort!» Dr. Sueß fortfahrend: «so werden Sie sich an die Tatsache erinnern, die ich anführen will. Gehen Sie an die Stelle, die nran als das Zentrum des Christentums bezeichnen kann, auf den Petersplatz. Ringsherum die herrlichen Kolonaden. In der Mitte steht der Obelisk, der früher auf dem Zirkus des Nero stand. Sixtus (V.) hat ihn hinstellen lassen. Und was steht darunter? Vielt Leo de tribu Juda. Da soll es eine Schande und Schmach sein, diesem Stamme anzugehören, welcher den Sieger der Welt geliefert hat?» Von dieser Rede sagt Ernst von Plener, daß sie treffliche Worte über das Judentum beinhalte. Rosch Haschanah in Jerusalem Jerusalem, (J. T. A.) Die hebräischen Tageszeitungen brachten Neujahrsnummern in der Stärke von je 32 Seiten heraus. Die in englischer Sprache erscheinende Tageszeitung «Palestinc Bulletin» brachte ebenfalls eine außerordentlich starke Rosch Haschanah-Nummer heraus, die u. a. eine große Zahl Neujahrsgrüße nichtjüdischer Firmen und Privatpersonen an jüdische Geschäftsfreunde und jüdische Bekannte enthält. Zu den Rosch Haschanah-Andachten an der Klagemauer strömten tausende Juden. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff besuchte die Oberrabbiner der verschiedenen religiösen Richtungen und (iberbrachte ihnen Rosch Haschanah- Griiße. Moskauer Synagogen überfüllt Moskau. (J. T, A.) An den Rosch Haschanah-Tagen waren die Abend- und Morgenandachten in den Moskauer Synagogen stark überfüllt. Infolge der ungenügenden Zahl der Synagogen mußten überall doppelte Gottesdienstschichten eingerichtet werden. Die große Mehrheit der Synagogenbesucher bestand aus älteren Leuten oder Personen in mittlerem Alter, die von den Atheisten-Brigaden scharf überwachte Jugend hatte sich nur spärlich eingefunden. Gleichzeitig mit den Andachten in den Synagogen fanden religiöse Manifestationen statt, die aber schwach besucht waren. Insgesamt hatten sich an allen diesen Versammlungen nicht ganz 5000 Personen beteiligt. Rosch Haschanah in London London. (J. T. A.) ln Whitechapel und in anderen jüdischen Vierteln Londons sowie in mehreren Provinzstädten mußten die Postämter verstärkten Dienst einrichten, um die Massen der Postsendungen zum jüdischen Neujahr bewältigen zu können. An den Postämtern sind Anschläge in jiddischer und englischer Sprache angebracht, in denen die jüdische Bevölkerung aufgefordert wird, Neujahrssendungen rechtzeitig aufzugeben, damit Stauungen vermieden werden. Mehr als 900.000 Neujahrswunschkarten wurden allein in Whitechapel ausgetragen. Auch die Telegraphenämter mußten verstärkten Dienst einrichten, um die Glückwunschtelegramme nach Europa und Uebersee bewältigen zu können. Un««r« geschätzten Loser werden auf die jüdische Buohhandlung Hermann Tuohner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Freisen er* hältllch sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen tägUc$ Keine Nebengebühren. Für Anfragen TeleshA* 4648938426