Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 192 (10.9.1931)
- Date
- 1931-09-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. K2 — 10. September 1931 DIE STIMME Seife S Das Jahr 5001 Von Das verflossene jüdische Jahr wird in unseren Annalen als tih Jahr härtester Priilung verzeichnet werden müssen. Es begann allerdings mti einem Lichtpunkt. Ein Weltkongreß für das arbeitende Palästina wurde in Berlin abgehalten. Ein autoritatives üepräge erhielt diese Veranstaltung durch die Beteiligung internationaler Arbeiterführer wie Jean Longuet, Huysman, Pierard u. a. m. Zu Beginn des Jahres 5691 waren die Nerven des jüdischen Volkes aufs äußerste gespannt. Infolge des blutigen Ueberfalles vom Sommer 1929 kam es zu einer schweren politischen Krise. Die Mandatarniacht wurde von einem wahren Kommissions-Koller befallen und stellte dem jüdischen Aufbau immer neue Hindernisse in den Weg. Von mehr oder weniger Sachlichkeit getragen waren die Berichte der Jonson-C r o s b i e - C o m m i s s i o n über das Agrarproblem der Pellachen und der O’D on n e 11 - E r s p arungskommission; ehrlich und sogar von Vernunft und Rücksicht diktiert, fiel der Strickland-Bericht über das Kooperativproblem aus, erträglich war auch der Spruch der internationalen Kommission m der K l a g e in a u e r t r a g e. Der unglückliche Shaw-Bericht jedoch, der es aut unser Werk als Ganzes abgesehen hatte, zog die Entsendung Simpsons nach Erez Israel nach sich, der mit Hilfe falscher Daten die Möglichkeiten weiterer Ansiedlung fast negierte. Diskontiert wurden diese möglichen Unmöglichkeiten zunächst mit der Zurücknahme der bereits ausgegebenen Zertifikate für die Alijah von Chaluzim. Indessen besah sich auch Unterstaatssekretär Dr. Shiels das Land. Am 28. Tischri (20. Oktober) wurde dann Passfields Weißbuch begleitet von Simpsons Bericht publiziert. Dieses Weißbuch verfolgte die Tendenz, die Möglichkeiten, die dem Zionismus durch Balfour-Deklaration und Mandat gegeben worden waren, bis zum Aeußersten einzuengen. Die jüdische Geschichte kennt wohl kein Beispiel einer Protestaktion in dem Umfange und von der Intensität, wie diejenie, die dieses Attentat auf die Rechte der jüdischen Nation auslöste. Bis dahin vertocht Prof. Wei zmann noch immer das Prinzip einer einvernehmlichen Arbe.t mit der Mandatnrmacht. Nun, da das Maß übervoll wurde, reagierte er mit seinem Rücktritt von der Präsidentschaft der zionistischen Organisation und der Jewish Agency Ihm folgten mit demselben Ausdrucke des Protestes der Präsident der Agency Councils Lord M e 1 c h e 11, und der Präsident des Administrativen Rates der Agency, Warbürg. Buchstäblich Mil'ionen von Juden auf der ganzen Erdrunde protestierten erbittert in Versammlungen und in Entschließungen seitens der Gemeinden. Als erster protestierte der große Bund der englischen jüdischen Gemeinden, Board of üeputies. In Amerika manifestierten in Monsterversammlungen Hunderttausende. Bei einer dieser Kundgebungen sprachen auch der New Yorker Oberbürgermeister Walker, Vizegouverneur Lehmann, Senator Wagner und Felix Frankfurter, wie auch der sonst antizionistisch eingestellte große Philantrop Itosen wald. Aber auch die bedeutendsten Politiker Englands und anderer Staaten stellten sicli hochherzig auf die jüdische Seite. Es protestierten die führenden Persönlichkeiten der Konservativen, Baldwin, Amery und Austin C h a m b e rlain, ihnen folgten Lloyd George, Herbert Samuel, General Smuts und Churchill, welch letzterer sogar sein Vaterland auflorderte, das Mandat getreulich durchzuführen oder es zuriickzulegen. Einen ähnlichen Standpunkt vertraten noch viele andere, wie Kennsworthy, Wedgwood, in Frankreich Painl6ve und de Monzie. Im Unterhaus kam es bald nach dem Ereignis zu Anfragen von Baldwin und Lloyd George. Höchst denkwürdig bleibt die im November ini Unterhaus stattgefundene Debatte, der ein voller lag gewidmet war. Auen im Oberhaus wurde über das Weißbuch debattiert, wobei K e a d i n g den prozionistischen Standpunkt verfocht. Unter allen anderen Schritten war vielleicht der bedeutendste die Erklärung der autoritativen englischen Rechts-Experten Lord Halsham und Sir John Simon, wonach der jüdische Standpunkt als richtig anerkannt und die Anrufung des internat:onalen Gerichtshofes im Haag gefordert wurde. Die Stichhältigkeit des Simpson-Berichtes wurde mit schlagenden Argumenten von Fachleuten wie Prof. Mead, Klippin, uranowsky, u. a. angefochten. Ein zusammenfassendes Memorandum gegen die Regierungsverordnung verfaßte der Ehrenanwalt der Agency, Leonhard Stein. Aber auch die englische Regierung schien bald ihren argen Mißgrift eingesehen zu haben. Passfield selber versuchte Weizmann sofort nach dessen Protestschritt zu beruhigen. MacDonald erklärte einigemal, wie auch Passfield in Interviews und Dr. Shiels im Unterhause, daß die Sache nicht so gemeint sei, wie man sie zu verstehen behaupte. Die Alijah werde bald wieder gestattet werden; jüdischer Bodenkaut auch fernerhin möglich sein u. s. f. Auch die Labour- Party nahm schließlich gegen die antizionistische Passfield-Politik Stellung. Bald lenkte die Arbeiterregierung ein, indem schon für November Weizmann von MacDonald zu Verhandlungen zwecks Schlichtung des entstandenen Streitfalles zwischen dem jüdischen Volke und Eingland eingeladen wurde. Die Verhandlungen zwischen einer eigens eingesetzten Kabinetts-Kommission unter Vorsitz des Außenministers Henderson und den zionistischen Vertretern ergaben sodann den Brief MacDonalds vom 13. Februar an Weizmann, der dem Weißbuch bei dessen Aufrechterhaltung zwar nur eine authentische Interpretation geben sollte, in Wirklichkeit aber einen faktischen Rückzug Englands darstellte. In den letzten Tagen erschien der Landentwicklungsplan, ■ der vielfache Widersprüche jüdischerseits hervorriet. Derzeit erwartet man in Palästina den Landentwicklungs-Kommissär French, der nicht ganz an Simpsons Prämissen gebunden sein soll. Ob die Jewish Agency einen Berater bestellen wird, steht noch nicht fest. So nervenerschütternd dieses ereignisreiche Kapitel jüdischer Geschichte war, von nicht geringerer Bedeutung ist die ökonomische Katastrophe, der die Juden der ganzen Welt im größeren Maße als andere Nationen zum Opfer fielen. Im Osten Europas gelangte das Gros der Judenheit buchstäblich an den Rand des Abgrundes. Die Deklassierung ging mit 'Riesenschritten vor sich, wie vorher in Rußland, wo im letzten |ahre doch von den zugrundegerichteten Millionen Juden wenigstens ein geringer Teil, einer äußerst spärlichen Existenz in landwirtschaftlicher oder industrieller Arbeit zugeführt wurde. In Rußland wird aber auch nach wie vor die Verfolgung jüdischer Kultur und Religion betrieben. Aber auch i m Westen ist das üdische Massenelend so groß, daß es an die ustände im Osten erinnert. Ehemals reiche jüdische Gemeinden können ihre Beamten nicht weiterbehalten. Die Emigrationsmögliclikeiten schrumpften zusammen. Die U. S. A. ist aus einem Paradies in eine Stätte der Rieftet Dürftigkeit für Hunderttausende verwandelt worden. Nach dem großen Börsenkrach kamen die Bankeninsolvenzen, so der Zusammenbruch der Bank of United States mit 400.000 jüdischen Einlegern usw. Drives fiir Erez Israel sowie verschiedene amerikanische Campagnes für brüderliche Hilfe konnten keinen guten Erfolg aufweisen. Die Folge war eine schwierige Lage jüdischer Kreditkooperativen, Schulen usw. in Europa. Regierungen und Munizipalitäten aber unterließen es, mit neuen Subventionen beizuspringen und entzogen sogar die bereits üblich gewordenen. Wenn auch nicht immer in nachweisbar direkter Linie, so war doch die Wirtschaftspolitik der Regierungen in Ländern mit beträchtlicher jüdischer Siedlung immer mehr auf Verdrängung der Juden aus allen Positionen gerichtet. In Rumänien blieben die Brandstifter von Borscha ungestraft. Die Regierungswechsel brachten hier die Juden vom Regen in die Traufe, wobei jede neue Regierung die ihr vorangegangene an Bosheit überbieten : wollen schien. In Deutschland entschied sich bei dt.. Wahlen ein Drittel des Volkes für den Judenpogrom, der tatsächlich über der jüdischen Bevölkerung wie ein Damoklesschwert hing und hie und da auch blutige Opfer forderte. Studentenkrawalle wiederholten sich in vielen deutschen Städten wie in Wie n, w o sie im letzten Jahre nur eine allzuofte periodische Wiederkehr eines alten «Brauches» darstellten. Eines Filmes wegen wurde in Wien auch eine aFgemcine Judenhetze versucht. Wegen einer mißliebigen Filniaufführung wurden auch die Juden in Prag und wegen Inszenierung eines Dreyfußstückes, auch die in P a r i s bedroht. In D a n z i g attackierte man Juden auf den Straßen. In Me xiko rottete sich die Menge unter Duldung der Obrigkeit gegen die jüdischen Markthändler zusammen und vertrieb sie vorn Handel. In Saloniki verleumdete man die Juden als Hochverräter und lieferte einem elenden Judenvicrlel eine Schlacht mit Brandstiftung. Und damit ja nicht die R i t u a I m o r d h e t z e ein Jahr unterbleibe, versuchte man sich hierin in der Slowakei, einmal zur Abwechslung auch in der Sowjetunion und auf eine originelle Weise auch in islamitischer Färbung — in den Spalten des arabischen «Felestin» in Palästina. In einer Periode der trostlosen Wirtschaftsmisere, in einer düsteren Uebergangszeit für den Zionismus, ist es kein Wunder, daß die Position der Zionisten in vielen Ländern er- Radio! Grammophone! §. Offner nien. i.Bcz.,Rafhao$pla z 2 V •!. A-21-205 / Günstige Zahlungsbedingungen sein .ert wurde. Die polnische Regierung, wohl die am wenigsten antisemitische seit Bestand der Republik, unterdrückte soweit sie konnte die jüdisch-nationale Landespolitik. Indem sie die A g u d a zu fördern suchte, ließ sie bei den Sejm-Walden die n a t i o n n I j ü d i s c Ii e Vertretung auf ein Minimum zusammenschrumpfen. Mit nicht soviel Glück versuchte die Regierung durch künstliche Mittel den zumeist ausschlaggebenden Einfluß der Zionisten in den jüdischen Gemeinden zu verhindern. In Warschau und Lodz gelang dies jedoch. Auch ohne solche äußere Momente gelang es den Assimilanten in Berlin wieder die Oberhand zu gewinnen. Im Gegensatz zu dieser Erscheinung glückte im verflossenen Jahre in kumän i e n die erste Probe der Vereinigung von Juden aller Reichsteile für die Parlamentewählen; fünf Deputiertenmandate waren der Erfolg. In der T s c h e c h o s 1 o v a k e i, wo die jüdische parlamentarische Repräsentanz zum erstenmal zustande gekommen war, wurde nun eine einheitliche jüdische Partei ins Leben gerufen. Leider verstarb der eine der Abgeordneten, der Präses der Prager jüdischen Gemeinde, Dr. Singer. In Oesterreich hingegen proklamierten die Zionisten, entgegen früherer Gepflogenheit eine Absage an die Landespolitik. Spanien gab nach seiner Umwandlung in eine demokratische Republik dem Judentum Zeichen des Willens zur Wiedergutmachung des an Juden historischen Verbrechens. Italien gewährte den Juden eine neue Gemeindeverfassung. Von anderen positiven Geschehnissen im Judentum oder für das Judentum im Laufe des Jahres sind zu erwähnen: die Abhaltung einer Weltkonferenz für hebräische Kultur in Berlin, die Nyoner Konferenz von Vertretern jüdischer und nichtjüdischer Studenten zwecks Verständigung, die W e 11 k o n f e r e n z jüdischer Pfadfinder, die erste Konferenz der revisionistischen Jug end, ferner die Veransaltung eines zentralen jüdischen Sporttreffens in Antwerpen, wie auch die Vorbereitung einer Makkabiade für das kommende Jahr. An der internationalen Arbeiterolympiade in Wien beteiligten sich auch Vertreter des jüdischen Arbeitersportes aus Palästina. Von hohem Wert war die Ventilierung des zionistischen Problems auf d?m Wiener Kongreß der Internationale. Eine Institution, der eine gewisse Bedeutung für das jüdische Volk nicht abgesprochen werden kann, der Hilfsverein der deutschen Juden, feierte sein dreißigjähriges Jubiläum. Knapp sind die Erinnerungen an erhebende Momente, die in diesem Jahre dem jüdischen Volke beschieden waren. Daß S o k o 1 o w ein Siebziger wurde, sollte zwar zum Anlaß einer großen Tat für Erez Israel genommen werden, es blieb jedoch bei einem bloßen Aufruf. Zwei der bedeutendsten Juden, Herbert Samuel und Felix W a r b u r g wurden Sechziger, ln London fand zu Ehren Lloyd George anläßlich der Gründung einer Kolonie auf seinen Namen, ein Bankett statt, ein anderes Bankett wurde zu Ehren Cecils arrangiert, wobei neben Weizmann Ormsby Gore, Dr. Shiels und James Rothschild sprachen, ln Amerika trat Einstein, der vorher schon in London zusammen mit Bernard Shaw auf einem jüdischen Meeting sprach, für die Erez Israel-Campagne in die Bresche. Nun erlitt in diesem Jahre die zentrale schöpferische Tätigkeit des Judentums einen gewaltigen Rückschlag nicht wegen der außenpolitischen Hindernisse allein. Die Alijah verminderte sich auch aus der Kategorie des knp’talbesitzenden Elementes; aber auch die spärliche Anzahl der Chaluzim - Z e r t i f i k a t e. die nicht lange nach Erscheinen des Weißbuches ausgegeben worden war, konnte infolge Geldmangels nicht ganz ausgenützt werden. Lange nicht so sehr versagte Europa hinsichtlich der Sammlungen für die nationalen Fonds, wie Amerika. Immerhin wurden in Arne- Alle orientalischen foezialUMen ovn (fiomt u. fpieß (Üarnofxen, IVIttscDift usm.) Restaurant Mirabell V. &Sex.,Ma&sftur£ergasseG JiUcfkencfket OtilnOerü Kfcllfker JVo/el JTat anal rika in der Zeit von August 1929 bis Juni 1931 7,331.25t Dollar aufgebracht. Bei alldem wuchs Erez Israel doch. Der Jischuw blieb unversehrt trotz der im Lande herrschenden Krise, inan kann fast sagen, cs ging in Palästina den luden wirtschaftlich besser, als in den meisten jüdischen Weitzentren. Das Aufbauwerk schritt fort. Mancher neue Siedlungspunkt entstand im Laufe des Jahres. In der Industrie, wie In der Landwirtschaft setzte sich der Konso’.idicrungsproseß fort. Der Export wuchs, das Defizit der Handelsbilanz verminderte sich. Auch der Keren Kajemcth machte Neuerwerbungen. Das Kuthenbergwerk wurde seiner Vollendung nähergebracht, während die «Pottnche Company» zur Ausbeutung des Toten Meeres ihre Arbeiten begann. Eine neue Methode kleinsiedlerischer Kolonien wurde in Angriff genommen: knapp vor Jahresende kamen 150 amerikanische Juden mit kleinen Vermögen von zusammen anderthalb Aiillloncn Dollars nach Palästina, um dort eine kleinsicdlerisdie Existenz zu suchen. In diesem Jahre wurde die Konzession an die «Irak-Petroleum-Company» fiir die Durchführung der Rührenlcitung über die Haifa-Akko-Linie erteilt. Die Shell-Company und andere errichteten bedeutende Tankanlagcn für die Ansammlung des durch das Land zu führenden Oe'es. Die Regierung bewerkstelligte neben dem großen Hafenbau bedeutsame öffentliche Arbeiten, darunter den Bau des Rockefeller- Museums, wobei aber nur eine kleine Zahl von jüdischen Arbeitern Beschäftigung fand. Dennoch entstand keine empfindliche jüdische Arbeitslosigkeit. — Ein Guerillakrieg wurde von den Arabern gegen den Jischuw fortgeführt, der manche Opfer erforderte. Im Zeichen einer Campagne für die Islamisierung Palästinas stand die Ueberfiihrung der Leiche des in London verstorbenen indisch-mohammedanischen Führers Mohamed Ali nach Erez Israel und dessen Beisetzung in der Omar Moschee. Einen Sukfrurs erhielt der arabische Antizionismus durch den Besuch Schaukat Alis, des Bruders des verstorbenen Mohamed Alis. Arabische Ueberfälle wußte die Regierung zu verhindern. Der arabische Judenboykott ist mißlungen, wie auch die jüngsten Versuche, am 15. August zu demonstrieren und am 23. desselben Monats einen Generalstreik durchzufiihren. Die Araber lehnten nun die Mitarbeit mit dem Landentwicklungskommissär ab. Zur bevorstehenden Volkszählung amnestierte die Regierung alle illegal Eingewanderten. Im Jischuw vollzog sich im letzten Jahre die lang ersehnte Konstituierung der Knesset Jisrael. Bei den Wahlen zu dieser Körperschaft erlangten die Revisionisten von 17 Mandaten 16, die organisierte Arbeiterschaft jedoch 31, welches Verhältnis hei den Kongreßwahlen sich noch weiter zugunsten der Arbeiterschaft schob. Weizmanns Anwesenheit im Lande versetzte diqfci&Jfr beitenschaft in eine Feststimmung und bedeutete auch für manche andere Telle des Jischuw eine Erhebung mitten in tiefer Besorgnis. Inzwischen bereitete sich ein Personenwechsel an den wichtigsten Regierungsstellen vor, dessen endgültiger Vollzug erst ein Urteil über die Folgen erlauben wird. Gründlich war das Katastrophenjahr in bezug auf die zionistische Organisation. Zunächst wütete der Todesengel unter den Großen. Waren schon Balfour und Marshall gerade im Moment niederschmetternder Bedrängnis dahingegangen, so wurden auch unverhofft Lord Melchett und später Lee K. Franke! und auch ein großzügiger Förderer Erez Israels, Nassatissin, dahingerafft. Der S3iährige Philantrop Nathan Strauß ist gestorben. — Die zionistische Organisation aber bot ein Bild innerer Zerrissenheit, die allein schon, auch ohne äußere Faktoren, zum Verhängnis werden konnte. Als Weizmann im August 1930 in Berlin gegen die Formel eines Judenstaates sich ^äußerte, gelang es dennoch, eine Versöhnung mit ihm herbeizuführen. Seine politischen Schritte während der katastrophalen Krise billigte auch die Opposition der Radikalen, indem sie an der politischen Kommission, die mit der Regierung verhandelte, teilnahm. Der Revisionismus hingegen entfaltete eine heftige Propaganda gegen alles, was die Leitung unternahm. Es gelang den Revisionisten zum XVII. Zionistenkongreß ein Fünftel aller Delegierten zu entsenden, während der noch stärkere Arbeiterfliigel sowie der kleinere Teil der allgemeinen Zionisten (Gruppe A) für Weizmann und sein System vorbehaltlos eintraten. Der geschwächte Alisrachi sowie die zusammengeschrumnfte radikale Gruppe waren gegen Weizmann; der stärkere Teil der allgemeinen Zionisten (Gruppe B) spielte eine ausschlaggebende Rolle. Ein Schiboleth der Revisionisten war der Ersatz des Baseler Programmes durch die Judenstaatsformel. Die sch‘ieß>:ch beschlossene Endzielresoiution befriedigte jedoch die Revisionisten nicht. Weizmanns Interview, worin er sich gegen die Forderung einer jüdischen Mehrheit aussprach, fand den Widerspruch der Afelirheit des Kongresses. Sokolow wurde Präsident der zionistischen Organisation und der Jewish Agency und die Exekutive wurde durch eine Koalition mit Ausschluß der Revisionisten gebildet. Zu Ende des Jahres ist der Bericht der Junitagung der Mandatskommission erschienen, der neuerlich von einer kritischen Einstellung der Kommissionsmitglieder gegen die Beziehung Englands zu Erez Israel zeugt. Die Ablösung des englischen Kabinetts durch die nationale Regierung am Ende unseres lahres, in der nicht nur die prozionistischen luden Herbert Samuel und Reading, sondern auch andere Freunde sitzen, muß als günstiges Omen registriert werden. Möge das neue Jahr mit Segen oegmnen! |; i DasTieielieff nterrf! •0 Jiadmvax‘ von J. Herzberg für das Erlernen des Hebräisch-Lesens und -Schreibens und der Anfangsbegriffe der hebräischen Sprache in 38 Lektionen. SlkctiaK »MUIM! r-