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Die Stimme · 1931-09-03 · Heft 191 (3.9.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 191 (3.9.1931)
Date
1931-09-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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>cite 2 DIE STIMME . Nr. 191 — 3. September 1931 ihnen früher besetze Land freiwillig geräumt haben. Das Kommissionsmitglied Qarcia erklärte, er verstehe nicht, warum der Ausdruck «depossedierte Araber» gebraucht werde, da doch die Juden das Land durch normalen Kauf an sich gebracht haben. Auf diese Bemerkungen erwiderte Unterstaatssekretär Dr. Shiels, die Regierung habe sich nur verpflichtet, < v.r.uiien, die infolge der jüdischen Kolonisation ihres i- .<cn$ verlustig gegangen sind, Land zur Verfügung zu stellen. In der Debatte über den Legislative Counc i 1 wies insbesondere der stellvertretende Vorsitzende der Mandatskommission van Rees darauf hin, daß eine wiederholte Ausübung des vorgesehenen Vetorechts gegenüber Beschlüssen des Legislative Council durch den High Commissioner zu Konflikten führen könnte. Eine Reihe von Fragen stc" j van Rees an die britischen Vertreter bezüglich der Stellung der Jewish Agency als einer im Mandat vorgesehenen beratenden Körperschaft der Palästina-Verwaltung. Er machte der englischen Regierung den Vorwurf, daß sie die Rechte der Agency tatsächlich illuso* risch gemacht habe. Er befaßte sich sodann ausführlich mit dem palästinensischen Staatsbürgerschaftsgesetz und erklärte, dieses Gesetz entspreche weder seinem Inhalt noch seiner Anwendungsweise nach dem Geist des Artßcels 7 des Mandats, durch den die Mandatarmacht verpflichtet wird, die jüdische Einwanderung zu erleichtern; es stehe auch nicht im Einklang mit dem Churchill-Weißbuch, in welchem ausdrücklich erklärt wird, daß die Juden in Palästina kraft eines Rechtes und nicht bloß geduldet leben. Van Rees beklagte es, daß das palästinensische Landesbürgerschaftsgesetz die Juden nicht erwähne und ihrer besonderen Stellung in Palästina nicht Rechnung trage. Dr. Shiels erwiderte, die Juden kämen . nach Palästina nicht als Juden, sondern als ausländische . Bürger. Das Völkerrecht kenne keine jüdische Nationalität. Diese Antwort wurde von van Rees mit der Bemerkung aufgenommen, die Ansicht Shiels entspreche zwar den völkerrechtlichen Bestimmungen, aber Balfour-Deklaration, Mandat und Weißbuch haben zugunsten des jüdischen Volkes einen neuen Begriff in das Völkerrecht eingeführt. Auf die Beschwerde von van Rees, daß die Jewish Agency nicht in die Lage versetzt worden sei, jene wichtige beratende Rolle zu spielen, die die Urheber des Artikels 4 des Mandats im Auge hatten, versicherte Dr. Shiels, die Palästina-Regierung sei stets bestrebt, freundschaftliche Beziehungen zur Agency aufrecht zu erhalten. Im letzten Jahre sei die Agency, Wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Rücksichten, nicht sehr aktiv gewesen. Lord Lugard warf die Frage auf, ob es notwendig sei, daß das Völkerbundsekretariat auch in Zukunft eine Uebersicht über die arabische Presse für die Mitglieder der Mandatskommission zusammenstelle. Die arabische Presse sei so tendenziös, daß sie kaumrwnst genommen werden könne. Die Kommission beschloß, auf die Vorlage einer Presseübersicht künftighin zu verzichten. Auf eine Bemerkung des Vorsitzenden Theodoli, daß die Araber behaupten, die Kommunisten in Palästina seien Juden, während umgekehrt die Juden dasselbe von den Arabern behaupten, antwortete der Generalsekretär der Palästina-Regierung, M. A. Young, es sei anzunehmen, daß die Kommunisten eher unter den Juden zu suchen seien. Mehrere Fragen über die Einwanderungspolitik der Regierung wurden den britischen Vertretern von Prof. Rappard gestellt. Er erklärte u. a., die Bestimmung, daß jeder Einwanderer mit eigenem Kapital den Besitz von 1000 Pfund nachweisen müsse, anstatt wie früher bloß von 500 Pfund, wäre auch in einem Lande, daß gegen jede Immigration kämpft, als sehr streng zu bezeichnen, sei aber besonders scharf in einem Lande, ln dem nach Artikel 6 des Mandats die Einwanderung von Juden erleichtert werden soll. Im Verlauf der Aussprache über die Organisation der Polizei wurde die Frage der Sicherheit der jüdischen Siedlung eingehend besprochen. Die britischen Vertreter erklärten, die Darstellung im Memorandum Selchwaren - ttestanrani I BB Hm elg. Erzeugung, beste Qualitäten Wien, 2. Bezirk, Glockengasse Nr. 11 PI. BrQhncr & Co. Unsere Fabrik steht unter ritueller Aufsicht des ♦nn d«d ornnn mri ans IDNS adi* Neu eröffnet« Verkaufsstellen» Wien, II., Große Schiffgoaae 19. Restaurant Baron, Hauptallee, 2. Kaffeehaus. Separierter Garten / Eigener Pavillon. Gottfried, X., Pernerstorfergösse 36 des Waad Leumi, in dem Sich dieser über Cie Unsicherheit im Lande beklagt, sei übertrieben. Sie betonten, daß den jüdischen Kolonien Watten zur Verfügung gestellt wurden, und daß jede Kolonie jetzt eine gute telephonische Verbindung besitzt. Namens des Internationalen Arbeitsamtes ersuchte Herr Weaver die britischen Vertreter um genaue Auskunft über die Lage der Arbeiterschaft in Palästina und über die Aussichten der Einführung einer Arbeiterschutzgesetzgebung. Die britischen Vertreter versicherten der Kommission, daß die Regierung dieser Frage gehörige Aufmerksamkeit zuwende und die erforderlichen Gesetze vorbereite. Auf eine Frage von Lord Lugard, warum die Palästina-Regierung den jüdischen Unterriclitsanstalten nur 15 Prozent des Unterrichtsbudgets zur Verfügung stelle, während doch die Juden 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, antwortete Generalsekretär Young, das Unterrichtsdepartement habe' der Jewish Agency gewisse Reformen des Waad Hachinuch vorgeschiagen und solange diese Reformen nicht durchgeführt seien, könne die Regierung ihre Subventionen für die jüdischen Schulen nicht erhöhen. Die Mandatskommission zu den , Memoranden der Jewish Agency und der arabischen Exekutive In ihren Schlußfolgerungen zu den Beratungen ihrer Junitagung nimmt die Mandatskommission auch Stellung zu den Memoranden der arabischen Exekutive und der Jewish Agency. Bezüglich der arabischen Petition, in der die Annullierung der Balfour-Deklaration, Milch-Trink- und Speisehalle N. Eilen II., Untere Augartenstraße 13 (Eingang, II., Förstergasse Nr. 7) Vegeiarüsche und diätetische Speisen, volkstümliche Preise, bis 12 Uhr nachts offen Samstag geschlossen. (Eventuell Vormerkung für Samstag) die Einsetzung einer einem Parlament verantwortlichen Regierung in Palästina, das Verbot der jüdischen Einwanderung und der Uebertragung arabischen Bodens in jüdischen Besitz, sowie eine Konzession auf das . Huleh-Gebiet gefordert wlrd,Jtat die Kommission unter Hinweis auf das Protokoll ihrer Verhandlungen erklärt, daß die in ihr berührten Fragen bereits anläßlich der Beratung des Berichtes der Palästina-Regierung für das Jahr 1930 behandelt wurden, erübrigt. Bezüglich des Memorandums der Jewish Agency über die Behandlung des Sir John Hope Simpson zur Verfügung gestellten Materials, sowie bezüglich Leonhard Steins Antwort auf das britische Weißbuch und Weizmanns persönlicher Erklärung zum MacDohald- Brief gelangte die Kommission zu dem Schluß, daß weder das Memorandum, noch seine Beantwortung durch die englische Regierung irgendwelche Empfehlungen an den Völkerbundrat erforderlich erscheinen lassen. (J. T. AJ Rahe in ganz Palästina Nur in Nablus Zusammenstöße Bis zum Redaktionsschluß unserer letzten Nummer sind bei uns keine ausführlichen Berichte über den arabischen Generalstreik ln Palästina eingelangt Nachrichten einiger Wiener Blätter zufolge Ist es im Lande, und zwar in Nablus, zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und den arabischen Demonstranten gekommen. Wie es sich später herausstelte, waren diese Nachrichten stark Übertrieben. In ganz Palästina herrschte und herrscht vollkommene Ruhe. Zu irgendwelchen antijüdischen Ausschreitungen Ist es nicht gekommen. In Nablus, wo die Polizei sich gezwungen sah, ln die Demonstranten zu feuern, leben keine Juden. Wir veröffentlichen heute den Bericht der J. T. A. über den Verlauf des arabischen Streiks. (Die Redaktion.) Der von der arabischen Exekutive zum Protest gegen das Bestehen von Waffenlagern in den jüdischen Kolonien und zur Erinnerung an die Unruhen Im August 1929 proklamierte Generalstreik ist im ganzen Lande ziemlich vollständig durchgeführt worden. Erleichtert wurde die Durchführung des Streiks dadurch, daß er auf einen Sonntag fiel und daher die Christ* liehen Geschäfte ohnehin geschlossen hatten. Die jüdischen Geschäfte blieben geöffnet. Etwa 40 Mitglieder der palästinensisch-arabischen Exekutive hatten versucht, gemeinsam mit einer Anzahl von Anhängern trotz des Regierungsverbots den in Anssicht genommenen Zug zum Regierungsgebäude durchzuführen, wurden jedoch von der Polizei daran gehindert Nach längeren Verhandlungen zwischen dem Kommandanten der Polizelkräfte, Major Walnwright und dem Sekretär der arabischen Exekutive, Jamal Zu vermieten 1 großes Zimmer, gut tnöbilfert, mit separiertem Eingang, an 2 Personen, mit oder ohne Pension (koscher). Auskunftt Gottesinann. Lebensmittelhandlung, Wien, 11. Tandlmarktgasse 5a Husseini, wurde vereinbart, daß eine Deputation von 10 Mitgliedern der arabischen Exekutive in das scharfbewachte Regierungsgebäude eingelassen werden sollte, um das Protestmemorandum der arabischen Exekutive zu überreichen. Wegen des Sonntags war keiner der leitenden Regierungsbeamten anwesend. Das Memorandum wurde dem Privatsekretär des High Commissioners, Mr. Cust, überreicht. Aus Nablus traf die Nachricht ein, daß es dort zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten gekommen sei. Um 5 Uhr nachmittags hatten sich Zusammenrottungen von Arabern gebildet, die die ihnen entgegentretende Polizei mit Steinen und schweren Ziegeln bewarfen. Die Polizei sah sich schließlich genötigt, zu feuern. Bei dem Zusammenstoß wurden Polizeikommandant Kyles und drei Demonstranten erheblich verletzt. Es wurde sodann Militär herangezogen, das das Regierungsgebäude besetzte. Abends, waren Polizei und Militär vollkommen Herren der Lage. Am Tage vor dem Streik waren in Nablus drei Führer der extremen arabischen nationalistischen Elemente verhaftet worden. Am Tage nach dem Generalstreik hat das Leben ln ganz Palästina ein vollkommen normales Bild. In Nablus macht sich ein wachsender Widerstand der besonnenen älteren arabischen Führer gegen die ungezügelte Propaganda der jugendlichen Elemente bemerkbar. Die friedliche arabische Bevölkerung verurteilt die Ausschreitungen in der Stadt; Insbesondere sind die strenggläubigen Moslems darüber erbittert, daß auch Frauen an den Straßenkundgebungen teilgenommen und Steine gegen die Polizei geschleudert haben. Weitere zwanzig Personen, die wegen Teilnahme an den Ausschreitungen in Nablus verhaftet worden sind, wurden ins Untersuchungsgefängnis nach Jerusalem gebracht. Die arabische Exekutive hat am Montag nachmittags eine Sitzung abgehalten, in der sie sich mit den Zusammenstößen in Nablus beschäftigte. Am Dienstag, den 25. August, wurden die ersten Urteile gegen die Teilnehmer an den Ausschreitungen in Nablus gefällt. 22 Rädelsführer ejer Unruhen wurden . zu Gefängnisstrafen von drei, bis zwölf Monaten verurteilt. Am Freitag, den 28. August, wurden weitere Urteile gegen die Aufrührer von Nablus gefällt. 42 Teilnehmer an den Demonstrationen wurden zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr verurteilt Arlosoroff Uber die politischen Richtlinien der Exekutive Jerusalem. (J. T. A.) Der neue Leiter der Palästina-Exekutive, Dr. Chaim Arlosoroff, legte in einer Pressekonferenz die Richtlinien dar, die er in seiner Politik in Palästina zu verfolgen gedenkt Er erklärte, als Leiter der Exekutive keine Parteipolitik, sondern eine nationale Politik führen zu wollen. Hierbei werde er in gleicher Weise die Interessen aller Klassen, sowie die der Sephardlm und der Aschkenasim wahrnehmen und sich insbesondere auch die Förderung der Miftelstandkolonlsation angelegen sein lassen. Den Grundzug seiner Politik werde die Kooperation mit England bilden; dabei aber werde er den Kampf für die jüdischen Rechte ohne Kompromiß weiterführen. Möglicherweise werde die Durchführung des Landentwicklungsplanes die Juden zwingen, binnen kurzem einen Verteidigungskampf aufzunehmen. Vorläufig sei noch kein jüdischer Berater des Landentwicklungsdirektors ernannt worden. Bezüglich der Politik gegenüber den Arabern in Palästina erklärte Dr. Arlosoroff, er werde im Sinne einer jüdisch-arabischen Verständigung auf der Basis der Parität, wie dies im Koalitions- Programm der Exekutive auf dem Kongreß festgelegt wurde, tätig sein. BUCHBRSTUBR M. RATH Buchhandluna, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taboretraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne LalhblMlotHek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern alter Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzW. geschmackvollen Bibiiothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddischeu. Deutsch-Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur S 3.— Keine BandgebOhr >■■■! 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