Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 190 (27.8.1931)
- Date
- 1931-08-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« üih SUMME Nr. 190 — 27. August 1931 tlonlsliscfics Leben in Wien Die Arbeit des Keren Kajemeth Versicherung zugunsten des Keren Kajemeth. Die Versicherungsabteilung des Keren Kajemeth hat eine Aktion eingeleitet, die bezweckt, Versicherungen zugunsten des Keren Kajemeth durchzuführen, und zwar auf folgender Grundlage: Im Erlebensfall fällt die versicherte Summe ganz dem Keren Kajemeth zu, im Ablebensfall die eine Hälfte den Erben des Versicherten, die andere Hälfte dem Keren Kajemeth. Durch die Aktion sollen dem Keren Kajemeth neben den Spenden neue Mittel zum Zwecke der Ausdehnung des jüdischen Bodenbesitzes für die jüdische Kolonisation zufließen. Schon nach drei Jahren er- Leute, die an erschwertem Stuhlgang leiden und dabei von .Mastdarmschleimhauterkrankungen, Fissuren, Hämorrho'.Jniknoten, Fisteln gequält werden, nehmen zur Darmre.uieung früh und abends je etwa ein viertel Glas natür- IuIh-n «Franz-Jcsef»-Biüer\vass: . In Apotheken erhältlich. hält der Keren Kajemeth gegen minimale Zinsen 65 Prozent der eingezahlten Prämien zu seiner freien Ve-iügung. Bisher haben 80 Personen Versicherung 'ii auf insgesamt 110.000 Schilling abgeschlossen. Siibernes Buch des Keren Kajemeth. Bisher sind 29 Silberne-Buch-Eintragungen durchgeführt worden. Keren-Kajemeth-Sammlungen bei Familienfeier* lichkdten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah u. dgl.). Diese Familienfeierlichkeiten bieten günstige Gelegenheit, Sammlungen für den Keren Kajemeth zu veranstalten. Es gibt eine Reihe von Gesinnungsgenossen, die sich freiwillig in den Dienst dieser Tätigkeit stellen. Damit derlei Gelegenheiten genügend ausgenützt werden können, muß der Keren Kajemeth von allen solchen Feierlichkeiten Kenntnis erhalten. Alle Gesinnungsgenossen und Freunde des Keren Kajemeth werden hiermit höfüchst ersucht, dem Keren-Kajemeth-Bureau dergleichen Feierlichkeiten mit genauer Angabe der Adresse der Veranstalter bekanntzugeben. Der nächste Ausweis erscheint wegen Personäl- ••••.hubes nach dem 1. September. bn Ankündigungen und „ Mitteilungen JücUsch'Sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale -?tai% den 29. August 1931, findet um 8 Uhr abends im Festsaale des Alten Rathauses, Wien, I., Wipplingerstraße 8, eine Versammlung statt, in der Ch. Berl Locker, Mitglied der Zionistischen Exekutive, und Ch. Berl Katzenelson, Chefredakteur des «Dawar», über «Die Aufgaben der jüdischen Arbeiterschaft und der jüdischen Jugend nach dem 17. Zionistenkongreß» referieren werden. Verband radikaler Zionisten. Versammlung am Mittwoch, den 2. September 1931, Uhr abends im Cafö Mariahilf, V1.F Mariahilferstraße 89 a. Thema: Kongreß. Referenten: Dr. L. Plaschkes, Dr. J. Waldmann. Die zionistische Bezirkssektion 11 bringt zur Kenntnis, daß ihr neues Heim, II., Praterstraße 13, am 1. September eröffnet wird. Im neuen Heim finden auch zu den hohen Feiertagen Gottesdienste statt. Jugendverein «Erez Israel» teilt seinen Mitgliedern und Freunden mit, daß das neue Heim in der Praterstraße 13 am 1. September 1931 eröffnet wird. Zionistische Jugendgemeinschaft «Brith Herzb, Wien, XX., Jägerstraße 30. Wochenprogramm: Samstag, den 29. August, Vj8 Uhr abends: Plenarversammlung mit anschließendem Referat über: «Die Aufgabe unserer Gemeinschaft». Sonntag: Gemeinsame Wanderung. Treffpunkt: Schwedenplatz, 8 Uhr früh. Montag, 8 Uhr abends: Sichoth. Dienstag: Schwimmen im Dianabad. Treffen: %7 Uhr abends im Vestibül. Mittwoch: Sichoth. Donnerstag, 8 Uhr abends: Gesellige Zusammenkunft. Bei allen Veranstaltungen sind Gäste herzlich willkommen 1 Ha::!.orr.er Hadati. Sonntag, den 6. September 1, J., >/2ll Uhr vormittags, findet in unserem Heim, 11., Praterstraße 11, unser erster Jom Histadruth statt. Samstag, den 5. September 1. J., wird ein Heimabend mit reichhaltigem Programm veranstaltet. Maimonides-Institut, I!., Praterstraße 11. Samstag, den 29. Augi: . , Uhr nachmittags, Wiederbeginn der Sabbath-Vorträge. Vortrag Rabbiner Dr. Kaminka. Eltemverein Tarbuth, Wien, XX., Othmargasse 46, Saal 11. Wir teilen allen Eltern höflich mit, daß die Einschreibungen in unsere hebräischen Kurse ab Dienstag, den 1. September, täglich von ß bis 7 Uhr abends (Freitag, Samsta" Sonntag nicht) in unserem Schullokal, Othmargasse 46, Saal II, stattfinden. Der regelmäßige Unterricht beginnt am 15; September. ft fas neuette Minier* „Madawar“ von J. Herzberg i für das Erlernen des Hebräisch-Lesens und j [ -Schreibens und der Anfangsbegriffe der hebräischen < > Sprache in 38 Lektionen. i i tfAerrall eitkiUtiUfkl Zu den hohen Feiertagen wird wie alljährlich auch heuer im Zentral-Kino, II., Taborstraße 8, feierlicher Gottesdienst abgehalten. Es wird ein berühmter Kantor mit Chor mitwirken. Feierlicher Gottesdienst findet zu den hohen Feiertagen im neuen Heim der Sektion II, Praterstraße 13, statt. Misrachi-Zentrale, II., Praterstraße 11, Wie alljährlich findet auch in diesem Jahre anläßlich der hohen Feiertage in unseren geräumigen Lokalitäten ein Festgottesdienst statt. Karten sind täglich von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends in unserem Sekretariat erhältlich. Tel. R 45-6-25. Der Bethausverein «Machsike Thora», V., Wiedner Hauptstraße 83, veranstaltet heuer wie alljährlich anläßlich der Hohen Feiertage seinen feierlichen Gottesdienst in den «Drei-Engel-Sälen», IV., Große Neugasse 36. Die kantoralen Funktionen versehen erstklassige Vorbeter. Die Festpredigt hält Rabbiner Aron Jeruchem. Karten erhältlich täglich ab 7 Uhr abends im Vereinslokale, V., Wiedner Hauptstraße 83. Vom Sommerlager des Chajes-Reafgymnasiums Es ist bereits der dritte Sommer, daß das Chajes-Realgymnasium sein Lager in Kärnten aufschlägt. Vom bewegten Wörthersee, wo sich das Lager vor zwei Jahren befand, wurde es im Vorjahr an den stillen Keutschachersee verlegt. Es erhielt zugleich ln Gestalt von geräumigen Holzhütten sein ständiges Quartier. So konnten auch heuer wieder 70 Schüler und Schülerinnen unserer Schule im Lager Unterkunft finden und eine gute Sommerfrische, vereint mit einem richtigen Jugendlagerleben, genießen. Für beides ist die abgeschiedene Lage dieses fernen Winkels Südkärntens in der Nähe der jugoslavischen Grenze sehr gut geeignet. Gerade weil man wochenlang kein Auto, kein Gefährt, ja kaum einen Menschen sieht, ist die Jugend ganz auf sich selbst angewiesen und dadurch gezwungen, alles aus sich herauszuholen, was das Leben in einem Jugendlager erfordert: Kameradschaftsgeist, Verantwortungssinn und den Willen zum Dienst an der Gemeinschaft. Es war ja auch der Wunsch, in der Schuljugend die Gemeinschaftsgefühle zu wecken und zu fördern, der das Chajes-Realgymnasium veranlaßt hat, den bedeutsamen Versuch zu machen, ein eigenes Lager aufzuschlagen — einen Versuch, der heute, nach dreijähriger Erfahrung, wohl als geglückt angesehen werden kann. Und noch einem Zweck sollte das Lager dienen: der jüdisch-erzieherischen Arbeit. Es sollte draußen, wo Lehrer und Schüler beisammen sind, das ergänzen, was die Hebräisch- Stunde nicht zu geben vermag: die Einbeziehung der Schüler in den Kreis der Probleme, die den denkenden Juden von heute beschäftigen. Durch Kurse, allgemeine Aussprachen (Sichoth) in hebräischer sowie deutscher Sprache, durch Gruppenbildung und erzieherischen Einfluß von Gruppenführern sollte der junge Mensch erfaßt und in die Reihe der denkenden und bewußt handelnden Juden einhezogen werden. Gleichzeitig sollte — um der uiincilvollen Einseitigkeit der einstigen jüdischen Erziehung zu entgehen — für die körperliche Ertüchtigung gesorgt werden. Diesem Zwecke sollte ein wohlgeordnetes System, bestellend aus Turnen, Schwimmen, Hand- und Fußballspiel und allerlei anderen Sportzweigen dienen. Unbeschwert von derlei Sorgen eines Erziehers lebt hier eine frohe Schülerschar, das ganze Gelände weithin ausfllllend mit Lachen, Singen und heiterem Geplauder. Nur wenn der Sturm durch die Landschaft weht und über allem ein hoffnungslos trüber Himmel hängt, verdüstern sich die Gemüter ein wenig; dann sammeln sich die Lagerbewohner in den Hütten, gewöhnlich um einige «Sänger» geschart, und suchen sich durch Gesang die böse Laune zu vertreiben. Glücklicherweise waren in diesem Sommer solche Tage recht selten. An einigen Abenden hatten wir Lagerfeuer, ein namentlich fiir die Jüngeren einzigartiges Erlebnis. Das konnte man leicht erkennen, sobald man in ihre verträumten Augen blickte, die ans flackernde Feuer gleichsam gebannt waren, indes ihre Ohren den hebräischen und deutschen Liedern def Erwachsenen lauschten. Im Kreise um das Feuer gelagert, von dessen Glanz erhellt und erhitzt, schienen sie zu träumen. Wovon? Das weiß der Beobachter nicht zu sagen, aber er weiß, was er selbst zu solcher Stunde empfand. Er fühlt sich in die Zeit versetzt, da er, selber noch ein Jüngling, am Lager schwärmen und phantasieren durfte, und träumt davon, daß diese Kinder zumindest in dem Maße das Erbe in Blut und Geist bewahren und weitergeben mögen, wie es seine eigene Generation getan . . . Am Keutschachersee, im August. —tz. Itteraiwur / Kunst / Theater Aussprüche Max Liebermanns Professor Mäx Liebermann, Präsident der Kunstakademie in Berlin, ist ein überzeugungstreuer Jude. Vor nicht zu langer Zeit ließen Münchener bei ihm sondieren, ob er bereit wäre, sich zum Präsidenten der Münchener Akademie wählen zu lassen. Unter der Hand gab man aber Liebermann zu verstehen, daß er sich vor der Wahl taufen demie wählen zu lassen. Unter der Hand gab man aber hinzu: «Ich bin unter einer Bedingung bereit, mich taufen zu lassen — wenn man mir allen Ernstes garantieren kann, daß ich durch die Taufe ein besserer Maler sein werde.» — Liebermann sagte öfters, es sei für ihn die größte Beleidigung, wenn ihm ein Christ sagt: «Wenn nur alle Juden so wären wie Sie, Herr Professor!» Wenn Liebermann diesen Ausspruch hört, wird er grob oder er antwortet «Wenn nur alle Christen so wären wie ich!» Jlotixen Jehudl Menuhim erhält den ersten Preis des Conservatoire Nationale de France. Der bekannte junge jüdische Geiger Jehudi Menuhin ist durch Verleihung des ersten Preises des Conservatoire Nationale de France in Paris ausgezeichnet worden. Gleichzeitig wurde er Ehrenmitglied der Association amicale de prix de Violon du Conservatoire in Paris. Ein Konzert Israel Brandmanns in Tel-Aviv. Der dem Wiener Publikum bestens bekannte Cellist und Komponist Israel Brandmann gab kürzlich in Tel-Aviv ein Konzert, das dem jungen Musiker einen überaus großen Erfolg brachte. Insbesondere gefielen Brandmanns Sonate und seine Variationen über einen palästinensischen Volkstanz. — Israel Brandmann kehrt demnächst wieder nach Wien zurück. Das Moskauer jüdische Künstlertheater in Berlin. Das jüdische Künstlertheater in Moskau wird in der kommenden Winterspielzeit in Berlin gastieren. Der Leiter des Theaters Jakob Jitomirsky hat das Theater am Schiffhauerdamm für die kommende Saison übernommen. Die Eröffnung ist fiir den 23. September vorgesehen. Dr. Samuel Abba Horodezky 60 Jahre. Am 23. August feiert der bekannte hebräische Schriftsteller und Gelehrte Dr. Samuel Abba Horodezky in Berlin seinen 00. Geburtstag. Dr. Horodezky, der aus der Ukraine stammt, lebte lange Zeit in der Schweiz und seit 1921 in Berlin. Sein wissenschaftliches Werk behandelt in der Hauptsache den Chassidismus; in zahlreichen Veröffentlichungen stellte er den Lehrehalt dieser religiösen Richtung im Judentum dar und schlierte die Persönlichkeit ihrer bedeutendsten Repräsentanten; er hat ferner als erster den reichen Stoff systematisch geordnet und damit zum Verständnis dieses wichtigen Kapitels jüdischer Geistesgeschichte wesentlich beigetragen. Mehrere Werke Dr. Horodezkys sind der jüdischen Mystik Im weiteren Sinne und auch der rabbinischen Literatur gewidmet. Noch um die Jahrhundertwende begründete er ein hebräisches Organ für die Wissenschaft des Judentums (Hagoren), von dem bisher zehn Bände vorliegen. Der Verlag «Dewir» hat die gesammelten Abhandlungen Horodezkys über den Chassidismus in vier Bänden veröffentlicht; von einer umfassenden «Geschichte der jüdischen Mystik» ist kürzlich im Verlag «Stybel» der erste Band erschienen. Einige editorische Werke Horodezkys aus der chassidischen und kabbalistischen Literatur sind in den Verlagen «Ajanot» und «Eschkol» herausgekommen. Horodezky hat auch mehrere Bücher seines Gebietes in deutscher Sprache verfaßt. Viele Werke Dr. Horodezkys liegen auch in Jiddisch, Russisch und —* seit kurzem -7 in englischer Uebertragung vor. Er zählt zu den engeren Mitarbeitern beider Ausgaben der «Encyclopaedia ludaica». Dr. Asrlel Günzig gestorben. Im Alter von 63 Jahren verstarb in Antwerpen der bekannte Schriftsteller und Rabbiner Dr. Asriel (Israel) Günzig. Er wurde 1868 in Krakau geboren. 1899 wurde er Rabbiner in Loschwitz (Mähren). Hier gab er das literarisch-wissenschaftliche lahrbuch «ha» Eschkol» (gemeinsam mit |. S. Fuchs) heraus (5 Bände. 1899 bis 1913). Außerdem arbeitete er an anderen iüdlschwissenschaftlichen Zeitschriften mit (ha-Maggid, ed. Fuchs): Ozar ha-Sifrut u. a. m. 1921 bis 1927 wirkte Günzig als Leiter der hebräischen Schule «Tächkemoni» in Antwerpen. Er veröffentlichte in Buchform: 1. Der Pessimismus im Judentum (1899); 2. Rabbi Israel Baai Schern (1908); 3. Toledot Fabiui- Mieses (SA aus Gräbers «Ozar ha-Sifrut», III); 4. R. Abraham Abulafia (1904, SA aus ha» Eschkol V); 5. Die «Wundermänner» im jüdischen Volke (1921); 6. Das jüdische Schrifttum über den Wert des Lebens (1924) u. a. Glinzig gab ferner den Kommentar des Jafet b. Ali hä-Levi zu Prov. (1891) sowie Schriften des Fabius Mieses (Michtab, Schreiben an S. P. Horowitz, 1891; Gedichte unter dem Titel Kebuzat Schirim, 1891) heraus. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. 5692 5692 Wollenst eZeit,Mühe o.Geld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu ROSCH MASCHANAH durch die „STIMME“ die in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 10. September erscheinen wird. Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6.—, in doppelter Größe S 10.—. Um allen jenen, die durch die «Stimme» gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien und Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar kostenfrei zusenden. «DIE STIMME», Administration. 1