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Die Stimme · 1931-08-27 · Heft 190 (27.8.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 190 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 190 — 27. August 1931 DIE STIMME Seitft 5 'Camera obacura Dr. Mayer Ebner macht in der von ihm heraiisgegebenen «Ostjüdischen Zeitung» die höheren staatlichen Behörden und den Ministerpräsidenten Jorga auf Uebergriffe des Unterpräfekten von Seletin aufmerksam, der den zionistischen Verein «Ach^d Haam» und den hebräischen Kindergarten von Seletin in Ueheimberichten als «kommunistische Zellen» denunziert und dadurch die Schließung des Vereins und des Kindergartens sowie die Beschlagnahme der Vereinsbibliothek, der Wandbilder des Vereinslokales und der Schule bewirkt hat. U. a. wurde auch das Bild Lord Balfours beschlagnahmt. Daß alle Juden Kommunisten sind, haben wir längst schon gewußt. Daß aber auch Lord Balfour ein Bolschewik war, dies zu entdecken blieb dem Unterpräfekten von Seletin Vorbehalten. * Die Stadtgemeinde von Saloniki hat die Subventionen für philanthropische und kulturelle jüdische Institutionen Salonikis von 800.000 auf 354.000 Drachmen herabgesetzt, obwohl diesen Institutionen auf Urund des zahlenmäßigen Anteils der Juden an der üesamtbevülkerung Subventionen in der Gesamthölle von 3 Millionen Drachmen zukämen. Gleichzeitig wurde der ausgesprochen antisemitischen Organisation «Stahlhelm» eine Subvention von 60.000 Drachmen gewährt. Zuerst Pogrom und dann Förderung antisemitischer Organisationen bei gleichzeitiger Kürzung der Beiträge für jüdische Institutionen. Die Stadt Saloniki scheint sich krampfhaft zu bemühen, den Ruf einer barbarischen, judenfeindlichen Stadt, den sie sich vor einigen Wochen erworben hat, nicht zu verlieren. * In Rotenburg sind die Juden auf Grund einer uralten Verordnung dazu verpflichtet gewesen, alljährlich je einen silbernen Löffel an den Stiftsprediger der Neustädter Kirche abzuführen. Vor kurzem hat nun die Gemeinde den Versuch gemacht, eine Entscheidung der Gerichte herbeizuführen, nach der diese Abgabenverpflichtung aufgehoben wird. Das lokale Rotenburger Gericht lehnte das ab und erklärte den Anspruch des Pfarrers auf die Löffelsteuer für einen gültigen Rcchtstitel. Aber auch die Revisionsinstanz, das Landgericht in Kassel, schloß sich dieser Auffassung an. ln einer eben der jüdischen Gemeinde von Rotenburg zugeleiteten Urteilsbegründung von 15 Seiten Umfang führt das Landgericht aus: Es sei nicht zu erweisen gewesen, daß die Löffelsteuer Ueberrest des mittelalterlichen Hörigkeitsverhältnisses der Juden zur Kirche sei und es werde nicht für ausgeschlossen gehalten, daß es sich um eine privatrechtliche Schuld der Juden an die Kirche handelt. Sei das aber der Fall, so müsse die Löffelabgabe auch weiterhin geleistet werden. , Im Mittelalter galt der Grundsatz «cuius regio eius religio». Für das Kasseler Gericht gilt im Jahre 1931, im republikanisch-demokratischen Deutschland, der Grundsatz: «cuius religio eius regio». ♦ Es gibt auch andere Gerichte und andere Richter. Wie die J. T. A. berichtet, hatten in der Nacht zum Verfassungstage junge Burschen die Scheiben der Synagoge in Buchen (Baden) eingeschlagen. Das Amtsgericht verurteilte die Täter zu 4 und 3% Monaten Gefängnis. Vor dem Kreisgericht in Brodnica (Polen) fand die Verhandlung gegen zehn Angeklagte statt, die beschuldigt waren, an einem auf dem Jahrmarkt in Jablonowa gegen jüdische Marktfahrer verübten Raubüberfall teilgenommen zu haben. Es hatte sich damals eine Horde von Huligans auf die Stände der jüdischen Marktleute gestürzt und nach schwerer Mißhandlung mehrerer Händler die ausgelegten Waren geraubt. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung der Angeklagten zu 3%, 3 und V/2 Jahren schweren Kerkers. * In Hessen haben sich in den letzten Tagen zwei Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe ereignet. In dem Dorf Griedel bei Butzbach haben sich zwei elfjährige Schüler in der Dämmerung in den jüdischen Friedhof eingeschlichen und dort drei Grabsteine beschädigt. Zwei davon warfen sie um, einen dritten beschädigten sie dadurch, daß sie auf der Grabinschrift, die auf «Adolf Bär» lautete, den Nachnamen wegkratzten und «Heil Adolf» (Hitler) an dessen Steile setzten. — Die zweite Schändung ereignete sich in Offenbach. Heil AdolfI Dein Evangelium findet auch in die Seelen elfjähriger Buben Einlaß. 4 Heil Adolf und Freude über dich! Nun hast du auch in der Schweiz eine Expositur. Wie die sozialdemokratische Zeitung «Volksrecht» in Zürich erfährt, hat die «Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei» ein eigenes Sekretariat und Propagandazentrum für die Schweiz in Zürich. Leiter dieser Schweizer Hitlerfiliale sei ein ehemaliger deutscher Leutnant namens Max von Mönstadt, der von der Zentrale München nach Zürich entsandt worden sei. JÜDISCHE ELTERN! Kauft SchulbUcher (auch antiquarische) für Eure Kinder in der jBd. BMthhandiuniHMffiJgCNNIR Wiaitf II., Or. Stadtflutg. 7 (Ecke Taborstraße 52) LSIMMBIrlOTHBKi AlleNeuerscheinungen erhältlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren 1 FUi Anfragen Telephon R-41-4-20 Aua (falöalina Hebron muß mit der Zahlung der Koltektivstrafe beginnen Die Regierung hat bestimmt, daß die Stadt Hebron mit der Zahlung der über sie wegen der Massakers im August 1929 verhängten Kollektivstrafe sofort beginne. Jeder Araber in Hebron mit Ausnahme derjenigen, die während der Massakers jüdische Mitbürger verteidigt haben, wird jährlich den Betrag von etwa 3 Dollar zu entrichten haben. Die Einhebung dieser Beträge wird so lange fortgesetzt, bis die mit 14.000 Pfund festgesetzte Strafsumme voll erlegt ist. Die Araber hatten um einen Monat Zahlungsaufschub für die erste Teilzahlung gebeten. Es wurde ihnen jedoch nur eine dreitägige Frist gewährt. Die Volkszählung in Palästina Der Waad Leumi hat in seiner letzten Sitzung die vom Präsidium getroffenen Maßnahmen zur Wahrung der jüdischen Interessen bei der bevorstehenden Volkszählung gebilligt und eine Resolution gefaßt, in der alle jüdischen Gemeinden Palästinas aufgefordert werden, die volle Mitwirkung der jüdischen Bevölkerung bei der Volkszählung zu sichern. Uebersiediung Meer Großmans nach Palästina? Es verlautet, daß der gegenwärtige Führer der Zionisten-Revisionisten Palästinas, Dr. Wolfgang von Weisl, demnächst Palästina verlassen wird. An seiner Stelle soll der Vizepräsident der revisionistischen Weltunion Meer Großman die Führung der revisionistischen Partei Palästinas übernehmen. Misrachi und die Fußballkämpfe am Sabbath In der Frage der Veranstaltung von Fußballspielen am Sabbath in Palästina hat sich, wie die Jüdische Telegraphen- Ile unsere Abonnenten deren Bezugsgebühren im Laufe des Septembers fällig, oder die mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, bitten wir dringendst, die Beträge mittels des ihnen zugehenden Posterlagscheines auf unser Konto abzuführen. Die Stimme Administration Agentur mitteilt, die Zentrale des Misrachi in Jerusalem an den - Präsidenten des Makkäbi-Weltverbahdes, Herrn Dr. Lelewer-Berlin, gewandt und dessen Intervention erbeten. Der Misrachi schlägt vor, den Freitag nachmittag als Spiel- und Wettkampfzeit zu erklären. Chancellor verabschiedet sich von den Aguda- Führern Der High Commissioner Sir John Chancellor hatte am Donnerstag, den 20. August, den Oberrabbiner der Aguda Rabbi Sonnenfeld und die übrigen palästinensischen Aguda- Führer zum Tee gebeten, um sich von ihnen zu verabschieden. Colonel Kisch nach London abgereist Der frühere Leiter der Palästina-Exekutive, Colonel Kisch, ist am Sonntag, den 16. August, nach London abgereist. Kanzler Magnes wieder ln Palästina eingetroffen Der Kanzler der Hebräischen Universität Dr. J. L. Magnes, der nach Absolvierung seiner Tournee durch die Vereinigten Staaten an den Beratungen des Kuratoriums der Hebräischen Universität in Zürich teilgenommen hat, ist wieder in Palästina eingetroffen. Aua der rusaisdken Hölle Scharfe antireligiöse Kampagne Das Volksbildungskommissariat der Union der russischen Sowjetrepubliken hat an alle Volksbildungsabteilungen in der Sowjetunion ein Zirkular versandt, in welchem auf die Bedeutung der antireligiösen Kampagne aus Anlaß der bevorstehenden jüdischen hohen Feiertage hingewiesen und die Beteiligung an dieser Kampagne als eine wichtige politische Aufgabe bezeichnet wird. Im Hinblick darauf, heißt es in dem Zirkular, daß die antireligiöse Kampagne während der Herbstbestellung der Felder, zu Beginn des neuen Schuljahres und während der Vorbereitung zum vierten Jahr des Fünfjahrplans vor sich geht, müsse in diesem Jahre auf die antireligiöse Arbeit anläßlich der jüdischen Feiertage besonderer Nachdruck gelegt werden. Die antireligiösen jüdischen Kreise müssen kontrolliert und aktiviert werden, ln Fabriken, in denen eine größere Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt ist, sind antireligiöse Diskussionen zu veranstalten. Jede Fabrikszeitung hat eine besondere, der Bekämpfung der jüdischen Feiertage gewidmete Rubrik einzurichten. Studenten werden die Fabrikskomitees in der Organisierung der antireligiösen Arbeit unterstützen. Antireligiöse Prozessionen von Schulkindern und Exkursionen in die antireligiösen Museen sind zu organisieren. Auf Staatskosten ausgebildet Der Bund der Gottlosen hat die Moskauer Zentrale der jüdisch-kommunistischen kulturellen Arbeiterorganisationen aufgefordert, eine Anzahl von Mitgliedern dieser Organisationen namhaft zu machen, die an der Moskauer Universität ausgebildet werden sollen, um später als antireligiöse ie liefern ihr nahrhaftes Fett zur Kunerol« erzeugung. Vom Pressen der Früchte bis zum Verpacken des gebrauchsfertigen Kunerols sieht die Herstellung unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Be» zirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann von jedem Streng» gläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werdeik NEROL 100% REINES KOKOSNUSSFSTT Kunerol ist nur echt in Or o.nal-Packungi Vor täuschenden Nachahmungen wird gewarntl Propagandisten unter der jüdischen Bevölkerung tätig zu sein. Die Sowjetregierung wird die Kosten ihres Unterhalte* während ihres Studiums bestreiten. «Noch immer . . .» Die jiddisch-kommunistischen Tageszeitungen «Emess* in Moskau, «Stern» in Charkow und «Oktiabr» in Minsk veröffentlichen Mitteilungen ihrer Provinzkorrespondenten, in denen darüber geklagt wird, daß in den jüdischen Kolonien noch immer jüdische Tradition gepflegt wird. Wo kein Schächter am Orte vorhanden ist, wird das Geflügel zur Schächtung in die Stadt geschickt. Fast alle Kolonisten lassen ihre neugeborenen Söhne beschneiden. Die Korrespondenten fordern schärfste Bekämpfung der «klerikalen Elemente» in den Kolonien. Massenflucht aus dem Rayon Kalinindorf «Emess» veröffentlicht statistische Daten über die Bevölkerungsbewegung im Distrikt Kalinindorf, aus denen zu ersehen ist, daß in der Zeit vom Juli 1930 bis zum Juli 1931 eine wahre Massenflucht der Kolonisten in die Städte eingesetzt hat. Die Zahl der jüdischen Kolonisten im Kalinindoner Distrikt ist in diesem Zeitraum von 15.418 auf 11.465 gesunken. Auf Grund der statistischen Daten kommt «Emess» zq dem Schluß', daß drastische Maßnahmen ergriffen wer» den müssen, um die Entvölkerung dieses Gebietes zu vermeiden.;, , ,lIU Fünf an einem Tag! Die Selbstmordepidemie unter den Warschauerjuden Die Selbstmordepidemie unter den Warschauer Juden, eine Folge der'rapid zunehmenden Wirtschaftsnot unter der Warschauer jüdischen Bevölkerung, macht weitere Fortschritte. Der 18jährige Benjamin Lewin, der seit längerer Zelt arbeitslos Ist, machte seinem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende. In einem Haustor fand man einen 26jährigen jungen Mann vergiftet auf. In einem bei ihm Vorgefundenen Schreiben schildert der Selbstmörder den wirtschaftlichen Zusammenbruch seiner Familie und teilt miL daß er seit zwei Tagen nichts gegessen hat. Die 38jährig« Witwe Deborah Pedgerf, die ln eine verzweifelte materiell« Lage geriet, sprang aus einem Fenster ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung auf das Straßenpflaster. Im Badezimmer ihrer Wohnung vergiftete sich mit Leuchtgas die Frau des Trikotage-Fabrikanten Jacob Löwengrub. In einem hinter» lassenen Schreiben erklärte die Selbstmörderin, de scheid« aus dem Leben, weil sie dem verzweifelten wirtschaftlichen Ringen ihres Mannes nicht mehr zusefaen könne. Aus Verzweiflung darüber, daß er in der letzten Woche nicht mehr imstande war, den zwölf Arbeitern, die er seit längerer Zelt ln seinem Betrieb beschäftigte, ihren Lohn voll auszuzahlen, hat der Metallwarenfabrikant Edelbaum seinem Leben ein Ende gemacht. Das Erziehungsheim des „Haschomer Hazair“ Seit Jahren erstrebt die Jugendbewegung «Haschomer Hazair» in Erez Israel und in der Galuth die Schaffung einer umfassenden Kindergemeinscliaft, die das Erziehungsideal der Bewegung verwirklichen würde. Es war eine Anstalt für 120 Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren geplant. Es erwies sich jedoch im Laufe der Zeit, daß ein solches Werk nicht auf einmal geschaffen werden kann und daß nur eine organische Entwicklung und ein stufenweiser Ausbau der Kindergemeinschaft den Erfolg sichern können. Im Mai des laufenden Jahres wurde die Anstalt ln Mischmar Haemek eröffnet. Vorläufig wurden 19 Kinder im Alter von 6 bis 9 Jahren aus den Haschomer-Hazair-Gruppen des Landes aufgenommen und in zwei Klassen eingeteilt. Die Grundlage der Anstalt bildet das Gemeinschaftsleben. Die Kinder erhalten eine kleine Bauparzelle zur Bearbeitung und nehmen auch an der allgemeinen Arbeit der Kewuzahwirtschaft teil. Es wird eine Synthese des Gemeinschaftslebens und der neuen Erziehungsmethoden mit einer gründlichen. Bild unfisarbeiterstrebt

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