Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 191 (3.9.1931)
- Date
- 1931-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIL SUMME Seite 5 Nr. i. . .i'c^ic.iitber \931 Die Hundertjahrfeier des Abb6 Gr6golre Von Dr. Sigmund R o h a t y 11 Im Jahre 1788, ein Jahr vor dem Ausbruch der französischen Revolution, erschien eine Schrift, die folgendermaßen betitelt war: «Essay sur la reg6n£ration physique et morale des juifs*. Der Verfasser war der Abbe Grögoire, einer der markantesten Köpfe der französischen Revolution. Sein fanatischer Kampf gegen den Klerikalismus und seine republikanische Gesinnung sind dem französischen Volke zum Sinnbild der Demokratie geworden. Die eben in Paris gegründete Gesellschaft der Freunde des Abb£ Grdgoire hat am 31. Mai die hundertste Wiederkehr seines Todesjahres in der Sorbonne gefeiert. In Anwesenheit des Präsidenten der französischen Republik würdigte Ferdinand Brunot das Werk des Abbe Grdgoire. Sylvain Ldvi teilte mit, daß in 12.000 Schulen der Alliance Israelite Universelle für den republikanischen Abbd Gottesdienste veranstaltet worden sind. Deputierte von den Antillen und ein Minister der Republik Haiti statteten Dank ab im Namen ihrer schwarzen Brüder. Denn der Abbd Oregoire Hat sich nicht nur der Juden angenommen; er ist für alle unterdrückten Rassen eingetreten und setzte 1794 die gänzliche Aufhebung der Sklaverei in den Kolonien durch, die aber bald von Napoleon wieder eingeführt wurde. Man hat sich gewundert über die Paradoxie des «Heiligen der Revolution», der in violettem Bischofskleid an den Sitzungen des Konvents teilnahm. Man hat vergessen, daß Grögoire durch seinen persönlichen Freund Robespierre geschützt war. Robespierre tadelte die sogenannte «Entchristlicfiüng» der Revolution und bezeichnete sie als ein Verbrechen. In seinem Tagebuch findet sich folgende Notiz: «Vertagung der Verordnung über die (revolutionäre) Katenderreform für immer.» ' Dahlals existierte der Antiklerikalismus eben noch nicht als Partei, sondern er war einfach eine historische GeistesstVömung. Es gab noch nicht jenen Widerspruch zwischen der jÜdisch-urchristlichen Ideenwelt und den freiheitlichen und sozialen Ideen der Aufklärung. Man war sich im Gegenteil noch bewußt, daß die Ideen der Freiheit und Gleichheit der Großen französischen Revolution nichts als die säkularisierte, mythenfreie Ideologie der jüdisch-christlichen Dogibeh darstellten. Denn was sonst ist die demokratiscne «Gleichheit vor dem Gesetz», wenn nicht eine sublimierte «Gleichheit aller vor Gott»? Der «utopische» Sozialist Moses Heß wußte trenau, daß der Kampf gegen die Tyrannei und die Befreiung von der Sklaverei der eigentliche Sinn der Bibel ist,'ja, daß ein kleines Volk den ersten entscheidenden Schritt tun durfte, um die Sklaverei in seinem Lande faktisch zu beseitigen. Dort gab es keine Sklaverei, sondern 6ihe siebenjährige Hausknechtschaft; und wenn ein Hausknecht nach siebenjährigem Dienst nicht .zu seiner vollen Freiheit zürückkehren wollte, so wurde ihm zum Zeichen 4er .Schmach das Ohr durchstochen. Keine materialistische Ititerpretation ist imstande, diese Tatsache zu erklären. Denn die «Produktionsverhältnisse» waren damals in Palästina ebenso primitiv wie in Babylonien und Aegypten, wie in Griechenland und Rom; und doch blühte sonst überall die- Sklaverei. ' Ebenso wie Moses Heß wußte Abb6 Gregoire um diese Tatsache, an die zu glauben die Juden selbst.immer wenlgei den Mut" finden. Er sprach sie offen ‘ aus in seiner Schrift übör i«ha: Domesticitd chez lesrpeupleS änciens'er modern^»: " .Mit der• Gründung der Gesellschaft der Freunde des ■ Abbe-Gregoire ist, einer historischen Persönlichkeit rjerechfigkeit widerfahren, der die Juden ganz besonders verbunden sind. Aus datüstina Bentwich tritt zurück? " Das Organ der palästinensischen Arbeiterpartei «Dawar» teilt aus autoritativer Quelle mit, daß Oberstaatsanwalt Herbert Bentwich, der gegenwärtig beurlaubt ist, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. ' Bekanntlich wurde Herbert Bentwich für die Besetzung des «Weizmann-Lehrstuhls für Internationales Friedensrecht» an der Hebräischen Universität Jerusalem in Aussicht genommen. Abschiedsabend der Gemeinde Jerusalem für Chancellor; Am 27. August, fand im Jerusalem ein von der Stadtgemeipde veranstalteter Abschiedsabend für den High Commissioner Sir John Chancellor, statt. An der Feier nahmen 500 geladene Gäste, Angehörige aller religiösen Gemeinschaften Jerusalems, teil. Sir John Chancellor hielt eine Ansprache, die auf einen Ton der Resignation abgestinrmt war. Abschiedsbesuch Chancellors in Amman : Sir John Chancellor hat sich am Montag, den 24. August, mittels Flugzeug nach Amman begeben, um sich von Emir Abdullah zu verabschieden. Weizmann geht nach Südafrika London. (J. T. A.) Dr. Chaim Werzmann gibt bekannt, daß er die vom Keren Hajessod an ihn ergangene Einladung, die Leitung einer Kampagne für diesen Fonds in Südafrika im Dezember d. J. zu übernehmen, angenommen hat. Zu vermieten in praditvoller Villa in Hietzing zwei bis drei sonnige Räume, im gapzen oder geteilt, Bad, Telephon und Garten- , bentitzung, mit ganzer oder halber Pension, streng koscher. (2 Minuten zur Straßen- und Stadtbahn.) Anfragen unter Tel. U 33-1-34. roerüenfreies SUler etretd)bar burd) eine Ütabioffletinfür, ble eine 33ßtbün* mntQ be3 50Iutc§ bemirft, gegen $terfatfung bet 33Int* gefäjje »orbeugt lttt-b biefen baburd) biß motmenbige ftijität ßtpcilt. Siabiofflerin ift feit fahren nl§ 2iitberung§* uitb fBorbeugnng§mitt>el ärjtlidp erprobt unb frei berfSuf* fid). fftörbiuntgelKtlt omtfid) überprüft. Depot unb 9Ut3funft Upotyefte $ai)er, löien, I., SOoOjeUe 13 iJJrofpeft gratis unb frnnfo. Verschärfte Taktik der Araber in Palästina? Jerusalem, 26. August. (J. T. A.) Die arabische Exekutive hat in ihrer letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in der gegen die «Verfolgung der Patrioten durch die Regierung» protestiert wird. Der Sekretär der Exekutive, Jamal Husseini, trat dafür ein, daß die Araber in Palästina die Taktik der Non-Cooperation mit der Regierung, wie sie von der Lelbesverstopfung, abnormale Zersetzung und Fäulnis im Darm, vermehrter Säuregehalt des Magensaftes vergehen bei Gebrauch des natürlichen «Franz-Josef»-Bitterwassers. In Apotheken erhältlich. indischen Bevölkerung durchgeführt wurde, einschlagen. Er erklärte, die bisherige arabische Taktik habe versagt und daher sei es notwendig, neue politische Methoden anzuwenden, auch wenn dies zu Massenverhaftungen wie in Indien führen sollte. 18.000 illegal eingewatiderte Araber fallen unter die Amnestie Jerusalem, 24. August. (J. T. A.) Entgegen der von der arabischen Exekutive aufgestellten Behauptung, die anläßlich der Volkszählung verkündete Amnestie für illegal Eingewanderte sei eine ausschließlich zugunsten der Juden getroffene Maßnahme, durch die 25.000 illegal eingewanderte JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbücher (auch antiquarische) für Eure Kinder in det jUd. Buchhandlung Herm^UCHNiR Wien, ll.v Gr. Stadtgutg. 7 (Ecke Ta* borstraße 52) LEIHBIBLIOTHEK: Alle Neuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren J Für Anfragen Telephon R-41-4-20 Juden" nachträglich- dfe: gesetzliche Aüfenthäifsbewilligung erhalten sollen, erklärte der’High Commissioner Sir. John : Chancellor einer arabischen Delegation, unter den 25.000 Personen, die für die Amnestie in Betracht kommen, seien 18.000 Araber, die seit der letzten Volkszählung im Jahre 1922 die Grenzen Palästinas illegal überschritten haben. Ein Jude Brigadegeneral in China Die Regierung von Kanton hat einen Juden, Morris Abraham Cohen, zum Brigadegeneral ernannt. Cohen wurde in London geboren und diente im Weltkriege als Soldat im kanadischen Korps, das an der Westfront kämpfte. . Im Jahre 1915 wurde er Sergeant und erlernte die chinesische Sprache, als er den hinter der französischen Front beschäftigten chinesischen Arbeiterbataillonen zugeteilt wurde. Cohen ging nach Kriegsende nach China und war seit 1921 die rechte Hand von Dr. Sun Yan Sen, des Vaters der chinesischen Republik, bis zu dessen Tode. Cohen ist der erste Weiße, der so hohe Ehren in China errang. Glossen Brunnenvergiftung Die unzweideutige Absage des Kongresses an den Revisionismus scheint wenig genützt zu haben. Die zur Machtergreifung ausgezogehen und leer heimgekehrten Revisionisten können ihre bittere Enttäuschung anscheinend nicht verwinden und so geht nun der sattsam bekannte Feldzug weiter. Das Exekutivkomitee der revisionistischen Weltunion leistete sich neuerdings, wohl als Begrüßung des neuen, von den Revisionisten mitgewühlten Präsidenten Sokalow, eine außenpolitische Extratour in der Form eines Briefes an das britische Kolonialamt, die als ein weiterer Schritt auf dem Wege zur völligen Loslösung von der zionistischen Weltorganisation angesehen werden muß. Und die revisionistische Presse setzt ihre Wühlarbeit fort und strotzt nach wie vor von unerhörten Verunglimpfungen der jüdischen Arbeiterschaft und der zionistischen Arbeiterparteien. Auch der Kampf gegen Weizmann wird mit unverminderter Heftigkeit fortgeführt: mit breitem Behagen werden der Oeffentlichkeit die Einzelheiten seines «Sturzes» vermittelt. Dabei werden wohlweislich Tatsachen unterdrückt, die geeignet sind, den zurückgetretenen Präsidenten in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen. So verlor die revisiontstische Presse beispielsweise kein Wort über die wahrhaft großmütige Haltung Weizmanns unmittelbar nach der ihm auf dem Kongreß zuteilgewordenen tiefen Kränkung, wie sie auch seine gehaltvolle Ansprache auf der Tagung der Jewish Agency nicht würdigte. Sehr ungelegen dürfte den Revisionisten auch die nunmehr bekanntgewordene Tatsache kommen, daß Weizmann in rühmlichem Gegensätze zu anderen zionistischen Führern sich nicht in den Schmollwinkel zurückzog, sondern sich bereit erklärte, der neuen Leitung in der Bewältigung der schweren Aufgaben des Palästinaaufbaues zu helfen, indem er ihre Einladung zu einer Propagandareise nach Südafrika zugunsten des Keren Hajessod annahm. Um so eifriger wird dagegen in revisionistischen Kreisen nach Angriffsmöglichkeiten gefahndet. In den letzten Tagen wurden Weizmann von dieser Seite zv>et «Uebeltaten» angekreidet. Erstens seine Badgasteiner «geheime Beratung» mit den Arbeiterführern, über deren Zweck und Verlauf sogar die «allwissende» ITA nichts mitzuteilen wußte. Konfidentiell, daher Vorsicht/ Wer weiß, um was für ein Komplott es sich hierbei handelt und um welche noch unbekannte «Gefahr» für den Zionismus! Also alle «Retter» an Bord!... Und dann folgt die Geschichte mit Weizmanns Labour-Kandidatur ins Englische Unterhaus. Deren Ursprung ist allen bekannt. Der sensationslüsterne «jewish Chronicle» tischte diese «Ente» zuerst auf, sie wurde dann von der übrigen Presse, darunter dem Labourorgan «Daily Herald» übernommen und wird jetzt mit einer Spitze gegen Weizmann ausgenützt. Dabei wird das diesbezügliche Dementi der zionistischen Leitung nicht beachtet und man weiß sogar davon zu berichten, daß die Poale Zion-Exekutive hierbei die Vermittlerrolle spielte. Wie es scheint, begnügt man sich in revisionistischen Kreisen nicht mehr mit den bisherigen Kampfmitteln und mit dem Feldzug in der jüdischen Presse, sondern man trachtet die^allgemeine Presse in^fjß«|f Dierisi dies;es~«heiiigen» Kampfes zti stellen. So würde"“ im «Neuen Wiener Journal» (wo,denn sonst?...) vom" 28. August LJ. über die «aufsehenerregende politische Wandlung des gestürzten Präsidenten der zionistischen Weltorganisation» ein längerer Aufsatz veröffentlicht, der zwar als aus London kommend ausgegeben wird, der aber aus dem Wiener revisionistischen Lager zu stammen scheint. Der ganze Aufsatz, der verschiedene unwahre Angaben enthält, und noch mehr seine unerhörte Tendenz der Verunglimpfung Weizmanns und der Diskreditierung der zionistischen Arbeiterparteien, verdient schärfstens gebrandmarkt zu werden. Der anonyme Schreiber arbeitet auch nach der berüchtigten Methode der Ausstreuung von Verdächtigungen und Verleumdungen. Einerseits wird Weizmanns Eintreten für eine «englandfreundliche Politik», der ent willen er «unbedingt weiterhin die Führerschaft behalten wollte», derart dargestellt, als ob nicht der Zionismus, sondern diese englandfreundliche Politik, u. zw. unter allen Umständen seine Hauptaufgabe wäre. Dies ist ein schändlicher Versuch, den langjährigen Präsidenten der Zionistischen Organisation, der unvergängliche Verdienste um das jüdische Volk hat, als einen Vertreter rein englischer Interessen, also als Verräter der jüdischen Sache hinzustellen. Andererseits wird Weizmann in diesem Aufsätze als ein «überzeugter Sozialist seit jeher» bezeichnet. Dabei wird auch daran erinnert, daß Weizmanns Bruder «ein bekannter Emissär der russischen Sowjetregierung» ist. Diese letzte Bemerkung paßt in diesen Rahmen glänzend hinein. Dadurch soll nämlich der antisozialistischen Welt bedeutet werden, mit welchen umstürzlerischen Elementen man es hier zu tun habe.., Af. Henisch. Danksagung Außerstande, jedem Einzelnen für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme zu danken, bitte ich auf diesem Wege, meinen innigsten Dank entgegenzunehmen. Sali Weiß, Wien, XVIII., Währingerstraße 121. alle Familienfeieriichkeiten (Hochzeiten, Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten .seine Freunde Sammlungen für den Kajemeth durchführen Brith Keren durch Keren