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Die Stimme · 1931-08-27 · Heft 190 (27.8.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 190 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 190 — 27. August 1931 11 alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Bf Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Keren || Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch II seine Freunde Sammlungen für den Keren — Kajemeth durchführen Antisemitische Radiopredigt eines Bischofs Dr. Stefan Haas, Feldvikar, hielt am 6. August in einer Budapester Kirche eine Predigt, did wohl als ein Unikum betrachtet werden muß. Diese Predigt wurde durch das Radio übertragen. Er führte aus, daß die Mitglieder der nichtchristlichen Rasse (also die Juden) am Weltkriege nicht teilgenommen hätten. Sie allesamt hätten sich von der Kriegsdienstleistung gedrückt. Während der Kommune habe diese Rasse Ungarn zugrunde gerichtet. Sie sauge Ungarn auch heute noch aus, darum sei jedes Kampfmittel gegen sie gerechtfertigt. — Die Rede des Bischofs wurde mit großem Befremden aufgenommen. Man interpellierte ihn auch deswegen, und er antwortete: Ich habe nur die reine Wahrheit gesagt. Ich bin ein Diener Gottes, und meine Pflicht ist es, die Wahrheit zu verbreiten . . . Hierzu schreibt «E g y e n 1 ö s e g»: «Wir haben gewiß Ehrfurcht vor den Dienern Gottes, aber wir können ruhigen Gewissens sagen, daß das, was der Herr Bischof behäuptet hat, Wort für Wort unwahr ist. In Ungarn sind während des Weltkrieges 10.000 Juden den Heldentod gestorben, und 130.000 waren an der Front. Das können wir nachweisen. Während der Kommune sind 43 Juden als Märtyrer gestorben und 342 waren als Geiseln gefangen. Daß nicht die Juden es sind, die Ungarn aussaugen, beweist die Tatsache, daß 74 Prozent der zugrundegegangenen Geschäftsleute Juden sind, während in Staatsdiensten und in den Diensten der städtischen Gemeinden die Juden nicht einmal 2 Prozent der Beamten stellen. Wir fordern sämtliche Institutionen, Kultusgemeinden usw. auf, gegen die Verleumdungen des Bischofs Stellung zu nehmen und seiner Propaganda die Wahrheit der Geschichte gegenüberzustellen. Wir bitten die ungarische Regierung, die jüdische Religion vor solchen beispiellosen Insulten zu verteidigen.» Der schändliche Beschluß der Berliner jüdischen Gemeinde .Die letzte. Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde am 17. August hat bekanntlich mit 20 liberalen gegen 12 volksparteiliche Stimmen bei Stimmenthaltung des Ueberparteilers und Mittelparteilers beschlossen: «Für die Hebräische Universität in Jerusalem soll für das laufende Geschäftsjahr keine Auszahlung eines Gemeindebetrages erfolgen.» In der «Jüdischen Rundschau» greift Dr. Alfred Klee, Vorsitzender der Jüdischen Volkspartei und stellvertretender Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde, die Haltung der Liberalen in dieser Frage heftig an. Er führt aus, die Erklärungen der Liberalen in der Sitzung ließen erkennen, daß es sich nicht um eine einmalige, durch die finanzielle Not der Gemeinde diktierte Maßnahme, sondern um eine prinzipielle Entscheidung der liberalen Mehrheit handelt. derten und Tausenden. Die Hauptsache ist nicht eine Schauspielvorstellung, eine Opernaufführung, nur die Festrede, die vorher oder nachher gehalten wird. Und wenn in den Straßen der Stadt ein Zug sich bewegt, dann kommen die Massen — nicht in erster Reihe, um den Zug zu sehen, um sich an den Farben zu erfreuen. Hier dienen alle Glieder des Körpers, die Augen inbegriffen, dem Ohr. Das wichtigste ist: Was wird man uns dort sagen? Wie oft fängt man einen Gesprächsfetzen auf: «Kannst du dich an den Besuch des großen britischen Politikers in Tel-Aviv erinnern? Das war vor so und sovielen Jahren. Ach, damals wurde eine Rede gehalten! So was habe ich seither nicht mehr gehört.» Öder: «Ich habe erfahren, daß diese oder jene berühmte Persönlichkeit uns demnächst besuchen wird. Es wird dafürstehen, ihn zu hören. Denn er wird uns doch nicht verlassen, ohne zu reden?» Und wenn man von vornherein weiß, daß der Betreffende gar nicht sprechen wird, dann läßt auch der Besuch zu wünschen übrig. Dichter, Propheten und so weiter haben wir genug. Was haben wir davon, wenn sie nicht sprechen? Diejenigen, die die Stadtviertel, die Straßen, ganz Tel-Aviv und die wichtigsten Institutionen erbaut haben, die vergißt man leicht. Wer aber wenigstens einmal eine große Rede gehalten, der hat sich die Unsterblichkeit hier erworben. Und wenn ich einen gebückten, düsteren Menschen treffe, der in unserer Redestadt umhergeht, und ln seinen Augen glänzt der sonderbare Blick eines Selbstmordkandidaten, dann muß ich denken: der Mann hat schon lange keine gute Rede gehört. Wo seid ihr, ihr Menschenfreunde? Helft doch, ihn von seinem Vorhaben abzubringen! Durch eine gute Rede könnt ihr’s erreichen ... (Aus dem Hebräischen übertragen von s. w.) Dr. Klee berichtet eingehend über die noch 1928 begonnenen Verhandlungen zwischen der Jüdischen Volkspartei und den Liberalen, die u. a. damit endeten, daß die Liberalen sich mit der Begründung eines Lehrstuhles an der Universität Jerusalem durch die Jüdische Gemeinde einverstanden erklärten. Die Verhandlungen zogen sich bis Mitte 1929 hin. Der Lehrstuhl sollte den Namen tragen: «Lehrstuhl der Berliner Jüdischen Gemeinde.» Es erscheint geradezu grotesk, anzunehmen, daß man nach monatelangen Verhandlungen mit diesem Namen Mitte 1929 einen Lehrstuhl schaffen wollte, von dem von vornherein feststehfen sollte, daß er nur bis zum Dezember 1930 gedacht war. Kein Mensch werde behaupten können, daß die Fraktion der Jüdischen Volkspartei nicht für die finanzielle Lage der Gemeinde alles Verständnis aufbringt. Aber gegenüber dem bisher 11 Millionen Mark betragenden Etat, auch wenn man ihn sich noch so sehr reduziert denkt, bei einem Betrag von 15.000 Mark, dem einzigen Betrag für Palästina, von «Sparmaßnahmen» zu sprechen, erscheint als ein Vorwand, den man nicht ernst nimmt. Dr. Klee würdigt die Bedeutung der Jerusalemer Universität für die Gesamtjudenheit und schließt: «Wir, denen das werdende Palästina Innerste Herzens* angelegenheit ist, die wir mit ihm nach Weltanschauung und Zukunftshoffnung aufs engste verbunden sind, empfinden. dieses Spiel mit einem einmal geschaffenen Institut ernster wissenschaftlicher Arbeit als der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht würdig und als ein untragbares Unrecht, das wir nicht ruhig hinnehmen werden.» M'srachi — Minjan AnläJßjlich der hohen Feiertage DlÜ'in findet, wie alljährlich, in unserem Heim ein Feierlicher Gottesdienst statt. Eintrittskarten von S 10’— anfwärts, zu haben bei Misrachi-Zentrale, II., Praterstraße Nr. 11, Telephon-Nummer R-45-6-25 Sprechsaal der „Stimme* Für die Mitteilungen, die in dieser Rubrik erscheinen, übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Was sagt die Badgasteiner Kurkommission dazu? Wir erhalten von einem uns bekannten Gesinnungsgenossen, der jähilich aus dem Ausland nach Bad Gastein zur Kur kommt, folgenden Brief: «Sehr geehrter Herr Redakteuri Trotz der angeblich schlechten Saison gab es in Bad Gastein heuer schon zirka 13.000 Kurgäste. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß mindestens die Hälfte davon Juden waren, von denen wieder ein sehr erheblicher Teil aus dem Auslande kommt. Die Gasteiner Hoteliers verdanken also einen großen Teil ihres Wohlstandes dem Zufluß von jüdischem Geld. Ich erfahre nun soeben aus durchaus verläßlicher Quelle folgendes: Im September 1930 fand im Hotel Bellevue in Bad Gastein eine Versammlung der Hotel- und Kaffeehäuserbesitzer von Bad Gastein statt. Bei dieser Versammlung wurde der Beschluß gefaßt, bei jüdischen Firmen keine Einkäufe zu besorgen. Ich für meinen Teil werde daraus die Konsequenz ziehen, in ein anderes Bad zu gehen, den Bad Gasteinern überlasse ich es, ihren versteckten Antisemitismus offen zu dokumentieren. Es würde mich aber interessieren, wie sich die Gemeindevertretung und die Kurkommission von Bad Gastein zu dieser Angelegenheit stellt» 67 Arier und 3 Juden beschäftigt Herr Rendi aus Graz in seinem Unternehmen Aus Graz wird uns geschrieben: «Herr S. Rendi, der frühere langjährige Präsident unserer Gemeinde und Präsident des «Brudervereines» Bnei Brith teilt in allen hiesigen Zeitungen mit, daß er in seinem Geschäfte 67 Arier und 3 Juden (er sagt verschämt «Nichtarier») beschäftigt. Es war uns schon lange bekannt, daß Herr Rendi Juden prinzipiell nicht aufnimmt, aber wir haben diese Tatsache verschwiegen, weil wir uns geschämt haben, sie in aller Oeffentlichkeit zu erzählen. Es gibt nur e i n e jüdische Firma in Graz, die solchen Umfang hat und 70 Angestellte beschäftigen kann. In Graz selbst gibt es eine größere Anzahl beschäftigungsloser ausgezeichnet befähigter Juden, die brotlos sind und keine Beschäftigung finden. Bei christlichen Firmen werden sie «selbstverständlich» nicht aufgenommen. Der Logenpräsident, der Bruder, weist sie ebenfalls von seiner Tür. Es mag sein, daß geschäftliche Argumente ihn veranlassen, sein «brüderliches» Gefühl zu, unterdrücken, die Pflicht der jüdischen Solidarität zu brechen. So müßte er wohl froh sein, daß niemand davon spricht. Aber siehe da: Er stellt sich selbst an den Pranger und teilt in aller Oeffentlichkeit mit: Er, die einzige jüdische Firma, er, der Logenpräsident, er, der «Bruder», beschäftigt keine Judenl Er hat kein Gefühl für die Schmach und Schande, kein Gefühl für die Lächerlichkeit, die in dieser Tatsache liegt! Er glaubt wohl, bei den Hakenkreuzlcrn durch das Aufzeigen eines unjüdischen Verhaltens Liebkind zu werden. Doch da täuscht er sich sehr; denn die haben mehr Gefühl für brüderliche Pflichten. Zu erwähnen ist allerdings auch, daß aus den erwähnten, in den Grazer Zeitungen erschienenen Aufklärungen des Herrn Rendi errechnet werden kann, daß er Palästinazwecken ein halbes Promille seines Reingewinnes widmet und offenbar der Ansicht ist, daß Erez Israel aufgebaut werden kann, wenn alle Juden «Maasser», nämlich ein halbes Promille des Einkommens zahlen.» Glossen Chaim Weizmann — Labourkandidat? Das angesehene englische Blatt «Daily Herald» brachte jüngst über Dr. Chaim Weizmann eine sensationelle Nachricht, die von der übrigen Presse eifrigst aufgegriffen wurde. Danach soll der Premierminister Macdonald, der bei . den Verhandlungen über die Gestaltung des Palästinamandats und die Kommentierung von Passfields Weißbuch Weizmann näher kennen und hochschätzen gelernt hat, ihm namens der Labour Party die aussichtsreiche Kandidatur ins Unterhaus bei der Ersatzwahl von Manchester angeboten haben; und Weizmann sei bereit, dies Anbot zu akzeptieren. Bei der sozialen Einstellung Weizmanns, dessen zionistisches Regime in den linken Gruppen unserer Organisation stets seine verläßlichste Stütze fand, und bei dem bekannten Umstand, daß Macdonalds Sohn Malcolm, selbst ein Labour-Abgeordneter, als Zionistenjreund gilt und Weizmann wiederholt in kritischen Stadim jener Verhandlungen mit der englischen Regierung beistand, kann es richtig sein, daß der Premier dein Dr. Weizmgnn ein Abgeordnetenmandat zugedacht hat. Was uns aber bei Weizmanns Klugheit ganz ausgeschlossen erscheint, ist, daß er auch hur einen Moment daran dachte, auf dieses Anbot einzugehen. Er. konnte das mit Rücksicht auf die zionistische Organisation wie auch sich selbst zuliebe nicht tun. Denn die zionistische Bewegung hat Förderer wie Gegner in allen Parteilagern Englands, und es hieße, die konr servative und die liberale Partei verletzen, wenn ein — auch als Ex-Führer — so prominenter Zionist wie Weizmann sich einseitig auf Labour fest legen würde. Er wird einen solchen Schritt noch ängstlicher vermeiden in einer Zeit, da der Stern der Labour Party sinkt. Er wird sich aber auch nicht in den Augen der zionistischen Welt bloßstellen wollen. Noch schrecken die Spuren jener Nachwahl von Whitechapel von dergleichen ab, wo die Poale Zion Englands sich in der jüdischen Gasse reichlich unpopulär gemacht hat, als sie die Parole für den offiziellen Labour-Kandidaten und gegen einen Juden ausgaben, der die zionistenfeindliche Palästinapoliiik der Labour Party bekämpfte. Die Widersacher und Hasser Weizmanns wären auch gleich dabei, noch nachträglich einen odiosen Zusammenhang zu konstruieren zwischen seiner Politik vertrauensvoller Geduld mit der Regierung und seiner angeblich durch persönliches Interesse diktierten Befangenheit ihr gegenüber. Noch liegt uns ja das von geschäftigen Zwischenträgern verbreitete Gerücht in den Ohren, es finde die ganze politische Haltung Welzman,i3 gegen England ihre einfehe und überzeugende Erklärung darin, daß seine Frau Lady werden wolle.. . Hie Lord — hie Labour-Abgeordneter! Es kann kein unbedeutender Mann sein, an den sich solche Legenden knüpf em Michael. * Vor Redaktionsschluß erreicht uns das Dementi der Zionistischen Exekutive, daß die Nachricht des «Daily Herald» in keiner Weise zutrifft. (Die Red.) Hebraica, Judaica, Zionistica sowie jüdische Literatur in größter Auswahl. Seiden« und wollene Tallessim zu billigen Preisen. Buchhandlung JOSEF BELF WIEN, I. RABENSTEIG 3 Prospekte kostenlos.

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