Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 191 (3.9.1931)
- Date
- 1931-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 191 — 3. September 1931 LUE STIMME Seite 3 Gegen dieVerkleinererdesZionismus Von Sch. Jawneeli (Nahallal). Sch. Jawneeli, ein alter palästinensischer Arbeiter und Mitbegründer des Moschaw Nahallal, veröffentlicht in der hebräischen Tageszeitung «Dawar» den nachfolgenden, die Gruppe der «Brith Schalom» heftig angreifeneen Aufsatz. Es ist bezeichnend, daß der Aufsatz im <Dawar> abgedruckt worden ist, also in einer Zeitung, der man politischen Radikalismus nicht zumuten kann. «Scheifotenu» ist eine Zeitschrift, die von der Brith Schalom-üruppe herausgegeben wird. Den Aufsatz Jawneelis bringen wir in deutscher Uebersetzung, unwesentlich gekürzt. Die Red. In der letzten Nummer der «Scheifotenu» heißt es: «Wer die Abstimmungsresultate des Kongresses richtig versteht oder gar selbst an diesen Abstimmungen teilgenommen hat, der kann mit ruhigem Gewissen die Tatsache nicht leugnen, daß politische Dummheit und Unlust zuzulernen, auf dem Kongreß die Oberhand gewonnen haben.» Was die politische Dummheit oder Weisheit betrifft, so ist es doch bekannt, daß von den zehn Kilogramm politischer Weisheit, die auf der Welt vorhanden sind, sich neun im Besitze der Klugen vom Brith Schalom befinden. Was aber die Kongreßresolutlonen selbst anlangt, bin ich persönlich der Ansicht, daß die. Endzielformel einen Schritt vorwärts bedeutet, und daß diese Formel eine richtige und den realen Tatsachen entsprechende Interpretation des Baseler Progranunes ist. Nach schwerem Ringen und nach harten Kämpfen ist diese zionistische Endzielresolution geboren worden. Und sie ist eines der positiven Resultate des Kongresses. Durch diese Resolution wurden aber alle Verkleinerungen der Bewegung, alle, die gegen den Zionismus sind, außerhalb des Rahmens der Bewegung gesetzt. In der letzten Nummer der «Scheifotenu» nehmen die Leute des Brith Schalom Stellung zur neuen Lage. Diese Stellungnahme gipfelt in bezug auf die Endzielresolution in der Erklärung: «Wir können sie nicht annehmen.» Dagegen kann man nichts machen. Wenn ihr sie nicht annehmen wollt, werdet ihr eben außerhalb der Bewegung bleiben. Dann werdet ihr wie die Agudah sein, deren Argumente ihr in eurem «Scheifotenu» bringt, oder wie andere unserer Gegner unter den Juden und den Nichtjuden, die den Zionismus bekämpfen und, angeblich im Namen des Zionismus, große Worte im Munde führen. Ihr schreibt: «Und wenn es die Meinung des Kongresses war, daß Achad Haam nioht mehr unter die Zionisten gezählt werden dürfe, dann hätte das offen gesagt werden sollen. Es wäre ein Trost für uns gewesen.» Meine Herren, es war nicht die Aufgabe des Kongresses, euch zu trösten. Von einem bin ich überzeugt: Würde Achad Haam heute noch leben, er würde schon die richtigen Worte finden, um sich gegen den Mißbrauch seines Namens zu verwahren. Herr Dr. Ernst Simon, der Verfasser eines anderen Aufsatzes in dieser Nummer der «Scheifotenu», beklagt sich über «den Kampf gegen die Verkleinerer des Zionismus, durch den die Anhänger des Brith Schalom ohne Berechtigung aus der Bewegung vertrieben werden». Dazu muß bemerkt werden, daß der Kongreß es war, der eine reinliche Scheidung zwischen denjenigen machte, die in der zionistischen Bewegung stehen, und denjenigen, die sich selbst außerhalb des Rahmens der Organisation gestellt haben. Ein Mann, der schreibt (auf derselben Seite): «Der Zionismus wurde in Westeuropa, auf der falschen Basis begründet, daß wir ein Volk sind, wie alle anderen Völker, oder daß wir wie alle anderen Völker werden sollen» — der hat sich selbst außerhalb der zionistischen Bewegung gestellt, insbesondere nach den Beschlüssen des XVII. Kongresses. Ueber die Einigung unseres zionistischen Lagers schreibt ihr: «Unter der Einigung tl<"3 Lagers ist die Einigung mit den Revisionisten und ihresgleichen zu verstehen.» Jawohl. Man hat sich auf dem Kongreß Mühe gegeben, alle Kräfte im Zionismus, die Revisionisten inbegriffen, zu einigen. Aber wenn es sich um euch handelt, kommt diese Einigung überhaupt nicht in Frage, weil ihr doch offen über ein «Palästina ohne jüdische Mehrheit» sprecht. Behauptet ihr doch bei jeder Gelegenheit, daß es keine Lösung der Judenfrage gäbe — ihr braucht also keine zionistische Volksbewegung, ihr braucht keine Einigung. Zum Glück war aber eure Meinung nicht die Meinung des Kongresses. In einem anderen Aufsatze der «Scheifotenu» wird der Antrag gestellt, daß die zionistische Organisation auf Grund folgender Basis eine Verständigung mit den Arabern erziele: «1. Die zionistische Bewegung anerkennt die arabischen Aspirationen, einen großen arabischen Staat zu begründen, dessen Teil auch Palästina sein solle. 2. Die Juden erhalten das Ansiedlungsrecht im palästinensischen Teile des arabischen Staates, besitzen eine kulturelle und ökonomische Freiheit, und bilden mit der übrigen Bevölkerung des Landes eine autonome Einheit. 3. Palästina ist ein selbständiger Staat in dieser Föderation des großen arabischen Bundes. 4. Palästina bekommt eine Sonderregierung und ein demokratisches Parlament, das die im Punkt 2 erw£#nten Rechte der Juden nicht beschränken darf. Dies ungefähr. Einzelheiten sind bisnun nicht ausger./beitet worden. Ich wollte nur auf die wichtigsten Grundprinzipien hinweisen. Wir müssen den Arabern beweisen, daß es uns ernst ist mit dem Glauben an den arabischen Staat, und daß wir von einer politischen Größe der Araber auch Vorteile für uns erhoffen. Dann werden auch die Möglichkeiten der jüdischen Kolonisation sich nicht auf Palästina diesseits des Jordan beschränken, sondern die jüdische Ansiedlung wird sich von selbst auch auf Tansjordanien ausbreiten ...» In diesem Sinne geht es weiter. «Dies ungefähr» schreibt der Verfasser des Artikels. Und ich möchte fragen: Was wird geschehen, wenn die Araber darauf antworten werden: Stimmt, wir haben uns überzeugt, daß es euch ernst ist mit Jo'tiz&teA cuaA das mit dem Zeichen der streng rituellen Erzeugung versehene Kunerol. Das Verschluhsiegel bürgt Ihnen dafür, daß Kunerol von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken genossen werden kann. Kunerol ist reines Kokosnubfett und kann sowohl zur Zubereitung von Milchspeisen als auch zur Zubereitung von Fleischspeisen verwendet werden. NEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Kunerol ist nur echt in Original-Packung I Vor täuschenden Nac ahmungen wird gewarnt! dem Glauben an den arabischen Staat, und daß ihr von unserem Wachstum auch Vorteile für euch erhofft; aber wir Araber sind an dem jüdischen Wachstum gar nicht interessiert. Ihr braucht uns, wie ihr sagt, aber wir brauchen euch durchaus nicht. — Und was wird sein, wenn die Araber sagen werden: Wir glauben euch nicht! Wir glauben nicht an den Ernst eures Ausspruches, daß ihr ein großes arabisches Reich anerkennet. Und übrigens: was für eine Bedeutung habt ihr schon in der politischen Welt, um in die Angelegenheiten eines großen arabischen Staates einzugreifen? Solange ihr über Palästina sprecht, glauben wir euch — trotzdem wir eure Ansprüche auf dieses Land nicht anerkennen — daß ihr ernst sprecht, weil das eine Angelegenheit ist, die euch betrifft. Aber die Frage eines großen arabischen Reiches —* die interessiert euch gar* nicht. Laßt uns doch unsere eigenen Angelegenheiten selbst ordnen. Warum mengt ihr euch dort herein, wo man euch nicht darum bittet?-^ Die Leute des Brith Schalom, die doch Kultur, und Wissen besitzen, sind in eine Sackgasse hineingeraten, indem sie unbedingt eine Verständigung mit Arabern erzielen wollen, ohne den Einfluß der großen kulturellen oder sozialistischen Welt in Rechnung zu ziehen. Die ganze bisherige zionistische Bewegung, von Herzi bis zum Mandat, wird aut den Misthaufen geworfen. DieVerhandlungen mit der europäischen Welt, mit dem Völkerbund, unsere international gesicherten Rechte hier im Lande, der ganze Begriff des politischen Zionismus, viele Jahrzehnte dauernde Verhandlungen mit Staaten und Persönlichkeiten — all das existiert nicht Der Liebesroman der Königin von Saba Von Arthur W e i g a 11. Nach der Niederlage und dem Selbstmord des Königs Theodor von Abessinien und der Erstürmung von Magdala im Jahre 1868 brachte die britische Armee zahlreiche äthiopische Manuskripte nach England, die dem British Museum einverleibt wurden. Unter diesen befanden sich zwei Abschriften der «Kebra Nagast» («Ruhm der Könige»), eines alten, in Abessinien in hoher Verehrung stehenden Schriftwerkes, welches die Beweise dafür anführt, daß das Königshaus des Landes von König Salomo und der Königin von Saba abstamme. Im Jahre 1872 wandte sich der König Johann IV. an die englische Regierung mit dem Anliegen, ihm dieses Buch zurückzugeben, denn sein Volk wolle Ihm sonst nicht gehorchen. Das Kuratorium des British Museum sandte ihm darauf eine der zwei Kopien zurück. Die in London verbliebene Abschrift, auf etwa 1320 zu datieren, ist offensichtlich eine äthiopische Uobersetzung eines viel früheren Werkes. Sir E. A. Wallis Budge hat sie vor wenigen Jahren ins Englische übertragen. Aus der «Kebra Nagast», aber auch aus der Bibel *) wie aus dem Koran und den ln Abessinien umlaufenden Legenden können Ueberlieferungen gesammelt werden, die auf den historischen Charakter der Königin von Saba, die um das Jahr 1000 vor der heute üblichen Zeitrechnung gelebt hat und ihre romanhafte Begegnung mit König Salomo hinweisen. Diese Sagen, soweit sie auch in dem «Kebra Nagast» ihre Bestätigung finden, seien hier in einer fortlaufenden Erzählung zusammengefaßt: *) Der Targum Scheni weiß von einem Liebesroman des Königs Salomo mit der Königin von Saba zu erzählen; auch I Könige 10, 13 wird in diesem Sinne gedeutet. Anm. d. Uebers. Die Königin residierte in Saba, etwa 200 Meilen nördlich von Aden, im Lande der Sabäer. Ihr Reich erstreckte sich über die Meerenge Bab el Mandeb tief nach Ostafrika hinein, bis nach Aethiopien. Sie entstammte einer Dynastie sabäischer Könige. Sie dürfte arabischer Abstammung gewesen sein, wohl kaum eine Negerin, wie man aus ihrer Beziehung zu Aethiopien vermuten könnte. Die Ueberlieferung schildert sie als schön und klug, weiß aber, was charakteristisch ist, auch von einem Schönheitsfehler zu berichten. Die Beine der Herrscherin sollen zu stark behaart gewesen sein, um dem damaligen Schönheitsideal gerecht zu werden, galantere Erzähler schränken dies auf ein Haarbüschel an einer Ferse ein. Obwohl das Reich der Königin große Ausdehnung hatte, wäre wohl keine Kunde davon tu den Völkern am Ostrande des Mittelmeerbeckens gedrungen, hätten damals nicht seefahrende Handelsleute regelmäßige Küstenreisen am Roten Meer unternommen, um nach Gold zu suchen und wohlriechende Gummiarten SUdarabiens, die zur Herstellung von Parfüm und Weihrauch benötigt wurden, einzukaufen. — Durch solche Kaufleute erfuhr Salomo, unter dem das jüdische Reich an Macht und politischer Bedeutung gewonnen hatte und dessen luxuriöse Hofhaltung in allen Nachbarländern neidvoll besprochen wurde, vom Reichtum der Sabäer. Um sich und seinen Untertanen in diesem Gebiet ein Monopol für den Handel mit Gold und Gummi zu sichern, sandte der König Abgesandte mit reichen Ehrengeschenken ins Sabäerland. Die Königin, die vom Glanz des Hofes in Jerusalem und den hervorragenden persönlichen Eigenschaften Salomos gehört hatte, fühlte sich durch die Ehrung, die er ihr erwies, geschmeichelt und erwiderte sie, ungeachtet des Widerspruches ihrer Räte, die für eine weniger versöhnliche Antwort eintraten, durch eine Gesandtschaft, die Salomo ein Friedensgeschenk aus Gold, Edelsteinen, Uümmiärten und scnwarzen Sklaven überbrachte. Salomo aber behandelte die Boten ziemlich geringschätzig und dies bewog die Königin, selbst nach Jerusalem zu reisen. Drei Monate und noch länger soll die Reise gedauert haben, sie führte über den Karawanenweg längs der arabischen Küste des Roten Meeres bis zur Sinai-Halbinsel über eine Entfernung von 1400 Meilen. Ein ungeheures Gefolge begleitete die Herrscherin, 800 Kamele, unzählige Esel trugen Lasten an Gold, Edelsteinen, Spezereien und Gummi. Salomo war von der Königin entzückt und fand ihre Schönheit ungemein anziehend, sie wieder schwärmte von seinen Geistesgaben und seiner männlichen Schönheit. Der König von Israel widmete seinem schönen Gast viel Zeit und erzählte von den Wundern der großen Welt, von der die Königin wenig wußte, bis beide eines Tages merkten, daß sie bis über die Ohren ineinander verliebt waren. Der König machte ihr einen Heiratsantrag und ihr winkte die berückende Aussicht, siebenhundert Frauen und dreihundert Konkubinen auszustechen und den Mann, den sie liebte, zu gewinnen. Der schöne Traum 'der Sabäerin wurde zu kurzer Wirklichkeit, als sie eines Nachts, auf der Suche nach einem Glase Wasser, in das Schlafgemach des Königs kam. Dieses Abenteuer soll sich der Ueberlieferung gemäß also zugetragen haben: Eines Abends lud Salomo die Königin zum Mahle. Zehn Gänge scharf gesalzener Speisen folgten aufeinander. Alsbald ordnete der König an, daß alle Wasserbehälter ihres Inhaltes entleert würden, nur ein Krug Wasser sollte in der Nähe seiner-Lagerstatt verbleiben. In der Nacht litt die Königin quälenden Durst. Einen Raum nach dem anderen durchwanderte sie auf der Suche nach einem Schluck Wasser und fand schließlich den Wasserkrug im Schlafgemach Salomos. Einige Wochen später war die Liebesglut verraucht und die Königin kehrte in ihre Heimat zurück, Salomos Ring am Finger und mit Schätzen reich beschenkt