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Die Stimme · 1931-08-20 · Heft 189 (20.8.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 189 (20.8.1931)
Date
1931-08-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 189 — 20. August 1931 alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Britq Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt Der Keren Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch seine Freunde Sammlungen für den Keren Kajemeth durchführen ein Grund für die Anklagen gegenüber der britischen Verwaltung. Was wollen eigentlich die palästinensischen Araber? Ihr künstlicher Radikalismus, ihr schreiender Nationalismus, all das, was sie sich von den europäischen Völkern entliehen haben, darf uns nicht blind machen. Die arabischen Führer in Palästina wünschen gar nicht, daß England das Land verlasse. Sie wissen ganz genau, welche Vorteile ihnen der mächtige britische Imperialismus bringt, auf den sie so oft schimpfen. Vorderhand möchten sie nur mitregieren und mitverwalten und daraus alle möglichen Vorteile ziehen. Für diese Führer bildet der Zionismus ein Mittel, bei der britischen Regierung Erpressungen zu versuchen. Stellen wir uns vor, daß der Zionismus nicht vorhanden wäre, daß er plötzlich verschwunden wäre von der Welt — was würden dann die Araber für die englische Regierung bedeuten? Sie wären ja bloß Natives, denen gegenüber man keine Verpflichtungen hätte, mit denen man nicht rechnen müßte, Natives, die noch schwächer wären, als — sagen wir — die Einwohner der Insel Cypern. Was für eine Waffe hätten die Araber gegen die Engländer? Einen Zeitungsartikel, ein Memorandum an den Völkerbund, und Schluß. Und daß diese wirkungsvoll sind, darf wohl bezweifelt werden. All die Waffen, die die Araber jetzt mit so großem Erfolge benützen, wären dann plötzlich verschwunden. Sogar Unruhen wären dann nicht mehr «ein Ausdruck der nationalen Bewegung, die um die Befreiung der Orientvölker kämpft» — die Regierung würde dann anders darauf reagieren. Wäre nicht der Zionismus, all die Journalisten und Rechtsanwälte, die jetzt plötzlich große politische Persönlichkeiten geworden sind, würden wieder das werden müssen, was sie eigentlich waren — Provinz«größeri» in kleinen Städten und verschlagenen Dörfern. Und noch etwas. Auch wir haben zugelernt. Wir fallen nicht auf Provokationen herein, wir verstehen so manches zu überwinden und haben gelernt, unsere Gefühle zu zügeln. Der Klagemauerspruch ist vorbeigegangen, ohne allzu großen Widerhall bei uns zu erwecken. Die Hoffnung vieler unserer Feinde, daß der;'KDenkelan die Krawallean der Handelshochschule!;'KDenkelan die Krawallean unentgeltliche9 Stellenvermittlung I! der Hakoah j Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Per- \ scnr.l aller Art und aller Branchen braucht wende l sich an die HAKOAH,!., Wiesingerstr. 11 / Tel, R-25-0-10 Kl'-;■'■"■■■ Nichtjuden. Bei Tel-Aviv ist das Meer vielleicht nicht so schön, aber dafür gehört es uns ganz. Wie gut ist es, an glühenden Sommertagen nackt am Strande herumzulaufen und zu wissen: Alle diejenigen, die jetzt am Strande sind, sind Nachkommen des Propheten, der einst von hier nach Tarschisch geflüchtet ist. Es gibt keine fremden Augen hier. Und du kannst ruhig durch ganz Tel-Aviv im Badetrikot laufen. Ich glaube, nicht einmal der Schulchan Aruch hätte etwas dagegen. Und erst an Abenden! Wißt ihr, wie das Tel-Aviver Meer und der Strand an Abenden aussieht? Nur manchmal, in sternenlosen Nächten, ist dieses Meer allen anderen Meeren in der Welt ähnlich. Nur manchmal weckt es in uns ein Gefühl der Wehmut. Dann scheint es uns, daß hinter ihm, dort am Horizont, nichts mehr vorhanden ist, daß wir von der ganzen Welt abgeschnitten sind, und daß dieses Stückchen Erde unsere letzte Grenze ist. Und es wird uns bange. Besonders schwer ist die Traurigkeit, wenn in diesen finsteren Nächten keine Schiffe hier ankern, auf deren Deck man sonst die fröhlichen, trinkenden und tanzenden Matrosen sieht. Doch an anderen Abenden und Nächten, wenn das Mondlicht den Meeresspiegel entzweischneidet — wieviel Hoffnung, wieviel Sicherheit schenkt es uns. Und wie glückspendend ist das Leben am Strande, insbesondere in fröhlichen Sabbathnächten, wenn Hunderte von Menschen am Rücken liegend in den Mond, in den Horizont, in die Vergangenheit und in die Zukunft schauen! Und in den Stunden der Dämmerung . . . Wie angenehm ist es, mit jüdischen Fischern zu plaudern, die es sich in den Kopf gesetzt haben, im großen Meere zu fischen. Und wie freut sich das Herz, jüdische Jugend zu sehen, die hie und da auf Kähnen und Segelbooten das Meer durchquert. Dort, an der Weichsel, der Donau, am Dnjepr und dem Dnjestr waren es fremde Gewässer. Doch hier gehört das Meer ihnen, diesen Jungen und Mädchen, es ist ihr Freund im Spiel. Es ist ein guter Freund, das Meer — unser Meer in unserer Heimat! (Aus dem Hebräischen übertragen von 8. w.) Kongreß wenigstens irgendeine Resolution annehme, die man ausnützen könnte, oder daß er eine Leitung wählen werde, der man «Agressivität» oder «Haß» den Engländern oder Arabern gegenüber zuschreiben könnte, ist nicht erfüllt worden. Man hat keinen Stützpunkt. Da ist nichts anderes geblieben, als die versiegelten Waffenkisten . . . Ich glaube behaupten zu können, daß im Augenblick keine Unruhen im Lande stattfinden werden — vorausgesetzt natürlich, daß gewisse Elemente nicht den Rahmen sprengen werden, der ihnen gesetzt worden ist, und vorausgestzt, daß der jüdische Jischuw sein Gleichgewicht behalten und nicht durch einen unbedachten oder unvorsichtigen Schritt diesen Elementen helfen wird, diesen Rahmen zu sprengen. Denn es gibt heute keine wirkliche politische Macht (einige vertrottelte junge Araber kommen nicht in Frage), die gerade jetzt an antijüdischen Unruhen interessiert wäre. Wohl möglich, daß sich dieses Bild ändert, wenn wir wieder kräftig werden. Aber dann werden sich auch die gegenseitigen Beziehungen zwischen den drei Kräften im Lande, den Engländern, den Arabern und den Juden, ändern, und es kann sein, daß wir dann vor einer grundsätzlich neuen Lage stehen werden, für die mein heutiges Schema nicht mehr aktuell sein wird. Im Grunde ist die Frage unserer Sicherheit in der Zukunft abhängig von unserer Kräftigung. Das Geheimnis unserer schwierigen Situation ist in dem Umstande zu suchen, daß wir uns noch immer in einer Lage befinden, die unseren Feinden zu hoffen erlaubt, daß sie über uns siegen und uns schwächen könnten. Sie glauben, dies durch Organisierung von Unruhen hervorrufen zu können. Wenn wir Mittel hätten, unseren Feinden zu beweisen, und zwar ihnen eindringlich zu beweisen, daß diese ihreHoffnungsichnie erfüllen wird und daß sie gar keinen anderen Ausweg haben, alsden Frieden mit uns anzustreben, dann würden die Unruhen ein für allemal aufhören, eine Waffe in den Händen unserer Feinde zu sein. Unsere Aufgabe ist es, die heutige Uebergangszeit in Frieden durchzuhalten, vom jetzigen Stadium, das den anderen erlaubt zu glauben, daß man die zionistische Bewegung durch Morde aufhalten könne, in ein anderes Stadium zu kommen, in dem dieser Gedanke nicht mehr im Bereiche der Möglichkeit liegt. Wenn aber auch jetzt meiner Ansicht nach keine unmittelbare Gefahr der Unruhen besteht, so bedeutet das nicht, daß die Lage, in der wir uns schon einige Monate befinden, normal ist. Um die ganze bittere Wahrheit zu sagen: wir leben in der Angst vor Unruhen. Und dieser abnormale Zustand führt zu Erscheinungen, die den von den Unruhen selbst hervorgerufenen ähnlich sind. Wenn auch die Regierung die Lage beherrscht und es nicht erlaubt, daß die Hetze Früchte zeitige, so leben wir dennoch in einer Atmosphäre der Angst. Und es ist unmöglich, sich damit einverstanden zu erklären. S692 5692 WollenSIeZelt, Mfibe n.Geld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu ROSCH HASCHANAH durch die „STIMME“ die in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 10. September erscheinen wird. Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6.—, in doppelter Größe S 10.—. Um allen jenen, die durch die «Stimme?/ gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien und Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar kostenfrei zusenden. «DIE STIMME», Administration. Vorkämpfer der Freiheit, der Gleichheit, der Kultur Tolstoi über die Juden Aus dein Archiv des verstorbenen Jüdischen Politikers F. Gabai in Bulgarien wird der folgende Brief Tolstois veröffentlicht, in dem er die Frage, was im Sinne der zeitgenössischen Politik ein Jude sei, aufwirft und schreibt: «Versuchen wir, diese Frage ein wenig zu formulieren. Geben wir ihr folgende Form: Was für ein Gespenst ist es, das alle Herrscher und alle Völker gequält, niedergemetzelt, aufgehängt, vertrieben, mißhandelt und beraubt hat, angefangen von den ägyptischen Königen bis zu den modernen Judenfressern in der Publizistik, von der Inquisition Torquemadas bis zu den Polizisten und subalternen Beamten aller Regierungen? . . . Das ist jener Jude, jener Prometheus, der uns vom Himmel das ewige Feuer gebracht und der ganzen Welt zugänglich gemacht hat. Der Jude, der jahrtausendelang der Wächter des göttlichen Gedankens war, ist auch der Urquell jenes Glaubens, dem alle anderen Religionen ihre Entstehung verdanken. Derjude istder Pionier der Freiheit. Noch in jenem grauen Altertum, als die Menschheit in Herren und Sklaven geschieden war, verbot der Gesetzgeber Moses, Sklaven länger als sechs Jahre zu halten. Nach Ablauf dieser Zeit mußten sie ohne Lösegeld befreit werden. In jener grausamen und barbarischen Epoche, als das Menschenleben noch keinen, Wert hatte, stand Rabbi Akiba, einer der größten Weisen, nicht an, sich offen gegen die Todesstrafe auszusprechen. Das Synhedrion — sagt der Talmud —, welches einmal in 70 Jahren ein Todesurteil fällte, trug den Namen eines Mordgerichtes. Der Jude ist in seiner bürgerlichen und religiösen Beziehung das Symbol der Gerechtigkeit und der Ewigkeit, jener Ewigkeit, die weder; durch Schwert und Feuer, weder durch Verfolgungen noch durch Peinigungen und Gemetzel vernichtet wird. Unter allen Völkern war es dem Juden allein beschieden, die göttliche Idee zu entdecken, deren Wächter er so viele Jahrhunderte lang gewesen und die er für die Völker der Welt bewahrt hat. Der Jude war und wird bleiben: Vorkämpfer und Sämann der Freiheit, der Gleichheit, der Kultur und der Toleranz.» Sollte man nicht diese Worte Tolstois Hakenkreuzlern ins Stammbuch eintragen? «Die Weisen von Zion» scheinen ihnen aber eine authentischere Quelle zu sein, als die Gedankenwelt des großen russischen Schriftstellers und Denkers. Jfus &at&stina Finanzielle Krise im Misrachi-Hauptbureau zu Jerusalem Jerusalem, 13. August. (J. T. A.) Die Beamten des Misrachi-Hauptbureaus in Jerusalem sind zum Protest gegen die Nichtauszahiung ihrer Gehälter und die angedrohte Entlassung von Beamten ohne Abfertigung in den Streik getreten. Einer der Beamten hatte sogar einen Haftbefehl gegen den Präsidenten des Misrachi-Weltverbandes Rabbi Meir Berlin erwirkt, um zu verhüten, daß Rabbi Berlin das Land verlasse, solange der Verband seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei. Rabbi Berlin wurde tatsächlich verhaftet, jedoch sofort wieder freigelassen. Empfang der Oxforder Studenten durch die zionistische Exekutive Die zionistische Exekutive veranstaltete zu Ehren der Hörer der theologischen Colleges der Universität Oxford, die vor kurzem in Palästina eingetroffen sind, um das Land zum Zweck historisch-geographischer Studien zu bereisen, einen festlichen Empfang. Die Gäste wurden von dem bisherigen Leiter der Palästina-Exekutive Colonel Kisch in einer längeren Ansprache begrüßt, in der er daran erinnerte, daß in den Unruhen von 1929 Hörer des gleichen Colleges an der Verteidigung der Juden von Jerusalem teilgenommen haben. 4000 Pfund für den jüdischen National« fonds Czernowitz. (J. T. A.) Im Alter vom So Jahren verstarb in Czernowitz der jüdische Gutsbesitzer Markus Juster. Der Verstorbene hat dem Jüdischen Nationalfonds den Betrag von 4000 PI und testamentarisch hinterlassen.

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