Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 193 (17.9.1931)
- Date
- 1931-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. 193 — 17. September 1931!>»F STIMME Seite 5 Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders auf* merksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, *u ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet, 10 Groschen täglich. Keine Ne* bengebühren. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. 2. Lokale Autonomie: Die Kommission hofft, daß die Mandatarmacht ihre Absicht, die Muniz'palbshörden zu reorganisieren und ihnen möglichst weite Befugnisse zu übertragen, bald verwirklichen wird. 3. Oeffentliche Finanzen: Die britische Regierung erk'ärt, daß sie seit 1921 mehr als neun Millionen Pfund Sterling, die Kosten für den Schutz des Territoriums eingeschlossen, für Palästina ausgegeben hat. Da in dem Jahresbericht für 1930 nichts darauf hindeutet, daß irgendein Teil dieser Summe anders ais lür Militär und Polizei verausgabt wurde, würde die Kommission es begrüßen, wenn der nächste Bericht detailliert die Summen anführen würde, die für die Zivilverwaitung und wirtschaftliche Entwicklung des Territoriums verausgabt werden. 4. Ein- und Auswanderung: Die Kommission ist der Ansicht, daß die periodische Aufstellung genauerer Statistiken über Arbeitslosigkeit von größtem Werte sowohl für die Festsetzung der Einwandererjahresquote von Arbeitern nach Palästina als auch zur Au klärung der öffentlichen Meinung im Zusammenhang mit dem gefaßten Beschlüsse ist. Der Palästina betreffende Teil des Berichtes des jugoslawischen Außenministers Marinkovic wurde vom Völkerbundsrat ohne Debatte zur Kenntnis genommen. (J. T. A.) zum Herstellungspreis 30.000Biicher Ganz ohne Verdienst, nur um diverse Lagerbestände durch schnellen Umsatz zu Geld zu machen u. dadurch unsere Leistungsfähigkeit noch mehr zu steigern. Ab heute solange der Vorrat reicht. Dal Haut der billigen Bücher Wien, I. Gutenberg'-Verlag Freyung 1 Aus Palästina Norman Bentwich kehrt nicht auf seinen Palästina- Posten zurück Eine Kundmachung der Palästina-Regierung besagt, daß Herr Norman Bentwich,- der Oberstaatsanwalt für Palästina, am 31. Oktober d. J. aus dem Regierungsdienst ausscheidet und daß sein Urlaub bis zu diesem Datum verlängert worden ist. Preisreduzierung der palästinensischen Zeitungen Die palästinensisch-hebräischen Tageszeitungen «Davar», «Haarez» und «Doar Hayom» geben bekannt, daß sie eiqe Preisreduzierung vorgenommen haben und vom jüdischen Neujahr an einen halben Piaster (etwa 17 Groschen) kosten werden. Der Verlag der gegenwärtig noch verbotenen revisionistischen Tageszeitung «Haam» hat sich dieser Preisreduktion angeschlossen. 'JÜDISCHE ELTERNI Kauft Schulbücher (auch antiquarische) lür i ure Kindei in der jUd. Bucnhand ung Herm^ruCHNBR Wan, II., Or. Stadt gut« 7 (Ecke Taoorslraße 52) LllHBiBilOf HEKi Alle Neuerscheinungen erhältlich Hl Groschen täglich, keine weiteren Gebühren 1 Füi AnträgenTeiepton R-4I-4-20 Lujo Brentano und die Juden Vor einigen Tagen starb in München hoclibetagt der Professor der Nationalökonomie Lujo Brentano. Als nach dem Weltkriege die Wogen des Judenhasses hochschlugen, trat Brentano aus seiner gewöhnlichen Reserve hervor und veröffentlichte in der «Neuen Freien Presse» am 20. Juni 1923 einen Artikel «Der Judenhaß», der später auch mit einem Vorwort von Rabbiner Dr. Eschelbacher als Broschüre erschien. Brentano setzt sich darin wissenschaftlich mit dem Antisemitismus auseinander. Er weist nach, daß Shakespeare einen Anachronismus beging, als er seinen Shylock das Recht verlartgen ließ, aus dem Körper des säumigen Schuldners ein Pfund Fleisch herauszuschneiden. Das war nicht jüdisches, sondern ältestes römisches Recht. Der «kapitalistische Geist» ist nach Brentano keine spezifisch jüdische Erscheinung. Hiefür gibt er einige interessante Beispiele. Er erzählt uns u. a. von den Kapitalisten, die nach Livius XXIII, 49 und XXIV, 3 im zweiten punischen Kriege mit dem römischen Senat einen Vertrag schlossen, worin sie sich verpflichteten, die römischen Truppen kostenlos nach Spanien zu transportieren, unter der Bedingung, daß der Senat ihre Schiffe hoch versichere, und die dann auf offener See ihre Schiffe selbst anhohrten. Das waren keine uden, sagt Brentano. Er widerlegt weiters Somharts unaltbaren Einfall vom «kapitalistischen Geist der Juden* durch die Tatsache, daß in England der moderne Kapita1lismus vom Ende des vierzehnten bis Mitte des sechzehnten Jahrhunderts aufkam, als die Juden längst aus England vertrieben waren. Damals betrug der Zinsfuß, den christliche Kaufleute verlangten, 60 Prozent — gegen 43 Prozent, welche die Juden vor ihrer Austreibung verlangten. Der lesenswerte Artikel gelangt leider zu irrigen Schlußfolgerungen, zu denen Brentano — ein Jude verleitet hat. Als nämlich Brentano in Wien Professor war, sagte ihm «ein vornehmer Jude, der an Geistes- und Herzensbildung jedem Westeuropäer gleichkam», es sei notwendig die Einwanderung der Ostjuden zu beschränken, «die durch ihre rückständige Lebensweise die Lage der unteren Klassen gefährden und mit ihren altgläubigen Anschauungen eine feindliche Stimmung gegen die Juden hervorrufen». Auf diese «Ideen» baut Brentano den weiteren Inhalt seines Artikels auf. Er anerkennt zwar die Leistungen der Juden im deutschen Kulturkreise, er spricht sich gegen den Numerus clausus aus, er sieht richtig, wie der Antisemitismus Deutschland in der Weit verhaßt macht. «Es ist nicht daran zu denken, daß die westlichen Völker zum Wiederaufbau des Deutschtums die Hand reichen, solange man in diesem die Inkarnation der Gewalttätigkeit gegen andere Völker erblickt. «Aber», so lautet die falsche Schlußfolgerung, «das restlose Aufgehen der luden in der deutschen Bevölkerung ist die einzig mögliche Lösung der Judenfrage. Sie hat jedoch das Aufhören des Judenhasses und das Erlöschen der antisemitischen Bewegung zur Voraussetzung.» So falsch diese Schlußfolgerungen Brentanos auch sein mögen, er gehört doch zu den leider so dünn gesäten Deutschen, die den Mut hatten, für uns Juden einzutreten — in einer Zeit, da wüstester Antisemitismus fast Gemeingut der Deutschen geworden ist. Deshalb sei Brentanos Name bei uns mit Ehrfurcht genannt. O. G. "Camera obscura Am l äge nach dem mißglückten Helmwehrputsch berichtete die «Arbeiter-Zeitung»: Ein Wiener Lehrer, der gestern von Klagenfurt nach Wien fuhr, erzählt uns über seine Erlebnisse folgendes: Ein mir bekannter Großindustrieller hatte mich eingeladen, die Fahrt nach Wjen mit Ihm gemeinsam ln seinem Auto zu machen. Zwischen Judenburg und Zeltweg wurden wir von einer Gruppe Bewaffneter angehalten. Die Straße war dort mit zwei Maschinengewehren gesperrt. Die Leute verlangten von uns, daß wir uns legitimieren mögen. Wir lehnten das kategorisch ab und der Besitzer des Autos fragte, mit welchem Recht die Herren derartiges verlangen können und was der Anlaß sei, daß sie uns wie Wegelagerer überfallen Darauf bekam der Besitzer des Autos die Antwort: «Das geschieht, well Sie ein Saujud sind!» . . . Also üperettenputsch mit antisemitischen Einlagen. * Aus Moskau wird berichtet: Nach zwölfstündiger Verhandlung hat das Gericht der Stadt Azoritsch in Weißrußland einen Juden, der als «Mohel» fungierte, wegen Vollziehung eines Beschneidungsaktes zu 2,/j Jahren schweren Kerkers verurteilt. Das Kind war mehrere Tage nach der Beschneidung gestorben, die vom Gericht veranlaßte medizinische Beweisaufnahme kam zu dem Resultat, daß der Tod infolge der Beschneidung eingetreten war. Wenn es um die Bekämpfung der jüdischen Religion und Tradition geht, müssen natürlich auch medizinische Sachverständige herlialten. * In Potsdam fand der Relchsgründungstag des deutschen Frauenordens «Rotes Hakenkreuz» statt. In den Zwischenpausen sangen S. A.-Leute allerlei Lieder, und an einer Stelle hieß es deutlich: «Erst wenn die Juden bluten, erst dann sind wir befreit.» . Bei der Tagung des «Frauenordens* . . . * Die Deutschen Nationalsozialisten, Christlichsozialen und Deutschnationalen treten in die Prager Gemeindewahl mit einer gemeinsamen Liste, die vom Antisemiten Ing. Haider, dem antisemitischen Religionsprofessor Schneider und dem Deutschnationalen Horpynka geführt wird. Die Parole Judenhaß hat eine wunderbare Eigenschaft: Sie ist es, die am leichtesten Parteiunterschiede überbrückt und eine Einheitsfront schafft. Marinkovic’ Palästina-Bericht Vor dem Völkerbundrat Der Völkerbund stimmt dem Bericht ohne Debatte zu Am 4. September zog der Völkerbundsrat den Bericht der letzten (20.) Session der Mandatskommission in Behandlung, in welchem dem Palästina-Mandat ein größerer Raum gewidmet ist. In der Sitzung des Völkerbundsrates war die Mandatskommission durch ihren Vizevorsitzenden Van Rees vertreten. Der Berichterstatter des Völkerbundsrates für Mandatsangelegenheiten, der Außenminister Jugoslawiens, Marinkovic, gab in seinem Bericht ein Resümee der in den Konklusionen der Mandatskommission enthaltenen Bemerkungen betreffend Palästina. Die Mandatskommission, führte Marinkovic aus, hat außer dem Jahresbericht der britischen Regierung bezüglich Palästinas für 1931 auch die Erklärung der Regierung vom Oktober 1930 und den Inhalt des Briefes des britischen Premierministers Macdonald an Dr. Weizmann vom 13. Februar 1931 sowie eine Anzahl durch die Mandatskommission übermittelte Sonderberichte zur Kenntnis genommen. Die Kommission vermerkt, daß im Jahre 1930 in Palästina, dank einer Reihe von der Mandatarmacht ergriffener Maßnahmen und der Reorganisation der Polizeimacht, die Ordnung aufrechterhalten wurde und erkennt an, daß die englische Regierung bestrebt war, die Einwanderung von Juden zu erleichtern (!), ohne dabei der arabischen Bevölkerungsmehrheit irgendwelchen Schaden zuzufügen. Mit der Vorbereitung eines Planes systematischer landwirtschaftlicher Entwicklung wurde ein Sonderkommissar betraut. Die Mandatskommission vermerkt mit Genugtuung, daß die Mandatarmacht, in Uebereinstimmung mit den Vorschlägen der Kommission, sich bestrebt zeigt, die Beziehungen zwischen Arabern und Juden zu verbessern. Die Kommission hofft, daß der im Dezember 1930 von der Internationalen Kommission unterbreitete Bericht betreffend die Klagemauerkommission, der in Uebereinstimmung mit der Resolution des Völkerbundsrates vom 14. Jänner 1930 endgültig die Rechte und Ansprüche der Juden und Moslems hinsichtlich der Klagemauer in Jerusalem festlegt, jeder weiteren Kontroverse über diesen Gegenstand ein Ende setzt. Minister Marinkovic ging dann zu den speziellen Bemerkungen der Mandatskommission über, die folgende Angelegenheiten betreten: 1. Legislative Council: Die Kommission begrüßt die Erklärung des beglaubigten Vertreters der Mandatarmacht, daß diese gemäß der Deklaration vom Oktober 1930 beabsichtige, einen Gesetzgebenden Rat zu errichten. Lokalität Im 2. Bezirk Privatwohnung. Geschäftslokal oder Magazin zur Umwandlung in ein Jugendheim geeignet, gesucht. Eventuell Ablöse. Zuschriften an Verband zion. Mittelschüler, per Adresse B. B., II., Tab orstraße 38/13, ln aller Kürze Vom thüringischen Schöffengericht in Hildburghausen ist ein Nationalsozialist, der in einer öffentlichen Versammlung den ermordeten Reichsminister beschimpft hat, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. * In Warschau fand eine Schulkinderdemonstration statt. 2000 Kinder zogen durch die Hauptstraßen des Warschauer jüdischen Viertels und trugen Transparente mit Aufschriften: «Wir fordern Rechte für die jüdische weltliche Schule!», «Laßt unsere Lehrer nicht verhungern!», «Wir fordern Recht auf Arbeit für unsere Väter!» * Ein Bevollmächtigter des Emigdirect hat der persischen Regierung den Vorschlag unterbreitet, 20.000 Juden die Erlaubnis der Einwanderung nach Persien zu erteilen. * Die katastrophale Hochflut, welche Stadt und Provinz Hankau zum großen Teile vernichtete, wobei hunderttausende Menschen ums Leben kamen, hat auch die kleine jüdische Siedlung in der Stadt Hankau zerstört. * «Manchester Guardian» befaßt sich in einem Leitartikel mit der Kalendereformfrage und unterstützt den die Einführung des B'lankotages ablehnenden jüdischen Standpunkt. Sonntag, den 27 September 1931, halb 8 Uhr abends im Konzertsaale (theatersaal) „Post“, 1., Fleischmarkt 24 Jüdischer Muslkabend (Volkstümliche» Konzert) I. Segal Rosenbadi (Tenor) L r - Volkslieder (jiiltl.-lielirj. Mitwirkend: frof. JIOSüDf «ar JUd Volksmelodlen (Violine), •umw«l (jUd. Rezitation). K]afl«i.Kap-llm«ut»r Rudolf Bwd« Aasnewamtes Programm Entrittsproiso: Von S —>80 bla 8 8.80. Kartenverkauf: JUd. HocbschulaussehuS, IX., Zlmmennannpl&tz 8, Tel. A 25-3-31} BUoberetube Rath, II., Taborstr. 20a, Tel. R 43-1-581 Keren Kajemetb, I., Kfirntnerstr. 28, Tel. R 37-3-20- JSia TaU iw BeUMrtrifiilMM »uftuwtoii Keren Kajemetb l'Jlseeb, Die „Feigheit des Jischuw“ fn einer der letzten Nummern der hebräischen Wochenschrift «Hapoel Hazair» schreibt J. Lufban in einem längere« Artikel über den siebzehnten Zionistenkongreß unter an- ‘ derem: «. . . Und als die bekannten Telegramme kamen, waren diejenigen, die behaupteten, diese Telegramme wären gefälscht, noch verhältnismäßig naiv und ehrlich. Denn es gab andere, die sich stolz aufrichteten und mit Pathos verkündeten: «Was? Wir sollen vor Pogromen Angst haben? Gott behüte! Keine Pogromangst wird uns davon abhalten, nach Palästina zu gehen, uns dort anzusiedeln, neue Punkte zu erobern und die bereits bestehenden Positionen zu festigen.* Und es fand sich noch ein «schwarzer Ritter» des Revisionismus, Robert Stricker ist sein Name, der die «Galutn« angst» verhöhnte, die palästinensischen Warnungsrufe niederträchtig verdrehte und in seiner Zeitung schrieb* «. . . . Da flogen plötzlich aut den Tisch der Kommission Telegramme aus Palästina, und ihr Inhalt war: ,Um Gottes« willen nur keine Resolution! Wir haben Angst um unser Leben!’» So haben diese Helden die Forderung des palä« stinensischen Jischuw nach Vorsicht und politischer Verantwortung verstanden. So haben sie sich unseren Wider-' stand gegen Formeln, die ihrem Inhalte nach fiktiv und ihrer Form nach provokatorisch sind, ausgelegt. «Wir haben Angst um unser Leben» — der jüdische Jischuw, die jüdische Arbeiterschaft hat Angst um ihr Leben! Dieselbe Arbeiterschaft, die, angefangen vom ersten Tage, an dem die neuen Ansiedler ins Land kamen, in allen Städten und Kolonien die Schande des in Pogromen Geschlagenwerdens^ des durch Pogrome Geängstigtseins von der jüdischen Geschichte wegstrich, hat Angst! Die Arbeiter, die mit einem Mut und einem Heldentum, dergleichen das jüdische Volk in den zweitausend Jahren seiner Zerstreuung nicht kannte, immer zum offenen und starken Selbstschutz griffen, eine Minderheit gegen einen mächtigen Ueberfall, und die Ihr Leben geopfert haben für eine Traube, die aus dem Weinberg eines jüdischen Kolonisten gestohlen wurde, diese Arbeiter haben Angst, dieser Jischuw zittert um sein Leben! Und nur di« Strickers und wie sie alle noch heißen, die sind mutig und heldenhaft und furchtlos .. *