Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 191 (3.9.1931)
- Date
- 1931-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ml»..« für sie. Das alles bedeute! für sie nicht einmal den Anfang eines selbständigen politischen Lebens. Nein, das sind gefährliche Phantasien! Aber ihr kindisches Geschreibsel über einen großen arabischen Staat, ein Geschreibsel, aus dem Unterwerfung und Bitte um Mitleid herausklingen — das ist für sie Wirklichkeit, das vst für sie keine Phantasie! Man sollte sich wundern, daß eine Gruppe von 1^telltktuellen aus Europa s o über Europa und seine Menschen urteilt, so wenig von Europa erwartet. Sie sind ja überzeugt, daß wir keine wirkliche Unterstützung von Europa erhalten werden und bei Europa auch kein Ohr finden werden für unsere berechtigte politische Forderung. Dagegen verstehe ich vollständig ihren Glauben an die arabische Politik, an den arabischen Staat; ihren Glauben, daß wir von Arabern für diese oder jene Argumentation als Gegenleistung Hilfe bekommen werden; daß wir hier im Orient einen herrlichen Platz £tr klare und offene Politik haben. Ich verstehe diesen Standpunkt der Brith Schalom-Leute. Sie haben ihn, weil sie doch so ein tiefes Verständnis und so ein großes Wissen und so viele Beziehungen und so eine reiche Erfahrung mit dem Orient, seinen Völkern und seinen Menschen besitzen! „Manchester Guardian“: Die Paläs ina« Unruhen eine Folge der schwankenden englischen Politik Im Leitartikel seiner Nummer vom 24. August nimmt «Manchester Guardian» zu den Unruhen, die sich in Palästina an dem Tage des. Generalstreiks ereignet haben, Stellung. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: Trotz der freundlichen Haltung gegenüber den arabischen Beschwerden ist es der Regierung nicht gelungen, Unruhe und gefährliche Agitation zu beseitigen. Der Hauptgrund der gegenwärtigen Agitation ist der Beschluß der Regierung, den exponierten jüdischen Kolonien «versiegelte Waffenlager» zur Verfügung zu stellen, woraus unrühmlich bekannte arabische Führer der Regierung den Vorwurf gemacht haben, sie bewaffne die Juden gegen die Araber. In Wahrheit bedeute natürlich diese Maßnahme nichts derartiges; sie ist nur eine Ergänzung des polizeilichen Schutzes, der bedauerlicherweise allein nicht ausreicht, das Leben der jüdischen Bürger zu schützen. Aber unsere schwankende Politik seit 1929 hat viele Araber fälschlich, wenn auch nicht ganz Hebraica, Judaica, Zionistica sowie jüdische Literatur in größter Auswahl. Seidene und wollene Tallessim zu billigen Preisen. Buchhandlung JOSEF BELF WIEN, I. RABENSTEIG 3 Prospekte kostenlos. Dort wurde sie Mutter eines schönen Knaben, den sie David und Memjelek nannte; sie gab ihm den Kosenamen Bayna Lehkum (Sohn des weisen Mannes). Als der Knabe zum Manne herangereift war, erzählte sie ihm das Geheimnis seiner Abstammung. David beschloß sofort nach Judäa zu wandern, um seinen Vater kennen zu lernen. Die Königin gab ihm ein Schreiben und den Ring Salomos mit, damit er seine Herkunft erweisen könne. Doch diese Vorsicht war unnötig. In den Straßen Jerusalems erkannte man sofort den Königssohn, so sehr war er das Ebenbild seines edlen Vaters. Bis hierher klingt die äthiopische Ueberlieferung ziemlich glaubhaft und ist vielleicht auch historisch zu werten, obwohl es keine authentische Bestätigung gibt. Was weiter folgt, soll offenbar der Glorifizierung des Herrscherhauses Abessiniens dienen. Die Königin und ihr Volk hatten bisher Sonne, Mond und Sterne als göttliche Wesen verehrt. Nach ihrer Rückkehr aus Judäa führte die Königin den Kult des heiligen Namens ein, so daß bei den Sabäern der heiße Wunsch erwachte, auch einen Gegenstand aus dem Tempel zu Jerusalem zu besitzen, den sie verehren könnten. Der junge Prinz raubte nun aus dem Allerheiligsten die Bundeslade, nachdem er eine nachgebildete an ihre Stelle gesetzt hatte. Bei seiner Heimkehr brachte er die «echte» Lade mit, die in späterer Zeit in jenen Teil Aethiopiens überführt wurde, der heute Abessinien heißt. Daher rühmen sich die abessinischen Könige als Abkömmlinge der Sabäer, die Hüter des einzigen Heimes des wahren Gotteszu sein. «Das wissen wir», so schließt die «Kebra Nagast», daß der König von Aethiopien König von Zion ist und der erstgeborene Sohn des Sem, den Gott so außerordentlich liebt, wie das ganze äthiopische Volk. Es ist dem König von Aethiopien mehr Ruhm, Gnade und Majestät zugemessen als allen anderen Völkern der Erde.» Aus dem Englischen übertragen von Esther Mieses. («Menorah») DIE STIMME Nr. 191 — 3. September 1831 ttfcvtfstfindlicherweise, zur Ueberzeugutig geführt, daß wir Im geheimen mit ihrer feindlichen Haltung gegenüber den Juden sympathisieren. An der Notwendigkeit versiegelter Waffenlager läßt sich daa Versagen der Regierung ermessen. |)Near East and India“ verurteilt die Politik der arab. Exekutive Das dem Colonial Office nahestehende Blatt «Near East and India» verurteilt im Leitartikel seiner letzten Nummer schärfstens die Politik der arabischen Exekutive. Die arabische Sache, heißt es in dem Artikel, werde durch Unehrlichkeit, Verdrehung und Drohung mit Gewalt nur gefährdet. Alle in diesem Jahre versuchten Demonstrationen hätten im wesentlichen einen regierungsfeindlichen, nicht einen antizionistischen Charakter getragen. Das sei eine verderbliche Politik. Das Manifest der Exekutive, in dem der Entwicklungsplan abgelehnt und behauptet wird, die versiegelten Waffenlager bildeten eine Gefahr für den Frieden und zwängen die Araber, sich zu bewaffnen, sei nicht nur eine Kinderei, durch die niemand getäuscht werde, sondern auch eine leichtfertige Torheit. 'Camera obscura Am 9. August wurden auf dem jüdischen Friedhofe in Waldmohr (Saarpfalz) zahlreiche Grabsteine zerstört und Inschriftenplatten von Grabdenkmälern entfernt. Von den Tätern fehlt, wie gewöhnlich, jede Spur. Aber wer diese Täter waren, kann man sich leicht denken: wurden doch mehrere Gräber mit Hakenkreuzen verunziert. * In Bad Reinerz haben die Hakenkreuzler auf Dr. Zamenhof abgesehen. Dort wurde kürzlich ein Denkmal für den Schöpfer der Esperanto-Weltsprache, der bekanntlich Jude war, aufgestellt. An dem Hotel Metropole wurde zu gleicher Zeit eine Gedenktafel angebracht, mit der Aufschrift: Dr. L. L. Zämenhof-Warschau wohnte in diesem Hause während seines Kuraufenthalts 1906 und 1909». Schon am nächsten Tage war das Denkmal mit Hakenkreuzen bemalt und die Balkonwand des Hotels mit den Worten «Tod allen Juden» «beschmückt». Prompte Arbeit! * Es gibt bekanntlich eine ganze Reihe von Sommerfrischen, wo «nur Arier» gerne gesehen werden. Vor einigen Monaten hat das Hamburger «Israelitische Familienblatt» eine Broschüre «Wo Juden unerwünscht sind» herausgegebe.i. Mit dieser Broschüre befaßt sich nun «Der Völkische Beobachter». Der betreffende Aufsatz, endet mit den Worten: «Judäa, klage nur, deinen Boykott kann niemand mehr stören. Bald werden wir dich derart boykottieren, daß du gerne nach deiner Heimat heimkehrst. Balde, balde, ruhest du auch!» Armer Goethe! * ■ Im April zog ein Trupp Nationalsozialisten durch den Ort Dexheim bei Oppenheim und sang dabei Lieder, die bekannten schönen Hakenkreuzlieder. In einem Lied kam der Refrain vor: «So stehen die Stürmkolonnen zum Klässenkampf bereit, Erst wenn die Juden bluten, dann ist das Volk befreit.» Es wurde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Mainz erhoben, da die Tendenz des Liedes offen den Judenmord ausspricht. Die Staatsanwaltschaft sah jedoch in dem Lied keinerlei Aufreizung zur Gefährdung des öffentlichen Friedens und wollte nicht eingreifen. Sonderbar ist es,, daß Menschen an Klosettpoesie Gefallen finden können. Noch sonderbarer ist jedoch die Stellungnahme der Mainzer Justizbehörde, für die ein Junctim zwischen der «Befreiung des Volkes» und dem «Bluten der Juden» keine Aufreizung bedeutet. * Die Funktstätion von St. Louis sendet täglich eine «jüdische Stunde». Ob sich auch die Wiener Ravag ihrer Pflichten den jüdischen Abonnenten gegenüber mal erinnern wird? * Die. Lehrerin an der jüdischen Schule in Krementschuk (Rußland), hatte sich vor dem «Klub der Roten Lehrerschaft» zu verantworten, weil sie die Vollziehung des Beschneidungsaktes an ihrem neugeborenen Söhnchen geduldet hat. Sie verantwortete sich dahin, daß ihre Eltern ohne ihr Wissen den religiösen Akt vollziehen ließen. Dies wurde ihr nicht geglaubt, und sie wurde wegen «Duldung eines barbarischen Aktes» für sechs Monate aus der Lehrerorganisation ausgeschlossen. Das Bildungskommissariat wurde ersucht, sie für die gleiche Zeitdauer vom Lehrdienst zu suspendieren. Die Beschneidung ist «ein barbarischer Akt»! Die «Rote Lehrerschaft» scheint von der hygienischen Bedeutung dieses rituellen Gebotes gar nichts' zu wissen. Aber das ist für sie Nebensache. Hauptsache ist die Offensive gegen die jüdische Tradition. M srachi — Minjan Anläßlich der hohon Eeiortiisre findet, wie alljährlich, In unserem Heim ein feierlicher Gottesdienst statt. Eintrittskarten von S 10* aufwärts, zu haben bei Misrar-hi-Zunti'ale. H.. Praterstraße Nr. 11, Telephon-N'umtm r K* 45-6-25 Zwischen den Zeilett Genfer Komödie Ein Spiel in einem (sich öfter wiederholenden) Akt. Personty: Mitglieder der Mandatskommission des Völkerbundes, vor allem Der stellvertretende Vorsitzende der Kommission v an R ees, Unterstaatssekretär des Britischen Empire D r. Shi eis, Andere britische Vertreter, Lord Passfields Stimme aus dem Hintergrund. Ort der Handlung: Genf. Zeit: Juni 1931. Die Bühne stellt den Sitzungssaal des Völkerbundpalastes dar. Van Rees: «... also um auf den Landentwicklungsplan zurückzukommen: Ich muß sagen, daß ich erstaunt bin. Der Hauptzweck soll, wie Sie ankündigen, die Wiederansied/ung der durch jüdische Landkdufe verdrängten Araber sein?»! Dr. Shi eis: «Natürlich». Van Re e s: «Aber es müßte doch früher fest gestellt werden, ob man diese Araber zwangsweise verdrängt hat, oder ob sie den Boden freiwillig geräumt haben?» D r. S hi eis (verlegen): «No ja,... das ist aber schwer.» K o m m i s s i o n s m i tg l i e d Gar cia . . (zu Dr. Shiels): «Sagen Sie, Herr Doktor, wenn Sie Ihr Londoner Haus, nehmen wir an um 100.000 Pfund verkaufen, sind Sie ein «depossedierter Eng!"'" fer:?» Dr. Shiels: «Nnnnein ... Das wäre sogar ein gutes Geschäft für mich. Mein Haus ist nicht so viel wert». Gar cia: «Dann verstehe ich nicht, wieso Sie von «depossedierten» Arabern sprechen können. Haben denn die Juden den früheren Grundeigentümern für den Boden nichts bezahlt?» ~ D r. Shiels (unsicher): «Allerdings». Stimme Lord Passfields aus dem Hintergrund: «Interessiert uns nicht. Depossediert sind sie und Schluß. Als ich noch Sidney Webb hieß,...» V a n R e e s (unterbrechend): «Lassen wir das<■ Wollen wirzum nächsten Kapitel übergehen. Wie ist - es eigentlich um die Rechte der Jewish Agency bestellt? Ich glaube, diese Rechte wurden von Ihnen illusorisch gemacht.» D r. S hie l s: «Illusorisch? Wieso? Wir waren immer bestrebt, freundschaftliche Beziehungen mit der. Jewish Agency auf rechtzuerhalten». Van Rees: «Freundschaftliche Beziehungen! Es geht nicht um freundschaftliche Beziehungen, es geht darum, daß der Artikel 4 des Mandates England verpflichtet, der Jewish Agency eine wichtige, beratende Rolle zu gewähren.» Dr. Shiels: «Ich kann mich hierzu nicht äußern.» > Passfields Stimme aus dem Hintergrund: «In meinem Weißbuch...» Van Rees (unterbrechend): «Außerdem haben Sie in Palästina ein Staatsbürgerschaftsgesetz machen lassen, das dem Artikel 7 des Mandates widerspricht. Eure Verpflichtung ist doch, die jüdische Einwanderung, zu erleichtern und nicht, sie zu erschweren». Dr. Siehls: «Ja, aber zwingende Notwendigkeiten...» Van Rees: «Die Juden sollen in Palästina kraft des Rechtes leben. Von Ihnen aus werden sie dort bloß' geduldet.» D r. Shiels: Wissen Sie, das ist nämlich so: Die Juden kommen nach Palästina als Ausländer, nicht als Juden. Das Völkerrecht kennt doch keine jüdische Nationalität.» V a n R e e s: «Haben Sie noch nie von der Baljaurdeklaration, vom Mandat gehört? Wissen Sie nicht, ddß in diesen beiden Dokumenten zugunsten der Juden eift neuer völkerrechtlicher Begriff eingeführt wurde?» Passfields Stimme aus dem Hintergrund (barsch). «Wir wollen davon nichts wissen.» D r. Shiels (leise): «Gott sei Dank, der redet für mich». Mitglied der Mandatskommission Prof. Räppard: «Jeder nach Palästina einwandernde Jude, der kein Arbeiter ist, muß den Besitz von 500 Pfund beweisen. Ist das nicht eine drakonische Maßnahme? So sperrt sich doch ein Land ab, das keine Einwanderung wünscht und nicht eines, das kraft Artikel 6 des Mandates die jüdische Einwanderung zu erleichtern verpflichtet ist. D r. S hi el s (schweigt). Prof. R ap pard: «Also?» D r. Shiels (schweigt). Van Rees: «Warum antworten Sie nicht?» D r. Sh iels (schweigt). , V an Ree s: «Meine Herren, ich schließe die Sitzung. Unsere Meinung haben wir ja.» (Vorhang.) Sem