Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 189 (20.8.1931)
- Date
- 1931-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053943--2512-3057947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Für die Feiertagei jüdische Spezialitäten (Flauen, Bäckereien, Fische eie.) sowie Dunstobst und Konfitüren können durch Frau H a!- p e r n, III., Rechte Bahngasse 10, Tel. U 16-8-28, bestellt werden. Das Begräbnis Lee K. Frankels ’.cw York, 13. August. (J. T. A.) Die Leiche des am 23. Juli in Paris plötzlich verstorbenen Mitvorsitzerukn des Council der Jewish Agency Dr. Lee K. Frankel ist ani Donnerstag, den 6. August, in New York eingetroffen. Am folgenden Tage fand die Bestattung in Anwesenheit zahlreicher jüdischer Führer und hervorragender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Amerikas statt. Am Grabe hielt der Präsident des Joint Distribution Committee und frühere Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency Felix M. Warburg dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Offizieller Amtsantritt des Dr. Arlosoroff Jerusalem, 14. August. (J. T. A.) Der bisherige Leiter der Paiästinaexekutive, Colonel Kisch, hat am 13. August seinen Nachfolger Dr. Chaim Arlosoroff offiziell beim High Comtnissioner Sir John Chancellor, beim Chefsekretär der Palästinaregierung M. A. Young, beim stellvertretenden Generalstaatsanwalt Drayton, beim Leiter des Bodendepartements Nukham und beim Leiter des Erziehungsdepartements Bowman eingeführt. Colonel Kisch, der am Sonntag, den 16. August, nach England abreist, verabschiedete sich vom High Commissioner Sir John Chancellor. Der High Commissioner hieß den neuen politischen Dezernenten der Palästina-Exekutive herzlich willkommen und sicherte ihm jedes Entgegenkommen zu. Wauchope in den Ritterstand erhoben London. (J. T. A.) Der neuernannte High Commissioner für Paiästina, General Arthur Grenfell Wauchope, wurde zum Kommandeur des Bath-Ordens ernannt und damit in den Ritterstand erhoben. Wauchope an Dr. Cyrus Adler London. (J. T. A.) In Beantwortung des Glückwunschtelegrammes, das Dr. Cyrus Adler namens der Jewish Agency an General Arthur Grenfell Wauchope anläßlich seiner Ernennung zum High Commissioner von Palästina gerichtet hatte, hat General Wauchope an Dr. Cyrus Adler ein Telegramm geschickt, in dem er für die Glückwünsche dankt und erklärt, er sei mit Dr. Adler einig in der Hoffnung, ‘ dSB das kommende Jahr ein Jahr der Prosperität für Palä- »jüstina sein werde. Abschied Chancellors von Tel Aviv Tel-Aviv. (J. T. A.) Der High Commissioner Sir John Chancellor hat der Stadtverwaltung von Tel-Aviv einen Besuch abgestattet, um sich im Hinblick auf sein baldiges Scheiden aus dem Amte von ihr zu verabschieden. Der High Commissioner hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er die Entstehung der Stadt Tel-Aviv als ein historisches Phänomen bezeichnete. Er kündigte die Erteilung einer Konzession auf ein großes Grundstück in der Nähe des Jarkonflus3es als Sportplatz an und versprach Regierungsbeihilfen für die Errichtung eines Drainagesystems. Wieder eine jüdische Zeitung in Palästina verboten Jerusalem, 12. August. (J. T. Nach der revisionistischen Tageszeitung «Haam» wurde nun auch die von dem Rechtsanwalt Ben Aron herausgegebene Wochenschrift «Bemaaracha» (Front) von der Palästina-Regierung verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines unter dem Titel «Seid bereit» in der letzten Nummer des Blattes veröffentlichten Artikels. Die Wochenschrift, die erst seit wenigen Wochen erschien, hatte ihr besonderes Augenmerk der Registrierung aller Fälle, in denen Waffen bei Arabern gefunden wurden, zugewandt, um auf diese Weise der Behauptung der Araber, die Juden seien bewaffnet, wirksam entgegenzutreten. Julius Rosenwald 70 Jahre New York, 13. August. (J. T. A.) Dieser Tage trat der bekannte Philanthrop und Multimillionär Julius Rosenwald, der als der reichste Jude der Welt gilt, in sein 70, Lebensjahr ein. Allgemeine und jüdische philanthropische Institutionen wurden von Julius Rosenwald in großzügigster Weise gefördert. Auf jüdischem Gebiete hat er sich insbesondere für die Aroeit des Joint Distribution Committee interessiert. An der United Jewish Campaign des Joint Distribution Committee im Jahre 1926 beteiligte er sich mit einem Betrage vom einer Million Dollar, 1928 gab er 5 Millionen Dollar für die Kolofdsationsarbeit des Joint in Rußland. Nach dem Tode des Präsidenten des American Jewish Committee Louis Marshall spendete er dem Jewish Theological Seminary of America eine halbe Million Dollar zur Errichtung einer Marshall-Üedächtnisstiftung. Rosenwald gehört zu den wenigen führenden Persörv» lichkeiten des Joint Distribution Committee« und des Amerrican Jewish Committees, die sich der erweiterten Jewish Agency nicht nngeschlossen haben. Er lehnte den Eintritt in die Agency mit der Begründung ab, daß seiner Meinung nach die Notlage der jüdischen Massen durch Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle, nicht aber durch Massenumsiedlung nach Palästina oder Argentinien bekämpft werden solle. Gleichzeitig erklärte er jedoch, daß er durchaus kein Gegner des Zionismus sei. Diese Einstellung bekundete er auch durch seine Teilnahme an der großen Protestversammlung, die von den Juden New Yorks anläßlich der Veröffentlichung des Passfieldschen Weißbuches veranstaltet wurde. Jtua der ara&isefken {fresse «Kein Frieden, solange es eine zionistische Exekutive gibt!» «F e I e s t i n» hat in seiner Nummer vom 9. August einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich mit der Ernennung Dr. Chaim Arlosoroffs zum Nachfolger von Colonel Kisch als politischer Dezernent der Palästinaexekutive der Jewish Agency befaßt. «Felestin» weist darauf hin, daß Dr. Arlosoroff eine doppelte Aufgabe gestellt sei: Einerseits habe er die jüdische Gemeinschaft der Regierung gegenüber zu vertreten, anderseits zu versuchen, eine Verständigung m Ici-Ifi- . ■«» IL, Untere Augartenstraße Nr. 13 (Eingang, II., Eörstergasse Nr. 7) Vegetarische und diätetische Speisen, volkstümliche Preise, bis 12 Uhr nachts offen Samstag geschlossen mit den Arabern zwecks Herstellung freundschaftlicher arabisch-jüdischer Beziehungen herbeizuführen. Diesen zweiten Teil seiner Aufgabe werde Dr. Arlosoroff nicht erfüllen können. Was Dr. Arlosoroff mit der Regierung tun will, schreibt das Blatt, ist seine Sache. Aber was uns Araber betrifft, so wird er sicher keinen Erfolg haben. Der Allmächtige weiß, daß wir niemals zu einer Verständigung mit den Zionisten gelangen werden, solange sie unsere Austreibung aus dem Lande wünschen. Wir werden niemals mit den Juden Frieden schließen, solange der Zionismus existiert. Wir werden niemals zu einer Verständigung mit ihnen gelangen, solange es eine zionistische Exekutive und zionistische Verbände in allen Teilen der Welt gibt. Wir können Dr. Arlosoroff mitteilen, daß ihn ein Mißerfolg erwartet. Anklagen von «Al Hayat» gegen die Palästinaregierung Am Montag, den 10. August, haben die arabischen Tageszeitungen ihr Erscheinen, wie dies in der vorigen Woche angekündigt wurde, zum Protest gegen das Verbot einer Propaganda gegen die Institution der Waffeniager in den jüdischen Kolonien auf eine Woche eingestellt. In ihrer letzten, vor dem Beginn des Zeitungsstreiks veröffentlichten Nummer vom 9. August erklärt «Al Hayat», die Palästinaregierung sei an der augenblicklich in Palästina herrschenden Erregung schuld. Die Regierung, schreibt das Blatt, verursacht alle Unruhen in diesem Lande. Bestünden nicht das sträfliche Mandat und das jüdische Nationalheim, würde die Regierung nicht die jüdischen Kolonien bewaffnen, so wäre es niemals zu Unruhen oder Erregung gekommen. Vorläufig ist von einem Einschreiten der Regierung gegen «Al Hayat» wegen dieses Artikels noch nichts bekannt. Glossen „Beobachter“ Jabotinsky hat es in einem Interview gesagt: Die Revisionisten wollen in Zukunft höchstens eine «symbolische» Verbindung mit der zionistischen Organisation haben; ihre Vertreter auf dem Kongreß und in dem A. C. sollen dort als «Beobachter'» fungieren. Unabhängige politische Tätigkeit der Revisionisten ist eine Selbstverständlichkeit, und den lokalen Verbänden sollen die Revisionisten in der Zukunft nicht mehr angehören — in diesen beiden Postulaten seien sich alle revisionistischen Führer einig. Für eine tatsächliche Zusammenarbeit mit der zionistischen Organisation, und sei es als Oppositionspartei, wäre Jabotinsky persönlich nicht zu haben. — Dieses Interview ist bezeichnend für die heutige Mentalität des Revisionismus, den unruhige QeWässer eines hirnrissigen Radikalismus Gott weiß wohin tragen. Eine zweite zionistische Organisation scheint dem auf sonderbare Irrwege geratenen Revisionistenführer vorzuschweben, eine zweite zionistische Organisation, als ob sich das Jüdische Volk im fetzigen Augenblick den Luxus einer weiteren Schwächung seiner nationalen Front leisten könnte. Ob es so wett kommen wird, das wird sich bei der revisionistischen Weltkonferenz zeigen, Dort wird es sich auch teigen, ob die Vernunft und die realen Tatsachen nicht Sehr Intel? rtHt Hebräisclikenntnissen s -cht Poti < n als Erzieherin. Zuschriften erbe en an Ruth Ellen. Wien postlagernd Postamt 33 doch endlich den Sieg über eine phantastischi Don- Quichotcric erringen werden. Was jedoch im zitierten Interview besonders ouffäilt, ist der Passus über die «Symbolik» und die «Beobachtung». Das glauben wir dem Revisionismus vollinhaltlich. Diese Aufgabe wird er bestimmt erfüllen. Denn dazu wird er eigentlich nichts zuzulcrnen brauchen, sondern weiterhin nur das tun müssen, was er bisher tat, das heißt — nichts. Ein «symbolischer» Zusammenhang mit der zionistischen Organisation verpflichtet ja weder zur Arbeit, noch zu finanziellen Opfern. Und die Rolle eines «Beobachters» ist bequem: man steht mit verschränkten Armen und schaut zu, wie sich die anderen abrackern. Bisher hat man geschrien und beobachtet. Jetzt wird man nur beobachten. Auch das ist schon eigentlich ein Vorteil. Wie haben doch die Revisionisten die verschiedenen zionistischen Gruppierungen getauft? Ein Teil — die Arbeiterschaft — das sind «rote Banditen»; ein anderer — die Allgemeinen Zionisten — sind «neue Assimilanten»; und sic — die Revisionisten selbst — sind die «Hundertprozentigen». Herrlich! Dabei wollen wir bleiben. Unsere «Roten» in Palästina werden auch künftighin, wahrscheinlch leider nicht ein Mal rot werden vom Blute, das sie im Abwehrkampfe um die jüdischen Positionen vergießen werden. Die Allgemeinen werden sich den Geboten der Stunde und dem Geheiß des Aufbauwillens immer wieder neu assimilieren. Die «Hundertprozentigen» dagegen werden nach wie vor stolz umherschreiten können und hundertprozentig «beobachten». Alles andere ist Bluff. Darin wird sich ihre «Aufgabe» und ihre «Tätigkeit» erschöpfen. „Hazefirah“ erscheint nicht mehr Die vor einiger Zeit zu neuem Leben erwachte Warschauer Tageszeitung «Hazefirah» ist eingegangen. Die Gründung Slonimskis, das Blatt Sokolows, die einzige hebräische Tageszeitung in den Ländern der Zerstreuung, erscheint nicht mehr. Mag sein, daß die wiedererstandene «Hazefirah» ihre Fehler hatte. Mag sein, daß im dritten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts eine erfolgreiche Zeitung anders aussehen muß, als am fin de sitcle. Mag sein, daß die «Hazefirah» überhaupt keine Zeitung im gewöhnlichen Sinne des Wortes war. Aber ein Stück hebräischer Kultur in der Galuth war sie zweifellos. Und das hätte genügen sollen, um sie hoch wie eine Fahne zu halten und nicht zu gestatten, daß sie falle. Es ist anders gekommen und sie erscheint nicht mehr. Das ganze jüdische Volk in der Galuth ist ohne ein hebräisches Tagblatt geblieben. Ursachen? Man wird leicht Ursachen finden. Vor allem: die Wirtschaftskrise. An der großen Wirtschaftsnot der Juden in Polen und der Juden in der ganzen Welt überhaupt zweifelt niemand. Sie ist da und fordert ihre Opfer an Menschen und an Werken. Aber ob sie wirklich ausschlaggebend sein kann für das Bestehen oder Nichtbestehen eines hebräischen Organes, darf trotzdem bezweifelt werden. Vielleicht liegt der wahre Orund anderswo. Vielleicht ist der Niedergang unseres nationalen Strebens daran schuld. Wir erleben jetzt den Tiefstand der zionistischen Bewegung. Dieser Tiefstand wirft seine schwarzen Schatten auch auf unsere kulturellen Institutionen und Errungenschaften. Und hierin liegt eine große Gefahr. Vielleicht eine noch größere, als in der politischen Depression. Noch eines: der kleine jüdische Jischuw in Palästina erhält und braucht vier Tageszeitungen. Das große jüdische Volk in der Galuth braucht keine und hat keine mehr. Hundertsiebzigtausend aktive jüdische Menschen haben mehr Sinn für die Bedeutung des Hebräischen und mehr Kraft für das Erfüllen der kulturellen Aufgaben, als siebzehn Millionen passiver Juden in der Welt. Das ist Beschämung und Hoffnung zugleich. Beschämung infolge des Mangels an kulturell-nationaler Kraft außerhalb Palästinas, und Hoffnung auf unsere Zukunft im Lande. Der kleine Jischuw in Palästina ist ein kräftiger Kern. Er lebt sich voll in seiner eigenen hebräischen Kultur aus und ist durch und durch gesund. Doch wir hier? Wir vegetieren. S. Hebraica, Judaica, Zionistica sowie jüdische Literatur in größter Auswahl. Seidene und wollene Tallessim zu billigen Preisen. Buchhandlung JOSEF BELF WIEN, 1, RABENSTEIG 3 Prospekte kostenlos. 0966^0