Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 189 (20.8.1931)
- Date
- 1931-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mt. I»9 — 2U. AugüM 1931 DIE SUMME Seit* 3 SejcgtoerftettfretesHlto Evangelische Kirchengemeinden für die Hadassah Albany, 12. August. (J. T. A.) Die Jugendgruppen von neun evangelischen Kirchengemeinden in Albany haben der Hadassah dep Betrag von 100 Dollar als Ergebnis einer von ihnen zugunsten der Schulspeisungen in Palästina veranstalteten Sammlung übergeben. In einem Communiquö teilt die Hadassah mit, daß ihr in letzter Zeit wiederholt ähnliche Zuwendungen von nichtjüdischen Einzelpersonen und Organisationen gemacht wurden. «neidjbar burdj eine ©abioffletinfur, bk eine ©etbün* nuwfl be§ ©luteg bewirft, gegen ©erfnlfung bet ©lut* gefftfje uor&eugt uitb biefen bobut# bie nottoenbige @la* ftijität erhält. Üta&ioifleriu ift fett Rohren alä Siubetungg* unb ©orbeugunggmittel äntlcb erprobt uttb frei »erfäuf* lieb- Stobiuiugefjalt arntlid) überprüft. $epot unb 3lu3funft ©rofpeft gratis uitb frnnfo. $lpoff>efte «Baijer, SOiett, I., 13 ln diesem Augenblick Von M. Beilinsohn, Tel Aviv Der hebräischen Tageszeitung „Dawav“ entnehmen wir folgenden aufschlußreichen Aufsatz, den wir, unwesentlich gekürzt, in deutscher Uebersetzung wiedergeben. Im Jischuw spürt man jetzt eine große Unruhe. Die zügellose Hetze ist stark geworden. Nicht geringer ist auch die Nachlässigkeit der Regierung. Irgend jemand spielt da mit Feuer, irgend jemand steht mit einem brennenden Streichholz in der Hand nahe der Zündschnur. Und es besteht die Gefahr, daß er mit dem Streichholz allzu nahe an die Zündschnur geraten wird, so daß er diese — vielleicht absichtslos — in Brand setzt. Wenn die in den Massen lebende wilde Bestie durch die Hetze einmal wach geworden ist, kann sie auch den Rahmen sprengen, den ihr die Hetzer gesetzt haben. Dennoch glaube ich, daß es diesmal glimpflich ablaufen wird. Pogrome auf Juden, allerorts und insbesondere hier in Palästina, sind keine spontane, auch keine soziale oder religiöse Erscheinung. Ihre Ursachen sind politisch, das heißt: es kommt zu Pogromon, wenn diese gewissen politischen Mächten notwendig erscheinen. Das soll nicht heißen, daß Pogrome immer auf einen Befehl von oben Zustandekommen. Es genügt die Schaffung einer gewissen Atmosphäre, die die Pogrome vorbereitet. — Die Unruhen im Jahre 1920 kamen zur Zeit einer Wendung in der britischen Politik, zur Zeit des Ueberganges vom militärischen Regime in eine Zivilverwaltung, von der die Araber annehmen konnten, daß sie die zionistische Politik unterstützen werde. Der Zweck dieser Unruhen war es, der Zivilverwaltung einen Proteststurm vorzuführen und sie zu beeinflussen, daß ihre Politik antizionistisch werde. Dieses Ziel ist gewissermaßen erreicht worden. — Die Unruhen vom Jahre 1921 fanden kurze Zeit vor der Bestätigung des Palästina-Mandates statt und ihr Zweck war es, die Bestätigung des Mandats in seiner zionistischen Form zu vereiteln oder diese Form wenigstens abzuschwächen. Auch diesmal ist dieser Zweck teilweise erfüllt worden (Einstellung der Einwanderung, das Weißbuch von Churchill). — Die Unruhen des Jahres 1929 schließlich fanden in einer Zeit statt, in der die britische Politik in den arabischen Ländern einen neuen Kurs einschlug. (Die letzten Vorbereitungen zur Herrschaft Englands über die Gebiete, die von Haifa nach Bagdad führen.) Diese Wendung in der britischen Politik führte im Zusammenhang mit dem Wunsche gewisser Hetzelemente, die zionistische Bewegung einzudämmen, zu großf i Unruhen. Es ist möglich, daß Unruhen nicht notwendig waren, um diese Schwächung herbeizuführen; aber gerade in jenem Augenblick hatten wir die Wirtschaftskrise überwunden, die Juden der ganzen Welt bewiesen viel Energie, um das Land aufzubauen, und die Nichtzionisten gesellten sich zu uns, um uns behilflich zu sein. In jener Zeit war es leicht, aus der Klagemauerangelegenheit einen Ausgangspunkt für die Unruhen zu machen. Bekanntlich hat auch dieser Angriff einen großen Teil dessen erreicht, was sein Zweck war. 6. bis 12. September 1931 (Rotunde bis 13. September) SONDERVERANSTALTUNGEN; Möbelmesse / Reklamemesse / «Das Lichtbild in der Reklame» / Sonderschau neuzeitlicher Gasgeräte / «Elektrizität im Haushalt» Pelzmode-Salon / Wiener Strickmode «Antike Raumkunst» RADIO- UND SCHWACHSTROM-MESSE «Sprechmaschine und Tonfilm» / Bureaubedarfs- Ausstellung / Eisen- und Patentmöbeimesse / Bau- und Straßenbaumesse / Technische Neuheiten u. Erfindungen Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel ÖSTERREICH. WINTERSPORT-AUSSTELLUNG Landundforstwirtschaftliehe Musterschau Gartenbau-Ausstellung / Ausstellung österreichischer Getreidesaatgutzüchter / österreichische Gerstenschau / Ausstellung der landwirtschaftlichen Versuchsanstalten / Kleintierzucht-Ausstellung / Seidenbau-Ausstellung / Typenschau landwirtschaftlicher Maschinen Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPRE1SERMÄSSIGUNGEN! Messeausweise ä S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien, VII., Messeplatz 1. — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser Was für politische Ursachen wären für einen Angriff auf die Juden im Jahre 1931 möglich? Sie sind nicht vorhanden. Die proarabische Wendung der britischen Politik ist schon da; Vereinbarungen mit arabischen Fürsten wurden getroffen. Dazu kommt, daß gar keine Notwendigkeit besteht, die zionistische Bewegung abzuschwächen. Meiner Meinung nach ist nämlich die zionistische Bewegung ohnedies schon genügend geschwächt. Die Kassen sind leer; in den zionistischen Reihen herrscht Verwirrung; die gegenseitige Feindschaft der einzelnen Gruppen hat ihren Höhepunkt erreicht; unsere nichtzionistischen Partner haben sich als kraftlos erwiesen. In diesem Augenblick kann ein neuer Angriff auf das jüdische Werk nur ein einziges Ziel haben: es vollständig zu vernichten. Und daran ist niemand interessiert im Lager unserer Feinde, weder Araber noch Engländer. Im Gegenteil: sowohl die Engländer als auch die Araber in Palästina haben ein großes Interesse an dem Bestände des zionistischen Werkes, allerdings nur dann, wenn es ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zugeschnitten ist. Beiden bringt unser Werk große finanzielle und wirtschaftliche Vorteile. Obendrein ist meiner Ansicht nach das jüdische Werk beiden in der Verfolgung ihrer politischen Ziele notwendig. Für die Engländer bedeutet das jüdische Element im Lande eine Grundlage für das Mandat — das heißt für eine zeitlich nicht beschränkte Herrschaft Über Palästina. (Die Zeit eines Vertrages ä la Irak ist für Palästina noch nicht gekommen und wird noch lange Zeit nicht kommen: der Hafen in Haifa ist eine zu wichtige Angelegenheit, um sie in Gefahr zu bringen.) Der jüdische Jischuw im Lande, dessen Wachstum vollständig vom Willen der Regierung abhängt, ist in den Händen der britischen Verwaltung ein sehr willkommenes Werkzeug, die arabische Politik in den von der Verwaltung gewünschten Grenzen zu halten und den Arabern gerade ein derartiges Maß der Freiheit und der Selbstverwaltung zu geben, wie es der Regierung von ihrem Standpunkte wünschenswert erscheint. Das sind alles bekannte Tatsachen. Dagegen scheint es mir, daß uns die politische Bedeutung unseres Werkes für die palästinensischen Araber weniger klar ist. Und doch ist auch für sie der zionistische Jischuw ein Mittel, um Palästina eine wichtige Stellung in der arabischen und mohammedanischen Welt zu verschaffen. (Ohne «Juden über unsl», ohne «Rettet uns!» hätte doch dieses kleine Land keine Bedeutung einem Bagdad und einem Damaskus gegenüber!) Und dann ist der Jischuw auch Stimmungsbilder aus Tel Aviv Von A. Z. ben J i s c h a i. Träger. Dort, an der Kreuzung von vier Straßen, stehen sie das ganze Jahr hindurch, die jemenitischen Träger, Sie sind barfuß, die Seile auf den Schultern, und in den Augen steht ihnen die Sehnsucht nach einer Last geschrieben. Es scheint, daß sie bereit und fähig sind, a 11 e s zu tragen; am liebsten würden sie alles, was es auf der Welt gibt, von einem Ort zum anderen schleppen. Manchmal scheint es sogar, daß das Tragen kein Mittel ist, sondern Selbstzweck. «Dazu sind wir da.» Du schaust einen von ihnen an, und sofort bohren sich zehn, fünfzehn Augenpaare in dich ein. Vielleicht bist du ein überirdisches Wesen, das für alle Arbeit schaffen kann. Doch nein —- du wählst ja bloß einen aus der Menge. Und die anderen kehren zu ihrer Unterhaltung zurück. Sie plaudern miteinander, manche studieren den Talmud oder den Ejn Jaakow. Gott wird helfen. Es ist ja für jeden Menschen sein Schicksal schon am Rosch Haschanah oben im Himmel beschlossen worden . . . Doch im November, wenn die Zeit des Wohnungswechsels kommt, geht es den Trägern besser. Die Welt beginnt sich zu bewegen, Sachen, Möbel, Koffer wechseln ihre Plätze, Stiegen hinunter, Stiegen hinauf, es kommt Bewegung in die Stadt. Und jetzt haben die Träger eine Ahnung von jener Arbeit, die unsere Vorfahren in Aegypten geleistet haben. Doch was macht es — die Augen stranlen. Arbeit ist da, es wird Brot geben, die Kinder werden zu essen haben. Und du erschauerst, wenn du siehst, wie ein schmaler, brauner Rücken sich eine Last aufbürdet, die für ein Kamel nicht zu gering wäre. Zecharia heißt der jemenitische Träger, den ich ausersehen habe, mir bei dem Wohnungstausch die Gegenstände von einer Wohnung in die andere zu tragen. Zecharia ist kein Athlet, er hat keine breiten Schultern. Die kräftigen Träger haben mir andere weggeschnappt, die vor mir da waren. Für mich bleibt Zeoharia übrig. Ich trete rasch auf ihn zu. Er spricht eine gewählte, mit Bibelzitaten geschmückte Sprache. Auf alles hat er ein Zitat bereit. Alle sechshundertdreizehn Gebote mit ihren Kommentaren und den Kommentaren zu den Kommentaren sind ihm geläufig . . . Die Uebersiedlung ist zu Ende. Alles in Ordnung. Nichts ist zerbrochen worden. Es blieben noch einige Kleinigkeiten, eingerahmte Bilder aus der Bibel, eine schwarze Statuette von Chopin und ähnliches. Ich schaue Zecharia an und sehe, daß sein Gesichtsausdruck verändert ist. Er ist gespannt, traurig und, wie mir vorkommt, auch etwas zornig. Was ist los? «Nimm doch die Kleinigkeiten, Zecharia, und wir wollen gehen. Es ist spät.» Zecharia rührt sich nicht. Irgend etwas geht ln ihm vor. Er möchte etwas sagen, aber er findet die Worte nicht. Ich werde ungeduldig. Was ist mit ihm los, daß er mich jetzt aufhält? «Herr,» stottert er und zeigt mit dem Finger auf die Chopinstatuette. «Was ist das?» «Das ist ein großer Mann gewesen, der wunderbar Musik machen konnte und schon gestorben ist,» erklärte ich ihm, wie man einem Kinde etwas erklärt. «Aber wozu brauchst du das? Er steht doch geschrieben: «Du sollst dir kein Abbild machen!» ln seinen Augen glänzt eine Träne. Ich versuche, ihm zu erklären, daß dieses Gebot sich auf andere Statuen bezogen hatte, daß zur Zeit als auf dem Berge Sinai die Thora gegeben wurde, heidnische Kulte verbreitet waren, und daß diese Zeiten längst vorbei sind. Doch Zecharia läßt nicht locker: «Wozu brauchst du das, Herr? Was für .Schönheit’ steckt darin? Zerbrich die Statue, Herr! So wahr ich lebe, es wäre eine große Mizwah! Hat doch auch der Patriarch Abraham die Götzenbilder seines Vaters Terach zerbrochen 1» Ich konnte mir keinen Rat mit ihm schaffen. Ich zahlte ihm den vereinbarten Lohn und nahm die restlichen Sachen selbst auf den Arm, um sie in die neue Wohnung zu tragen. Ich wollte ihn nicht zwingen« «Götzenbilder» zu tragen. Zecharia verabschiedete sich mit einem Gruß von mir, aber nachdem er einige Schritte gegangen war, drehte er sich nochmals um» und sagte mit flehender Stimme, wie ein Vater, der seinen Sohn davor bewahren will, Unrechte Wege au gehen: «Herr, höre mich! Zerbrich die Statue! Wozu brauchst du das? Ich will von dir gar keinen Lohn für die ganze Tagesarbeit — aber ich bitte dich: zerbrich sie!» Das Meer. Warme Tage sind gekommen, die Badezeit ist da. Das Leben der ganzen Stadt spielt sich am Strande ab. Wie gut ist es, zu einem Freund sagen zu können: «Komm, wir wollen ins Meer schwimmen gehen 1» Fühlt man sich schlecht, geht man an den Strand. Den ganzen Tag, den ganzen Abend: das Meer. Doch am liebsten ist mir das Meer an Tagen, an denen niemand badet und an denen man keine Schiffe sieht. Es ist glatt und ruhig. Der Sand ist nicht wie gewöhnlicher Sand, sondern wie ein goldener, wunderbarer Staub. Gut ist es, barfuß im Sand zu laufen, Im Sande die Zehen zu vergraben. An Tagen, an denen niemand im Meer badet, an denen man keine Schiffe sieht, liebe ich das Meer am meisten. Ich spüre dann, daß es unser bester Freund ist. Es scheint, daß wir keine allzu große Hoffnung haben dürfen, aus seinen Tiefen in absehbarer Zeit große Schätze zu schürfen. Auch zu seinen Fischen fanden wir noch sieht den richtigen Weg. Doch trotzdem ist uns das Meer ein guter, naher Freund. Ich sah das Meer ln Akko, und es ist Herrüeh. Iah sah es in Haifa, und es ist wunderbar. Aber dort « es geteiltes Eigentum, geteilt zwischen Juden qß