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Die Stimme · 1931-09-10 · Heft 192 (10.9.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 192 (10.9.1931)
Date
1931-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 192 — 10. September 193t Zionistischen Organisation zu zerschneiden, der sie von Kindheit an angehören. Das sind jene Revisionisten, die nach anfänglichem Sturm und Drang ernüchtert sind und sich nun Gewissensbisse daraus machen, die Zionistische Organisation weiter zu attackieren. Man kann heute noch nicht sagen, wie der Meinungskatnpf im revisionistischen Lager enden wird. Wir wollen nur hoffen, daß die Revisionisten rechtzeitig auf den Boden der Realität zurückfinden werden. Wir hoffen das aus Sorge um die Zukunft des politischen Zionismus und aus Sorge um die Zukunft des jüdischen Volkes. jabotin skys Position als Führer der Revisionisten unerschüttert — Eine Erklärung Meer Großtnanns lm Zusammenhang mit Gerüchten über eine scharfe Kontroverse innerhalb der Union der Zionisten-Revisionisten hinsichtlich der Gestaltung der Beziehungen zur Zionistischen Weltorganisation erklärte der revisionistische Führer, Herr Meer Großmann, einem Vertreter der jüdischen Telegraphen-Agentur gegenüber u. a. folgendes: Kein Mitglied der Exekutive der Union der Zionisten- Revisionisten stellt Jabotinskys Position als Führer der revisionistischen Organisation und Bewegung in Frage, es bestehen auch keinerlei persönliche Feindschaften oder Rivalitäten unter den Mitgliedern der revisionistischen Exekutive. Die Erörterungen hinsichtlich der Gestaltung der zukünftigen Beziehungen der revisionistischen Union zur Zionistischen Weltorganisation werden weitergeführt, allein eine Entscheidung wird erst durch die Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten im Dezember d. J. getroffen werden. Spaltung der Revisionistischen Union unvermeidlich? Ungeachtet der jüngsten Erklärung Meer GroBmanns, wonach kein Mitglied der Exekutive der Union der Zionisten* Revisionisten die Führerschaft Wladimir Jabotinskys in Frage stellt, hält man, wie der J. T. A. mitgeteilt wird, in den revisionistischen Kreisen von London und Paris die Spaltung der revisionistischen Weltunion als Folge der letzten politischen Entwicklungen für unvermeidlich. Die für Mitte September nach Brüssel einberufene Sitzung der revisionistischen Exekutive wird nicht stattfinden, da Ja* botinsky und die seinen Standpunkt teilenden Pariser Mit* glieder der Exekutive bereits endgültig erklärt haben, sich an dieser Beratung nicht beteiligen zu wollen. In den letzten Tagen ist der Vorschlag au'getauoht, an $telle der Sitzung der Exekutive eine solche des Parteirates einzuberufen, der bindende Beschlüsse in der Frage des Aus* tritts aus der Zionistischen Organisation fassen soll. Im Hinblick darauf, daß Jabotinsky auf einer vorherigen Klärung bezüglich der von ihm propagierten „tndependant Zionist Organisation0 beharrt, hält man das Zustandekommen auch dieser Sitzung für sehr zwei'eihaft. Der Führer der gemäßigten Richtung innerhalb der revisionistischen Partei, Herr Meer Großmann, ist entschlossen, die Weltkonferenz im Dezember auf jeden Fall, ä’iich gegen den Willen der Opposition, einzuberufen, um eine Entscheidung über das künftige Verhältnis der Revisionisten zur Gesamtorganisation herbeizuführen. Es verlautet, daß Großmann sich demnächst auf eine Tournee durch eine Reihe europäischer Länder begibt, um seine Position in den revisionistischen Reihen zu stärken. Die „Jüdische Rundschau“, die sich in ihrer letzten Nummer mit den Vorgängen im Lager der Revisionisten befaßt, fügt hinzu, daß sich in zionistischen Kreisen hartnäckig Gerüchte erhalten, wonach die gegenwärtige revisionistische Mehrheit mit Persönlichkeiten aus anderen zionistischen Gruppen, die auf dem Kongresse mit den Revisionisten zusammengingen, also vor allem mit einzelnen Persönlichkeiten der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten und der Radikalen, wegen Bildung einer neuen Partei verhandeln. Diese neue Partei, deren geistige Führung bei den Revisionisten liegt, soll organisatorisch eindeutig innerhalb der Zionistischen Organisation stehen, während man es dann der heutigen Minderheit mit Jabotinsky an der Spitze überlassen will, aus der Organisation auszutreten. Kein neuer Numerus Clausus in Ungai n Budapest, 4. September. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit einer Erklärung des Ministers für Kultus und Unterricht, Dr. Alexander Ernszt, sind in ausländischen Blättern und besonders in der ausländischen jüdischen Presse Veröffentlichungen erschienen, die an die Worte des Ministers verschiedene weitgehende Kombinationen knüpfen. Die ungarländischen Vertreter der Jewish Agency, Dr. lgnacz Friedmann und Dr. Josef Patai, wurden nun von zuständiger Seite ersucht, mitzuteilen, daß Kultusminister Dr. Ernszt keinen Augenblick die Absicht hatte, irgendwelche konfessionelle Fragen aufzuwerfen oder auch nur zu berühren. Als der Minister den Ausdruck «Numerus clausus» gebrauchte, dachte er absolut nicht daran, daß man in diesem* Ausdruck, der im Auslande so sehr odiose Vorstellungen erweckt hat, konfessionelle Einschränkungen hineindeuten werde, die der Auffassung des Ministers ganz entschieden ferne standen. „Zehn Tage Anti-Religion“ Moskau, 4. September (J. T. A.) Im Hinblick auf die bisherige Erfolglosigkeit der Kampagne gegen die Haltung der hohen jüdischen Feiertage hat das Hauptbureau der Atheisten zur Bekämpfung der traditionellen «Zehn Tage innerer Einkehr» (Assereth jeme teschubah) «Zehn Tage Anti-Religion» proklamiert Camera obscura Bei iur Nachwahl im Nenmter Bezirk hat das vakant gewordene Kammermandat der Präsident der antisemitischen Organisation «Eiserne Garde*, Corneliti Codreanu, erlangt. Codreanu hat vor einigen Jahren den Jassyer Präfekten Manciu erschossen, weil dieser von antisemitischen Studenten angegriffene jüdische Universitätshörer beschützt hat, wurde vom Geschworenengericht freigesprochen und von den Antisemiten zum Nationalhelden erklärt. Jetzt ist der Herr Mörder sogar Abgeordneter geworden. * ln einer anläßlich der bevorstehenden Wahlen zum Parlament von Quebec abgehaltenen Versammlung hielt der konservative Kandidat Dr. Raoul Paouiin eine Rede, in der er sich u. a. auch mit der jüdischen Schuifragc in Kanada befaßte. In diesem Zusammenhang erklärte er, der Führer der Liberalen sei zwar ein frommer Christ, trete aber trotzdem für die Einrichtung eines eigenen jüdischen Schulsystems ein. Dies sei sehr verwunderlich, denn es sei doch kein Geheimnis, daß nach den Lehren des jüdischen Talmud die Ermordung christlicher Kinder durch Juden gebilligt und nicht als Sünde betrachtet werde. Mittelalter? Nein, Kanada 1931. * Bei einem Berliner Apotheker war ein Fräulein U. als Praktikantin tätig. Vor ihrer Einstellung hatte sich der Besitzer der Apotheke, mit Rücksicht auf seine zur Mehrheit jüdische Kundschaft, vergewissert, daß die Praktikantin nicht Antisemitin sei. Anfangs August gingen dem Apotheker aber Briefe zu, in denen ihm mitgeteilt wurde, daß seine Praktikantin auf der Straße Flugblätter antisemitischen Inhalts verteilt hätte, was sie, zur Rede gestellt, auch zugab. Nach einer Unterredung verließ die Praktikantin die Apotheke, ohne daß man wußte, ob sie entlassen worden war oder selbst gekündigt hatte. Vor dem Arbeitsgericht strengte sie dann die Klage auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses an, mit der Behauptung, fristlos entlassen worden zu sein. Der beklagte Apotheker bestritt dies, sprach dann aber die fristlose Entlassung wegen ihres Verhaltens in der Verhandlung aus. Das Gericht wies die Praktikantin nach kurzer Beratung mit ihrer Klage ab. In der Begründung betonte der Vorsitzende, daß einem jüdischen Arbeitgeber nicht zugemutet werden könne, einen Arbeitnehmer zu beschäftigen, der außerhalb der Dienstzeit antisemitische Propaganda treibe. Dieser interessante Fall dürfte auch außerhalb Berlins Beachtung finden. Jüdische Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, Antisemiten zu beschäftigen. * Wie die Berliner Reichszentrale für Schächtangelegenheiten mitteilt, ist in Bielefeld in der Stadtverordnetensitzung am 26. August der Antrag auf Schächtverbot abgelehnt worden. Ebenso wurde vor kurzem ln Wertheim (Baden) der Schächtverbotsantrag der Nationalsozialisten mit allen Stimmen des Gemeinderates gegen die Antragsteller abgelehnt. Wie lange noch werden die Antisemiten unter dem Deckmantel der Humanität einen Krieg gegen die jüdische Tradition führen? * Der Berliner Korrespondent einer großen New Yorker Tageszeitung teilt der Jüdischen Telegraphen-Agentur einen Vorfall mit, dessen Zeuge er gewesen war. Unter den Linden stand ein Käse-Rundfahrtwagen und vor ihm ein Angestellter des Unternehmens in voller Uniform mit der Firma an der Mütze und auf der Armbinde. Ein junger Mann erregte die Aufmerksamkeit des Käsemannes, der ohne jeden Grund plötzlich den Passanten anpöbelte und ihm zurief: «Bald werdet ihr Juden alle baumeln! — Wenn Hitler kommt, werdet ihr nicht mehr hier herumstehen dürfen!» Schließlich kam der Angeredete durch die häufige Wiederholung dieser Zurufe in Wut und antwortete: «So kann sich nur ein Hitler- Mann oder ein Strolch benehmen!» Nun Fiel der uniformierte Käsemann, ein kräftiger Mensch, über den schmächtigen Passanten her, schlug ihn zu Boden und hieb auf den Kopf und den Körper seines Opfers los, bis Gäste des Kaffeehauses, unter ihnen einige amerikanische Staatsangehörige, heraussttirzten und der empörenden Szene ein Ende machten. Wie heißt das neue, für die Zustände in Deutschland geprägte Wort? Strolchewism us! * Laut den aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion in Moskau eintreffenden Berichten verläuft die große antireligiöse Kampagne der Apikorsim(Atheisten)zirkel gegen die Abhaltung der jüdischen hohen Feiertage überall ohne Wirkung. «Emess» klagt, daß in den jüdischen Dörfern auf die antireligiöse Kampagne nicht im geringsten geachtet wird und prophezeit, daß in vielen jüdischen Kolonien, wie im vorigen Jahre so auch in diesem Jahre, die Bauern zu Rosch Haschanah und Jom Kippur die Arbeit auf den Feldern ruhen lassen werden. Armer «Emess»! Wir verstehen deinen Schmerz und deine Entrüstung. Ist es nicht schrecklich: am Rosch Haschanah werden die jüdischen Bauern nicht arbeiten I . . . * Eine neue authentische Liste sämtlicher in Deutschland in den Jahren 1923 bis 1931 erfolgter Friedhofsschändungen hat der Ccntrni-Verein deutscher Sianö-lniK.-r jüdischen Glaubens soeben hen;a.-;gegvi>» n. i' \ •. im s enthält nicht weniger als 103 derartige Schändungen. Die erste nachweisbare Schändung wurde in der Nacht vom 27. zum 28. Jänner 1923 in Schneidemühl, die letzte wurde am 17. August d. J. in Offenbach festgestellt. Die Schändung?* verteilen sich auf alle Teile des Reiches. Am seltensten ist die Provinz Brandenburg in der Liste zu finden. Bei dieser Liste sind alle die Fälle von Fricdhofsverwiistungen ausgeschieden, in denen es sich um Unfug von spielenden Kindern, um Unwetterschäden oder ähnliche Ursachen handeln könnte. Es gibt wohl wenig Kulturmenschen in der Welt, denen diese Liste der Barbarei kein Gefühl des Ekels und der Scham einflößen wird. Stolz auf sie zu sein, dürfte wohl bloß den Vorkämpfern des «dritten Reiches» Vorbehalten bleiben. Manifest der eng Ischen Zionistischen Förderation Die englische Zionistische Föderation hat ein Manifest erlassen, in welchem es u. a. heißt: Indem wir den Rücktritt Dr. Weizmanns bedauern, finden wir cs erfreulich, daß das vom Präsidenten Sokolow verlesene Statement of Policy im wesentlichen jene politischen Prinzipien zum Ausdruck bringt, die Dr. Weizmann seit dem Kriege und besonders seit den Unruhen von 1929 verfolgt hat. Aus diesem Grunde unterstützte die englische zionistische Kongreßdelegation Professor Brodetskys Eintritt in die neue Exekutive. 70.000 jüdische Kinder in Polen ohne Schulunterricht Warschau, 4. September. (J. T. A.) Viele jüdische Gemeinden in Polen werden wegen Mangels an Mitteln nicht ln der Lage sein, jetzt, zu Beginn des neuen Sohul- Jahres, die von ihnen erhaltenen Schulen zu öffnen, anders jüdische Gemeinden werden die Zahl der Schulklassen stark einschränken müssen, so daß schätzungsweise 70.000 jüdische Kinder ohne Schulunterricht bleiben werden. Hauptsächlich werden davon Kinder armer undärmster Familien betroffen sein, also Kinder, die in einer Atmosphäre unbeschreiblichen Elends leben und die nun den Teil der Nahrung und Kleidung, den sie bisher in der Schule erhielten, werden entbehren müssen. Die neue Verfassung in jugosfawien garantiert die Gleichberechtigung der Juden Die durch König Alexander proklamierte neue Verfassung des Königreiches Jugoslawien, die eine Aufhebung der Diktatur und eine Rückkehr zum parlamentarisches System verkündet, enthält folgendo für die jüdlsohe Gemeinschaft wichtige Bestimmungen: Sämtliche Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich und genießen den gleichen Söbutz seitens der Behörden. Religion»- und Gewissensfreiheit wird garantiert Der Genuß bürgerlicher und politischer Rechte ist vom Religionsbekenntnis unabhängig. Sämtliche Schulen müssen das .-staatsbürgerliche Bewußtsein lm Sinne nationaler Einheit und religiöser Toler&ns entwickeln. Sämtliche Staatsämter sind allen Staatsbürgern unter gesetzlichen Bedingungen in gleicher Weis« zugänglich. jftts der arabischen (fresse Die neue englische Regierung Das Organ der arabischen Exekutive «Felestin» befaßt sich in einem Leitartikel mit der durch die Bildung der Nationalen Regierung in England geschaffenen neuen poli* tischen Lage und gibt der Ansicht Ausdruck, daß die jetzige englische Regierung unter jüdischem Einfluß stehe und daß die Araber von ihr nichts gutes zu erwarten hätten. Die arabische Agitation gegen die versiegelten Waffenlager Die arabische Zeitung «AI Carmei» in Haifa wurde von der Regierung für die Dauer von 14 Tagen verboten, well sie sich in einem Artikel gegen die versiegelten Waffenlager, die von der Regierung in den isoliert gelegenen jüdischen Kolonien vorgesehen wurden, gewendet fiat. Jius (fatüstina Schaukat Ali wieder in Palästina Der Führer der indischen Moslems Schaukat Ali, der vor einigen Monaten aus Anlaß der Bestattung seines verstorbenen Bruders Mohammed A!i in Palästina geweilt und zur Durchführung einer antizionistischen Kampagne das Land bereist hat, ist am 1. September wieder in Jerusalem eingetroffen. Agronsky übernimmt die Leitung des «Palestine Bulletin» Der bekannte amerikanisch-jüdische Journalist Herr Gereon Agronsky hat die Leitung des «Palestine Bulletin«, der einzigen englischen Tageszeitung in Palästina, übernommen. Einreiseerleichterung für Rabbiner in Palästina Wie der Jewish Agency offiziell mitgeteilt wurde, haben die Behörden die vom Oberrabbinat übernommene Garantie für die Erhaltung von Rabbinern und anderen jüdischen geistlichen Funktionären, die nach Palästina kommen, zur Kenntnis genommen. Dies bedeutet eine Erleichterung der Einreise von Rabbinern und jüdischen religiösen Funktionären nach Palästina. Gedenket beim THORAAUFRUF des Keren Kajemeth

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